Serie A Vorschau Teil 5: Juventus, SSC Neapel, Udinese Calcio, Venedig

Juventus Serie A
Serie A

Am Wochenende rund um den 21. August startet die neue Saison in der Serie A. Meister Inter will seinen Titel verteidigen, viele Klubs wollen das verhindern. Im fünften Teil unserer großen Saisonvorschau beschäftigen wir uns mit Juventus, der SSC Neapel, Udinese Calcio und Aufsteiger Venedig. 

  • Juventus: Entthront – und ein alter Bekannter ist zurück
  • Napoli: Rückkehr in die Top 4?
  • Venedig: Aufsteiger mit Flair – und sonst?

Juventus Turin (Letzte Saison: 4. Serie A)

Dominanz. Anders lässt sich die letzte Dekade im nationalen Fußball aus der Perspektive von Juventus nicht beschreiben. Nach dem unrühmlichen Calciopoli-Skandal 2006 musste der Rekordmeister in die Serie B absteigen und verlor nach der Rückkehr den Anschluss an die Spitze. In den Spielzeiten 2009/10 sowie 2010/11 ging Juventus gar zwei Mal auf dem siebten Rang über die Ziellinie. Mit dem Bau des neuen Stadions sowie der Ankunft von Trainer Antonio Conte (52) im Sommer 2011 sollte allerdings eine neue Ära beginnen, welche die Signora Vecchia zurück auf den Thron hievte.

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Unter Conte gewann Juventus gleich vier Mal in Folge den Scudetto. Massimiliano Allergi (54) übernahm von ihm 2014 – und knüpfte nahtlos an die Erfolge seines Vorgängers an. Jahr für Jahr war Juventus in der Serie A nicht zu schlagen. Die „alte Garde“ in der Defensive um Gianluigi Buffon (43), Leonardo Bonucci (33) und Giorgio Chiellini (36) führte an, der Rest folgte. Die nationalen Erfolge wurden fast schon zur Gewohnheit, doch auf kontinentaler Ebene blieb eine große Sehnsucht bestehen.

Denn Juventus erreichte 2015 sowie 2017 das Finale der Champions League und unterlag jeweils dem FC Barcelona sowie Real Madrid. Aus diesen Gründen holte der Verein im Sommer 2018 „Mr. Champions League“: Cristiano Ronaldo (36). 100 Millionen Euro bezahlte man für den fünffachen Gewinner dieses Wettbewerbs. Ronaldo netzt bis heute auch in Italien nach Belieben, doch auch mit ihm gelang der große Wurf nicht. Daneben fehlten dadurch auch finanzielle Mittel, um der langsam in die Jahre kommenden Truppe eine Frischzellenkur zu verpassen. Diese verhängnisvolle Saat sollte man in der vergangenen Spielzeit ernten.

serie a Juve

(Photo by IMAGO: xPieroxCruciatti LaPressex)

Juventus: Nach Horror-Jahr unter Pirlo „back to the roots“

Etwas überraschend übernahm „Rookie“ Andrea Pirlo (42) im letzten Sommer das Traineramt. Dieses Experiment sollte gewaltig schief gehen. Das Team ließ 2020/21 in zahlreichen Spielen vor allem gegen Außenseiter Punkte liegen. Man kam über die gesamte Saison nicht in Fahrt. Viel eher musste der Dauermeister plötzlich sogar um die Teilnahme an der Königsklasse bangen. Vor dem letzten Spieltag lag Juve nur auf dem fünften Platz. Die Europa League drohte. Nur durch einen unerwarteten Patzers Napolis gelang der CL-Einzug am Ende doch noch.

Diese missratene Saison konnte auch durch den Gewinn der Coppa Italia gegen Atalanta nicht gerettet werden. Pirlo musste seinen Stuhl räumen – und es übernahm ein alter Bekannter. Seit diesem Sommer steht wieder Allegri an der Seitenlinie bei den Bianconeri. Der Trainer und Juventus trennten sich nach fünf Jahren Zusammenarbeit im Sommer 2019. Der Verein wollte damals eine Veränderung und setzte auf Maurizio Sarri (62). Diese Wahl ging nicht vollends auf, jene von Pirlo noch weniger. Und so entschied man sich mit einem „Rückschritt“ wieder nach vorne zu kommen und holte den fünffachen Meistertrainer zurück.

Macht Allegri bisher etwas anders? Die Freundschaftsspiele deuten nicht unbedingt daraufhin. Juventus operiert wie schon in seiner ersten Amtszeit bevorzugt in einem 4-3-3, welches situationsbedingt auch in ein 4-3-1-2 gewandelt werden kann. Eine zentrale Rolle nahm in den Testpartien Paulo Dybala (27) ein, der sowieso seine beste Zeit bei Juventus unter Allegri hatte. Der Argentinier wurde bisher in der Mitte aufgeboten, dabei flankiert von Torschützenkönig Ronaldo sowie dem im Vorjahr überragenden Federico Chiesa (23). Die Dreierreihe im Mittelfeld steht dabei nicht ganz auf einer Linie, meist lässt sich der zentralste Akteur im Aufbau etwas weiter zurückfallen. Da die beiden „Außenstürmer“ etwas in die Mitte operieren sollen, sind zwei lauffreudige und vor allem offensivstarke Außenverteidiger essentiell.

Locatelli als neues Fixpunkt bei Juventus

Auf dem Transfermarkt hat sich bei Juventus in diesem Sommer wenig getan. Durch die Corona-Pandemie sind die finanziellen Einschnitte wahrscheinlich beachtlich, wie auch die weiterhin anhaltenden Super-League-Ambitionen der Bianconeri belegen. Bei der Leihe von Weston McKennie (22/Schalke) griff nun die Kaufoption, rund 20 Millionen Euro wurden für ihn fällig. Der US-Amerikaner überzeugte etwas überraschend in einer schwachen Juve-Mannschaft im Vorjahr. Der wohl größte Coup gelang der Signora Vecchia vor kurzem. Europameister Manuel Locatelli (23) wurde von Sassuolo zunächst leihweise unter Vertrag genommen. Im kommenden Sommer wird dann eine Ablöse von 25 Millionen Euro fällig, die durch Boni auf fast 40 Millionen steigen kann.

juventus locatelli

(Foto: xImago-Images/Emmefotox)

Auf der Abgangsseite hat sich nicht viel getan. Vereinsikone Buffon hat den Klub nun endgültig verlassen und kehrt zu seinem Jugendverein Parma zurück. Daneben hat Atalanta die Kaufoption für Leihspieler Christian Romero (23) für 16 Millionen Euro gezogen. Den Verteidiger zog jedoch zu Tottenham weiter, sodass Bergamo mit Merih Demiral (23) einen weiteren Juve-Spieler als dessen Ersatz leihweise verpflichtete. Insofern geht Juventus mit einem fast identischen Kader in neue Spielzeit, wenngleich das Fenster noch ein wenig geöffnet ist.

In dem 4-3-3 hat Allegri einige Variationsmöglichkeiten, die ganz große Kaderbreite fehlt aber etwas. Torhüter Wojciech Szczesny (31) hatte zwar ein schwächeres Jahr, ist aber weiterhin gesetzt. Matthijs de Ligt (22) muss seinen eigentlich sicheren Platz gegen zwei frisch gebackene Europameister verteidigen. Bonucci und Chiellini überragten beim EM-Sieg Italiens und dürften hochmotiviert in die neue Saison gehen. Neuzugang Locatelli sollte in der Dreierreihe davor gesetzt sein. Daneben stehen Allgeri hier mit Rodrigo Bentancur (24), Arthur (25), Adrien Rabiot (26), Aaron Ramsey (30) oder eben McKennie weitere Optionen zur Verfügungen. Der Angriff stellt sich in einer Dreierreihe mit Chiesa, Dybala und Ronaldo eigentlich von selbst auf. Alvaro Morata (28) und Dejan Kulusevski (21) dürften als deren Back-Ups in die Saison gehen.

Player to watch: Paulo Dybala (27)

Ein Spieler, der bei „transfermarkt.de“ einen Marktwert von 50 Millionen Euro besitzt, ist definitiv kein Geheimtipp. Dennoch sollte in dieser Spielzeit ein besonderer Blick auf Dybala gelegt werden. Der Argentinier erlebte nach dem Allegri-Abgang zwei durchwachsene Jahre in Turin. Nun kommt sein größter Förderer zurück – und genau hier sollte die Chance für den 27-Jährigen liegen. Unter dem Coach erlebte Dybala fraglos seine beste Zeit in der Serie A. In der Vorbereitung setzte Allegri den Angreifer im Zentrum ein und scheint ihn erneut zum Fixpunkt seiner Offensive machen zu wollen. Zieht man hier noch seinen 2022 endeten Vertrag heran, dann wird dies definitiv ein entscheidendes Jahr in Dybalas Karriere.

Prognose Serie A

Solch ein Fall vom Thron. Normalerweise ist der Sprung zurück nicht leicht, doch unter Allegri könnte Juventus genau das packen. Denn der Titelverteidiger Inter erlebt derzeit einen beispiellosen personellen Aderlass. Der Rückkehrer an der Seitenlinie kennt den Klub und auch den Großteil der Mannschaft. Insofern ist der Rekordmeister selbst nach einem solchen Seuchenjahr das Team, welches in der Serie A geschlagen werden muss. Gelingt dies nicht, dann feiert Juventus die zehnte Meisterschaft in den letzten elf Jahren.

Weitere Informationen rund um die Serie A findet ihr hier

SSC Napoli (letzte Saison: 5. Serie A)

Jahrelang lag die SSC Napoli auf Lauerstellung hinter dem Dauermeister aus Turin. Von 2012 bis 2019 wurden die Süditaliener gleich vier Mal Vizemeister. Vor allem in der Spielzeit 2017/18 sah alles nach dem ersten Meistertitel seit 1990 aus. Denn in jener Phase war nicht Inter oder Milan der größte Rivale des Rekordmeisters, sondern die Società Sportiva Calcio aus Neapel. Doch am Ende ging den Partenopei im Schlussspurt noch der Sprit aus – und Juventus triumphierte abermals. Nun schwächelte der Rekordmeister im Vorjahr. Nur konnte Neapel ausgerechnet dann daraus kein Kapital schlagen. Denn in den beiden letzten Jahren rutschte der Verein aus der Spitzengruppe der Serie A.

So verpasste Napoli in den letzten beiden Saison nämlich jedes Mal die Champions League. Im Dezember 2019 musste Carlo Ancelotti (62) im unteren Mittelfeld liegend den Stuhl für Gennaro Gattuso (43) räumen. Der frühere Nationalspieler legte eine beachtliche Aufholjagd hin, wenngleich die Königsklasse letztendlich doch verpasst wurde. Durch seine starke Punkteausbeute sowie den Sieg in der Coppa Italia sicherte sich Gattuso seine Weiterbeschäftigung. Unter dem Coach spielte Napoli im nächsten Jahr dann einen herausragenden Offensivfußball. Mit 86 Treffern erzielte man die drittmeisten Tore in der gesamten Serie A.

Dass diese Ausbeute nicht für die CL-Qualifikation genügte, lag auch an der beträchtlichen Anzahl von gleich neun Saisonniederlagen. Und dennoch hätte der Klub fast den Einzug in die Champions League geschafft. Vor dem letzten Spieltag stand die SSC Napoli auf dem vierten Rang. Im Heimspiel gegen Hellas hatte man es somit selbst in der Hand, sich in einem abermaligen Duell gegen Juventus endlich durchzusetzen. Doch die Nerven der Mannschaft flatterten. Das eigene Remis und der gleichzeitige Sieg von Juventus machten die gute Ausgangsposition zunichte. Die Zusammenarbeit mit Gattuso wurde nur kurz nach dem Abpfiff beendet.

Insigne Serie A

(PHOTO BY IMAGO: CesarexPurini)

Napoli: Unter Spalletti wieder in die Top 4?

Die Nachfolge des Weltmeisters von 2006 trat mit Luciano Spalletti (62) ein sehr erfahrener Coach an. Der Übungsleiter trainierte unter anderem mehr als sechs Spielzeiten die AS Roma. Daneben war Spalletti auch bei Inter sowie jahrelang bei Shakthar Donezk tätig. In den letzten zwei Saisons war er beschäftigungslos und möchte nun wieder angreifen.

In der Vorbereitung wählte der 62-jährige bevorzugt einen 4-2-3-1 Formation, welche Napoli zeitweise auch schon unter Gattuso praktiziert hatte. Die Ergebnisse lassen sich bisher sehen. Dabei sticht vor allem der 3:0 gegen den FC Bayern heraus, wenngleich die Münchener damals noch einen Trainingsrückstand hatten. In der Allianz Arena war das Spiel Napolis vor allem auf Konter ausgelegt. Mit lediglich 33% Ballbesitz überließ man dem Gegner dem Ball und lauerte auf Gegenstöße.

Transfermarkt: Wenig Bewegung bei Napoli

Die SSC Napoli ist auf dem Markt verhältnismäßig inaktiv. Die permanente Verpflichtung von Matteo Politano (28/Inter/rund 20 Millionen Euro) sticht hier heraus. Vor wenigen Tagen stärkte der Verein zudem seine Defensive und nahm Innenverteidiger Juan Jesus (30) ablösefrei von der AS Roma unter Vertrag. Aus dem erweiterten Stammspielerkreis muss der Verein die Abgänge von Elseid Hysaj (27/Lazio) und Nikola Maksimovic (29/vereinslos) hinnehmen.

Somit bleibt der Kern der Mannschaft auch unter Spalletti (zunächst) unverändert. Das Transferfenster ist allerdings noch eine Weile geöffnet. So ranken sich um Abwehrchef Kalidou Koulibaly (30) – wie eigentlich seit Jahren – weiterhin latente Wechselgerüchte. Dass der Innenverteidiger nach wie vor bei Napoli unter Vertrag steht, ist sowieso überraschend. Sein Wegfall würde die Mannschaft natürlich sehr treffen, mit Kostas Manolas (30) und Amir Rrahmani (27) stehen aber hier zwei ordentliche Alternativen zur Verfügung.

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Als unantastbar gelten derzeit im Mittelfeld sicherlich Fabian Ruiz (25) und Piotr Zielinski (27), neben dem Duo ist auch Diego Demme (29) zu erwähnen. Das Prunkstück des Kaders ist allerdings ganz klar die Offensive. Neben Victor Osimhen (22) und Politano kämpfen hier Dries Mertens (34), Hirving Lozano (26) und Andrea Petanga (26) um Plätze in der vorderen Dreierreihe. An einem Spieler kommt dabei jedoch niemand vorbei. Kapitän Lorenzo Insigne (30) ist absolut gesetzt, Publikumsliebling und Herzstück. Als frisch gebackener Europameister geht er mit gewaltigem Selbstvertrauen in die Saison.

Osimhen Serie A

(PHOTO BY IMAGO)

Player to watch: Victor Osimhen (22)

Ganz vorne in der Sturmspitze brillierte Victor Osimhen (22) im besagten Testspiel gegen die Bayern mit zwei Toren. Der Stürmer kam im vergangenen Sommer für die Rekordablöse von 70 Millionen Euro von Lille. Diese enorme Summe konnte Osimhen bisher nicht zurückzahlen. Zehn Tore in 24 Spielen in der Serie A lesen sich zwar nicht schlecht, rechtfertigen einen solchen Betrag aber nicht vollends. Unter Spalletti könnte der 22-Jährige einen Neustart erleben und im zweiten Jahr in Italien endlich zünden. Die Anlagen besitzt der Rekordeinkauf dazu allemal.

Prognose Serie A

Schon in der vergangenen Runde stand der Verein kurz vor der Königsklassen-Teilnahme und hätte diese eigentlich auch erreichen müssen. Der Kader ist bis jetzt nahezu unverändert. Es bleibt abzuwarten, wie das Team die Neuerungen unter Spalletti annehmen und umsetzen wird. Wenn dies gelingt, dann ist die SSC Napoli auch 2021/22 ein konkreter Anwärter für eine Platzierung unter den Top 4.

 

Udinese (letzte Saison: 14. Serie A)

Der Verein ist hierzulande vor allem durch die Zeit bekannt, als Oliver Bierhoff (heute 53) die Serie A kurz und klein schoss (bzw. köpfte). Seitdem spielt Udinese Calcio unterunterbrochen im italienischen Oberhaus. Auch in späteren Jahren mit Antonio Di Natale (heute 43) erreichten die Bianconeri regelmäßige überdurchschnittliche Resultate in der Liga. Insgesamt kann der Klub in den 1990er/2000er Jahren auf einige Europapokal-Teilnahmen zurückblicken.

Die letzten Hochphase erlebte der Klub in den Jahren 2010 bis 2013, als man nacheinander die Plätze 4, 3 und 5 belegte. Doch dann begann der Niedergang von Udinese, der bis heute anhält. Denn der Verein gehört mittlerweile sportlich bestenfalls ins untere Mittelfeld der Serie A. Die Platzierungen seit 2013 sprechen eine deutliche Sprache: 14., 16., 16., 13., 14., 12., 13. und 13..

Der Verlauf der vergangenen Serie-A-Spielzeit entspricht exakt diese Einschätzung. In konkrete Abstiegsnot geriet Udinese zwar nie, über das gesamte Jahr kletterte der Verein aber auch niemals über den zehnten Platz hinaus. In der Endabrechnung standen sieben Punkte Abstand zum ersten Abstiegsplatz.

De Paul muss ersetzt werden

Trotz der scheinbaren Stagnation hält Udinese weiter an Trainer Luca Gotti (53) fest. Mit dieser Devise unterscheidet sich der Verein von seinen zahlreichen Liga-Konkurrenten. Gerade bei den Klubs im Liga-Mittelfeld herrscht auf der Trainerbank eine fast schon traditionell hohe Fluktuation. Die Friuali bilden hier eine Ausnahme und gehen mit Gotti in eine fast schon außergewöhnliche dritte Saison. Kann der Trainer mit seinem etwas uninspiriert wirkenden 3-5-2 das Team nochmal wirklich voranbringen?

Der Coach muss dabei zudem einen großen Verlust auffangen. Rodrigo de Paul (27), der beste Spieler des Teams, wechselte für 35 Millionen Euro Ablöse zu Atletico Madrid. Mit dem Abgang des argentinischen Nationalspieler wird der Mannschaft ihr absolutes Herzstück herausgerissen. Ein nicht minder schwerer Verlust ereignete sich daneben auf der Torwart-Position. Mit dem Transfer von Keeper Jean Musso (27) zu Atalanta verlor Udinese einen weiteren essentiellen Stammspieler in diesem Sommer. Ebenso ist der Wechsel von Antonin Barak (26) für sechs Millionen Euro zu Hellas eine Schwächung.

De Paul Serie A

(PHOTO BY IMAGO. xMarcoxBucco LaPressex)

Die Kassen sind somit gefüllt, doch die Reinvestitionen sind bisher bescheiden. Der teuerste Neuzugang ist aktuell Lazar Samardzic (19), der für drei Millionen Euro Ablöse von RB Leipzig kam. Daneben soll der Musso-Verlust mit Marco Silvestri (30/Hellas/2,5 Millionen Euro) aufgegangen werden. Ob der mäßige Kader mit lediglich diesen personellen Maßnahmen gestärkt wurde, ist fraglos anzuzweifeln.

Udinese: Ordentliches Mittelfeld, fragwürdiger Angriff

Neuzugang Silvestri sollte mit einem Vorsprung in die Saison gehen und im Tor zunächst gesetzt sein. Die defensive Dreierkette wird voraussichtlich von Samir (26), Bram Nuytinck (30) und Rodrigo Becao (26) gebildet. Auch im Mittelfeld hat Gotti einige Optionen. So stehen hierfür mit Tolgay Arslan (31), Walace (26) oder eben Samardzic durchaus bekannte Namen im Kader. Das absolute Herzstück ist hier nun jedoch Roberto Pereyra (30), der im Vorjahr den Weg von Watford zurück zu Udinese fand. Der argentinische Nationalspieler wird nach dem Abgang von de Paul noch mehr Verantwortung schultern müssen.

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Das Sorgenkind im Kader ist indes klar der Angriff. Mit Gerard Deulofeu (27) und Ignacio Pussetto (25) besticht auch dieser Mannschaftsteil zwar namhafte Besetzungen. Die beiden Genannten sind jedoch eher auf den offensiven Flügeln beheimatet. Diese Positionen gibt es im System Gottis allerdings in dieser Form nicht. Ansonsten stehen hier Stefano Okaka (32) oder Fernando Forestieri (31) zur Verfügung, die qualitativ über ihren Zenit hinaus sein dürften. Die lediglich 42 eigenen Tore Udineses 2020/21 eignen sich jedenfalls nicht als Beleg für das Gegenteil.

Player to watch: Lazar Samardzic (19)

Vor einem Jahr schrieb der Youngster mit seinem Wechsel von Hertha zu RB Leipzig Schlagzeilen. Doch Samardzic konnte den um ihn entstandenen Hype bei den Sachsen nie rechtfertigen. Nur ein Jahr später sucht der Gewinner der Fritz-Walter-Medaille von 2019 die nächste Herausforderung. Samardzic bringt nach wie vor alle Anlagen mit und ist auch fraglos noch jung genug, um den Durchbruch zu schaffen. Fraglich ist hierbei etwas, welche Rolle er konkret in dem System einnehmen soll, die nicht zu 100% zu seinen Qualitäten passt. Es bleibt spannend zu beobachten, ob der gewählte Schritt goldrichtig für seine Karriere war – oder eben ein Karriereknick.

Samardzic Serie A

(PHOTO BY IMAGO)

Prognose Serie A

Die Abgänge von de Paul und Musso treffen die Mannschaft bis ins Mark. Das vergangene Jahr war schon nicht berauschend – und nun verlor man noch die beiden wichtigsten Spieler. Ob diese großen Fußstapfen von den Neuzugängen oder etablierten Akteuren gefüllt werden können, wird sich erst zeigen. Tendenziell scheint Udinese sich jedoch nochmal qualitativ verschlechtert zu haben. Daher sollte der Fokus in dieser Saison klar auf den Klassenerhalt gelegt werden, wofür die Kader-Qualität eigentlich dennoch genügen sollte.

 

Venedig (letzte Saison: 5. Serie B)

Eine der zweifellos schönsten Städte Europas beherbergt in der kommenden Saison auch wieder einen stadteigenen Verein in der Serie A. Darauf mussten die Anhänger des FC Venedig auch sehr lange warten. Die letzte Partie im Oberhaus liegt aktuell 19 Jahre zurück. Die Saison 2001/02 wurde damals noch unter dem Namen Associazione Calcio Venedig bestritten. Vier Jahre nach dem Abstieg aus der ersten Liga ging der Verein bankrott und wurde in die niederen Ligen durchgereicht.

Nachdem auch die Rechtsnachfolger Società Sportiva Calcio Venedig und Foot Ball Club Unione Venedig in die Zahlungsunfähigkeit gerieten, erfolgte 2015 unter dem Namen FC Venedig die nächste Neugründung. Seitdem marschierte der Klub aus der vierten Liga nun bis ins Oberhaus. Gefördert wurde dieses Unterfangen vom US-amerikanischen Unternehmer Joe Tacopina (55). Große Inventionen auf dem Transfermarkt stehen dabei eher nicht im Mittelpunkt. Denn der FC Venedig setzt nämlich eher auf eine intensive Marketing-Kampagne, wie von „transfermarkt.de“ in einem äußerst lesenswerten Artikel festgestellt wurde. Das in Sachen Fußballtrikots führende Portal „Footy Headlines“ kürte das aktuelle Heimtrikot gar zum schönsten Trikot im europäischen Fußball.

Doch was kann der FC Venedig noch, als einfach nur gut aussehen?

Venedig: Unorthodoxer Aufstieg

Der FC Venedig belegte in der abgelaufenen Serie-B-Saison lediglich den fünften Rang. 15 Siege, 14 Remis sowie neun Pleiten wirken bei einem Torverhältnis von 53:39 zunächst alles andere als aufstiegswürdig. Noch weniger gilt dies für die finale Platzierung. Zum Glück für die Leoni Alati wird der dritte Aufsteiger der zweiten Liga nicht tabellarisch, sondern in den Playoffs ermittelt. Und dort setzte sich die Mannschaft von Trainer Paolo Zanetti (38) in zwei engen Spielen (1:1, 1:0) gegen die AS Cittadella durch, wodurch der Aufstieg doch noch glückte.

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Der Saisonverlauf sprach alles andere als andere als für die Serie-A-Rückkehr. Nach 19 Spieltagen lag der FC Venedig lediglich auf dem zehnten Rang. Wie schon die aufgezählte Gesamtstatistik zeigt, war das Team von Zanetti nicht wirklich in der Lage, das Geschehen in der Serie B zu dominieren. In nur zwei Partien schoss die Mannschaft mehr als drei Tore. Der Trainer verfolgt mit seinem 4-3-3 bzw. 4-2-3-1 dabei eigentlich einen offensiven Ansatz. Aber zu selten schlug dieser aber konkret ergebnistechnisch durch. 53 Tore in 38 Spielen sprechen allenfalls für eine ordentliche, aber keine überragende Offensive. Mit insgesamt 14 Toren war Stürmer Francesco Forte (28) der entscheidende Mann für die Rückkehr ins Oberhaus.

Der Aufsteiger rüstet auf

Trotz der Investoren kleckerte der FC Venedig nie derart, wie andere Vereine in „fremder Hand“. Auch in diesem Sommer sind die Ausgaben mit einer Transferminus von etwa zehn Millionen Euro insgesamt überschaubar. Davon geht ein Großteil auf Neuzugang Gianluca Busio (19/Kansas City), der für die klubinterne Rekordsumme von sechs Millionen Euro kommt. Mit Tanner Tessmann (19/FC Dallas/3,7 Millionen Euro) schnappte man sich einen weiteren talentierten Mittelfeldspieler aus der MLS.

Daneben wurde die Abwehr mit der Leihe von Mattia Caldara (27/AC Milan) äußert prominent verstärkt. Caldara galt noch vor drei bis vier Jahren als der nächste Innenverteidiger Italiens, hatte danach aber große Verletzungsprobleme. Ferner ist hier noch die Leihe von Arnor Sigurdsson (22/ZSKA Moskau) zu erwähnen, der für eine geringe Gebühr das Mittelfeld verstärken soll. Im Sturm bekommt Toptorjäger Forte durch das Leihgeschäft von David Okereke (23/Club Brügge) etwas Konkurrenz.

Caldara

(PHOTO BY IMAGO: Insidefoto andreaxstaccioli)

Auf der Abgangsseite hat der Verein keine nennenswerten Verluste zu beklagen. Der FC Venedig verfolgt in seiner Personalpolitik einen interessanten Ansatz, bei welchem junge Spieler im Fokus stehen. Ob dennoch in der Serie A ein weiterer Schuss Erfahrung nicht schaden könnte, wird sich noch zeigen. Genau da hat der Kader auf dem ersten Blick gewisse Defizite.

Player to watch: Gianluca Busio (19)

Der Verein sieht in dem Rekordneuzugang einen integralen Spieler, um einen längeren Aufenthalt in der ersten Liga zu genießen. Andernfalls hätte der Verein nicht einen solchen Betrag für einen 19-Jährigen in die Hand genommen. Busio besticht vor allem mit Qualitäten in der Balleroberung und dem darauf folgenden Passspiel. Wegen dieser Vorzüge und seiner insgesamt flächendeckenden Fähigkeiten für einen Mittelfeldspieler, wird gerne der Vergleich zu Joshua Kimmich (26/FC Bayern) gezogen. Im nächsten Jahr hat Busio die Möglichkeit, solche Loblieder zu bestätigen.

Prognose Serie A:

Der FC Venedig hat in der vergangenen Spielzeit seine Serie-A-Klasse nicht wirklich nachgewiesen. Die bisherige Personalpolitik in diesem Sommer wirkt dahingehend aber durchaus vielversprechend. Die Verantwortlichen im Bereich der Spieler-Akquise scheinen einen genauen Plan zu verfolgen. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich diese theoretischen Ansätze sich in der Praxis machen werden. Es wird natürlich gegen den Abstieg gehen, aber völlig chancenlos dürfte der Verein nicht sein.

(Photo by IMAGO: Daniele Buffa)

Marius Merck

Eine Autogrammstunde von Fritz Walter weckte die Leidenschaft für diese Sportart, die über eine (“herausragende”) Amateurkarriere bis zur Gründung von 90PLUS führte. Bei seinem erklärten Ziel, endlich ein “Erfolgsfan” zu werden, weiter erfolglos.

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