Premier League Vorschau Teil 3: FC Liverpool, Aston Villa, Norwich City, Burnley

Premier League

Am 13. August startet die Premier League mit dem Spiel zwischen Brentford und Arsenal in die neue Saison. Im dritten Teil unserer großen Saisonvorschau stellen wir den FC Liverpool, Aston Villa, Norwich City und den FC Burnley vor. 

  • Liverpools Kaderpolitik bleibt riskant
  • Aston Villa muss sich neu erfinden
  • Aufsteiger Norwich auf dem direkten Weg zurück in die Championship?

Hier geht es zu Teil 1: Arsenal, Everton, Leeds, Newcastle

Teil 2 findet ihr hier: Manchester United, Brentford, Leicester, Brighton

FC Liverpool (Letzte Saison: 3. Platz)

Die letzte Spielzeit vom Liverpool FC war eine Saison zum Vergessen. Nachdem man endlich den Ligatitel zurück an die Merseyside geholt hatte, startete man noch vielversprechend in eine mögliche Titelverteidigung. Doch selbst während der guten Phase des Klubs zeigten sich Defensivprobleme, die 7 Gegentore gegen Aston Villa waren mehr als nur ein Warnschuss. Dann kamen zahlreiche Verletzungen dazu. Sowohl Virgil van Dijk (30) als auch Joe Gomez (24) fielen langfristig aus. Auch Joel Matip (30) als vermeintlich dritter Innenverteidiger musste immer wieder passen. Kaum ein Spiel ab Winter wurde in der selben Defensivkonstellation absolviert. Hinzu kamen andauernde Formschwächen bei den Offensivstars wie Sadio Mané (29) und Roberto Firmino (29). Zu allem Übel verletzte sich dann eben auch noch der Spieler, der gerade Besserung Versprechen zu schien. Diogo Jota (24) startete fulminant und sah dann doch lange nur von Außen zu. Immerhin gelang den Reds doch noch der Sprung in die Champions League, nach zwischenzeitlichem Stand tatsächlich eine nicht zu unterschätzende Leistung.

Liverpool auf dem Transfermarkt – Es bleibt riskant

Auf dem Transfermarkt haben die Reds wieder einmal eher besonnen agiert. Gerade der Blick auf die vermeintliche Konkurrenz um den Ligatitel lässt die Bemühungen des LFC auf der Zugangsseite eher bescheiden erscheinen. Nach einer Saison, die von Verletzungssorgen und einer wackligen Defensive geprägt war, hat man sich vor allem auf die Verstärkung der Innenverteidigung konzentriert. Für rund 40 Millionen Euro soll Ibrahima Konate (22) von RB Leipzig der Schlüssel zum erneuten Bollwerk werden. Der junge Franzose gilt zurecht als großes Talent und könnte neben den endlich wiedergenesenen Virgil van Dijk und Joe Gomez schnell zum Stammpersonal zählen. Ansonsten herrscht im Klub weiter viel Vertrauen ins eigene Personal, Vertragsverlängerungen mit Leistungsträgern wie van Dijk und Salah sollen intern Priorität genießen.

Mindestens ein sehr wichtiger Spieler wollte allerdings nicht verlängern und verließ den Klub ablösefrei. Gini Wijnaldum hinterlässt als unermüdlicher Dauerspieler im Mittelfeldzentrum eine Lücke, die wohl nicht gänzlich zu schließen sein wird. Generell wirkt der Kader von Liverpool im Vergleich zur Konkurrenz dünn besetzt. Sowohl offensiv als auch auf den Außenverteidigerpositionen würden längere Verletzungen Lücken reißen, die eine gesamte Saison beeinflussen könnten. Die Transferstrategie des Klubs bleibt so weiterhin im Ligavergleich sparsam, allerdings auch risikobehaftet. Verletzungspech könnte schnell erneut zur ganz großen Krux bei der Titeljagd werden.

Kann Klopp sich erneut ändern?

Die Frage, ob Liverpool in die Höhen der jüngeren Vergangenheit zurückkehren kann, wird aber nicht nur vom Fitnesszustand der Spieler abhängen. Die lange, triste Phase in der ersten Jahreshälfte 2021 hat auch Fragezeichen bei Trainer Jürgen Klopp (54) hinterlassen. Schon zu Beginn der Saison schien der Deutsche eine noch höhere Abwehrlinie ins Feld führen zu wollen, sein gefürchtetes Pressing noch einmal in neue Höhen zu treiben. Doch selbst in Bestbesetzung zeigte sich dies als riskantes Unterfangen. Als dann mehr und mehr Schlüsselspieler dem Kader abhanden kamen, reagierte Klopp wenig bis gar nicht. Der Welttrainer schien nicht bereit oder in der Lage die taktische Ausrichtung an die neuen Gegebenheiten anzupassen und seine weiterhin ambitionierte Herangehensweise dürfte einige Punkte gekostet haben.

Photo by Imago

Nun wird der Manager erneut vor der Aufgabe stehen ein funktionierendes Gesamtgebilde zu formen. Wenn Liverpool oben mitspielen will, muss man wieder mehr offensive Lösungen finden. Die Formschwäche der Angriffsreihe fiel auch so sehr ins Gewicht, weil es aus dem Mittelfeld wenige kreative Impulse gab. Zu oft sind Einzelaktionen gefragt um durch die Abwehr von tiefstehenden Gegnern zu brechen. Hier könnte auch Thiago  in seiner zweiten Saison in England ein Schlüsselfaktor werden. Nach einem unglücklichen Einstand wäre die Zeit reif, sein Können auch in der Premier League auf den Platz zu bringen und dem Spiel Liverpools eine neue Struktur zu verleihen. Wie risikoreich Klopp pressen lassen wird, ist dennoch eine der großen Fragen aus der Sicht der Reds.

Player to Watch: Thiago

Der Hype um den Transfer von Thiago (30) war im letzten Sommer an der Merseyside groß. Vom frischgebackenen Triple-Sieger Bayern München sicherte man sich die Dienste des Spaniers. Das, in Deutschland oftmals verkannte, Mittelfeldgenie wurde einhellig von Fernsehexperten zu einem möglichen Schlüsseltransfer auf dem Weg zur Titelverteidigung gesehen. Doch der Wechsel schien von Anfang an unter keinem guten Stern zu stehen. Früh wurde deutlich, dass sich Thiago noch an den neuen Fußball der Liga gewöhnen müsste. Doch sowohl eine Corona-Erkrankung als auch ein übles Foul im Merseyside-Derby verhinderten eine Akklimatisierung.

Dennoch steht die Qualität des zentralen Mittelfeldspielers außer Frage. Seine Arbeit im Gegenpressing steht dem Kloppschen Fußballsystem sowieso gut zu Gesicht, doch seine Arbeit mit dem Ball könnte ihn zum wichtigsten Spieler der neuen Saison machen. Denn Liverpool braucht endlich ein klares Angriffskonzept mit dem Ball gegen tiefstehende Gegner. Und hier könnte der Zauberfuß eingreifen.

Saisonprognose Liverpool FC

Liverpools Kader verbessert sich im Gegensatz zur Konkurrenz nicht wirklich und die erste Reihe ist weiter eher dünn besetzt. Wenn die Reds in Form kommen sollten und von Verletzungen weitestgehend verschont bleiben, sind sie sicherlich ein Mitbewerber auf den Titel. Für den Favoritenstatus reicht es aber in diesem Jahr nicht ganz. Nach dem hektischen Saisoneende in der letzten Spielzeit sollte vornehmlich das sichern eines Champions League Platzes Priorität haben.

 

Aston Villa (Letzte Saison: 11. Platz)

Aston Villa folgt in der jüngeren Vergangenheit einem Aufwärtstrend. Nach dem Aufstieg 2019 konnte man in der Folgesaison nur knapp die Klasse halten, wurde Siebzehnter am Ende der Spielzeit. So nervenaufreibend war dann das letzte Jahr für Villa nicht mehr. Mit 55 Punkten sicherte man sich Platz elf und damit auch einen deutlich entspannteren Klassenerhalt. Immer wieder gab es wirklich starke Leistungen der Mannschaft zu bestaunen, auch die Tore-Gala gegen Liverpool zählt hier natürlich dazu. Am Ende befand man sich sowohl mit 55 geschossenen Toren als auch mit 46 Gegentreffern im Ligavergleich im Mittelfeld wieder.

Aston Villa auf dem Transfermarkt – Eine neue Angriffsreihe

Aston Villa ist auf dem Transfermarkt recht aktiv gewesen. Sowohl Emiliano Buendia (24) , Danny Ings (29) als auch Leon Bailey (23) haben über 30 Millionen Euro gekostet. Für rund 100 Millionen Euro wurde also einmal die gesamte Offensivreihe erneuert. Buendia kommt nach einer starken Championship-Saison vom Aufsteiger Norwich für den rechten Flügel. Leon Bailey ist das Gegenstück für die andere Außenstürmerposition und dürfte hier vielen als Spieler von Bayer Leverkusen bekannt sein. Beide Außen bringen Tempo und Freude an 1 gegen 1 Situationen mit und sollten dem Offensivspiel von Villa eine neue Dimension verleihen. Und Ings ist ein Spieler, der vor allem „in der Box“ seine Stärken hat.

Der ehemalige Liverpool-Spieler ist bei Southampton zu einem Top-Stürmer gereift. Egal ob mit dem Kopf oder dem Fuß, Ings ist effizient und trocken im Abschluss. Mit der Zuarbeit von den neuen Außen könnte hier eine der spannendsten Offensivreihen der Liga entstehen. Doch man musste auch einen herben Einschnitt hinnehmen. Denn Jack Grealish (25) verlässt seinen Klub. Das Eigengewächs war Dreh- und Angelpunkt im Ballbesitzspiel von Aston Villa und ohne Frage DER Schlüsselspieler. Weit über 100 Millionen Pfund spült der Wechsel des ehemaligen Wunderkindes in die Taschen, die Transfers des Vereines in den letzten Wochen sind ein Vorgriff auf diesen schmerzhaften Abgang gewesen.

Photo by Peter Powell / NMC Pool

Jahr 1 nach Grealish

Und rund um den Grealish-Abgang dreht sich auch die große Frage der Saison für Aston Villa. Schafft es Trainer Dean Smith dem Team ein neues Gesicht zu verleihen, nach dem das Gesicht des Teams gewechselt ist? Die angesprochenen Transfers scheinen schon einmal wie ein guter, erster Schritt in die richtige Richtung. Sie legen allerdings auch nahe, dass dich die Spielausrichtung in dieser Spielzeit deutlich verändern könnte. Wo Grealish immer wieder als Ballverteiler agierte und auch mal das Spieltempo verschleppte, warten nun andere Spielertypen auf die Gelegenheit Einfluss zu nehmen.

Gerade Bailey und Ings sind prädestinierte Konter- und Pressingspieler. Bailey hat die Geschwindigkeit, Ings das richtige Gefühl für den Schritt in den gefährlichen Raum. Beide haben zudem unter Trainern aus dem deutschsprachigen Raum trainiert, der generell sehr pressinglastig agieren lässt. Das Umschaltspiel könnte also in diesem Jahr noch einmal einen höheren Stellenwert im Spiel von Aston Villa bekommen. Logischerweise ist bei Bailey und Buendia zudem eine deutlich flügellastigere Spielidee eine wahrscheinliche Auswirkung des Transfersommers. Grealish liebt die Halbräume, die neuen Offensivstars finden hingegen gerne auch einmal den Weg zur Grundlinie. Es ist die Aufgabe von Dean Smith diesen Umbruch erfolgreich zu moderieren und die passenden, neuen Lösungen zu finden.

Player to Watch: Emiliano Buendia

39-mal lief Emiliano Buendia in der letzten Championship-Saison für Norwich City auf. 32-mal war der Flügelspieler dabei an einem Tor direkt beteiligt. Die Werte des Argentiniers sind vor allem deshalb so beeindruckend, weil sich Assists und eigene Tore die Waage halten. 15 Mal schon Buendia selber ein, 17 Mal bediente er einen Mitspieler. Und genau wie die Zahlen es nahe legen, zeigt er sich auch im Eye-Check als sehr kompletter Spieler. Der rechte Flügel von Aston Villa hat damit ein großes Upgrade erhalten.

Vor allem in der Kombination mit dem neuen Mittelstürmer Danny Ings könnte Buendia schnell auch die Herzen in der Premier League gewinnen. Ähnlich wie bei Norwich Puck wird auch Ings vom guten Auge des Flügelmannes profitieren und bringt die nötige Abschlussstärke mit um Angriffe effizient zu verwerten. Zudem kommt den Flügeln in der Zeit nach Jack Grealish im Spiel von Aston Villa wohl eine noch größere Bedeutung zu. Vieles deutet daraufhin, dass Buendia eines der ganz großen Gesprächsthemen der kommenden Spielzeit sein wird.

Saisonprognose Aston Villa

Aston Villa verliert mit Grealish den Eckpfeiler der eigenen Spielausrichtung. Die hohen Einmahmen durch den Wechsel des Eigengewächses hat man allerdings gut investiert und gleich ein sehr spannendes Dreiergestirn für die Offensive verpflichtet. Wenn es Trainer Dean Smith gelingt ein passendes Spielsystem für das neue Gesicht des Kaders zu finden, dann könnte Villa auch in diesem Jahr für die ein oder andere Überraschung sorgen. Für einen weiteren Schritt nach oben in der Tabelle dürfte die Mannschaft allerdings noch nicht bereit sein. Am Ende wartet wieder ein Mittelfeldplatz und damit zumindest auch eine Saison ohne große Abstiegsängste.

Norwich City – Wiederaufstieg als Meister

Norwich ist zurück in der Premier League. Nach dem Abstieg 2019 legten die Canaries erneut eine bärenstarke Saison in der Championship hin und sicherten sich den, alles andere als selbstverständlichen, Wiederaufstieg souverän per Meisterschaft im englischen Unterhaus. Sage und schreibe 97 Punkte hatte man am Ende auf dem Konto. Und das, obwohl man weder den besten Angriff, noch die beste Verteidigung der Liga stellte. Ausgewogenheit führte Norwich zurück in die Premier League.

Norwich auf dem Transfermarkt – Schnäppchen und Verlust

Wie überall in Europa sind die finanziellen Unterschiede zwischen Vereinen in der selben Liga teils sehr groß. Norwich ist hierbei einer der ganz großen Underdogs, blickt man auf die Premier-League-Konkurrenz. Und so bauen die Canaries seit Jahren eher auf eine konsistente Spielphilosophie als auf die Verpflichtung von großen Namen. Auch in diesem Sommer blieb man dieser Philosophie auf dem Transfermarkt treu. Der wohl bekannteste Zugang dürfte Milot Rashica (25) sein. Nach einer komplizierten Saison mit Werder Bremen war der ehemalige Shootingstar für neun Millionen Euro zu haben, ein Jahr zuvor sollen die Hanseaten noch 25 Millionen Euro gefordert haben.

Zusätzlich gab es Verstärkungen für die Defensive in Person von Innenverteidiger Ben Gibson (28) von Burnley und Linksverteidiger Dimitrios Giannoulis (25) aus Saloniki. Ein weiterer, typischer Norwich-Transfer ist Pierre Lees Melou (28), der für 6 Millionen Euro aus Nizza kommt. Auf der Abgangsseite steht prominent Emiliano Buendia. Der neue Spieler von Aston Villa spült fast 40 Millionen in die Kassen. Doch ob Rashica direkt in seinem ersten Jahr in England den begnadeten Flügelspieler adäquat ersetzen kann, sollte mit einem großen Fragezeichen versehen werden. Kurz vor dem Beginn der neuen Saison kam auch noch Josh Sargent (21), ebenso wie Rashica aus Bremen.

Eine andere Liga

Der erneute Aufstieg unter Daniel Farke (44) ist als Erfolg nicht zu unterschätzen und unterstreicht noch einmal, welch gute Arbeit der Deutsche bei Norwich leistet. Der Coach hat klare Vorstellungen, welchen Fußball er spielen lassen will und noch viel wichtiger: Welchen Fußball er spielen lassen kann. Die Ausrichtung von Norwich ist immer auch den Mitteln des Klubs und der Frage, wie man mit diesen Mitteln dennoch maximalen Erfolg haben kann, verknüpft. Doch hieraus entsteht eben auch das Problem der kommenden Saison. Die Mittel sind begrenzt und damit auch der mögliche Erfolg. Auch beim letzten Ausflug in die Premier League wurde dies den Canaries nachdrücklich aufgezeigt.

Wir sprechen hier über eine Liga, in der der Tabellenelfte des Vorjahres (Aston Villa, s.o.), über 100 Millionen Euro in neue Angreifer investiert. 38 Millionen Euro davon in Buendia, der Norwich fehlen wird. Die Qualitätsunterschiede sollten hier also deutlich geworden sein. Norwich ist im Vergleich zur Ligakonkurrenz trotz starker Leistungen in der Championship ein kleines Kaliber. Die Frage, die Sicht die Anhänger der Canaries stellen werden ist, ob die Mannschaft beim neuerlichen Anlauf in der Premier League besser mithalten kann als beim letzten Mal. Gleichwohl haben viele Spieler und auch Trainer Farke dazugelernt.

Photo by Joe Giddens

Player to Watch: Milot Rashica

Noch vor einem Jahr war Milot Rashica eines der heißesten Eisen im deutschen Fußball. Doch Werder Bremen und Sportdirektor Frank Baumann verzockten sich auf dem Transfermarkt, am Ende wollte kein Klub die Forderungen der Hanseaten erfüllen und Rashica blieb, augenscheinlich unzufrieden mit dieser Entscheidung, in Bremen. In der Abstiegssaison brauchte der Flügelspieler dann lange, um zurück in Form zu finden. in einer desolaten Mannschaft konnte auch er kaum Akzente setzen. Das ehemals heiße Eisen ist merklich abgekühlt.

Und genau deshalb passt Rashica so gut zu Norwich City. Die Canarias setzten in den letzten Jahren in großen Teilen auf Spieler, deren Talent nicht zur Debatte stand und die dennoch schon als gescheitert galten. Viele dieser Spieler wie Moritz Leitner und Teemu Pukki fanden bei Norwich eine neue Chance vor, um sich zu beweisen. Diese Chance hat nun auch Rashica. Mit seiner Geschwindigkeit und dem ausgeprägten Zug zum Tor könnte er schnell zu einem wichtigen Faktor im Spiel von Norwich werden. gerade weil Emiliano Buendia eine große Lücke hinterlässt, hat der Neuankömmling auch gute Chancen diese zu füllen.

Saisonprognose Norwich City

Gemeinsam mit den anderen Aufsteigern dürfte Norwich zu den ganz großen Abstiegskandidaten des Jahres gehören. Der Verein überzeugt im Rahmen des Möglichen, doch dieser Rahmen könnte zu klein sein um am Ende in der Premier League zu bestehen. Auch der Transfersommer zeigt, dass man weiter an der eigenen Philosophie festhalten wird und will. Ob dieses Festhalten dann allerdings ein Mithalten in der reichen und ausgabefreudigen ersten Liga möglich macht? Zweifel sind angebracht.

 

FC Burnley (Letzte Saison: Platz 17)

Tabellarisch ist der FC Burnley in der letzten Spielzeit nur ganz knapp dem Abstieg entkommen. Platz 17 stand am Ende in der Bilanz des Fußball-Klubs. Doch ganz so dramatisch wie es die Endplatzierung nahelegt war es dann doch nicht. Denn immerhin elf Punkte lag man vor dem ersten Absteiger Fulham. Damit hat man letztendlich das Saisonziel Klassenerhalt erreicht und musste nicht bis zum letzten Spieltag zittern. Für den Verein eine positive Saison.

Burnley auf dem Transfermarkt – 1 zu 1

Der Burnley FC war in diesem Sommer, entsprechend der eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten, nicht sonderlich aktiv auf dem Transfermarkt. Wie auch Norwich gehört der Verein was die wirtschaftliche Situation angeht an die unteren Positionen der Nahrungskette. Am Ende gab man vor allem für den Innenverteidiger Nathan Collins (20) Geld aus. Er kommt von Stoke City für rund 14 Millionen Euro und ist dabei quasi ein 1-zu-1-Ersatz.

Denn auch auf der Abgangsseite blieb es bei Burnley recht ruhig. Nennenswert ist eben der Abgang eines, richtig, Innenverteidigers. Ben Gibson zog es zum Aufsteiger Norwich City, er brachte 9,3 Millionen Euro ein. Das Geld floss dann gänzlich in Collins als Ersatz. Somit lässt sich wohl festhalten, dass die Transferbilanz des Klubs recht ausgeglichen ist.

Der Trainer ist der Star

Der Marktwert von Burnleys Kader ist einer der niedrigsten der gesamten Liga, teuerster Spieler ist Innenverteidiger James Tarkowski (28) mit einem Marktwert von 25 Millionen Euro. Man könnte jetzt zusammenfassen, dass die Mannschaft der Star ist. Doch diese geflügelte Formulierung der Fußballwelt würde den Leistungen von Sean Dyche (50) an der Seitenlinie nicht gerecht werden. Hier ist der Trainer der Star. Seit 2012 trägt Dyche die Verantwortung für die Mannschaft und wird dieser mehr als gerecht. Dass der Klub weiterhin in der ersten Liga spielt, ist zu großen Teilen sein Verdienst.

In dieser Saison wird es dem Coach entgegenkommen, dass es keinen großen Umbruch für den Verein gab. Dyche kann zu ganz großen Teilen auf den selben Kader wie im letzten Jahr zurückgreifen, wenn er erneut versuchen wird eine disziplinierte Truppe zum Klassenerhalt zu führen. Burnley ist in der Lage, auch ohne große Namen die größten vereine des Landes zur Verzweiflung zu treiben. Sorgen macht allerdings die Offensive. Mit nur 33 Treffern hat man im letzten Jahr sogar weniger erzielt als Tabellen-Neunzehnter West Brom. Da hier personell nicht nachgelegt wurde, wird Dyches größte Aufgabe sein, hier mit seinem Klub Fortschritte zu machen.

Player to Watch: Dwight McNeil

Dwight McNeil ist neben James Tarkowski der wohl begehrteste Spieler im Kader von Burnley. Der 21-Jährige Linksaußen ist unter Dyche unumstößlich gesetzt, absolvierte in der vergangenen Saison 36 Ligaspiele. Im sonst so biederen Fußball Burnley sorgte der Youngster immer mal wieder für das Aufblitzen von Tempo und Spielwitz. So wirklich erfolgreich lesen sich seine persönlichen Zahlen dabei allerdings noch nicht. Zwei Treffer und fünf Assists in den 36 Auftritten sind eine recht magere Ausbeute für einen Offensivspieler.

Wenn McNeil das angedeutete Potential allerdings ausschöpfen könnte, sollte es möglich sein diese Zahlen deutlich zu übertreffen. Wie schon zuvor angesprochen, gibt es in der Offensive zwar den Drang sich zu verbessern, allerdings keine nennenswerten Neuzugänge. Beim Unterfangen den Sturm Burnley gefährlicher zu machen, wird McNeil also eine Schlüsselrolle einnehmen dürfen und müssen. Der Fokus wird noch deutlicher auf ihm und seiner Leistung liegen. Wenn der Flügelspieler diesem Druck standhalten kann, könnte uns die Saison seines Durchbruchs erwarten.

Saisonprognose Burnley

Burnley wird sich wieder einmal in der unteren Tabellenhälfte wiederfinden. Auch ein möglicher Abstieg dürfte bis weit in die Saison ein Thema sein. Denn die generelle Qualität des Kaders ist in der Liga eine der schwächsten. Doch die mannschaftliche Geschlossenheit und die klare Spielidee unter dem langjährigen Trainer Sean Dyche sollte am Ende erneut der Trumpf im Kampf um die Ligazugehörigkeit sein. Große Ausflüge nach oben sind nicht zu erwarten, ein Abstieg am Ende aber auch nicht.

Photo by Imago

Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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