Freitag, Oktober 30, 2020

Bundesliga-Vorschau Teil 4: Leverkusen, Arminia Bielefeld, VfB Stuttgart

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Am Freitag startet die neue Saison in der Bundesliga. Teil vier der 90PLUS-Saisonvorschau beschäftigt sich mit Bayer Leverkusen, dem SC Freiburg und dem VfB Stuttgart.

  • Bayer Leverkusen: Viele Veränderungen
  • SC Freiburg: Alles wie immer?
  • VfB Stuttgart: Klassenerhalt als oberstes Ziel

Teil 1: RB Leipzig, Eintracht Frankfurt, FC Union

Teil 2: Dortmund, Wolfsburg, Mainz 05

Teil 3: FC Bayern, Hertha BSC, Augsburg

Bayer Leverkusen

Letzte Saison: 5. Platz

Bis zum letzten Spieltag der Saison 2019/2020 hoffte man in Leverkusen darauf, den Erfolg des Vorjahres wiederholen zu können und sich die erneute Qualifikation für die Champions League zu sichern. Doch am Ende hatte der Konkurrent aus Gladbach die Freude auf seiner Seite und in Leverkusen wird man nun einen erneuten Versuch in der Europa League starten.

Alles in allem blickt man also nicht unbedingt auf eine enttäuschende Saison zurück, hat aber auch noch Luft nach oben. Denn der Kader von Bayer war im vergangenen Jahr ein wirklich spannender. Und er wird es auch in diesem Jahr sein. Es scheint ja schon fast Tradition, dass eine solche Einschätzung zu Saisonbeginn über die Werkself getroffen wird und nach 34 Spielen wieder einmal ein wenig das Gefühl aufkommt, dass man nicht alles aus seinen Möglichkeiten gemacht hat. Die Hoffnung wird nicht nur bei Trainer Peter Bosz (56) groß sein, dass dies im kommenden Jahr nicht der Fall sein wird.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Vieles ändert sich

Bayer ist unter dem niederländischen Trainer einmal die Champions-League-Qualifikation gelungen, jetzt scheiterte man einmal knapp. An guten Tagen kann die Werkself gegen jeden Gegner für Furore sorgen und berauschenden Fußball spielen. Trotz einiger Inkonstanz und damit verbunden immer auch zwischendurch eingestreuten, enttäuschenden Auftritten, wirkte die Basis von Bosz‘ Arbeit am Rhein gefestigt. Auch gegen die absolute Spitze der Liga sah man gut aus, konnte in der Rückrunde in einem verrückten Spiel Borussia Dortmund schlagen. Genau ein solches Spiel hatte man gegen den selben Gegner im Jahr zuvor noch auf ähnlich spektakuläre Art verloren.

Man könnte also sagen, dass die Entwicklung der Mannschaft, trotz schlechterer Platzierung, in eine gute Richtung geht. Wenn, ja wenn, das Transferfenster nicht wäre. Denn der Kader auf den der Holländer in der kommenden Spielzeit zugreifen kann, hat sich massiv verändert. Mehrere Schlüsselspieler im System Bosz haben den Verein verlassen, eine Situation, die auch auf dem Platz sichtbar werden könnte. Über allem steht natürlich der Abgang von Kai Havertz (21). Der deutsche Nationalspieler war der Zielspieler der letzten Saison und bestimmte das Spiel Bayers wie keine zweite Figur. Sein außergewöhnliches Gesamtpaket wird kaum eins zu eins zu ersetzen sein, Bosz braucht hier neue Lösungen. Und auch wenn nicht mehr unumstritten, dürfte auch der Abgang von Kevin Volland (28) zu Monaco weh tun. Der Stürmer war lange in Leverkusen gesetzt und hätte durchaus einer der Spieler sein können, auf den Bosz setzt, wenn es darum geht den Abgang von Havertz aufzufangen.

(Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

Die beiden namhaften Abgänge haben zur Folge, dass Leverkusen einige Einnahmen verzeichnen konnte. Es liegt also nahe, dass man von den Leverkusenern einiges an Aktivität auf dem Transfermarkt erwartet, um die Spieler, die den Verein verließen, zu ersetzen und möglichst eine Mannschaft auf dem Niveau des Vorjahres aufzustellen. Doch bis jetzt blieb die Werkself erstaunlich unspektakulär, die einzige große Verpflichtung des Sommers heißt Patrik Schick (24) und kommt für rund 26 Millionen unters Bayer-Kreuz. Der Tscheche hat im letzten Jahr in Leipzig seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis gestellt und bringt einiges mit, was Leverkusen nach Volland und Havertz benötigt. Doch natürlich kann Schick alleine die Abgänge nicht auffangen. Bei den kolportierten Einnahmen der Leverkusener verwundert es also fast, dass keine weiteren Spieler verpflichtet wurde.

Die Offensive ist nicht das Problem

Was für die enorme Qualität des Bayer-Kaders im Bereich der Offensive spricht: Trotz Havertz und Vollands Weggehen dürfte der Angriff nicht das große Problem sein. Zwar geht gerade mit dem, zu Chelsea wechselnden, Youngster viel Facettenreichtum aufgrund seiner Vielseitigkeit verloren, aber Bosz stehen weiterhin Spieler wie Diaby (21), Amiri (23), Bailey (23) und Co. zur Verfügung. Weiterhin eine spannende Mischung, die sicherlich im oberen Drittel der Bundesliga anzusiedeln ist. Besonders ein Spieler könnte in Kombiantion mit Schick so einiges auffangen. Kerem Demirbay (27), wurde von Peter Bosz im letzten Jahr oftmals nicht auf seiner Idealposition eingesetzt, spielte auf dem Flügel oder zu tief in der Zentrale. Jetzt wo ein wenig Platz hinter den Spitzen ist, könnte der Zugang des letzten Jahres erst richtig ankommen und seine ganze Klasse zeigen.

Das eigentliche Problem Leverkusens dürfte auch in der kommenden Saison in den hinteren Reihen der Aufstellung liegen. Defensiv hat die Werkself unter dem niederländischen Coach zwar eine positive Entwicklung genommen, vollumfänglich sattelfest ist man aber noch immer nicht. Die enorm sicheren Bender-Zwillinge (31) sind beide sehr verletzungsanfällig, Nationalspieler Jonathan Tah (24) läuft den Erwartungen ein wenig hinterher und hatte teilweise mit starken Formschwankungen zu kämpfen. Die Außenverteidiger Weiser (26) und Wendell (27) sind beide nicht unbedingt für die Ruhe im Abwehrverhalten bekannt. Lichtblick ist Winterzugang Edmond Tapsoba (21). Der junge Innenverteidiger überzeugte direkt und deutete an, dass mit ein wenig mehr Konstanz in den Leistungen hier ein absoluter Topspieler heranreifen könnte.

Im Fokus: Kerem Demirbay

Wie schon oben geschrieben, könnte der deutsche Nationalspieler DIE interne Lösung nach dem Abgang von Kai Havertz sein. Demirbay bringt zwar nicht die Kopfballstärke und den direkten Zug zum Tor mit, hat aber dennoch vieles an Rüstzeug um der zentrale Spieler bei Bayer zu sein.

Photo by Stuart FRANKLIN / POOL / AFP

Demirbay hat große technische Fähigkeiten und bewegt sich sehr gut zwischen den Ketten, kann immer wieder Löcher reißen. Wenn Bosz den Mittelfeldmann nun etwas offensiver einsetzt, als in der letzten Saison, könnte die Saison für den 27-Jährigen sehr erfolgreich verlaufen.

Für den direkten Abschluss und die Kopfballstärke könnte dann Schick einspringen. Im Zusammenspiel mit dem tschechischen Abnehmer könnte Demirbay endlich zu der zentralen Figur aufsteigen, die er schon bei Hoffenheim war und die sich viele auch seit seinem Wechsel zur Werkself gewünscht haben.

Prognose

Leverkusen dürfte erneut um die vorderen Plätze der Tabelle konkurrieren, die anderen Mannschaften scheinen aber einen Tick besser aufgestellt und mussten weniger Veränderung in der Spitze des Kaders hinnehmen als die Werkself. Realistisch gesehen wird es wohl auch im nächsten Jahr die Europa League.

Julius Eid

Arminia Bielefeld

Letzte Saison: Aufstieg

Nach elf Jahren Abstinenz konnte Arminia Bielefeld endlich wieder in die Bundesliga zurückkehren. Als Meister der 2.Bundesliga zeigte man über die komplette Spielzeit über starke Leistungen, ein ansehnlicher und offensiver Fußball wurde mit dem Aufstieg belohnt. Zudem zeichnete sich die Arminia auch dadurch aus, sich dem Gegner anpassen zu können und ebenso mal mit einem Remis zufrieden zu sein. Im Rückrundenduell mit dem HSV agierte der DSC über 90 Minuten lang passiv, versuchte das Tor sauber und mit einem Unentschieden den HSV tabellarisch auf Abstand zu halten – was gelang. So konnte schlussendlich vorzeitig die Meisterschaft und der damit verbundene Aufstieg gefeiert werden.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Dieser Aufstieg war vor allem ein Verdienst von Trainer Uwe Neuhaus (60). Der offensiv denkende Fußballlehrer ist seit Dezember 2018 im Dienst auf der Alm und schaffte es sofort, die Mannschaft umzukrempeln. Dass die Mannschaft Fußball spielen kann, zeigte sie auch bereits unter Vorgänger Jeff Saibene (52), doch erst unter Neuhaus gesellte sich der Erfolg wirklich dazu. In den 54 Pflichtspielen, die Neuhaus bislang leitete, spielte seine Mannschaft meist erfolgreich, schnörkellos und effektiv. Die Defensivreihen der gegnerischen Teams wurde oftmals zur Verzweiflung gebracht, die Spiele nicht selten deutlich gewonnen. Doch jetzt erreicht Bielefeld eine ganz neue Situation, als Aufsteiger ist man fast immer der Außenseiter und die Wahrscheinlichkeit für Rückschläge höher. Wie wird Arminia mit dieser Situation klar kommen?

Transferphase zum Nulltarif

Der DSC schaffte es sich gezielt zu verstärken, ohne dabei große Ablösesummen zu zahlen. Das ausgeprägte Scouting bezog dabei vor allem Akteure aus den deutschen Nachbarländern mit ein. So kamen die beiden Außenverteidiger Jacob Barrett Laursen (25, Odense BK) und Nathan de Medina (22, Royal Mouscron) aus Dänemark und Belgien, zudem verpflichtete man mit Christian Gebauer (26, SCR Altach) einen Offensivmann aus Österreich. Daneben wurde sich mit Talent Noel Niemann (20, 1860 München) und dem erfahrenen Innenverteidiger Mike van der Hoorn (Swansea City) verstärkt. Leihweise schlossen sich der Arminia zudem noch Ritsu Doan (22, PSV Eindhoven) und Sergio Cordova (23, FC Augsburg) an.

Den Verein verlassen haben Jonathan Clauss (27, RC Lens), Patrick Weihrauch (26, Dynamo Dresden), Keanu Staude (23, Würzburger Kickers), Florian Hartherz (27, Fortuna Düsseldorf), Philipp Klewin (26, Erzgebirge Aue), Alex Perez (29, DU Logrones), Stephan Salger (30, 1860 München), Nils Quaschner (26, vereinslos) und Tom Schütz (32, vereinslos).

Mit diesen Transfers sieht sich Bielefeld derzeit gut aufgestellt, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Die Mischung aus erfahrenen Akteuren, die auch in schwierigen Zeiten voran gehen und den jungen Wilden, die frei und beherzt aufspielen können, stimmt auf den ersten Blick. Der Konkurrenzkampf ist hoch, Neuhaus hat somit die Qual der Wahl.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Zwischen Mittelfeld und Abstiegskampf – Alles kann, nichts muss

Der Abstiegskampf in der Bundesliga könnte in diesem Jahr noch einmal spannender und offener werden, eindeutige Favoriten auf den Gang ins Unterhaus gibt es eigentlich nicht. Dass Bielefeld nicht nur aufgrund der Rolle des Aufsteigers hierbei dennoch genannt wird, ist fast selbstverständlich, aber keinesfalls gleichbedeutend mit einem sicheren Abstieg. Zwischen Platz 18 und Platz 13 sollte für den DSC alles möglich sein, vieles wird davon abhängen, wie die Mannschaft in die Saison startet und inwiefern ein positiver oder negativer Lauf die Stimmung und Moral beeinflusst.

Mit Neuhaus steht ein Trainer an der Seitenlinie, der als Spieler nie den großen Erfolg hatte, als Trainer im Unterhaus aber meist zu überzeugen wusste. Dass er nun mit seinen 60 Jahren den größten Erfolg seiner Karriere feiern darf, dürfte er selbst kaum für möglich gehalten. Unter Neuhaus spielt Arminia Bielefeld ein offensiv interpretiertes 4-4-3. Ein starkes Fokus liegt dabei auf den Außenpositionen, über welche Mittelstürmer Fabian Klos (32) regelmäßig mit Vorlagen gefüttert werden soll. Außerdem ist das Umschaltspiel der Bielefelder ein Kernelement.

Mit reichlich Tempo und einem permanenten Zug zum Tor sind die gegnerischen Abwehrreihen im besten Fall unter Dauerbeschäftigung. Abzuwarten bleibt jedoch, ob Neuhaus diesen offensiven Ansatz auch in der Bundesliga beibehält. Gegen stärkere Teams ist zu vermuten, dass sich Bielefeld schlichtweg auf die Defensive konzentriert und mit dem Konterspiel für Nadelstiche sorgt. Gegen Teams wie Stuttgart oder Köln dürfte dann aber der altbewährte Fußball aus der letzten Saison zu sehen sein.

Spieler im Fokus: Ritsu Doan

Der 22-jährige Japaner Ritsu Doan kam vergangenen Woche nach Bielefeld und ist für eine Saison vom niederländischen Spitzenklub PSV Eindhoven ausgeliehen. Er gilt als Akteur mit dem höchsten Marktwert im Kader, muss diesen nun aber erst einmal bestätigen und diesem auch in der Bundesliga gerecht werden. Der Flügelspieler ist am liebsten auf der rechten Außenbahn beheimatet, insgesamt aber flexibel einsetzbar. Mit seiner internationalen Erfahrung in der japanischen Nationalmannschaft soll er ein wichtiger Baustein in Bielefelds Offensive werden und dazu beitragen, dass diese noch unberechenbarer wird.

(Photo by Thomas F. Starke/Getty Images)

Der Japaner gilt als schneller, trickreicher und abschlussstarker Spieler, der zudem noch ein Auge für seine Mitspieler besitzt. Alles Eigenschaften, die ideal in die Mannschaft von Neuhaus passen. Gelingt es ihm in der Bundesliga anzukommen, sollte er ein absoluter Schlüsselspieler für das Saisonziel Klassenerhalt werden.

Prognose

Natürlich zählt Aufsteiger Arminia Bielefeld zum Kreis der Mannschaften, die gegen den Abstieg spielen werden. Doch das Feld der Konkurrenz ist umkämpfter und größer als zuletzt, eine Platzierung im Mittelfeld der Bundesliga wirkt also keineswegs unwahrscheinlich. Gelingt es der Arminia sich in einen kleinen Rausch zu spielen, könnte sie zu einer der positiven Überraschungen der Saison zählen.

Steffen Gronwald

VfB Stuttgart

Letzte Saison: Aufstieg

Nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga im vergangenen Jahr war die Marschroute für die Saison 19/20 klar: Der direkte Wiederaufstieg sollte gelingen. Dass man diesen erst am letzten Spieltag endgültig besiegeln konnte, entsprach zwar nicht den hohen Erwartungen, das Ziel wurde aber erreicht.

Der Weg dorthin war jedoch alles andere als einfach. Mit Tim Walter (44) wurde vor der Saison ein Trainer verpflichtet, der für modernen und offensiven Ballbesitzfußball steht. Bereits in der Winterpause trennte man sich, auf dem dritten Tabellenplatz stehend, wieder von Walter, da es interne Differenzen mit dem Übungsleiter gegeben haben soll und die Mannschaft die erhoffte Dominanz oftmals nicht ausstrahlen konnte. Als Nachfolger wurde Pellegrino Matarazzo (42) verpflichtet, der die Mannschaft stabilisiert und in die 1. Bundesliga geführt hat.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Clevere Transfers mit kleinem Budget

Um den Kader bestmöglich für die Bundesliga aufzustellen, legte Sportdirektor Sven Mislintat (47) das Augenmerk im vergangenen Transfersommer vor allem auf die Verstärkung der Defensive. Mit Pascal Stenzel (24, rechter Verteidiger), Gregor Kobel (22, Torwart) und Wataru Endo (27, Mittelfeldspieler) konnten drei Leihspieler fest verpflichtet werden, die in der letzten Saison überzeugt haben. Eine weitere wichtige Ergänzung für den VfB-Kader ist Waldemar Anton (24), der für vier Millionen Euro von Hannover 96 zu den Schwaben wechselte. Der ehemalige U21-Nationalspieler kann alle drei Innenverteidigerpositionen im von Matarazzo favorisierten 3-4-2-1 bekleiden und wird in der kommenden Saison gesetzt sein. 

Darüber hinaus wurde mit Konstantinos Mavropanos (22) ein weiterer Innenverteidiger vom FC Arsenal ausgeliehen. Eher perspektivisch dürfte der Transfer von Momo Cisse (17) sein, der vom AC Le Havre ablösefrei verpflichtet wurde. Als einzige direkte Verstärkung für die Offensive ist Erik Thommy (25) zu sehen, der von einer Leihe zu Fortuna Düsseldorf zurückkehrt.

Was wird aus Nicolas Gonzalez?

Nach vorheriger Leihe verlassen haben den VfB hingegen sowohl Chadrac Akolo (25) als auch Anastasios Donis (23). Schwerwiegender ist der Abschied von Mario Gomez (34), der seine Schuhe zum Ende der vergangenen Saison an den Nagel gehangen hat. Gomez war ein wichtiger Bestandteil des VfB-Kaders und ist aufgrund seiner großen Erfahrung vor allem als Persönlichkeit und Mentor der jungen Spieler ein großer Verlust. Ähnliches gilt für Holger Badstuber (31), der diese Rolle von nun an bei der Stuttgarter U23 ausfüllen wird. Der von Verletzungen geplagte Innenverteidiger hält sich bei der Reserve fit, wird jedoch mit einem Wechsel in die USA in Verbindung gebracht. Auf Leihbasis haben den VfB außerdem Pablo Maffeo (23) und Nikolas Nartey (20) verlassen.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Die am meisten diskutierte Personalie in diesem Sommer war jedoch zweifellos Nicolas Gonzalez (22). Der argentinische Stürmer war mit seinen 14 Saisontreffern einer der Topspieler in der 2. Bundesliga und wandte sich nach der Saison mit einem Wechselwunsch an die Öffentlichkeit. Medienberichten zufolge soll es zahlreiche Interessenten für den dribbelstarken Linksfuß gegeben haben. In einem Vorbereitungsspiel zog sich Gonzalez dann allerdings einen Muskelbündelriss zu, womit die Wechselambitionen vom Tisch sein dürften.

Taktische Feinjustierung für die Bundesliga

Über den vermeintlichen Verbleib dürfte sich besonders Pellegrino Matarazzo freuen, in dessen System Gonzalez eine zentrale Rolle spielt. Der Trainer ließ seine Mannschaft im Testspiel gegen den HSV mit ungewohnter Viererkette auflaufen, was die taktische Variabilität erhöht. Damit ist der VfB schwieriger auszurechnen und Matarazzo kann während eines Spiels auf Umstellungen des Gegners reagieren. Das System der Wahl wird aber weiterhin das 3-4-2-1 sein. 

Ändern wird sich allerdings zwangsläufig die Art und Weise, wie der VfB in der Bundesliga taktisch auftreten wird. In der vergangenen Saison hatten die Schwaben häufig hohe Ballbesitzwerte und agierten dominant. Die Vorbereitungsspiele ließen jedoch erahnen, dass Matarazzo die Spielweise etwas anpassen wird: “In der Phase beim Ballgewinn geht es darum, die Räume mit viel Tempo zu nutzen”, so Matarazzo gegenüber der BILD. Der VfB wird in der kommenden Saison sein Gesicht also etwas verändern und vermehrt auf Konterfußball setzen. Mit Silas Wamangituka (20) und Erik Thommy (25) verfügt der VfB-Coach über temporeiche Spieler, denen diese Neuausrichtung sicher zugutekommen wird. Natürlich wird die Spielanlage nicht vollständig verworfen denn “wir wollen auch den Ball haben und uns durchs Kombinieren im eigenen Ballbesitz Erholung schaffen”.

Im Fokus: Wataru Endo

Eine zentrale Rolle wird dabei Wataru Endo zukommen, der vor der Abwehr gesetzt sein dürfte. Unter Tim Walter musste der Japaner das Spiel häufig von der Bank aus betrachten und gehörte nur selten zur Startaufstellung. Mit der Amtsübernahme Matarazzos änderte sich das jedoch schlagartig. Endo gehörte fortan zum Mannschaftskern und bestätigte das Vertrauen seines Trainers mit guten Leistungen im defensiven Mittelfeld. Sein Trainer zeigt sich offenkundig begeistert: „Er ist aktuell der wichtigste Spieler für uns auf dem Platz.“

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Zu seinen Stärken gehören seine unaufgeregte Spielweise sowie seine klugen Pässe und ein feines Gespür für das Spiel. So trifft er häufig richtige Entscheidungen, wann er das Spiel beschleunigen und wann er es beruhigen muss. Aber auch gegen den Ball weiß der Rechtsfuß zu überzeugen. Mit starkem Stellungsspiel und souveränem Zweikampfverhalten ist er ein absoluter Allrounder und stellt das Bindeglied zwischen Defensive und Offensive dar. Für den 27-Jährigen ist die kommende Saison ein Härtetest, in der er seine starken Leistungen bestätigen muss.

Prognose

Als Aufsteiger ist das Saisonziel natürlich klar: Der Klassenerhalt. Das Potential, um diesen zu erreichen, weist der Kader definitiv auf. Mit durchschnittlich 23,8 Jahren gehört der Kader zu den jüngsten der Bundesliga, was gerade in Drucksituationen, in denen junge Spieler oftmals Konstanz vermissen lassen, ein Nachteil sein kann. Es wird eine Saison mit Höhen und Tiefen werden, der Klassenerhalt scheint aufgrund der klugen Transfers und guten Kaderbalance aber durchaus realistisch zu sein.

Kilian Thullen

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

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