Der Kloppo-Schreck, ideenlose Gunners und mehr als ein Agüero-Ersatz…

Premier League Awards

7 Awards | Neun Spieltage hat es gedauert, ehe der FC Liverpool das erste Mal Punkte ließ. Die Gründe und weitere Erkenntnisse des Spieltags der Premier League…

„Kloppo-Schreck“ – Award: Ole Gunnar Solskjaer

So sehr dem Spiel von Manchester United unter Ole Gunnar Solskjaer eine Identität fehlt und so groß die Zweifel an dem norwegischen Trainer mittlerweile sind, einen gewissen Kollegen treibt er scheinbar zur Verzweiflung: Jürgen Klopp.

Solskjaer hatte sich gut auf seinen Gegner eingestellt. Die Fünferkette ließ der Offensive der Reds, die ohne den verletzten Mohamed Salah zahnlos wirkte, kaum Räume und generell wenig zu. Der unkonventionelle Zehner Andreas Pereira störte Fabinho und damit den kompletten Spielrhythmus der Reds. Marcus Rashford und Mittelfeldspieler Daniel James formten eine Doppelspitze, die sich die offensive Ausrichtung Liverpools Außenverteidiger zunutzen machte und dadurch die Innenverteidigung isolierte, was letztendlich auch zum verdienten 1:0 in der 36. Minute durch Rashford führte.

Sowohl beim Tor – Liverpool forderte im Vorfeld einen Freistoß – als auch beim aberkannten Ausgleich wenige Minuten später durch Sadio Mané (Handspiel) musste übrigens der Video Assistent Referee eingreifen. Trotz Proteste und suspektem Findungsprozess waren beide Entscheidungen korrekt.

Erst in der 86. Minute nutzte der eingewechselte Adam Lallana die erste Schlafmützigkeit der Heim-Defensive nach einer Vorlage von Andrew Robertson zum 1:1 aus. Trotz gerade einmal 32% Ballbesitz trieb Manchester United den Tabellenführer zur Weißglut. Solskjaers Plan ging voll auf. Sogar ein Sieg wäre nicht unverdient gewesen, wenngleich sichtlich ermüdete Red Devils am Ende um den einen Punkt bangen mussten, der die Gesamtausbeute auf magere zehn Zähler erhöht.

Solskjaer wurde somit zum ersten Trainer in der Premier League, den der Deutsche in mehr als einem Versuch nicht bezwingen konnte (zwei Unentschieden).

„Ideenlos“ – Award: Arsenal & Unai Emery

Am Montagabend verlor der FC Arsenal zum Abschluss des neunten Spieltags verdient mit 0:1 bei Sheffield United. Lys Mousset erzielte in der 30. Minute das Tor des Tages.

Zunächst einmal gilt dem Aufsteiger, der mit geringen Etat, dafür mit viel Leidenschaft, System und einem unkonventionellen Spielstil seine Punkte zehn bis zwölf einfuhr, ein großes Lob. Mehr noch, die Blades zeigtem einer Mannschaft mit deutlich höherer individueller Qualität, was möglich ist, wenn man eine Idee hat und diese verfolgt.

Und das ist seit der Ankunft von Unai Emery im Sommer 2018 das Problem des FC Arsenal. Die Gunners wirken speziell im Angriffsspiel harmlos und das ohne jegliche Verbesserung in der Defensive. Es fehlt an Struktur, Kreativität, Zielorientierung und Direktheit. Seitdem der Spanier im Amt basiert das Offensivspiel einzig und alleine auf die übertriebene Effizienz des Sturmduos Pierre-Emerick Aubameyang und Alexandre Lacazette. Sollten die beiden nicht mal zu einer Halbchance kommen, hat Arsenal ein Problem, so wie am Montagabend.

Gegen Sheffield United, ein Team das die Gäste aus London zunächst presste und unter Druck setzte, sich später dann aber tief fallen lies und verteidigte, wirkte Arsenal zu jedem Zeitpunkt der Partie absolut ideenlos. Gleiches galt für den Trainer, der nicht in der Lage war, gegen den Aufsteiger die entsprechenden Korrekturen zu unternehmen. Im Gegenteil, er wechselte mit Nicolas Pépé ironischerweise passend zur Schlussoffensive den gefährlichsten Spieler auf dem Feld aus. Arsenal hatte kaum Strafraumaktionen, erspielte sich genau eine Großchance und schoss ganze drei Mal auf das gegnerische Tor.

Die Nordlondoner haben diese Saison wahrscheinlich sowohl den besten Kader als auch die beste Chance der letzten drei Jahre, endlich in die Top-Four zurückzukehren. Aktuell ist Platz vier nur zwei Punkte entfernt. Betrachtet man sich allerdings die Statistik, nach „expected Goals“ würde man Rang zehn belegen, sowie die bisherigen Saisonleistungen, so könnte die Ideenlosigkeit auf dem Platz, die bei all dem Talent primär auf der Ideenlosigkeit des Trainers beruht, der angestrebten Rückkehr in die Champions League einen Strich durch die Rechnung machen.

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images)

„Mehr als ein Agüero-Ersatz“ – Award: Gabriel Jesus 

Als Manchester City Gabriel Jesus im Januar 2017 verpflichtete, hoffte man, dass sich der Brasilianer zu einem zuverlässigen Ersatz für Sergio Agüero entwickeln würde.

Mittlerweile ist er mehr als das. Den jüngsten Beweis dafür lieferte Jesus beim 2:0 Auswärtssieg der Cityzens über Crystal Palace. Der 22-Jährige, der statt Agüero in der Startaufstellung stand, brachte den amtierenden Meister durch sein 1:0 auf die Siegerstraße (39.). In seinem 110. Pflichtspiel für Manchester City war esbereits der 50. Treffer.  

„Wir haben zwei unglaubliche Stürmer“, sagte Pep Guardiola nach dem Spiel und begründete seine Aufstellung: „Gabriel kam eben aus Brasilien (Nationalmannschaft), Sergio war zehn Tage aus dem Rhythmus, deshalb erhielt Gabriel den Vorzug. Es kommt auf viele, viele Dinge an [für wen ich mich entscheide].“  

Die Qualität Sergio Agüeros ist als einer der besten Stürmer in der Geschichte der Premier League unbestritten. Dass Gabriel Jesus mittlerweile mehr als nur ein Ersatz für ihn ist, allerdings auch…  

(Photo SERGEI SUPINSKY/AFP/Getty Images)

„Verspäteter Durchbruch“ – Award: Callum Hudson-Odoi

Als bekannt wurde, dass der FC Chelsea eine Transfersperre hinnehmen muss und mit Frank Lampard ein Trainer das Zepter übernahm, der erfahrungsgemäß stark auf die Jugend setzt, war die vorübergehende Marschroute der Blues klar. 

Ein Spieler, der am ehesten davon profitieren sollte, war Bayern-Flirt Callum Hudson-Odoi. Doch der Engländer riss sich die Achillessehne, noch bevor die jugendliche Ära an der Stamford Bridge begann. 

Während sich der 19-Jährige also in Reha befand, drehten andere junge Wilde, wie Mason Mount, Fikayo Tomori sowie Tammy Abraham mächtig auf und avancierten zu Leistungsträgern.

Nun scheint endlich auch die Zeit für Callum Hudson Odoi gekommen zu sein. Das hat der Flügelspieler seit seinem Comeback jedenfalls eindrucksvoll angedeutet. 

Beim 1:0-Heimerfolg gegen Newcastle United steuerte er bereits seine dritte Vorlage im dritten Spiel bei. Damit ist er nach Michael Owen (damals 18, Januar 1998) der jüngste Spieler in der Geschichte der Premier League, dem dieses Kunststück gelang.

„Chancentod“ – Award: Watford FC

Hätte man Watford-Trainer Quique Sanchez Flores vor dem Auswärtsspiel gegen Tottenham angeboten, dass er mit einem 1:1 im Gepäck die kurze Heimreise antreten würde, wäre er wohl sofort darauf eingegangen.

Am Ende war das Schlusslicht der Premier League wohl sogar enttäuscht, dass gegen die Spurs nur ein Punkt herauskam. Abdoulaye Doucouré brachte die Hornets nach sechs Minuten in Front und obwohl ein klarer Elfmeter (trotz VAR) nicht gegeben wurde und der Ausgleich durch Dele Alli äußerst unglücklich zustande kam, ist der Grund für die zwei verpassten Punkte erneut der gleiche: Die Chancenauswertung.

Watford hat die sechstmeisten Gelegenheiten der Premier League erspielt und dennoch die wenigsten Treffer (5) erzielt. Ein einziges Stürmertor steht zu Buche (Andre Gray) – deutlich zu wenig.

„Mut zahlt sich aus“ – Award: Marco Silva 

Mit nur sieben Punkten nach acht Spielen verlief der Saisonstart des FC Everton zweifelsohne anders als erhofft. Nach einer durchwachsenen Debütsaison geriet folglich auch Trainer Marco Silva unter Druck.

Gegen West Ham sah sich der Portugiese daher nicht nur gezwungen, zu reagieren, sondern mutiger zu werden. Er setzte Stammspieler Gylfi Sigurdsson nach dessen schwachen Leistungen auf die Bank und wählte zugleich einen offensiveren Ansatz. Energiebündel Tom Davies gab im zentralen Mittelfeld sein Startelfdebüt 2019/2020. Alex Iwobi rückte auf die Zehn, Theo Walcott auf den Flügel und Richarlison ins Sturmzentrum.

Silvas Mut zahlte sich aus, denn die Toffees strotzten voller Elan, zeigten ihre beste Saisonleistung und fuhren einen hochverdienten 2:0-Sieg gegen die Hammers ein.

(Photo by Alex Livesey/Getty Images)

„Überraschende Nullnummer“ – Award: Norwich und Bournemouth

Vor der Partie zwischen Norwich und Bournemouth schien eines festzustehen: Das wird keine Nullnummer.

Beide Defensiven kämpfen in dieser Saison mit Konstanz (Bournemouth) sowie Qualität (Norwich; 21 Gegentore) und sind folglich die einzigen Mannschaften der Premier League, die noch kein einziges Mal zu Null spielten. 

Ausgerechnet im direkten Aufeinandertreffen würde sich das gleich für beide Teams ändern. Die Canaries und die Cherries trennten sich überraschend mit 0:0. 

Chris McCarthy

(Photo by Alex Livesey/Getty Images)

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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