„Die einen wollten, die anderen konnten nicht“, „Usain Bolt“ und „Spätzünder“ Barkley

Premier League Awards

Der 10. Spieltag der Premier League wurde von einer schrecklichen Tragödie überschattet. Ehe wir auf die Nebensache, den Sport eingehen daher ein paar Worte zum furchtbaren Vorfall in Leicester…

 

Vorwort

Bei einem Hubschrauberabsturz unmittelbar nach der Partie zwischen Leicester City und West Ham United kamen sowohl Vichai Srivaddhanaprabha, der Besitzer von Leicester City, als auch die Mitglieder des Staffs Nursara Suknamai und Kaveporn Punpare, Pilot Eric Swaffer und seine Frau Izabela Lechowicz, tragischerweise ums Leben.

Srivaddhanaprabha, liebevoll „Mr. Vichai“ genannt, übernahm 2010 den Fußballverein und feierte bereits 2016 völlig überraschend den sensationellen Gewinn der Premier League. Dank dieser sportlichen Märchengeschichte, vor allem aber wegen seiner unzähligen wohltätigen Aktionen, seiner großzügigen Art und nicht zuletzt seinem unvergleichbaren Einfluss auf den Leicester City Football Club und die Stadt Leicester, wird der Thailänder nicht nur seiner Familie und seinen Angehörigen für immer in Erinnerung bleiben. Ruhet in Frieden Vichai Srivaddhanaprabha, Nursara Suknamai, Kaveporn Punpare, Eric Swaffer und Izabela Lechowicz…

(Photo by Christopher Furlong/Getty Images)

 


Die Awards…

 

„Die einen wollten, die anderen konnten nicht“ – Award: Tottenham vs. Manchester City

Auf dem Papier war Tottenham gegen Manchester City das Top-Spiel des zehnten Spieltags. Was uns auf dem Platz geboten wurde, glich allerdings eher dem katastrophalen Zustand des Wembley-Rasens, der bei der NFL-Begegnung am Sonntag ordentlich in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Um es kurz zu machen: Manchester City konnte deutlich mehr, wollte aber irgendwie nicht. Tottenham dagegen wollte viel, konnte es aber irgendwie nicht. 

So genügte den Cityzens ihr bester Angriff des Abends, nämlich der einzige, der konzentriert zu Ende gespielt wurde: Das 0:1 durch Riyad Mahrez in der sechsten Minute.

Die Gäste betrieben geringen Aufwand, wirkten teilweise sogar etwas schlampig und boten dennoch die schönsten, aber unvollendeten Angriffe des Abends. Die Hausherren dagegen investierten viel. Doch es fehlte im letzten Drittel an mentaler Frische, Kreativität und vor allem an Präzision.

Verdienter Sieg für den amtierenden Meister, der aufgrund der verschwenderischen Spielweise nach einem gehaltlosen Sturmlauf der Spurs in den letzten zehn Minuten beinahe aus der Hand gegeben wurde.

(Photo GENYA SAVILOV/AFP/Getty Images)

 

„Usain Bolt“ – Award: Paul Pogba

In knapp zehn Sekunden kann man so einiges erreichen, beispielsweise 100 Meter im Sprint zurücklegen, so wie Weltrekordhalter Usain Bolt. Andere dagegen benötigen alleine zehn Sekunden für den Anlauf bei der Ausführung eines Elfmeters, so wie Paul Pogba am Sonntag.

Beim Stand von 0:0 trat der Franzose in der 27. Minute zum Strafstoß an. Dabei tänzelte der Mittelfeldspieler in einem derartigen Schneckentempo auf den Elfmeterpunkt zu, sodass manch einer in dieser Zeit problemlos ein frisches Bier aus dem Kühlschrank hätte holen können. Oder wie der einst abgeschriebene Luke Shaw es witzigerweise ausdrückte, eine Karriere revitalisieren und einen neuen Vertrag bei Manchester United verdienen.


Wie so oft war das extravagante Anlaufen nicht von Erfolg gekrönt, Pickford parierte. Zum Pogbas Erleichterung konnte er den Nachschuss problemlos einschieben und setzte somit den Grundstein zum etwas glücklichen aber insgesamt gerechten 2:1 Erfolg.

 

„Serien-Killer“ – Award: Crystal Palace vs Arsenal

Das ereignisreiche und nicht unverdiente 2:2 Unentschieden zwischen Crystal Palace und dem FC Arsenal erwies sich pünktlich zu Halloween als reinster Serien-Killer.

Gegen defensiv anfällige Gunners, die zudem mit Granit Xhaka als Linksverteidiger klar kommen mussten, erzwangen die couragiert auftretenden Gäste am Ende der ersten Halbzeit einen Elfmeter. Luka Milivojević verwandelte eiskalt und beendete damit das lange Warten auf den ersten Saisontreffer im heimischen Selhurst Park.

Die Gunners kämpften sich dank eines sehenswerten Freistoßtreffers von Xhaka zurück. Wenige Minuten später gingen sie in der 56. Minute durch Pierre-Emerick Aubameyang sogar in Führung, doch auch ihre Serie würde letztendlich reißen. Xhaka verursachte nach einem Konter der Hausherren einen weiteren Elfmeter, den abermals Milivojević zum 2:2 Endstand verwandelte. Nach drei Monaten, besser gesagt elf Pflichtspielen, ging der FC Arsenal erstmals nicht als Sieger vom Platz.

(Photo by Catherine Ivill/Getty Images)

 

„Ganz der Alte“ – Award: Mohamed Salah

Nach seiner Rekordsaison mit 32 Ligatreffern bezweifelten viele, ob der Ägypter seine Form konstant auf einem derartigen Level halten würde. Die Messlatte lag 2018/2019 folglich ziemlich hoch, und als sich Salah in den ersten Spielen nicht so treffsicher zeigte wie noch wenige Monate zuvor, wurden die Zweifel lauter.

Alles Panikmache, denn der 26-Jährige demonstrierte uns in den vergangenen Wochen eindrucksvoll, dass er ganz der Alte ist. Beim 4:1 seines FC Liverpool über ein ziemlich überfordertes Cardiff traf Salah nämlich zum ersten Mal seit einem halben Jahr im dritten Pflichtspiel in Folge. Seine Bilanz in der Liga (5 Tore, 4 Assists) ist nach zehn Spieltagen ähnlich imposant wie 2017/2018, als er zum gleichen Zeitpunkt 6 Treffer und 3 Assists vorzuweisen hatte. Was danach kam, ist Geschichte.

(Photo by Michael Regan/Getty Images)

 

 

„Spätzünder“ – Award: Ross Barkley

Als Ross Barkley im Alter von 17 Jahren sein Profidebüt für den FC Everton gab, wurde ihm eine glorreiche Kariere prognostiziert. Doch der Mittelfeldspieler stagnierte, auch aufgrund einiger hartnäckiger Verletzungen.

Um so verwunderter waren die Kritiker, als sich Barkley 2017 dazu entschied, seinen Vertrag bei den Toffees, wo er ins zweite Glied gerückt war, nicht zu verlängern und sein Glück ausgerechnet beim FC Chelsea zu versuchen. Immerhin herrscht bei den Londonern eindeutig mehr Konkurrenzkampf. Die Klasse des Engländers würde sich jedoch durchsetzen, jüngster Beleg dafür, seine starke Leistung beim 4:0 seiner Blues beim FC Burnley. Barkley war ein ständiger Aktivposten im Spiel der Londoner, setzte erst Morata beim 0:1 herrlich in Szene, ehe er mit seinem dritten Saisontreffer zum 0:2 für die Vorentscheidung sorgte.

Mit nun 24 Jahren, einem Trainer in Maurizio Sarri, der ihm Vertrauen schenkt und vor allem Spielpraxis, scheint der dynamische Mittelfeldspieler mit etwas Verspätung endlich sein Potential umzusetzen.

(Photo by Philipp Schmidli/Getty Images)

 

„Falsche Richtung“ – Award: FC Fulham

Bereits letzte Woche gingen wir auf den schrecklichen Saisonstart des FC Fulham ein, betonten gleichzeitig allerdings, dass der neuzusammengewürfelte Aufsteiger nach Neuinvestitionen in Höhe von über 100 Millionen Euro Zeit benötigen würde, sich einzuspielen.

Folglich erwarteten die Fans und Verantwortlichen von Trainer und Mannschaft keine Wunder, sondern lediglich kontinuierliche Verbesserungen, eine positive Entwicklung. Nach dem schockierenden Auftritt beim 0:3 gegen ein extrem organisiertes und imposantes Bournemouth blieb aus Sicht der Londoner allerdings nur eine Erkenntnis: Die konzeptlos wirkende Mannschaft braucht nicht nur Zeit, sondern eine Menge Zeit. Womöglich Zeit, die Trainer Slaviša Jokanović allmählich ausgeht, denn gegen Bournemouth war nur eine Entwicklung zu erkennen und diese zeigt sowohl aus spielerischer, als auch taktischer Sicht eindeutig in die falsche Richtung…

 

„Vorne pfui hinten pfui“ – Award: Huddersfield

Dass Huddersfield sich schwer tut, Tore zu schießen, ist bekannt. Bereits letztes Jahr schossen die Terrier die wenigsten Treffer aller Nicht-Absteiger. Ein Trend, der sich diese Saison nahtlos fortsetzt.

Das (neue) große Problem für die Mannschaft von David Wagner ist allerdings, dass mittlerweile nicht nur der Angriff, sondern auch die Defensive jegliche Premier-League-Tauglichkeit vermissen lässt. Beim 0:3 gegen Watford bot die Hintermannschaft Huddersfields eine erschreckende Leistung, ließ gegen eine Durchschnittsoffensive Unmengen an Torchancen zu. Es lag nur an der mangelhaften Chancenverwertung der Hornets, dass das Ergebnis nicht ausartete.

Wir wussten, dass es Huddersfield 2018/2019 ganz schwer haben würde, die Klasse zu halten. Nach zehn Spielen, drei Punkten und eine mageren Bilanz von 4:21 Treffern scheint sich das zu bewahrheiten. Vorne pfui, hinten pfui…alles pfui.

 

 

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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