Newcastle United hat am Deadline Day den teuersten Offensivzugang seit Nick Woltemade präsentiert: Matias Fernandez-Pardo kommt vom OSC Lille an die Tyne. Die Ablöse liegt bei 51 Millionen Pfund, umgerechnet rund 59 Millionen Euro. Der 21-jährige Belgier unterschrieb einen langfristigen Vertrag und trägt künftig die Rückennummer 20. Es ist der achte Sommerzugang der Magpies – und er hebt die Ausgaben des Klubs in diesem Fenster laut Sky Sports auf 262 Millionen Pfund.
Woltemade ist weg – aber nur geliehen
Fast zeitgleich wurde bekannt, dass Nick Woltemade den Klub verlässt. Der deutsche Nationalspieler wechselt auf Leihbasis bis zum 30. Juni 2027 zu Juventus Turin. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine reine Leihe ohne Kaufoption und ohne Kaufpflicht. Juventus zahlt laut Vereinsangaben eine Leihgebühr von 2,8 Millionen Euro, dazu bis zu 500.000 Euro an Boni und 800.000 Euro Nebenkosten.
Woltemade war vor einem Jahr als Vereinsrekord vom VfB Stuttgart gekommen – die genannten Summen schwanken zwischen 75 und 90 Millionen Euro, Newcastle bestätigte nie eine exakte Zahl. In 53 Pflichtspielen kam er auf elf Tore und sechs Vorlagen, zuletzt spielte er meist in der Rotation. Bei Juventus unter Luciano Spalletti soll er eine feste Rolle im Zentrum bekommen.
Warum „Nachfolger“ die falsche Vokabel ist
Naheliegend, beide Vorgänge als Tausch zu lesen – ganz sauber ist das aber nicht. Woltemade ist ein klassischer Mittelstürmer, Fernandez-Pardo spielt vorwiegend außen. Newcastle selbst ordnet den Transfer laut Sky Sports auf einer Ebene mit dem von Nico González ein, der vergangene Woche für 50 Millionen Pfund von Manchester City kam. Und da die Leihe ohne Kaufoption ausgestattet ist, steht Woltemade im Sommer 2027 wieder im Kader.
Was stimmt: Die Kaderentlastung schuf den Platz. Newcastle steckt mitten in einem Umbruch – Anthony Gordon, Bruno Guimarães und Sandro Tonali haben den Klub bereits verlassen. Auf der Trainerbank sitzt inzwischen Matthias Jaissle.
Ein Rückkehrer mit Umweg
Fernandez-Pardos Weg ist ungewöhnlich. Sechs Jahre durchlief er Lilles Nachwuchs, wechselte dann in die Jugend von KAA Gent und debütierte dort 2023 im Profibereich. 2024 kehrte er für zehn Millionen Euro nach Lille zurück – jetzt geht er für fast das Sechsfache. In der vergangenen Saison erzielte er acht Tore in 41 Pflichtspielen und war an Lilles drittem Platz in der Ligue 1 beteiligt.
Auch international nahm er einen Umweg: Zunächst wechselte er den Verband zu Spanien und trainierte in spanischen Jugendauswahlen, kam dort aber nie zu einem Pflichtspieleinsatz. Inzwischen steht er bei fünf Länderspielen für Belgien und war bei der WM 2026 in drei Partien im Einsatz.
Die letzten Tage in Lille verliefen unschön. Beim Spiel gegen Paris Saint-Germain fehlte er und musste abseits der Mannschaft trainieren, bis seine Zukunft geklärt war.
Was Jaissle vorhat
Der Trainer beschrieb den Neuzugang als technisch starken Spieler mit Explosivität, der Tore erzielen und vorbereiten könne, Mut mitbringe und im Eins-gegen-eins gefährlich sei. Fernandez-Pardo selbst verwies auf das Gespräch mit Jaissle: Der habe deutlich gemacht, wie sehr er ihn haben wolle, der Wechsel habe sich für seine Entwicklung angeboten.
Sportlich läuft es für Newcastle ordentlich: ein Unentschieden gegen Liverpool zum Auftakt, dann ein 2:0 bei Tottenham. Woltemade kam dort noch als Joker zum Einsatz – sein letzter Auftritt im schwarz-weißen Trikot, jedenfalls für die nächsten zwei Jahre.

