Ex-BVB-Spieler Sergio Gómez – Neue Position, neues Glück

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Sergio Gómez zählte einst zu den vielversprechendsten Spielmacher-Talenten Europas. Mittlerweile ist der Spanier 21 Jahre alt und konnte den den hohen Erwartungen in vergangenen Jahren nicht vollends gerecht werden. Im vergangenen Sommer sorgte ein Vereins- und Positionswechsel für eine positive Wendung.

Sergio Gómez: Ausgebildet in La Masia

Die Jugendakademie des FC Barcelona zählt zu den prominentesten der Welt. In La Masia wurden in den letzten Jahrzehnten Stars wie Lionel Messi, Andrés Iniesta oder Pep Guardiola ausgebildet. Im Alter von zehn Jahren wechselte Sergio Gómez von der Jugendabteilung von RCD Espanyol in die angesehene Talentschmiede des Stadtrivalen und durchlief alle Jugendmannschaften der Blaugrana. Auf Bühnen wie der Youth-League und der U-17-Weltmeisterschaft 2017 rückte der schmächtige Offensivspieler erstmals ins internationale Rampenlicht. Gómez überzeugte bei dem Turnier in Indien und wurde zum zweitbesten Spieler des Turniers gewählt. Eine Niederlage gegen die englische U-17-Auswahl im Finale war der Grund dafür, dass der große Triumph auf Teamebene ausblieb.

Gómez war zum damaligen Zeitpunkt ein spielstarkes Offensivtalent, das sowohl im Zehnerraum, als auch auf den Flügelpositionen zum Einsatz kam. Besonders in engen Räumen kamen die Stärken des technischversierten Spaniers zum Vorschein. Mit flachen Steckpässen bediente er besser positionierte Mitspieler oder suchte nach geschickten Dribblings selbst den Abschluss.

Gomez bei Spaniens U17

ARUN SANKAR/AFP via Getty Images

Gómez wurde zum damaligen Zeitpunkt von europäischen Topclubs umworben und feierte als 17-Jähriger sein Debüt im Herrenbereich bei der Zweitauswahl der Katalanen. Obwohl vielversprechende Ansätze erkennbar waren, kam es nicht zu Einsätzen bei der ersten Mannschaft. Im Januar 2018 folgte ein Wechsel zu Borussia Dortmund. Die BVB-Verantwortlichen zahlten die festgeschriebene Ablösesumme von drei Millionen Euro und setzten sich im Werben um Gómez Dienste gegen zahlreiche namhafte Konkurrenten durch, wie Michael Zorc bestätigte.

Sergio Gómez: Die Karriere gerät ins Stocken

Bei Borussia Dortmund sollte der Neuzugang behutsam integriert werden und sammelte den ersten Monaten Spielpraxis in der U19 und der Zweitauswahl des BVB, die in der Regionalliga West spielte. Im April 2018 folgten die ersten Bundesliga-Minuten. Der damalige Cheftrainer Peter Stöger wechselte ihn in den Partien gegen den VfB Stuttgart und Bayer 04 Leverkusen in den Schlussminuten ein.

Im Sommer 2018 verpflichtete der BVB mit Lucien Favre einen Trainer. Zwar debütierte Gómez unter dem risikoscheuen Schweizer in der Champions League, als er in einem Gruppenspiel gegen die AS Monaco in der Nachspielzeit eingewechselt wurde, doch der große Durchbruch blieb ihm verwehrt. Die vier Einsatzminuten beim Auswärtsspiel in Monaco sollten die letzten für Gómez im Trikot der Profimannschaft des BVB sein.

Während das Jungtalent mit der spanischen U-19-Nationalmannschaft den Gewinn des EM-Titels feierte, stagnierte seine Karriere auf Vereinsebene. Das ließ sich vor allem auf das unterschiedliche Gegnerniveau zurückführen. Mit einer Körpergröße von 1,71m und einem schmächtigen Körperbau wirkte der Spanier in Zweikämpfen häufig überfordert. Im Vergleich zum Jugendbereich sind die Defensivspieler im Herrenbereich im Regelfall wesentlich robuster, agiler und schlichtweg cleverer.

Im August 2019 schien es so, als wäre Gómez noch immer nicht bereit für Einsätze in der ersten Mannschaft des BVB und man einigte sich mit dem SD Huesca auf ein vorerst einjähriges Leihgeschäft. Der Klub aus dem Osten Spaniens gelang in der Spielzeit 2019/20 der Aufstieg in die Primera Division. Der damals 19-Jährige kam in 37 von 38 Partien zum Einsatz und zählte zu den Leistungsträgern. Gómez wurde regelmäßig auf den offensiven Flügelpositionen und gelegentlich im Zentrum eingesetzt. Aufgrund der positiven Entwicklung entschieden sich alle Beteiligten für eine Verlängerung des Leihe um ein Jahr.

Nach dem Aufstieg in der Debütsaison folgte der Abstieg in der Folgesaison. Der Jungprofi kam in der Abstiegssaison zu 29 La-Liga-Einsätzen, absolvierte jedoch nur eine Partie über die volle Spielzeit. Gómez hatte seinen Platz im Profifußball noch immer nicht gefunden. Zum 30. Juni 2021 lief das Leihgeschäft zwischen dem spanischen Absteiger und dem BVB aus. Trotz der nicht vollends überzeugenden Entwicklung hinterlegte der RSC Anderlecht im vergangenen Sommer Interesse bei Borussia Dortmund und verpflichtete Gómez für etwas mehr als zwei Millionen Euro.

Gómez Wechsel nach Anderlecht: Innovation wird belohnt

Während Gómez in seinem Heimatland mit lediglich 21 Jahren als gescheitertes Talent galt, kam in Anderlecht ein neuer Ansatz zum Tragen. Trainer Vincent Kompany plante ihn weder im Offensivzentrum, noch auf dem Flügel ein. Die Belgier setzte Gómez ausschließlich als Linksverteidiger ein. Das mag im ersten Moment paradox wirken – schließlich waren es unter anderem physische Defizite, die dafür sorgten, dass die Karriere ins Stocken geriet. Konträr zu vielen Erwartungen sollte der innovative Ansatz der Belgier belohnt werden.

Heatmap von Sergio Gómez in der Jupiler-Pro-League 2021/22 |Quelle: Sofascore

Bereits nach wenigen Partien verschwanden die Zweifel und es wurde offensichtlich, dass die Scouting-Abteilung in der Causa Gómez gute Arbeit geleistet hatte. Ganzheitlich betrachtet formiert sich der RSC Anderlecht unter Kompany im Regelfall in der Defensive mit einer Viererkette, während es in der Offensive häufiger zu Wechseln und Variationen kommt. Auf der linken Abwehrseite ist Gómez innerhalb kürzester Zeit zur tragenden Säule geworden.

Trotz der grundsätzlich tieferen Positionierung kommen Gómez Stärken in der Offensive in aller Regelmäßigkeit zur Geltung. Noch immer ist es so, dass der Spanier das Spielverständnis, die Übersicht und die technischen Fähigkeiten besitzt um Situationen unter Gegnerdruck ideal zu lösen. So gelingt es dem gelernten Offensivspieler entweder sich oder seinen Teamkollegen Freiräume auf der Außenbahn zu erspielen. Vorstöße und geregelter Offensivdrang gehören zum Spielstil des Spaniers, der bei seinem neuen Klub als aufrückender Breitengeber fungiert.

Des Weiteren verfügt Gómez über ein exzellentes Spielverständnis, dass sich an seinem Freilaufverhalten erkennen lässt. Dem 21-Jährigen gelingt es seine Läufe ideal zu timen und manövriert sich so mit Leichtigkeit in Freiräume auf der Außenbahn oder dem Halbraum. Bietet sich die Option zu Flanken, wählt er diese Variante häufig. Flanken und Hereingaben sind ein fester Bestandteil des Spielstils des RSC Anderlecht in der laufenden Saison.

Für die Verwertung der Hereingaben sind unter anderem die physisch präsenten Stürmer Christian Kouamé und Joshua Zirkzee, der eine Körpergröße von 1,93m misst, zuständig. Die Zuspiele ins Zentrum kommen häufig flach und präzise im gegnerischen Strafraum an. Für eine optimale Strafraumbesetzung sind neben den Stürmern die aufrückenden Mittelfeldspieler zuständig. Mit 50 Toren stellt der RSC Anderlecht momentan, torgleich mit dem Tabellenführer aus Saint-Gilloise, die gefährlichste Offensive der Jupiler-Pro-League. Mit elf Vorlagen und fünf Treffern untermauert Sergio Gómez seinen Status als Schlüsselspieler des belgischen Tabellendritten.

Im Spielsystem der Anderlechter kommen die Qualitäten des 21-Jährigen nahezu perfekt zur Geltung und Schwächen werden geschickt kaschiert. In der Defensive glänzt der Spanier selten mit physischer Präsenz in Zweikämpfen, dafür mit positioneller Cleverness und Laufbereitschaft. Bei gegnerischem Ballbesitz verteidigt er die Räume strukturiert in Absprache mit seinem Defensivkollegen und gerät so selten in Bredouille. Lediglich zwei gelbe Karten und 0,8 Fouls pro 90 Minuten belegen, dass er im puncto Defensivarbeit nicht gänzlich überfordert wird.

Trend der 2010er-Jahre: Spielgestalter auf der Außenbahn

Auf der Außenverteidiger-Position konnte im vergangenen Jahrzehnt eine interessante Entwicklung beobachtet werden. Beim FC Bayern begann Pep Guardiola das Rollenprofil zu verändern – Außenverteidiger wie Phillipp Lahm oder Joshua Kimmich begannen je nach Situation ins zentrale Mittelfeld einzurücken und nahmen so noch größeren Einfluss auf das eigene Spiel. Wenige Jahre später feierte die 3/5er-Hybridkette, in der die Außenverteidiger auch in der Offensive eine essenzielle Rolle spielen, unter Antonio Conte eine Renaissance. Das Rollenprofil des Außenverteidigers wurde der Entwicklung entsprechend anspruchsvoller und vielfältiger.

Bei zahlreichen Teams, die mit einer Viererkette auflaufen, lässt sich feststellen, dass mindestens ein Außenverteidiger sich, trotz der grundsätzlich tieferen Positionierung, planmäßig in das Offensivspiel der Mannschaft einschaltet. So spielen beispielsweise Defensivakteure wie Trent Alexander-Arnold, Raphael Guerreiro oder Alphonso Davies bei ihren Klubs auch in der Offensive eine Schlüsselrolle. Gleiches trifft auf Gómez zu, der sich mit starken Leistungen in den vergangenen Monaten erneut in den Fokus europäischer Topklubs spielte.

 

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