Die Premier League im Transferfenster: Ist es das wert?

Premier League

Spotlight | Das Transferfenster im Pandemie-Jahr hat vor allem eines unterstrichen: Die Vormachtstellung der englischen Premier League im internationalen Vergleich. Das liegt aber nur bedingt an TV-Geldern.

Zu viel Geld und Pleite – Beides ist wahr

Das Transferfenster in Europa ist geschlossen. Vielerorten wurde schon vor Beginn des Sommers von einem ganz besonderen Rahmen gesprochen. Immerhin mussten die Vereine überall auf dem Kontinent Pandemie-bedingt Umsatzeinbußen vermelden. Schaut man nun nach dem Deadline Day zurück, dürfte diese Transferphase allerdings nicht durch eine neue Sparsamkeit im Gedächtnis bleiben. Vielmehr stechen die zahlreichen, großen Namen, die ihren Verein wechselten heraus. Sei es Lionel Messi (34), Cristiano Ronaldo (36) oder Romelu Lukaku (28) – ein wenig Kleingeld scheint der Profifußball noch übrig zu haben, wenn diese Hochkaräter allesamt den Schritt zu einem neuen Arbeitgeber gehen. Doch all die Schlagzeilen sollten nicht den Blick auf die Tatsachen verzerren. Denn beides ist wahr – Sowohl die unglaublichen Summen in der Branche als auch die finanziellen Probleme durch Corona.

Mehdi Taamallah

Denn all die Stars wechselten nicht durch Zufall zu ihren neuen Karrierestationen, sondern weil das Gefälle zwischen einzelnen Top-Klubs und dem Rest der Fußballwelt uneinholbar groß ist. Allen voran ist hierbei natürlich PSG zu neuen. Der staatlich finanzierte Klub aus der Hauptstadt Frankreichs sicherte sich mit Gini Wijnaldum (30), Sergio Ramos (35), Gianluigi Donnaruma (22) und eben Lionel Messi eine unglaubliche Menge an Superstars ablösefrei, Gehälter und Handgelder flossen in Mengen. Nebenbei investierte man dann noch in Achraf Hakimi (22) und Nuno Mendes (19). Paris ist in der eigenen Liga aber ein Einzelfall, woher der unermessliche Reichtum kommt, sollte mittlerweile allen halbwegs Interessierten klar sein. Spannender für den Blick auf die internationalen Verhältnisse ist der Blick auf nahezu alle Top-Transfers des Sommers, die nicht von Katar bezahlt wurden. Denn diese fanden alle in der Premier League statt.

 Premier League im Transferfenster – Mit fremdem Geld

Das ist natürlich kein Zufall. Immer wieder wird über die hohen TV-Gelder auf der Insel gesprochen, und sicherlich tragen auch diese ihren Teil dazu bei. Zuletzt einigte man sich mit den ausstrahlenden Sendern auf 5,5 Milliarden Euro für die Zeit zwischen 2022 und 2025. Eine Absicherung in dieser Höhe kann keine andere Liga der Welt ihren Vereinen bieten. So können sich auch immer wieder vermeintlich kleinere Vereine Einkäufe in Regionen leisten, die auf dem Festland vereinzelten Spitzenteams vorbehalten sind. Die Attraktivität der Liga steigt mit diesen Einkäufen, und damit auch das Interesse der Sender. Doch natürlich sind die TV-Gelder nur die halbe Wahrheit, wenn es darum geht warum die Premier League in diesem Sommer das Transferfenster fast alleine mit Geld flutete. Die Topklubs der Insel sind allesamt investorengeführt. Und diese Investoren verdienen ihr Geld eben nicht nur durch Ticketverkäufe.

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Manchester City, die dreistellig für Jack Grealish (25) in die Tasche griffen, sind ebenso finanziert durch einen Staat wie das verhasste PSG. Manchester United, immerhin mit Superstar Cristiano Ronaldo, Jadon Sancho (21) und Raphael Varane (28) gleich dreimal aufmerksamkeitserregend unterwegs, gehört der Grazer-Familie. Champions-League-Sieger Chelsea sicherte sich die Dienste des begehrten Lukaku und ist eines der bekanntesten Beispiele für Investorenvereine, gehört Roman Abramowitsch (54). Es ist deutlich zu kurz gegriffen, den englischen Reichtum an guter Vermarktung oder einer attraktiven Liga festzumachen. In England hat man den Fußball selbst verkauft. Man erinnert sich vielleicht noch dunkel an die Proteste rund um die Super League im April. Fans von United stürmten sogar das Old Trafford und verhinderten den Anpfiff eines Spiels gegen Liverpool. In der Euphorie einer Heimkehr von Ronaldo mag man das kurz vergessen, und jedem Fan sei diese Freude gegönnt. Doch wenn man sich fragt, warum das Transferfenster so ablief, wie er ablief und ob man neidisch auf die Vereine der Insel sein sollte, sollte man diese Bilder nicht verdrängen und sich fragen: Ist es das wert?

Photo by Nick Potts

 

Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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