Freitag, Oktober 23, 2020

Champions League Vorschau Gruppe D: Liverpool, Ajax, Atalanta, Midtjylland

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In Kürze beginnt die neue Saison in der UEFA Champions League. In der Gruppe D stehen sich der FC Liverpool, Ajax Amsterdam, Atalanta BC und der FC Midtjylland gegenüber. Wir stellen die Teams vor!

  • Liverpool mit Startschwierigkeiten, strebt aber Gruppensieg an
  • Ajax und Atalanta werden um Platz zwei konkurrieren
  • Midtjyllands Debüt in der Champions League

Gruppe A: FC Bayern, Atletico, Salzburg, Lok. Moskau

Gruppe B: Real Madrid, Shakhtar, Inter, Gladbach

Gruppe C: FC Porto, ManCity, Olympiakos, Marseille

Liverpool nicht nur Gruppenfavorit

Der FC Liverpool geht standesgemäß als Gruppenkopf in die Champions-League-Saison 2020/21. Die „Reds“ schieden zwar in der vergangenen Spielzeit bereits im Achtelfinale gegen Atletico Madrid aus, gewannen im Vorjahr jedoch bekanntlich die „Königsklasse“. Nun will sich das Team von Trainer Jürgen Klopp (53) auch wieder im internationalen Fußball an die Spitze setzen und seinem Favoritenstatus gerecht werden.

Schließlich ist hier vom amtierenden englischen Meister die Rede. Liverpool holte sich in der vergangenen Saison mehr als souverän den Ligatitel. 99 Punkte waren es nach 38 Spieltagen, ganze 17 mehr als Vizemeister Manchester City. Klopp hatte es geschafft, seiner Mannschaft eine neue Facette zu verleihen. Neben dem hochintenstiven Pressingfußball lehrte Klopp den Reds auch das Ballbesitzspiel. So gab es zwar einige Spiele, die weniger spektakulär verliefen, die gesittetere Art resultierte letztendlich aber in deutlich weniger Gegentoren (beste Defensive der Liga) und mehr Punkten.

Auffällig fahriger Saisonstart

Deutlich weniger souverän tritt der FC Liverpool bislang in der neuen Saison auf. Sowohl im Community Shield als auch der vierten EFL-Cup-Runde musste man sich dem FC Arsenal geschlagen geben. Auch in der Premier League haben die Reds große Probleme, wirklich auf Touren zu kommen. Am ersten Spieltag wurde nur sehr knapp gegen Aufsteiger Leeds United gewonnen (4:3), der darauffolgende 2:0-Sieg über den FC Chelsea wurde stark von einer roten Karte und einem Torwartfehler begünstigt. Der Super-GAU erfolgte am dritten Spieltag, als Liverpool eine historische 2:7-Pleite gegen Aston Villa hinnehmen musste. Der LFC kommt nicht in den Tritt, ist unkonzentriert und weit weg von 100 Prozent.

(Photo by RUI VIEIRA/POOL/AFP via Getty Images)

Abhilfe sollen da unter anderem die Sommertransfers leisten. Liverpool gab im Sommer 80 Millionen Euro für neue Spieler aus, nahm allerdings auch 42 Millionen ein. Der absolute Königstransfer ist zweifelsohne Thiago (29), der vom FC Bayern München gekommen ist. Der spanische Mittelfeldregisseur soll das fehlende Puzzlestück bei Liverpool sein und das Ballbesitzspiel auf ein Weltklasse-Level heben. Diogo Jota (23), aus Wolverhampton gekommen, ist für die Breite gedacht und soll Liverpools Angriffstrio Druck machen. Auch Linksverteidiger Konstantinos Tsimikas (24), von Olympiakos Piräus verpflichtet, soll Andrew Robertson (26) entlasten.

An der Qualität Liverpools besteht kein Zweifel, mit Thiago hat man sogar noch einen Weltklassespieler hinzubekommen. Der so wackelige Saisonstart irritiert zwar, aber zahlreichen Topteams geht es aktuell ähnlich, sodass man ihn nicht überbewerten sollte. Der Corona-bedingt enge Spielplan hinterlässt Spuren und der Erfolg in der Champions League wird davon abhängen, wann Liverpool ins Rollen kommt. Sobald es soweit ist, sind die Reds wie immer nur sehr schwer aufzuhalten und haben dann auch Chancen auf den Titel.

Ajax kämpft um Platz zwei

Während der FC Liverpool als klarer Favorit auf den Gruppensieg gilt, wird Ajax Amsterdam zusammen mit Atalanta BC die größten Chancen auf Platz zwei haben. Der einzige Vertreter der niederländischen Eredivisie ist Dauergast in der „Königsklasse“, vergangene Saison schied man allerdings bereits in der Gruppenphase als Dritter aus. Ein Jahr zuvor waren die „Söhne Gottes“ allerdings das Überraschungsteam der Champions League. Mit mutigen und erfrischendem Fußball erreichte Ajax das CL-Halbfinale und scheiterte dort in letzter Sekunde an Tottenham Hotspur. Zuvor wurden Real Madrid und Juventus Turin ausgeschaltet.

Auch in der vergangenen Spielzeit konnte Ajax – zumindest national – überzeugen. Als amtierender Meister und Pokalsieger der Saison 2018/19 dominierte Amsterdam die Niederlande einmal mehr. Im Juli 2019 wurde die Johan-Cruyff-Schale – der niederländische Supercup – gewonnen. In der Eredivisie war Ajax ab Spieltag vier ununterbrochen Tabellenerster – nach dem 26. Spieltag wurde die Saison allerdings Corona-bedingt abgebrochen, ohne einen Meister zu küren.

Ein erneut großer Aderlass

Die positive Entwicklung des Ajax-Kaders forderte jedoch erneut ihren Tribut. Auch in diesem Sommer haben wichtige Spieler den Verein verlassen, um sich auf größerer Bühne zu messen. Hakim Ziyech (27) ist zum FC Chelsea gewechselt, Donny van de Beek (23) zu Manchester United. Toptalent Sergino Dest (19) zog es zum FC Barcelona. Verstärkt hat sich Ajax mit vier Spielern: Rechtsaußen Antony (20) ist vom FC Sao Paulo gekommen, Mittelfeldtalent Mohammed Kudus (19) vom FC Nordsjaelland. Beide gelten als hoch veranlagt. Zudem ist Davy Klaassen (27) nach drei Jahren zurückgekehrt. Sean Klaiber (26), vom FC Utrecht gekommen, füllt die rechte Verteidigung auf.

Nachdem im Sommer 2019 bereits Matthijs de Ligt (21) und Frenkie de Jong (23) Ajax verlassen haben, sind nur noch wenige prägendere Figuren der so glorreichen 18/19er Saison noch da. Dementsprechend stotterte der Start in die neue Saison. Neun Punkte sind es nach vier Spielen. Bei den drei Siegen wurde spielerisch kaum überzeugt und die Niederlage gegen den FC Groningen war absolut verdient.

(Photo by OLAF KRAAK/ANP/AFP via Getty Images)

Bei Ajax, das seit 2017 von Erik ten Hag (50) trainiert wird, hat sich taktisch zur neuen Saison wenig verändert. Es wird weiter im 4-3-3 aufgestellt, hoch angelaufen und fußballerisch ansehnlich gespielt. Aktuell fehlt es aber noch an Feinabstimmung und Körperlichkeit. Man kann sich aber sicher sein, dass wenn die Maschine gut geölt ist, wieder toller Ajax-Fußball zu sehen sein wird. Das Team verfügt weiterhin über sehr viel Talent und mit Spielern wie Nicolas Tagliafico (28), Klaassen, Daley Blind (30) und Dusan Tadic (31) internationale Erfahrung.

Atalanta überhaupt noch eine Überraschung?

Atalanta BC nimmt nun zum zweiten Mal infolge an der Champions League Teil. In der vergangenen Saison sind die Italiener mit 78 Punkten Tabellendritter der Serie A geworden. Darüber hinaus gehörte „La Dea“ 19/20 auch zu den Topteams Europas und erreichte das Champions-League-Viertelfinale, in welchem man nur knapp an Paris St. Germain scheiterte.

Der Erfolg von Bergamo wird allmählich zur Gewohnheit. Das Team, das seit 2016 von Gian Piero Gasperini (62) trainiert wird, ist nun zum zweiten Mal nacheinander Tabellendritter Italiens geworden. In der vergangenen Spielzeit war die offensive Wucht Atalantas einmal mehr eine Augenweide und Merkmal einer beeindruckenden Entwicklung. 98 Tore schoss BC in der letzten Serie-A-Saison, mit insgesamt acht Toren im Achtelfinale der Königsklasse wurde auch international die wahnwitzige Angriffskraft Bergamos deutlich.

(Photo by Sergei SUPINSKY / AFP) (Photo by SERGEI SUPINSKY/AFP via Getty Images)

Kader weitgehend zusammengehalten

Trotz der Erfolge in der jüngeren Vereinsgeschichte musste Atalanta bislang keine so schwerwiegenden Abgänge auffangen wie Gruppengegner Ajax. Auch in diesem Sommer ist der Kader nahezu zusammengeblieben. Einzig der Wechsel von Timothy Castagne (24) zu Leicester City schmerzt. Ansonsten sind sämtliche Leistungsträger geblieben wie beispielsweise der so umworbene Nationalspieler Robin Gosens (26). Viel eher kommt das Atalanta-Aufgebot in dieser Saison noch stärker daher. Zahlreiche Leihrückkehr haben sich bei ihren Stationen gut entwickelt und können nun angreifen. Zudem wurde Mario Pasalic (25) fest verpflichtet und mit Aleksey Miranchuk (24) eine wichtige Entlastung für das offensive Mittelfeld geholt. Sam Lammers (23) von der PSV Eindhoven verstärkt das Sturmzentrum.

Und so muss sich Atalanta für diese Spielzeit nicht neu erfinden. Trainer Gasperini lässt weiterhin brachialen Angriffsfußball spielen, der taktisch viel von seinen Akteuren verlangt. Im 3-4-1-2 wird laufintensiv über die Außenbahnen aufgebaut und Druck ausgeübt. Die intelligenten Angriffsmuster sind mittlerweile in die DNA jedes Spielers gecodet und können Gegner regelrecht einschnüren. Das zeigt sich auch in der aktuellen Saison: Nach drei Spieltagen führt Atalanta die Tabelle mit drei Siegen und 13 geschossenen Toren an. Alles wie immer also bei Bergamo – dieser Satz sollte den Gruppengegnern Angst machen.

Midtjylland – der Fußball der Zukunft

Der FC Midtjylland ist ohne Zweifel der absolute Underdog der Gruppe D und wird unter normalen Umständen Platz vier belegen, unterschätzen sollte man die Dänen aber nicht. Das haben sie in der CL-Qualifikation bewiesen, als sie den PFK Ludogorets Razgrad, die BSC Young Boys und Slavia Prag schlugen – letztere beiden mit 3:0 und 4:1 deutlich.

Seit nun einigen Jahren macht die Mannschaft aus Herning auf sich aufmerksam. Mit modernster Datenanalyse und äußerst cleverem Scouting hat sich Midtjylland zu einem der besten Teams Dänemark entwickelt, seit 2015 ist man dreimal Meister geworden. Vergangene Saison wurde man mit 78 Punkten bereits vier Spieltage vor Ende der Spielzeit Meister. Grund für den Erfolg ist die Vereinsübernahme des Engländers Matthew Benham vor sechs Jahren. Benham ist auch Besitzer des englischen Zweitligisten FC Brentford, den er mit denselben zahlenorientierten Methoden in neue Sphären gehoben hat.

Talentfabrik Midtjylland

Der gesamte Verein fußt auf mathematischen Erfolgsformeln, die Benham und sein Team entwickelt haben. Wie diese genau funktionieren, ist nicht bekannt, aber dass sie Erfolg bringen, lässt sich sowohl an den Titeln als auch an den Transferlösen erkennen. Die „Schwarzen Wölfe“ zeichnen sich durch geringes Investment in Spieler aus, die dann für viel Geld weiterverkauft werden. Ein Beispiel ist Alexander Sörloth (24), 2017 für 450.000 Euro vom FC Groningen verpflichtet und gerade einmal sechs Monate später für neun Millionen Euro an Crystal Palace verkauft. In diesem Sommer verzeichnet Midtjylland zum ersten Mal seit 2015 ein Transferminus. Gekommen sind Linksaußen Pione Sisto (25) von Celta Vigo für 2,5 Millionen und Sturmtank Luca Pfeiffer (24) von den Würzburger Kickers für 1,5 Millionen Euro.

Für die erste Champions-League-Teilnahme der Vereinsgeschichte rüsten die Dänen also etwas auf. Die Neuzugänge zahlen auf den Fußball von Trainer Brian Priske (43) ein, der auf Konterstärke und gefährlichen Standards fußt. Midtjylland ist europaweit eines der besten Teams bei ruhenden Bällen – auch das basiert auf der Erfolgsformel Benhams. Man verfügt über sehr viele großgewachsene kopfballstarke Spieler, die durch effektive Laufwege kaum zu verteidigen sind. Da kommt der 1,96 Meter große Pfeiffer ins Spiel. Sisto wird bei Midtjyllands zielstrebigen Umschaltaktionen wichtig werden, bei denen auch die Außenverteidiger und zentralen Mittelfeldspieler vor das Tor ziehen, um Überzahlsituationen zu kreieren. Auch hier spielt Statistik eine Rolle, da Midtjylland sehr auf xGoals setzt, also penibel darauf achtet, nur in aussichtsreichen Positionen abzuschließen.

Foto: IMAGO

Bei Midtjylland ist die übergeordnete Vereinsphilosophie der Star. Mit Spielmacher Evander (22) schleicht sich auch individuelle Klasse ein, aber vor allem die sorgsam einstudierten Abläufe im bevorzugten 4-2-3-1 machen die Dänen stark. Der FC Midtjylland ist zwar der Underdog der Gruppe, verfügt aber über Waffen, die wehtun. Auf einen ruhigen Spaziergang nach Dänemark brauchen sich die Gruppengegner also nicht einstellen.

90Plus-Prognose

Trotz des Stotterstarts in die Saison gilt der FC Liverpool als klarer Favorit in Gruppe D. Die Reds müssen jedoch 100 Prozent geben, um sich gegen Ajax und Atalanta nicht zu blamieren. Letztere beiden werden sich einen harten Kampf um Platz zwei bieten, doch Midtjylland sollte aufgrund seines spannendes Ansatzes nicht komplett aus den Augen verloren werden.

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Marc Schwitzky

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