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Neue Impulse und alte Probleme: Der FC Bayern vor dem Spiel gegen Dortmund

7. November 2019
Manuel Behlert

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Neue Impulse und alte Probleme: Der FC Bayern vor dem Spiel gegen Dortmund

Spotlight | Es ging nicht mehr. Nach der 1:5-Pleite am vergangenen Wochenende war die Zeit von Niko Kovac als Cheftrainer beim FC Bayern München zu Ende. Hansi Flick betreute die Mannschaft in der Champions League gegen Piräus, wird dies auch gegen Borussia Dortmund tun. Vor dem Spiel sind sehr viele Fragen offen, das Piräus-Spiel beantwortete nur wenige.

Wenig Zeit für Einflussnahme

Zunächst einmal gab es am Ende des Spiels eine erfreuliche Nachricht für den FC Bayern, denn erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit spielte der Rekordmeister gegen Olympiakos zu null. Die biederen Griechen bemühten sich zwar nicht minütlich um den Torerfolg, zur Wahrheit zählt aber auch, dass das viele Gegner in der Vergangenheit auch nicht mussten. Die Defensive, wenn auch nur wenig gefordert, wirkte stabil. Und das ist ob der Personalproblematik positiv hervorzuheben, denn gegen Dortmund wird man auf Niklas Süle, Lucas Hernandez und Jerome Boateng verzichten müssen.

(Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Auf taktischer Ebene sorgte das Spiel gegen Piräus für wenige Erkenntnisse. Der ein oder andere Versuch einer Kombination war zu sehen, mehr Engagement im Spiel gegen den Ball konnte man ebenfalls ausmachen. Viele Flanken und Distanzschüsse gehören aber ebenfalls zur Wahrheit wie Ungenauigkeiten im Offensivspiel, gerade dann, wenn es hätte schnell gehen müssen. Natürlich kann Hansi Flick in dieser kurzen Zeit kaum Einfluss auf die Mannschaft nehmen und ihr generell nur gut zureden, die Erwartungshaltung einiger Fans war aber dennoch eine andere, die Mannschaft zeigte sich nicht “von den Fesseln Kovacs gelöst”.

Thiago & Coutinho: Schonung oder Fingerzeig?

Während es, wie erwähnt, in taktischer Hinsicht wenig Erkenntnisse gab, sorgte die Aufstellung zumindest personell für einen Fingerzeig in Richtung Dortmund. Flick kündigte an, dass sich die Abwehr, bestehend aus Pavard rechts, Martinez und Alaba innen und Davies auf links, einspielen solle. Nun wurde diese Abwehr bekanntermaßen nicht besonders gefordert, aber vor allem für Alphonso Davies sollte das Spiel ohne Gegentor und die erneute Möglichkeit 90 Minuten zu spielen ein Schritt nach vorne gewesen sein. Und generell: Davies zeigt sich derzeit sehr spielfreudig, hatte vor allem offensiv einige gelungene Aktionen. Gegen Sancho, sollte dieser am Wochenende spielfähig sein oder aber Hakimi, der sowohl für rechts hinten als auch vorne ein Thema ist, wird die Balance aber sehr wichtig sein.

Wie sich das Mittelfeldzentrum und die Offensive aufstellen wird, ist ungewiss. Kimmich auf der 6, Lewandowski im Sturmzentrum und Gnabry auf der Außenbahn sollten gesetzt sein, Thomas Müller hat sehr gute Chancen auf einen Platz in der ersten Elf, weil ihm Hansi Flick zuletzt das Vertrauen aussprach. Zwei Plätze wären also noch zu besetzen und da Philippe Coutinho und Thiago Alcantara gegen Piräus nicht von Beginn an respektive überhaupt nicht spielten, wären diese beiden logische Optionen.

 (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images )

Die Frage ist nun, ob Hansi Flick der gleichen Meinung ist. Beide spielten zuletzt nicht an ihrem Leistungslimit, das traf aber auch auf einen Großteil der restlichen Mannschaft zu. Und Thiago Alcantara ist mit seiner Ballkontrolle, seinen Ideen und seinen Fähigkeiten im Spiel gegen den Ball aus einem großen Spiel kaum wegzudenken. Natürlich kann man argumentieren, dass es bisher nur selten gelang, Thiago und Kimmich im Mittelfeld gemeinsam gewinnbringend einzusetzen, die hohe individuelle Klasse, die Spielintelligenz und die Möglichkeit, aus dem Nichts geniale Momente herbeizuführen, sollten aber definitiv für Thiago sprechen. Darüber hinaus hatte Leon Goretzka, der gestern zusammen mit Kimmich und Müller im Zentrum agierte, keinen besonders positiven Einfluss auf das Spiel mit dem Ball. Goretzkas zweifelsohne vorhandenen Qualitäten in allen Ehren, aber das Mittelfeld könnte gegen Dortmund der Schlüssel zum Sieg werden – und die meisten Bayernfans würden sich mit Thiago definitiv wohler fühlen.

Der Stresstest folgt am Samstag

Die Schlüsse, die man aus Flicks erstem Spiel als Chefcoach ziehen konnte, sind also vergleichsweise gering. Der Stresstest folgt am Samstag – gegen einen Gegner, der sich nicht nur auf die Defensive beschränken wird. Denn Borussia Dortmund dürfte nicht nur einen Schub durch das Spiel gegen Inter bekommen haben, der die Mannschaft mit einer breiteren Brust nach München fahren lässt, sondern dem ganzen Verein dürfte klar sein, dass die Chance etwas mitzunehmen in München selten so groß war, wie an diesem Samstag. Für Dortmund geht die Hinrunde mit vergleichsweise machbaren Aufgaben zu Ende, Bayern bekommt es noch mit Leverkusen, Gladbach und Wolfsburg zu tun.

(Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images )

Doch gegenwärtig spielt das Restprogramm keine große Rolle. Vielmehr ruht der Fokus auf dem Samstagabend und der Frage, wie man erfolgreich sein kann. Aus Sicht des FC Bayern wird es natürlich darum gehen, das zweifelsohne hohe Tempo der Gäste aus Dortmund einigermaßen in Schach zu halten, Selbst wenn Reus und Sancho beide ausfallen sollten, ist noch immer viel Geschwindigkeit vorhanden, um etwaige, auftretende Lücken in der Hintermannschaft des Rekordmeisters auszunutzen. Das bedeutet für den FC Bayern, dass die eigenen Angriffe möglichst strukturiert gespielt werden müssen, der Zufallsfaktor darf keine zu große Rolle spielen. Distanzschüsse und Halbfeldflanken können – dosiert eingesetzt – ein Mittel sein, die Gefahr ist aber groß, dass daraus Gegenangriffe entstehen und schnell umschalten kann Borussia Dortmund zweifelsohne.

Die Balance ist also entscheidend. Ballbesitz, Abschlüsse aus vielversprechenden Situationen und eine gute Konterabsicherung der alles andere als ideal eingespielten Defensive sind der Schlüssel, um Dortmunds Offensive den Wind aus den Segeln zu nehmen. Offensiv hat der Rekordmeister hingegen mehrere Ansatzpunkte, um den BVB vor Probleme zu stellen – und damit ist nicht nur die individuelle Klasse eines Robert Lewandowski gemeint. Dortmund zeigte sich zuletzt bei Standardsituationen anfällig, auch Innenverteidiger Akanji durchläuft derzeit eine Schwächephase. Wenn der BVB mit einem hohen Tempo und funktionierenden Gegenpressing des Gegners konfrontiert wird, schwimmt man selbst in der Defensive. Und das muss der FC Bayern ausnutzen, wenn er dieses Spiel gewinnen und ein Zeichen setzen will.

(Photo by INA FASSBENDER / AFP)

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