Malick Fofana steht unmittelbar vor einem Wechsel von Olympique Lyon zu Sunderland. Nach übereinstimmenden Berichten haben sich der englische Premier-League-Klub und Lyon auf einen Transfer des belgischen Flügelspielers verständigt. Fofana hat die Erlaubnis erhalten, nach England zu reisen und den Medizincheck zu absolvieren. Der Vertrag soll über fünf Jahre laufen. Die endgültige Registrierung und Unterschrift standen am Dienstag noch aus.
Sunderland greift zu, nachdem Arsenal aussteigt
Der Transfer ist das Ergebnis einer bemerkenswerten Wendung im Deadline-Day-Poker. Arsenal hatte Fofana ebenfalls auf dem Radar und führte Gespräche über eine Verpflichtung. Nach Angaben von David Ornstein und Fabrizio Romano war der belgische Nationalspieler bei den Gunners ein konkretes Thema. Arsenal war jedoch nicht bereit, Lyons Preisvorstellung zu erfüllen. Romano berichtet von einem Paket von rund 35 bis 40 Millionen Euro, das Arsenal nicht zahlen wollte.
Damit öffnete sich die Tür für Sunderland. Romano meldete am Dienstag, dass der Klub mit Lyon eine mündliche Einigung über 30 Millionen Euro plus Boni erzielt habe. Andere Berichte nennen eine ähnliche Größenordnung in Pfund: TalkSPORT spricht von einer Anfangsablöse von 25 Millionen Pfund plus vier Millionen Pfund möglichen Bonuszahlungen. Die exakte Vertragsstruktur ist damit noch nicht abschließend öffentlich dokumentiert.
Fofana soll in Sunderland einen Vertrag über fünf Jahre unterschreiben; einzelne Berichte nennen zusätzlich eine Option auf eine Verlängerung um ein weiteres Jahr.
Arsenal wollte das Risiko offenbar anders verteilen
Die Arsenal-Geschichte ist etwas komplizierter als die ursprüngliche Darstellung „Arsenal wollte Lyons Preis nicht zahlen“. Die Gunners hatten den Spieler tatsächlich auf dem Schirm, doch die internen Einschätzungen waren offenbar nicht einheitlich.
BBC-Journalist Sami Mokbel berichtete, Fofana sei Arsenal über Vermittler angeboten worden und intern diskutiert worden, habe aber nicht überall im Klub Zustimmung gefunden. Gleichzeitig liefen konkrete Gespräche über einen möglichen Wechsel. Der Preis war damit ein Faktor, aber nicht zwingend der einzige Grund, warum Arsenal nicht zugriff.
Auch die ursprünglich kolportierte Vorstellung, Arsenal habe ausschließlich eine Leihe mit Kaufoption gewollt, sollte vorsichtiger formuliert werden: Für eine solche konkrete Transferformel gibt es in den aktuell belastbaren Berichten keine ausreichende Bestätigung.
Lyon braucht Transfereinnahmen
Der Verkauf passt zur wirtschaftlich schwierigen Situation von Lyon. Der Klub verpasste nach der Niederlage gegen Fenerbahçe die Champions-League-Ligaphase und damit wichtige Einnahmen. Fofana gehört zu den wertvollsten Verkaufskandidaten des französischen Klubs.
Lyon hatte den Belgier im Januar 2024 von KAA Gent verpflichtet. Die Ablöse lag bei rund 17 Millionen Euro; je nach Quelle kamen mögliche Bonuszahlungen hinzu. In Lyon entwickelte sich Fofana zu einem wichtigen Offensivspieler und steht dort noch bis 2028 unter Vertrag.
Seit seinem Wechsel nach Frankreich kommt Fofana auf rund 19 Tore für Lyon. Bei der Gesamtzahl der Einsätze unterscheiden sich die Datenbanken geringfügig; aktuelle Quellen nennen 83 beziehungsweise 84 Pflichtspiele.
Die Verletzung war schwerer als zunächst dargestellt
Der Hinweis auf Fofanas Verletzungsprobleme ist grundsätzlich richtig, sollte aber präzisiert werden.
Der 21-Jährige erlitt Ende Oktober 2025 nach einem Foul von Straßburgs Ismaël Doukouré eine schwere Verletzung am rechten Sprunggelenk. Er wurde im November operiert und verpasste anschließend mehrere Monate. Im März 2026 wurde berichtet, dass er nach rund fünf Monaten Ausfallzeit wieder ins Mannschaftstraining zurückkehren sollte.
Von „nahezu einem halben Jahr von Ende Oktober bis Mitte März“ kann man daher sprechen. Die Formulierung, er habe wegen mehrerer Knöchelverletzungen „gleich mehrfach“ in den vergangenen zwölf Monaten gefehlt, ist dagegen zu pauschal.
Auch die Saisonbilanz 2025/26 sollte korrigiert werden: L’Équipe führt für Fofana 16 Ligue-1-Einsätze mit zwei Toren sowie vier Europa-League-Einsätze auf.
Aktuell ist Fofana wieder fit und spielt
Besonders wichtig für die Aktualität: Fofana ist nicht mehr in einer langen Reha-Phase. Er startete die Saison 2026/27 sogar mit erheblicher Einsatzzeit in der Champions-League-Qualifikation.
Insgesamt kam er vor dem möglichen Wechsel auf sechs Pflichtspiele für Lyon: vier in der Champions-League-Qualifikation und zwei in der Ligue 1. Dabei erzielte er zwei Tore – eines gegen Fenerbahçe und eines beim 2:0 gegen Toulouse. In der Ligue 1 wurde er jeweils eingewechselt; in der Champions-League-Qualifikation stand er mehrfach über längere Zeit auf dem Platz.
Die ursprüngliche Aussage, Fofana habe in der laufenden Saison erst „zwei Kurzeinsätze“ absolviert, ist damit falsch.
Warum Sunderland?
Für Sunderland ist Fofana ein Investment in einen jungen Spieler mit erheblichem Entwicklungspotenzial. Der 21-Jährige bringt Tempo, Dribbling und Erfahrung auf europäischer Ebene mit, ist aber noch kein fertiger Premier-League-Star.
Das sportliche Argument für Sunderland ist zudem ungewöhnlich stark: Der Klub hat in seiner ersten Saison nach der Rückkehr in die Premier League sensationell den siebten Tabellenplatz erreicht und sich damit für die Europa League qualifiziert. Sunderland kehrt erstmals seit 1973/74 in einen europäischen Wettbewerb zurück.
Die Europa-League-Teilnahme ist inzwischen konkret. Sunderland trifft in der Ligaphase unter anderem auf AC Milan, AZ Alkmaar, Dinamo, Anderlecht, Jagiellonia, Lech Posen, Levski Sofia und Torreense.
Damit kann Sunderland Fofana nicht nur regelmäßige Premier-League-Einsätze, sondern auch europäischen Fußball anbieten.
Ein wichtiger Unterschied zum ursprünglichen Entwurf
Die im Ausgangstext genannten Neuzugänge sollten ebenfalls aktualisiert werden. Thomas Meunier und Dayann Méthalie gehören zum Sommerumbau; Jules Ahoua ist ebenfalls zum Kader gestoßen. Der von Tottenham kommende Kevin Danso war zum Zeitpunkt des aktuellen Berichts dagegen noch ein separater Deadline-Day-Deal und sollte nicht als bereits abgeschlossener Transfer dargestellt werden.
Sunderland zahlt, Arsenal zögert
Fofanas Wechsel ist damit weniger die Geschichte eines Spielers, den Arsenal abgelehnt hat, als die eines Klubs, der eine höhere finanzielle Schwelle nicht überschreiten wollte – und eines Konkurrenten, der bereit war, das Risiko einzugehen.
Lyon erhält voraussichtlich rund 30 Millionen Euro plus Boni. Arsenal war an Fofana interessiert, wollte Lyons Forderungen aber nicht erfüllen. Sunderland nutzte die Situation und brachte den Transfer innerhalb weniger Stunden auf die Zielgerade.
Noch fehlt die offizielle Vollzugsmeldung. Nach aktuellem Stand sind Medizincheck, Unterschrift und Registrierung die letzten Schritte. Die Aussage „Fofana wechselt zu Sunderland“ ist deshalb inhaltlich schon sehr nah dran, sollte journalistisch aber bis zum Vollzug als unmittelbar bevorstehender Transfer bezeichnet werden.

