Arsenal als Derby-Comebacker, der Old-Trafford-Fluch und Agüeros lange Leidenszeit

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7 Awards – Premier League | Der FC Arsenal hat das North London Derby für sich entschieden, wie so oft nach Rückstand. David Moyes‘ Fluch beim alten Arbeitgeber hält an und Sergio Agüeros Leidenszeit ist vorbei. Das und mehr zum 28. Spieltag: 

„Derby-Comebacker“-Award: FC Arsenal

Es war das erwartet intensive North London Derby zwischen dem FC Arsenal und Tottenham Hotspur. Es war auch das erwartet einseitige Spiel, in dem die Spurs in typischer Mourinho-Manier tief in ihrer eigenen Hälfte verteidigten und auf Konter lauerten. Und obwohl die Gäste mit ihrem ersten Angriff des Spiels per spektakulärem Rabona-Tor durch Erik Lamela in Führung gingen, nahm das Spiel den erwarteten Lauf. Zumindest wenn man der Statistik glaubt, denn die Gunners drehten das Spiel.

Die spielfreudige Mannschaft von Mikel Arteta blieb auch ohne Pierre-Emerick Aubameyang, der aus disziplinarischen Gründen auf der Bank saß, am Drücker. Nach zwei Aluminium-Treffern folgte noch vor der Pause der Ausgleich durch Martin Ödegaard. Alexandre Lacazette erzielte in der zweiten Halbzeit per Foulelfmeter das überfällige 2:1. Die Spurs wachten ironischerweise nach einer Gelb-Roten-Karte für Lamela auf und pochten auf den Ausgleich. Am Ende blieb es aber beim verdienten Erfolg für die Derby-Comebacker. Gegen keine Mannschaft hat Tottenham laut Opta nach Führung mehr Punkte verloren als gegen den Erzrivalen aus Nordlondon, nämlich 45.

Die Gunners halten somit den Anschluss an die Spurs (vier Punkte) und die europäischen Plätze (sieben Punkte).

„Old-Trafford-Fluch“-Award: David Moyes

2013 wurde der damalige Everton-Trainer David Moyes mit der undankbare Aufgabe betraut, bei Manchester United in die gewaltigen Fußstapfen von Sir Alex Ferguson zu treten. Moyes, der einen veralteten Kader erbte, überstand nicht mal eine Saison. Sieben Heimsiege feierte der Schotte während dieser Amtszeit in der Premier League; bis heute sind es die einzigen Siege im Old Trafford seiner gesamten Trainerkarriere.

Selten waren die Vorzeichen besser, diese Serie zu beenden als am Sonntag. Mit seiner Überraschungsmannschaft West Ham reiste er als Tabellenfünfter zum Zweiten. Ein relativ uninspirierter Auftritt der Hammers war allerdings zu wenig, um die Red Devils zu fordern. Ein Eigentor von Craig Dawson besiegelte letztendlich die nächste Pleite (0:1) an seiner alten Wirkungsstätte. Einzig Harry Redknapp (15) saß im Old Trafford häufiger auf der Gästebank, ohne einen Sieg zu feiern als Moyes (14).

Photo: Peter Powell/ Imago

„Ende der Leidenszeit“-Award: Sergio Agüero

Als Sergio Agüero das letzte Mal in der Premier League ein Tor erzielte, war den meisten Menschen auf der Welt das Coronavirus noch kein Begriff. Es war der 21 Januar 2020, ein 1:0-Auswärtssieg gegen Sheffield United. In der Zwischenzeit plagte sich der erfolgreichste Torschütze in Manchester Citys Vereinsgeschichte mit zahlreichen Verletzungen, Formproblemen und nicht zuletzt seiner eigenen COVID-19-Erkrankung herum.

417 Tage dauerte seine persönliche Leidenszeit, in denen er lediglich 13 Spiele absolvierte. Am Wochenende war sie endlich vorüber. Beim ungefährdeten 3:0-Auswärtssieg über den FC Fulham erzielte der 32-Jährige per Strafstoß endlich wieder ein Tor in der Premier League. „Sein Tor war so wichtig. Er hat erstmals seit einer langen Zeit wieder 90 Minuten gespielt“, sagte Pep Guardiola bei der BBC.

Während die Cityzens bei nun 14 Punkten Vorsprung relativ bequem auf die Meisterschaft zusteuern, könnten sie einen Agüero in Normalform durch aus noch gebrauchen. In der Champions League steht die heiße Phase an.

„Führung macht den Meister“-Award: FC Liverpool

Viele Verletzungen, eine physisch wie psychisch überspielte Mannschaft und mehr: Es gibt viele Gründe für die überaus enttäuschende Saison des FC Liverpool. Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass die Reds in dieser Saison einfach nicht in Führung gehen wollen.

Auswärts bei den Wolverhampton Wanderers war der Mannschaft von Jürgen Klopp die Verunsicherung aus fünf Niederlagen in sechs Spielen deutlich anzumerken, doch Ex-Wolves-Angreifer Diogo Jota nutzte eine Halbchance kurz vor der Pause zum 1:0. Erstmals seit neun Spielen spielte Liverpool mit einer Pausenführung im Rücken, das gab der Mannschaft Selbstbewusstsein und mehr Ruhe, sodass es am Ende für einen Arbeitssieg langte. Der Trend hält an: Der Meister hat laut Opta nur zwei der letzten 100 Spiele verloren, in denen er das erste Tor der Partie schoss. Dank des Dreiers ist Platz vier nur fünf Zähler entfernt.

Überschattet wurden die Ereignisse am Montagabend allerdings durch eine schwere Verletzung. Wolves-Keeper Rui Patricio wurde bei einem unglücklichen Zusammenprall mit Mitspieler Conor Coady am Kopf getroffen und etwa 15 Minuten auf dem Platz behandelt. Nach dem Spiel gab es glücklicherweise eine erste Entwarnung. Wir hoffen weiterhin das Beste.

„Auf Mourinhos Spuren“-Award: Thomas Tuchel

Auch im zehnten Spiel unter Leitung von Thomas Tuchel blieb der FC Chelsea ungeschlagen. Auswärts bei Leeds United gab es ein 0:0-Unentschieden. Es war nicht die beste Leistung der Blues seit der Ankunft des neuen Trainers, der speziell in der Offensive noch einiges an Arbeit vor sich hat.

Defensiv dagegen hat der 47-Jährige binnen kürzester Zeit Wunder bewirkt. Chelsea hat unter Tuchel deutlich mehr Spielkontrolle, was zugleich die zuvor etwas wackelige Abwehr entlastet. Hatten die Blues vor dem Trainerwechsel in 19 Spielen 23 Gegentore kassiert, sind es in den zehn Partien unter dem Deutschen lediglich zwei. Laut Opta hat kein Trainer in der Geschichte der Premier League in seinen ersten zehn Spielen weniger Tore hinnehmen müssen. Und nur einer zog gleich: José Mourinho in der Saison 2004/2005, ebenfalls beim FC Chelsea.

Photo: Clive Rose/ Imago

 

„Zur Stelle“-Award: Kelechi Iheanacho

Die Sorgen in Leicester waren groß, als sich mit Harvey Barnes und James Maddison jüngst zwei absolute Leistungsträger verletzten. Würde dem feinen, aber vergleichsweise kleinem Kader zum zweiten Jahr in Folge die Puste ausgehen und somit die Champions League verspielt werden?

Anders als vor einem Jahr scheint die Reserve zur Stelle zu sein, das gilt allen voran für Kelechi Iheanacho. Beim deutlich zu einfachem 5:0-Heimerfolg gegen Schlusslicht Sheffield United, das sich im ersten Spiel ohne Chris Wilder regelrecht aufgab, traf der Nigerianer bereits zum dritten Mal in Serie. Erstmals in seiner Karriere erzielte er dabei sogar einen Hattrick. Dabei demonstrierte der 24-Jährige die Abschlussstärke, die Leicester 2017 dazu bewegte, für seine Dienste knapp 30 Millionen Euro an Manchester City zu überweisen.

„Er ist ein großartiger Typ und als er gebraucht wurde, hat er geliefert“, sagte Trainer Brendan Rodgers bei der BBC. Leicester baut den Vorsprung auf Tabellenplatz fünf auf acht Punkte aus. Auch dank Iheanacho.

„Statement“-Award: Wilfried Zaha

Fünf Spiele musste Crystal Palace auf Talisman Wilfried Zaha verzichten, am Samstag gab der Offensivmann nach überstandener Oberschenkelverletzung sein Startelf-Comeback. Prompt zeigte der Ivorer, was die Eagles ohne ihn vermissten: Dynamik und Torgefahr. So war es auch Zaha, der durch eine scharfe Flanke einen Handelfmeter zum einzigen Tor des Spiels herausholte.

Das bedeutendste Zeichen des Spieltages setzte Zaha allerdings vor dem Anpfiff. Als erster Spieler der Premier League verzichtete er vor Spielbeginn auf den Kniefall im Rahmen der „Black Lives Matter“-Bewegung und blieb stehen. „Es gibt keine richtige oder falsche Entscheidung. Aber ich persönlich habe das Gefühl, dass das Knien einfach ein Teil der Routine vor dem Spiel geworden ist“, sagte er gegenüber der BBC und betonte: „Ob wir knien oder stehen, viele von uns werden noch immer beleidigt.“

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Photo: Julian Finney/ Imago

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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