Ronaldo und Juventus in der Champions League: Schon wieder gescheitert

UEFA CL/EL

Nach dem Wechsel von Cristiano Ronaldo zu Juventus Turin träumte man bei der Vecchia Signora vom großen Wurf in der Champions League. Der Spezialist für den Titel in der Königsklasse konnte persönlich verpflichtet werden. Drei Jahre später ist die Realität eine andere. 

  • Ajax, Lyon, Porto: Diese Gegner sorgten für das Ausscheiden von Juventus
  • Die großen Ziele konnten nicht verwirklicht werden
  • Juventus und Ronaldo: Angriff 2022?

Ronaldo sollte Juventus zum Titel in der Champions League führen

Der Sommer 2018 stellte einen Wendepunkt in der Karriere des Cristiano Ronaldo dar. Der Portugiese verließ Real Madrid nach drei Siegen in der Champions League nacheinander. Das neue Ziel: Juventus. Bei der Vecchia Signora unterschrieb Ronaldo einen Vertrag bis 2022. In dieser Zeit sollte der viel zitierte Henkelpott nach Turin geholt werden. Knapp drei Jahre sind seitdem vergangen, drei Chancen blieben ungenutzt. Die Gründe sind vielschichtig, Ronaldo selbst ist nicht viel vorzuwerfen. Seine Torquote ist weiterhin beindruckend, doch insgesamt herrschen Probleme in der Mannschaft, die auch in der dritten Saison nicht behoben sind.

Juventus Ronaldo

Photo by Imago

Fünfmal gewann Cristiano Ronaldo (mittlerweile 36) bisher die Champions League. Dass ein sechster Titel hinzu kommt, wird immer unwahrscheinlicher. Zu groß scheinen die strukturellen Probleme bei Juventus zu sein. Bezeichnend ist, dass Ronaldo nun in seiner dritten Saison bei den Bianconeri den dritten Trainer erlebt. Kontinuität ist nicht vorhanden, die sportliche Leitung macht zu viele Fehler bei der perspektivischen Planung. Und das hat Auswirkungen, die man nun wieder gegen den FC Porto erkennen konnte. 

In der ersten Ronaldo-Saison war gegen Ajax Schluss

Unmittelbar  nach dem Wechsel von Cristiano Ronaldo zu Juventus waren die Ambitionen gewohnt groß. In der Gruppenphase untermauerten die Bianconeri diese Ambitionen, gewannen ihre Gruppe vor Manchester United, dem FC Valencia und den Young Boys. Im Achtelfinale folgte der erste Schock, eine 0:2-Niederlage bei Atletico, den Defensivkünstlern von Diego Simeone. Doch „CR7“, Mister Champions League himself, schoss im Rückspiel drei Tore und brachte Juventus den Viertelfinaleinzug. Diese Aura, die Ronaldo ausstrahlte, war beeindruckend. Und der Glaube an den ganz großen Wurf wuchs. Aber nur bis zur nächsten Runde. Gegen Ajax Amsterdam, das damals frisch aufspielte und gerade Real Madrid aus dem Turnier warf, verlor Juventus nach Hin- und Rückspiel mit 2:3. 

Ein Ausrutscher? Vielleicht. Der Scudetto konnte noch eingefahren werden, der Trainer wurde im Sommer gewechselt. Mit dem mitunter sehr sturen, aber doch auch genialen Maurizio Sarri sollte der Henkelpott nach Turin geholt werden. Natürlich stand CR7 auch in dieser Saison im Mittelpunkt. Eine Gruppe mit Atletico, Leverkusen und Lokomotive Moskau stellte kein Problem dar, 16 Punkte sammelten die Bianconeri. Doch die Enttäuschung folgte diesmal noch schneller. Naja, zumindest, was die Runde betraf. Im Achtelfinale gegen Olympique Lyon (0:1, 2:1), das sich aufgrund der Corona-Pandemie über mehr als fünf Monate erstreckte, schied Juventus aus.

Neue Saison, neuer Trainer, neues Glück. Das galt im Sommer 2020 für die Vecchia Signora. Andrea Pirlo (41) übernahm das Zepter und spielte mit seiner Mannschaft traditionell eine gute Gruppenphase. Fünf Siege, eine Niederlage, Gruppensieger vor dem FC Barcelona. Das klang gut, der Fokus lag auf der Champions League. Denn in der Serie A hat Juventus bereits einen ordentlichen Rücktand angesammelt. Doch schon im Estadio Dragao in Porto offenbarte man einige Schwächen, verlor mit 1:2. Das Rückspiel war extrem hektisch. Juventus schaffte es nach einem Rückstand in die Verlängerung, doch der 3:2-Sieg nach eben jener reichte nicht. Wieder ist der Topklub aus Italien frühzeitig ausgeschieden. 

Cristiano Ronaldo: Noch immer ein Topspieler

Welchen Anteil hat Cristiano Ronaldo am Aus von Juventus in den letzten Jahren? Die meisten Tore in der K.O.-Phase schoss der Portugiese höchstpersönlich. Auch in fortgeschrittenem Alter merkt CR7 keinen allzu großen Verschleiß. Er benötigt nur wenige Pausen, ist selten verletzt und vor allem bleibt er weiterhin torgefährlich. Der Portugiese hatte das Ziel zur Legende zu werden, indem er mit dem dritten Klub nach Manchester United und Real Madrid die Champions League gewinnt.

Ronaldo Juventus

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Werfen wir einen Blick auf die Statistiken, um die Effizienz von Ronaldo auch bei Juventus hervorzuheben. In seiner ersten Saison im Trikot der Alten Dame erzielte Ronaldo 28 Tore in 43 Spielen, bereitete elf weitere Treffer vor. 2019/20 waren es 37 Tore und sieben Vorlagen in 46 Spielen, in der laufenden Saison steht er aktuell bei 27 Toren und vier Vorlagen in 32 Spielen. An die über 60 Torbeteiligungen, die er teilweise bei Real Madrid sammeln konnte, kommt Ronaldo zwar nicht ran, aber der Einfluss auf das Spiel der Vecchia Signora ist enorm. Ronaldo ist Ziel- und Schlüsselspieler und macht den Unterschied. 

Trainer, Sportdirektor, Kader: Die Probleme sind vielschichtig

Aber eben nicht immer. Es gibt Spiele, in denen Ronaldo nicht ideal eingebunden ist und in denen seine Präsenz in der Offensive nicht ausreicht. Schon seit Jahren fällt auf, dass der Kader von Juventus nicht homogen genug zusammen gestellt ist. In jeder Saison findet sich mindestens ein Mannschaftsteil, das abfällt, sei es in der Spitze oder in der Breite. Im Mittelfeldzentrum fehlt es an einer klaren Linie. Viel Dynamik ist seit jeher vorhanden, kontrollierende Elemente fehlen zuweilen aber völlig. Auch gegen Porto gab es zwar viele Chancen, häufig wurden diese aber durch zahlreiche Flanken erzwungen, statt den Gegner in Ruhe auszuspielen. Neben den Außenverteidigern Juan Cuadrado (32) und Alex Sandro (30) fehlen adäquate Backups.

Die offensiven Außenbahnspieler um Federico Chiesa (23), Federico Bernardeschi (27) und Dejan Kulusevski (20) offenbaren allesamt sowohl Licht- als auch Schattenseiten. Besonders Chiesa befindet sich in einem Formhoch, bei Kulusevski und Bernardeschi fehlt es oft an den letzten Prozentpunkten. Vergleicht man die Qualität der Flügelspieler mit Teams wie dem FC Bayern oder Manchester City, dann hinkt Juventus deutlich hinterher. Juventus tat sich keinen Gefallen damit, in den letzten Jahren gleich zweimal den Trainer auszutauschen, ohne die strukturellen Probleme im Kader zu beheben. Die Zusammensetzung stimmt insgesamt nicht und dies zu beheben erfordert Geduld. Geduld, die die Verantwortlichen zuletzt haben vermissen lassen. 

Einzelne kluge Transfers täuschen darüber hinweg, dass es keine klare Identität bei den Bianconeri gibt. Sportdirektor Fabio Paratici (48) muss sich mit dieser Kritik auseinandersetzen und eine langfristige Strategie entwickeln, um eine Mannschaft aufzubauen, die in Europa um den Titel mitspielt. Das Risiko, dass Cristiano Ronaldo dann nicht mehr Teil dieser Mannschaft ist, muss man eingehen. Denn der Portugiese – und das zeigten die letzten drei Jahre – ist nicht alleine der Garant für den Henkelpott. Ohne eine funktionierende Mannschaft um ihn herum ist es auch für CR7 unmöglich, eine Mannschaft zum Titel zu führen. Sollten die Verantwortlichen das verstanden haben, ist der erste und zugleich wichtigste Schritt gemacht.

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Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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