Sonntag, November 1, 2020

Europa League Vorschau Gruppe H: Celtic, Sparta Prag, AC Milan, OSC Lille

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Julius Eid
Julius Eid
Redakteur

In Kürze beginnt die neue Saison in der UEFA Europa League. In der Gruppe H treffen Celtic, Sparta Prag, Milan und der OSC Lille aufeinander. Wir stellen die Teams vor!

  • Mailand als Topfavorit
  • Kann Celtic für Aufruhr sorgen?
  • Prag als Geheimtipp

Celtic – Kämpferisch ans Ziel?

Auch wenn die schottische Liga nicht zu den Ligen zählt, die regelmäßig und ausführlich besprochen werden, dürfte der Name Celtic F.C. für jeden Fußball-Fan ein Begriff sein. Neben dem ewigen Rivalen, den Glasgow Rangers, zählen die “Bhoys” zu den bekanntesten Exporten ihres Landes. Das Duell mit dem Stadtrivalen zählt weit über die Grenzen des eigenen Landes hinaus zu den traditionsreichsten und prestigeträchtigsten Derbys der Fußballwelt. Der 51-fache (!) schottische Meister Celtic hat sich durch die gesamte, zähe Qualifikation für die Europa League gekämpft und wird schon aufgrund des eigenen Selbstverständnisses nicht nur antreten, um dabei gewesen zu sein. Reykjavik, Ferencvaros, Riga und zu guter Letzt Sarajevo mussten dies in den Qualifikationsrunden bereits am eigenen Leib erfahren. Celtic ließ in allen Partien nur zwei Gegentore zu, gegen Ferencvaros.

Doch genau diese zwei Gegentore bestärken natürlich auch die Skeptiker. Denn auf einem Niveau, in dem all diese zwar klangvollen, aber in der Fußballwelt nicht besonders aussagekräftigen Namen, an jedem Tag der Woche ohne Probleme besiegt werden können, scheinen die Schotten unter Trainer Neil Lennon (49) noch nicht zu agieren. Der Nordire übernahm im letzten Sommer zum zweiten Mal das Ruder in Glasgow. Zumindest in der heimischen Liga zeigen sich die Schotten in guter Verfassung. Aus den ersten neun Spielen konnte man 25 Punkte holen und ist nur einen Punkt hinter den Rangers auf Platz Zwei der Tabelle.

(Photo by Ian MacNicol/Getty Images)

Celtic: Quarantäne als Hindernis

Doch wenn es nun in die europäischen Wettbewerbe geht, stehet die Mannschaft aus Glasgow vor einer gesundheitlichen Herausforderung. Wie so viele Vereine in letzter Zeit, ist auch Celtic direkt durch das Coronavirus betroffen. Mittelstürmer und offensiver Schlüsselspieler Odsonne Edouard (22) befindet sich nach einem positiven Befund noch bis nächste Woche in Quarantäne und wird wohl das Auftaktspiel gegen Milan verpassen. Dasselbe gilt für Hatem Abd Elhamed (29), Ryan Christie (25) und Nir Bitton (28). Neben dem verletzten Mikey Johnston (21) werden also erst einmal vier Spieler aufgrund des Virus nicht zur Verfügung stehen. Eine Herausforderung für Lennon. Zudem steht am Samstag (17.10.2020) auch noch das Old Firm gegen die Rangers um die Tabellenspitze an, schonen unmöglich. Der Start in die Gruppenphase steht also nicht unbedingt unter einem guten Stern. Da Mailand nicht unbedingt als Gradmesser gelten sollte, macht zumindest der Spielplan Hoffnung.

Zumeist tritt das Team mit einer Dreier-Kette an, manchmal auch in einem 4-2-3-1. Wie es sich für ein Topteam in der heimischen Liga gehört, hat man bei Celtic das Selbstbewusstsein, immer wieder neue Sachen auszuprobieren und diese dann auch erfolgreich umzusetzen. Gerade in europäischen Turnieren ist diese Flexibilität ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Da die Corona-Ausfälle fast ausnahmslos Stammspieler betreffen, wird gerade offensiv noch mehr auf den Schultern von Neuzugang Mohamed Elyounoussi (26) liegen. Der Norweger kam im Sommer von Southampton und konnte in zwölf Pflichtspielen bereits vier Treffer erzielen. Keine schlechte Quote als Flügelspieler. Ohne Edouard stehen Celtic zudem zwei weitere, spannende Stürmer zur Verfügung. Sowohl Albian Ajeti (23) als auch Patryk Klimata (22) konnten in der noch jungen Saison ihren Wert beweisen. Celtic ist gut organisiert, flexibel und definitiv eine Mannschaft die viele Gegner zur Verzweiflung bringen könnte. Zum Start sorgt das Virus allerdings für einen signifikanten Nachteil.

Sparta Prag – Nicht zu unterschätzen

Wenn auch nicht immer im Auge der deutschen Fußballpresse: In der tschechischen Hauptstadt Prag wird seit Jahren guter Fußball gespielt. Sei es beim Nachbarn Slavia Prag, der im letzten Jahr in der Champions League Werbung für den tschechischen Fußball machen konnte, oder eben bei Sparta Prag.

Der Tabellendritte des letzten Jahres in der tschechischen Championship ist ähnlich wie Slavia und die weitere Topmannschaft des Landes, Viktoria Pilsen, ein leuchtendes Beispiel für die gute Arbeit in der Ausbildung von tschechischen Spielern. So sind auch bei Sparta enorm viele Spieler aus dem eigenen Land zu finden, die meisten noch unter 25 Jahre alt. Ein Team, das in den letzten Jahren aufgrund von Leistungsschwankungen immer mal wieder die Erwartungen nicht erfüllte. Nun aber, angeführt von Trainer Vaclav Kotal (68), steht Sparta nach sechs Spielen und sechs Siegen an der Spitze der tschechischen Liga.

Seit Februar hat Total das Zepter in der Hand und auch wenn es in der Liga noch nicht gegen die direkte Konkurrenz ging, zeichnet sich eine neue Konstanz in der goldenen Stadt ab. Nicht nur wurden alle Ligapartien gewonnen, kein einziger Sieg war auf irgendeiner Ebene unverdient. Sparta tritt an – und liefert. Genau wegen dieser unaufgeregten Siegermentalität, die die Mannschaft in ihrer jetzigen Verfassung ausstrahlt, zählen die Prager zu den Mannschaften, denen man gut und gerne zutraut in der Europa League die ein oder andere Überraschung zutraut. Denn auch der Spielstil könnte perfekt in einem Turniermodus funktionieren.

MICHAL CIZEK/AFP via Getty Images

Sparta: Geschlossenheit und individuelle Klasse

Zumeist tritt Sparta mit einem 3-5-2-System an, doch auch die Viererkette konnte man schon in dieser Saison beobachten. Die wahre Stärke des Teams liegt, unabhängig von der genauen taktischen Ausrichtung, in der disziplinierten Geschlossenheit. Die Innenverteidigung wird hierbei vom erfahrenen Ondrej Celustka (31) angeführt und auch im zentralen Mittelfeld dominiert ein tschechischer Block. Ladislav Krejci (21) als defensiver Abräumer, Michael Sacek (24) als unermüdlicher Antreiber und Borek Dockal (32) als offensiver Taktgeber bilden mit dem angesprochenen Celustka eine einheimische Achse. Vorne wartet dann eines der spannendsten Talente des Landes: Adam Hlozek (18).

Der 1,86 m große Tscheche wurde schon diesen Sommer bei deutschen Spitzenvereinen wie Borussia Dortmund und RB Leipzig ins Gespräch gebracht. Hlozek bringt schon in jungen Jahren enorm viel mit, was auch in den Topligen Europas von einem modernen Angreifer gefragt ist. In den ersten sechs Spielen dieser Saison erzielte der 18-Jährige bereits vier Tore und legte weitere fünf Treffer auf. Mit insgesamt neun Scoren aus sechs Partien ist er nicht mehr aus der Startelf der Prager wegzudenken. Genau so wie Starspieler Hlozek wird Sparta insgesamt die Möglichkeit der Europa League nutzen wollen, um den eigenen Namen fest im Gehirn aller Fußballfans zu verankern. Die Chancen stehen nicht schlecht.

AC Milan: Klarer Favorit

Wenn ein Team aus den Topligen Europas hinzustößt, ist es meist klarer Favorit. Dies gilt definitiv auch für AC Milan. Die Italiener zählen in der Serie A zu den Vereinen, die in jedem Mannschaftsteil über hohe Qualität verfügen und haben auch in diesem Sommer auf dem Transfermarkt gut agiert. Gerade die Verpflichtung des Toptalents Sandro Tonali (20) kann hier als echtes Ausrufezeichen gesehen werden. Und auch wenn sich in der Offensive die Berichterstattung meist um den Altmeister Zlatan Ibrahimovic (37) dreht, ist das Arsenal der Rossonieri nicht nur auf den Schweden begrenzt. Die bisherigen Spiele in der heimischen Liga liefen alle nach Plan, souverän setzte man sich in jedem Spiel als Favorit durch.

Somit steht Milan zum jetzigen Zeitpunkt auch mit neun Punkten aus drei Partien auf Platz Zwei der Tabelle, nur Atalanta thront noch über den Dingen. Die erste richtige Herausforderung wartet allerdings am Samstag (17.10.2020) auf die Mailänder. Es geht nämlich gegen den Stadtrivalen Inter. Sollte man auch in diesem Derby die Frühform unterstreichen können, würde das den Eindruck bestärken, dass unter Trainer Stefano Pioli (54) tatsächlich der schon seit Jahren ersehnte Schritt in Richtung Spitze stattfindet. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Milan in diesem Jahr mehr erreicht, als nur die Qualifikation zur Europa League.

(Photo by MARCO BERTORELLO/AFP via Getty Images)

AC Milan: Stabilität und Fortschritt

Pioli setzt auf das altbewährte 4-2-31-System. Die Italiener haben diese Formation unter seiner Führung neu verinnerlicht und Spieler wie Hakan Calhanoglu (26), dem wohl auch aufgrund seiner Vorgeschichte bei deutschen Vereinen hierzulande nicht immer wohlgesinnten gegenübergetreten wird, haben ihren festen Platz in diesem System gefunden. Der türkische Nationalspieler befindet sich in sehr guter Form, konnte in sechs Pflichtspielen als offensiver Mittelfeldspieler bereits vier Tore erzielen. Seine Standardstärke gibt der Mannschaft zudem eine weitere Komponente, die gerade im Turniermodus nicht zu unterschätzen ist. Und ein Spieler wie Tonali ist noch nicht einmal komplett integriert. In Zukunft kann man von dem jungen Italiener dennoch erwarten, die Regie im Spiel zu übernehmen und der Mannschaft eine weitere Facette hinzuzufügen.

Neben dem Superstar Zlatan Ibrahimovic, der auch im gehobenen Alter als Torjäger par Excellence und Leitwolf zugleich hervorragend funktioniert, ist auch die Offensive mit spannenden, jungen Spielern bestückt. Rafael Leao (21) entwickelt sich prächtig, konnte auch in dieser Saison bei drei Pflichtspieleinsätzen schon auf zwei Tore kommen. Auch wenn die Ziele Milans größer sind, als “nur” die Europa League, kann man dieses Jahr nutzen, um sich erneut als starke Kraft auf europäischem Parkett zu profilieren. In dieser Gruppenkonstellation dürfte zumindest dem Schritt in die KO-Runden wenig im Wege stehen.

OSC Lille: Spannende Franzosen

Um nur einen Punkt verpasste OSC Lille in der vergangenen Saison die Chance auf die Champions League. Ein Zähler fehlte am Ende auf Rennes, das den dritten Platz besetzte, der in der Ligue 1 zur Teilnahme an der Qualifikation zur Königsklasse berechtigt. Und so bleibt trotz Platz vier nur die Europa League. Ein ordentliches Ergebnis für Lille, nach der Teilnahme an der Champions League im Vorjahr, dennoch ein kleiner Rückschlag. Der Auftritt dort war 2019/2020 dabei nicht unbedingt von Erfolg gekrönt, in sechs Gruppenspielen musste man sich fünf mal geschlagen geben. Nun geht es also in die Europa League und dies mit der berechtigten Hoffnung, dass man im kleineren europäischen Wettbewerb besser abschneidet.

Die Entwicklung Lilles in den letzten Jahren ist und bleibt dennoch positiv. Christophe Galtier (54) übernahm im Dezember 2017 das Traineramt und konnte in seiner ersten Saison den Verein nur knapp vor einem Abstieg bewahren. Nun spielt man jährlich um die europäischen Plätze und verfügt über einen Kader, der gespickt ist mit jungen und spannenden Spielern.

Die Ligaform stimmt bei Lille auf jeden Fall, im Moment steht man nach sechs Partien ungeschlagen mit 14 Punkten auf Platz Zwei der heimischen Tabelle. Das Team hat sich in der Spitze Frankreichs etabliert.

(Photo by FRANCOIS LO PRESTI/AFP via Getty Images)

Lille: Jung und talentiert

Dass Lille bislang auch in diesem Jahr das Leistungsniveau halten kann, ist eine Leistung, die man lobend erwähnen muss. Denn das Team besteht aus zahlreichen, noch sehr jungen Spielern. In der Innenverteidigung ist Neuzugang Sven Botman (20) unumstritten gesetzt, seit er im Sommer von Ajax Amsterdam kam. Und gerade in der Zentrale des Mittelfelds versammeln sich bei Lille ein paar der spannendsten Namen Europas. Galtier kann hier unter anderem auf Jonathan Ikoné (22), Boubakary Soumaré (21) und Renato Sanches (23) bauen. Alles Spieler, die entweder bei großen vereinen im Gespräch sind, oder sogar, wie Renato Sanches, schon auf höchstem Niveau Erfahrungen sammeln konnten. Alle Genannten vereinen zudem schon in jungen Jahren viele fußballerische Qualitäten. Physische Präsenz, ein Zug nach Vorne sowie spielerische Finesse sind fester Bestandteil von Lilles Zentrale.

Fast ein wenig befremdlich wirkt unter diesem Aspekt der neue Stammstürmer von Galtieri. Routinier Burak Yilmaz (35) wechselte im Sommer nach Lille und durfte seitdem regelmäßig eine der beiden Angriffspositionen im meist gewählten 4-4-2-System des französischen Trainers bekleiden. Zweimal war der Türke bis jetzt schon erfolgreich. Neben Yilmaz sorgt vor allem Jose Fonte (36) als alter Haudegen in der Innenverteidigung für die richtige Mischung im sonst jungen Team. Der Portugiese hat sich allerdings nun mit dem Coronavirus infiziert und steht erstmal nicht zur Verfügung. Ein Ausfall, der weh tun könnte, wirkt Lille wohl auch aufgrund der Jugendlichkeit manchmal noch ein wenig unbeholfen und unsouverän. Das Urteil bleibt aber am Ende dasselbe: Lille hat eine spannende Mannschaft, einen guten Trainer und sicherlich das Potential, hervorragend zu unterhalten.

Die 90PLUS-Prognose

AC Milan sticht in dieser Gruppe als Favorit heraus, einen wirklich schwachen Gegner sucht man allerdings vergeblich. Neben den Italienern gibt es für alle drei weiteren Teilnehmer Argumente und damit auch die Hoffnung auf ein Weiterkommen. Definitiv eine der attraktiveren Gruppen des diesjährigen Wettbewerbs.

Weitere Vorschauen zur Europa und Champions League sowie dem aktuellen Spieltag!

Julius Eid

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