Lazio und die Roma: Sarri, Mourinho, neue Spieler – Aufbruch in der Hauptstadt

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Trainerwechsel stehen im Sommer 2021 im Mittelpunkt. Viele Topklubs in Europa gehen mit einem neuen Übungsleiter in die Saison. Das gilt auch für die Roma und Lazio. Mit José Mourinho und Maurizio Sarri soll nun in der Serie A angegriffen werden. 

  • Serie A: Aufbruch in der Hauptstadt – Lazio und Roma wollen für Furore sorgen
  • Maurizio Sarri soll bei Lazio für Spielkultur sorgen
  • José Mourinho: Erfolg oder Enttäuschung?

Lazio: Maurizio Sarri mit der Revolution?

Maurizio Sarri (62) ist als genialer Trainer, allerdings nicht immer als der einfachste Charakter bekannt. Der Italiener ist stur, vertraut auf klare Abläufe in der Art und Weise, wie er Fußball spielen lassen will. Zuweilen wirkt er genervt, der große Medienrummel ist ihm fremd. In seiner Trainerkarriere stand er lange Zeit nicht oder kaum im Mittelpunkt. Das änderte sich, als Sarri 2015 vom FC Empoli zur SSC Neapel wechselte. Der typische Ballbesitzfußball, der charakteristisch für Sarri-Teams ist, zeigte sich dort erstmals auf großer Bühne. In Neapel war er sehr erfolgreich, hatte Spielertypen, die seinen Stil perfekt umsetzen konnten. Doch der ganz große Schritt fehlte. 

Sarri Lazio

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2018 wechselte er schließlich zum FC Chelsea, gewann dort die Europa League, allerdings trennten sich die Wege nach nur einem Jahr, was er im Nachhinein als Fehler bezeichnete. Die Folgestation war Juventus, der größten Klub in Italien. Die Meisterschaft gewann Sarri zwar, zwischenmenschlich stimmte es intern aber nicht. Auch wenn nicht immer alles nach Plan verlief: Spielt eine Mannschaft einmal den Fußball, den sich Maurizio Sarri vorstellt, sind die Automatismen beeindruckend. Bevorzugt lässt er seine Mannschaften im 4-3-3 auflaufen, was bei Lazio, das zuletzt nahezu immer mit einem 3-5-2-System agierte, schon einer Revolution gleicht. Es ist aber eine, die extrem spannend sein kann. 

Wesentliche Merkmale des „Sarri-Ball“ sind perfekt einstudierte Abläufe im Aufbauspiel, Kurzpassstaffetten und viele Rhythmuswechsel. Das Ziel ist es, dass das Spiel kontrolliert und der Gegner durch die Tempowechsel permanent gefordert wird, physisch wie mental. Sarri und sein Team wollen den Gegner in bestimmte Zonen lenken, Verteidiger aus ihren Positionen zu locken und die sich bietenden Räume durch das Überladen einer Spiefeldseite mit dem perfekt einstudierten Kurzpassspiel zu nutzen. Geht der Ball verloren, erfolgt ein unmittelbares Gegenpressing. 

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„Sarri-Ball“, aber noch kein Sarri-Kader

In den letzten Jahren spielte Lazio zumeist eine gute Rolle in der Serie A und schafft es, sich regelmäßig für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Mit Trainer Simone Inzaghi (45), den es zu Meister Inter zog, war der Klub auch enorm zufrieden. Unter Sarri dürfte sich nun einiges ändern, erfolgreich kann Lazio nach dem sechsten Platz in der Vorsaison aber auch weiterhin spielen. Die Frage ist allerdings, inwiefern der Kader schon den Ansprüchen des neuen Trainer genügt und wie lange es dauert, den Spielstil mit dem vorhandenen Personal aufzusaugen. Die geringsten Probleme bestehen sicher im Tor und in der Innenverteidigung, doch schon außen wird es interessant. Elseid Hysaj (27) sollte als Rechtsverteidiger einen Stammplatz erhalten, denn ihn kennt Sarri bereits und er ist der ideale Mann für eine Viererkette.

Auf der linken Seite muss Lazio aber bereits nach der Ideallösung suchen. Hier könnte der Klub definitiv noch einmal nachlegen, damit eine gute Balance auf diesen Positionen herrscht. Im Mittelfeldzentrum stehen mit Sergej Milinkovic-Savic (26) und Luis Alberto (28) zwei hochkarätige Spieler zur Verfügung. Milinkovic-Savic ist eine Art Box-to-Box-Player mit viel Dynamik in seinem Spiel, Luis Alberto ein klassischer Gestalter mit überragendem Passspiel und vielen guten Elementen im Spiel mit dem Ball. Auch Joaquin Correa (26), unter Inzaghi noch als Sturmpartner von Ciro Immobile (31) im Einsatz, ist ein Kandidat, der im Zentrum zurückgezogen agieren kann. 

Lazio Roma

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In der Offensive liebt Sarri Spieler, die sehr beweglich sind, sich immer wieder von ihren Positionen zurückziehen und so die gegnerische Abwehr durcheinander wirbeln können. Die Angriffsmuster sind nicht mit dem Spiel unter Inzaghi zu vergleichen, deswegen dürfte es auch hier einerseits noch zu einem Neuzugang kommen, andererseits Zeit in Anspruch nehmen, bis alles funktioniert. Das Interesse an Julian Brandt (25), einem sehr kreativen Spieler im Offensivbereich, ist abgekühlt, weil der Spieler seine Zukunft zumindest kurzfristig in Dortmund sieht. Es zeigte aber, dass Lazio die Augen offen hat.  Und das dürfte sich im Verlauf des restlichen Sommers auch nicht ändern. 

José Mourinho: Die Rückkehr in die Serie A

Lazio und die Roma stehen in der Serie A in einer besonderen Konkurrenzsituation. Beide Mannschaften gehen mit einem neuen Trainer in die Saison 2021/22. Und wenn man bei Lazio und Sarri von einem durchaus „schwierigen“ Trainer reden kann, dann trifft das auf José Mourinho (58) bei der Roma mindestens in diesem Maße zu. Wer den Portugiesen anstellt, der weiß genau, was er bekommt. Einen Trainer, der sich vor seine Mannschaft stellt. Und einen Trainer, der eher eine Kette an Verschwörungstheorien anzettelt, als Fehler öffentlich zuzugeben. Der Unterhaltungsfaktor dürfte in jedem Fall vorhanden sein. Doch kann Mourinho mit diesem Team auch fußballerisch überzeugen?

Genau das war nämlich nicht nur bei der letzten Station bei den Tottenham Hotspurs ein Problem. Mourinho-Teams stehen häufig tief und versuchen, den Gegner zu zermürben. Individuelle Klasse in der Offensive ist von enormer Bedeutung. Denn schnelle, zielstrebige Konter, die einem wirklich guten Muster folgen, sind das Markenzeichen. Mourinho-Mannschaften sind in ihrer Topform schwer zu bespielen, aber bei den Spurs gelang es dem Portugiesen zu selten, die Mannschaft in diese Sphären zu bringen. Die Trennung war folglich unausweichlich. Der neue Job ist nun aber die Möglichkeit für den 58-Jährigen, es den Kritikern noch einmal zu zeigen.

Mourinho

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Es sind zumindest die Rahmenbedingungen gegeben, die dafür sorgen können, dass Mourinho für eine zumindest zeitweise Aufbruchsstimmung sorgt. Denn mit Platz sieben war bei den Giallorossi niemand zufrieden, viele Spieler hatten mit Verletzungen zu kämpfen. Es ist viel Raum für Verbesserungen und der Portugiese ist in jedem Fall in der Lage, die Abläufe zu optimieren. Zweifelsohne ist der Kader auch mit einigen sehr spannenden Spielertypen ausgestattet. Doch das ist bekanntermaßen nicht alles, das zählt.

Kann die Roma ihr Potenzial ausschöpfen?

Die Roma hat in diesem Sommer einige Spieler aus der eigenen Jugend zu den Profis befördert, ansonsten hat sich noch nicht allzu viel getan. Roger Ibañez (22) und Bryan Reynolds (20) verpflichteten die Giallorossi fest, mit Rui Patricio (33) kam ein erfahrener Torhüter und mit Eldor Shomurodov (26) ein großer Stürmer, der noch Potenzial mitbringt und als Zielspieler dienen kann. Viele Einnahmen generierte der Klub noch nicht, aber der Kader ist bei genauerer Betrachtung auf vielen Positionen schon sehr gut besetzt. 

Insbesondere für eine etwas destruktivere oder abwartender Haltung im Defensivbereich stehen mit dem angesprochenen Ibañez, Gianluca Mancini (25), Marash Kumbulla (21) und Chris Smalling (31) einige sehr gute Spieler für das Defensivzentrum im Aufgebot. Auch das typische, mourinhoeske Konterspiel kann gespielt werden. Henrikh Mkhitaryan (32), Nicolo Zaniolo (22), Edin Dzeko (35): Prominente Namen finden sich auch im Offensivbereich. 

Und schon unter dem letzten Trainer, Paulo Fonseca (48) waren viele gute Ansätze vorhanden. Doch immer wieder brachen Topspieler aufgrund von Verletzungen weg, zudem konnten die letzten Prozent nicht herausgeholt werden, die Konstanz fehlte. Ob Mourinho es schaffen kann, diese zu generieren, bleibt abzuwarten. Zumindest sollte man ihm ein wenig Zeit geben, um seine Vorstellungen zu implementieren. 

Fazit: Lazio und die Roma sind spannende Projekte

Maurizio Sarri wieder in der Serie A sehen zu können, ist extrem spannend. Es zeigt sich in der kommenden Saison, ob er an seine Leistungen bei der SSC Neapel anknüpfen kann. Allerdings muss etwas Zeit vergehen, ehe man den erfahrenen Coach bewerten kann. Denn Lazio benötigt einige Anpassungen, damit der typische Sarri-Ball auch wie automatisch funktionieren kann. Zudem sind noch Anpassungen im Kader notwendig, dennoch sollten sich zeitnah Fortschritte zeigen.

Lazio Roma

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Fortschritte erhoffen sich auch die Fans der Giallorossi – und das möglichst schnell. Eine gewisse, natürliche Skepsis schwingt aber immer mit, wenn José Mourinho der Trainer einer Mannschaft ist. Es ist an ihm, zu zeigen, dass die letzten Eindrücke falsch waren. Dass er doch noch begeisternden Fußball mit einem Team spielen und ihm eine Identität verleihen kann, die unverwechselbar ist. Beide Projekte in der italienischen Hauptstadt sind spannend. Schon am sechsten Spieltag treffen beide aufeinander und es ist ein erstes Zwischenfazit möglich.

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Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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