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Raheem Sterling: Produzent statt Produkt

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Chris McCarthy
Chris McCarthy
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Kritik begleitet Raheem Sterling schon seine gesamte Profikarriere. Sowohl auf als auch abseits des Platzes wird der Engländer kritisch beäugt…

“Die Öffentlichkeit kann das nicht sehen”

Im Frühjahr 2015 lehnte der damals 20-jährige Raheem Sterling ein Wochensalär von 100.000 Pfund ab. Er entschied sich damit gegen einen Verbleib beim FC Liverpool und wechselte für 64 Millionen Euro zu den neureichen Cityzens aus Manchester. Ein Schlüsselmoment in seiner Karriere.

Der “gierige” Offensivspieler, so der Tenor, konnte dem Lockruf des Geldes nicht widerstehen. Die Fans der Reds, die Sterling immerhin fünf Jahre ausbildeten und zum Nationalspieler machten, pfiffen ihn aus. Er wurde zum Prügelknaben der Medien. Kaufte er sich ein teures Auto oder seiner Mutter ein Haus, war er der Prolet. Ging er trotz seines Millionengehalts bei McDonalds essen, war er geizig.

(Photo by Michael Steele/Getty Images)

Folglich ist es kein Wunder, dass Sterlings Argumentation für seine Entscheidung im Frühjahr 2015 mehr oder weniger abgewunken wurde.

“Es ging nie um’s Geld. Es geht immer nur um Titel. […] Ich rede nicht davon, wieviele Autos ich fahren werde, wie viele Häuser ich habe. Ich möchte einfach der Beste sein, der ich sein kann. Ich versuche sie [die Kritik] verstummen zu lassen, aber ich glaube, die Öffentlichkeit kann das so nicht sehen. Ich glaube, sie sehen einfach nur einen 20-jährigen Jungen, der gierig ist”. [BBC, April 2015]

Sterling hatte Recht. Die Öffentlichkeit konnte es nicht sehen, ebenso, wie sie seine fantastische Entwicklung bis heute nicht sehen konnte…

“Der Guardiola-Effekt”

Der Einstand bei Manchester City war schwer. Kein Wunder, Druck und Erwartungshaltung war enorm. Ein 20-jähriges, hoch veranlagtes, aber ungeschliffenes Talent, wurde soeben zum teuersten englischen Fußballer aller Zeiten. Sterlings Leistungen schwankten und als er in der Rückrunde 2015/2016 seinen Stammplatz verlor, wurde er von den angriffslustigen Medien voreilig als Fehleinkauf abgestempelt.

Selbst als sich seine Produktivität mit der Ankunft Pep Guardiolas 2016 sichtlich verbesserte und er sich festbiss, gab es Zweifel.

SaisonToreAssistsTore ManCity
2015/20166271
2016/20177680
2017/20181811106
2018/2019*12876

*29 Spiele

Die steigende Tor- und Assistausbeute, so ein beliebtes Narrativ, sei lediglich ein Produkt des Guardiola-Fußballs. In so einem System und mit solchen Mitspielern seien viele Torbeteiligungen schließlich kein Kunststück.

Dabei erzählen die Zahlen eine andere Geschichte.

“xG” – Expected Goals

Der sogenannte “xG” -Wert erweist sich als geeignetes Hilfsmittel, wenn es darum geht, die Produktivität von Offensivspielern zu messen, ohne sich nur auf die Torausbeute zu verlassen.

Wer damit vertraut ist, darf den folgenden Abschnitt gerne überspringen.

Die Abkürzung “xG” steht für “Expected Goals”, also “zu erwartende Tore”. Gemessen an historischen Daten und diversen Faktoren, wie der Entstehung einer Chance (Flanke, Kurzpass etc.), bemisst der Wert auf einer Skala von 0 bis 1, wie wahrscheinlich es ist, in einer bestimmten Situation und Position ein Tor zu erzielen. 0,75 entspräche beispielsweise einer Torwahrscheinlichkeit von 75%.

Daraus kann man weitere Zahlen ableiten. “xA” gibt beispielsweise an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine spezielle Vorlage tatsächlich in ein Tor resultiert. xG+xA, also die “zu erwartenden Tore plus Vorlagen”, zeigen folglich auf, an wie viel Toren ein Spieler theoretisch beteiligt wäre – würden die Torchancen auch verwandelt werden.

Auf einen Spieler bezogen, zeigt der Wert somit relativ zuverlässig auf, wie groß sein qualitative Einfluss auf das Offensivspiel ist, da er Komponenten, wie z.B. “Nervenversagen” beim Abschluss oder ganz einfach Pech, ausblendet. Hinsichtlich der mannschaftlichen Leistungen kann man aus dem Wert gut ableiten, welches Team es aufgrund der Qualität der Chancen eher “verdient” hätte, zu gewinnen.

Beispiel:

via understat.com

In diesem Szenario hatte Bournemouth keinen einzigen Schuss vorzuweisen. Manchester City dagegen hatte mehrere Gelegenheiten, darunter eine “schlechte” (gelber Stern; 0,09 xG), die paradoxerweise zum Tor führte, und eine “gute” Chance (großer Punkt; 0,33 xG), die liegen gelassen wurde. Zusammen addiert ergeben diese Chancen den xG-Wert 1,60. Die Cityzens lagen mit dem 1:0 sogar eher unter dem Soll.

Zahlen lügen nicht

Pep Guardiola hatte in der Tat eine erhebliche Auswirkung auf Sterling. Nicht nur durch sein System, sondern vor allem in seiner Rolle als Mentor. Der Spanier nahm das lernwillige Offensivtalent unter seine Fittiche, arbeitete mit ihm an seiner Schusshaltung, seinem Abschluss und vor allem an seiner Entscheidungsfindung. Mit Erfolg!

Sterlings “xG/90 Minuten”-Wert, also seine zu erwartenden Tore pro 90 Minuten, ist trotz ähnlicher Schussanzahl deutlich angestiegen. Das lässt vermuten, dass Sterling sich in bessere Schusspositionen bringt, bzw. bessere Momente wählt, um auch wirklich den Abschluss zu suchen (Entscheidungsfindung). Gestützt wird diese These von der kontinuierlich steigenden Anzahl an Torschussvorlagen und deren Qualität. Darüber hinaus scheint sich sein Abschluss in der laufenden Saison verbessert zu haben. Sterling übertrifft erstmals den xG-Wert, ein Beleg für steigende Effizienz.

SaisonSchüsse /90MinxG/90Tore/90Torschussvorlagen/90xA/90xG+xA/90
2015/20162,410,330,271,620,150,48
2016/20172,270,290,251,640,200,49
2017/20183,020,650,631,910,310,96
2018/20192,240,480,522,240,390,87

Um allerdings zu beweisen, dass die verbesserten Werte nicht nur ein Produkt der gesamtmannschaftlichen Leistungen sind, muss man sie mit den Teamwerten vergleichen.

SaisonTeam xG/90Sterling xG+xA/90Anteil Sterling
2015/20161,740,4827,6 %
2016/20172,100,4822,9 %
2017/20182,410,9639,8 %
2018/20192,460,9136,9%

Mit Guardiola steigerte sich Citys “Team-xG” – also die zu erwartenden Tore der gesamten Mannschaft – innerhalb einer Saison von 1,74 auf 2,1 pro Spiel. Im Meisterschaftsjahr gab es sogar noch einen weiteren großen Sprung auf stolze 2,41 “xG” pro Spiel. Vergleicht man das mit Sterlings persönlichen Werten, so fällt auf anhieb auf, dass er nicht Nutznießer, sondern treibende Kraft des Aufschwungs ist. Sein Einfluss auf die Gesamtoffensive ist enorm.

Photo ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Produzent

Es geht immer nur um Titel. […] Ich möchte einfach der Beste sein, der ich sein kann. Ich versuche sie [die Kritik] verstummen zu lassen, aber ich glaube, die Öffentlichkeit kann das so nicht sehen. [Sterling April 2015]

Vielleicht wollte Sterling bei seinem viel kritisierten Entschluss 2015 tatsächlich nur Titel gewinnen? Am Sonntag vor zwei Wochen sicherte er mit seinem entscheidenden Strafstoß im Elfmeterschießen des Carabao Cups bereits seinen vierten im Trikot der Cityzens. Darüber hinaus sind neben dem erneuten Gewinn der Meisterschaft auch der FA Cup und sogar die Champions League in seiner erst dritten Saison ebenfalls noch im Bereich des Machbaren. Liverpool dagegen hat seit 2012 keine einzige Trophäe gewonnen.

Vielleicht sah er vor drei Jahren bei Manchester City einfach bessere Voraussetzungen, um sein enormes Potential zu erfüllen. Dort wurde er von einem der besten Trainer der Welt ausgebildet und ist zu einem der besten Offensivspieler der Premier League avanciert. Das heißt nicht, dass das bei Liverpool nicht funktioniert hätte, seiner Entscheidung gibt es dennoch Recht.

Raheem Sterling ist nicht das Produkt eines Systems, er ist ein maßgeblicher Produzent in einer der ambitioniertesten Mannschaften der Welt. Man müsste nur genauer hinsehen…

(Photo by Clive Rose/Getty Images)
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