Samstag, Oktober 31, 2020

Der Kampf der Großen – Wie Corona die Topklubs herausfordert

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Dass 2020 kein ganz gewöhnliches Jahr ist, dürfte längst klar sein. Der Beginn der Spielzeit 2020/21 hat allerdings gezeigt, dass es noch ein paar unerwartete Pointen in petto haben könnte. Verantwortlich dafür ist die lange Coronapause – und die daraus resultierende Terminhatz. Die Krise hat auch zur Folge, dass viele Vereine vor größeren Investitionen zurückschrecken. Die aktuelle Spielzeit, sie wird zu einem Kampf für die Großen.

Liverpool, Bayern und Co: Wenn große Teams im großen Stil untergehen

Black Sabbaths Song “Paranoid” feiert dieses Jahr sein 50. Jubiläum. Dem Lied selbst, oder zumindest seinen Zeilen, ist ein gewisse Melancholie nicht abzusprechen. “Die Leute halten mich für verrückt, weil ich die ganze Zeit finster blicke”. Der Song wurde in Deutschland sofort ein Nummer-1-Hit – und blieb dort 13 Wochen lag – auf der Insel reichte es immerhin zu Platz vier.

In Liverpool dürfte “Paranoid” dieser Tage nur bedingt auf Gegenliebe stoßen. Geschlagene siebenmal (!!!) hörten Jürgen Klopp (53) und sein Team am Sonntag die metallene Stimme von Ozzy Osbourne (71) aus der Soundanlage des Villa Park, allein viermal davon vor der Pause. Ein eigentlich surreales Ergebnis. Aston Villa, eine Mannschaft die in der vergangenen Saison erst am letzten Spieltag die Klasse mit einem Punkt Vorsprung vor Bournemouth hielt, zerlegte einen der souveränsten Meister, die die Premier League bis jetzt erlebt hat, in seine Bestandteile. 7:2 hieß es am Ende für die Villans.

Mit seiner Misere steht der FC Liverpool jedoch bei Weitem nicht allein da. Nur wenige Stunden zuvor unterlag ihr Erzrivale Manchester United Tottenham um Ex-Trainer José Mourinho (57) 1:6. Eine Woche zuvor war Manchester City dran – 2:5 gegen Leicester. Und auch vor der Bundesliga macht dieser Trend nicht Halt, als die 23 Spiele andauernde Siegesserie des FC Bayern durch ein 1:4 in Hoffenheim jäh beendet wurde.

Matches en masse: Die Folgen der langen Coronapause

Es sind die Auswirkungen der Coronapause, die Spielern und Klubs vielerorts zu schaffen machen. Nach mehreren Monaten, in denen der komplette Profifußball auf Eis lag, gilt es jetzt wieder in den gewohnten Rhythmus zurückzukommen. Das hat in erster Linie einen extrem eng getakteten Zeitplan zur Folge.

(Photo by Catherine Ivill/Getty Images)

Am 19. Juli endete La Liga, eine Woche später die Premier League. Für viele Vereine standen darüber hinaus noch die europäischen Finalturniere an. Die anschließende Pause war von überschaubarer Dauer, eine richtige Saisonvorbereitung kaum möglich. Das gab den Vereinen auch weniger Zeit, um Neuzugänge richtig in die Mannschaft zu integrieren. Dazu kommen in der neuen Saison etwaige Pokalwettbewerbe sowie nationale und internationale Supercups. Das alles erhöht das Verletzungsrisiko der Spieler – die jetzt anstehende Nations League sowie die Freundschaftsspiele sind da noch gar nicht mit einberechnet. Somit hat man als heutiger Nationalspieler bis auf Weiteres durchgängig englische Wochen. Und im kommenden Sommer steht auch noch ein fußballerisches Großevent an. Hier wird es besonders auf eine gute Kommunikation zwischen Vereinen und Nationalverbänden ankommen, sodass die Spieler bis zur Europameisterschaft zwischen den Spielen in angemessenem Rahmen regenerieren können.

Leihen statt Kaufen: Transfers in Zeiten von Corona

Zu dieser Terminhatz kommt, dass nur die wenigsten Klubs in dieser – wenngleich verlängerten – Transferperiode im großen Stil eingekauft haben. Viele Vereine müssen im Zuge der Coronakrise Verluste im dreistelligen Millionenbereich verzeichnen und schrecken daher vor größeren Investitionen zurück. So genehmigte man sich in Liverpool zwar einen Diogo Jota (23) für rund 45 Millionen Euro. Die restlichen Transfers sind mit 22 Millionen Euro, die im Gegenzug für Thiago (29) nach München gingen, sowie weiteren 13 Millionen für Linksverteidiger Kostas Tsimikas (24) eher in der unteren Preiskategorie einzuordnen.

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Auch in München selbst fährt man eher auf Sicht. Insgesamt 64 Millionen Euro gab man für Leroy Sané (24), Marc Roca (23) und Bouna Sarr (28) aus. Alexander Nübel (24), Tanguy Nianzou (18) und Eric Maxim Choupo-Moting (31) kamen ablösefrei, Douglas Costa (30) wurde für ein Jahr ausgeliehen. Zum Vergleich: Im Sommer 2019 war allein Lucas Hernández (24) den Münchenern 80 Millionen Euro wert.

Es ist ein allgemeiner Trend, dass Vereine in der Coronakrise weniger auf feste Deals setzen, sondern vermehrt auf Leihen, mit Kaufoption beziehungsweise -verpflichtung. Oder gleich auf vertraglose Spieler zurückgreifen. So wie der FC Bayern mit Choupo-Moting und Manchester United mit Edinson Cavani (33).

2020/21 Die Saison der Underdogs?

Besonders diese Hinrunde dürfte für die Topvereine zur Knochenmühle werden. Denn der Spielplan bietet mit seinen anhaltenden englischen Wochen nur wenig Zeit zur Regeneration. Somit werden vor allem die Stammspieler der Topvereine in jedes Spiel mit einer gewissen Grunderschöpfung gehen. Gerade gegen die vermeintlich Kleinen wird es umso mehr auf Willen, Resilienz und das entscheidende Quäntchen Glück bei Verletzungen ankommen.

Schon ein bis zwei Ausfälle könnten in diesem Mix eine viel verheerendere Wirkung haben. Liverpool fehlten am verganenen Sonntag beispielsweise “nur” Sadio Mané (28/positiver COVID-19-Befund) sowie Torhüter Alisson (28/Schulterverletzung). Doch das hat gereicht, um von einem aggressiven und hungrigen Villa gebulldozert zu werden.

(Photo by JAN KRUGER/POOL/AFP via Getty Images)

Man darf sich darauf einstellen, dass die Ergebnisse der vergangenen beiden Wochenenden bei Weitem keine Ausnahme bleiben. Auf der anderen Seite ist es die Chance, für eben jene vermeintlichen Underdogs zu glänzen. So kommt der Tabellenführer der Premier League zwar wieder aus Liverpool, doch diesmal aus dem blauen Teil der Stadt, gefolgt von Aston Villa und Leicester. In La Liga stehen nach fünf Spieltagen Betis und San Sebastian hinter Spitzenreiter Real Madrid. Und auch das Tabellenbild der Bundesliga überrascht mit dem FC Augsburg und Eintracht Frankfurt auf den Plätzen zwei und drei. Natürlich, gerade zu Beginn der Saison besitzt eine Tabelle wenig Aussagekraft, doch ein Wink mit dem Zaunpfahl ist der bisherige Zwergenaufstand in den Topligen allemal.

Ob sie es auch ins Ziel bringen, ist nochmal eine andere Frage. Leicester City hat 2016 gezeigt, dass es zumindest nicht unmöglich ist. Es wird auch darauf ankommen, inwieweit die Topklubs nach der Winterpause wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. Bis dahin dürfte es vor allem für die Großen eine nervenaufreibende Saison mit vielen Überraschungen werden. Typisch 2020 eben.

(Photo by Catherine Ivill/Getty Images)

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Victor Catalina

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