Montag, November 23, 2020

Ligue 1 Vorschau 4/5 | Olympique Lyon, Montpellier, Stade Brest, Toulouse

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Vorschau | Es ist soweit! Auch die französische Ligue 1 startet bereits früh im August wieder in die Saison. Meister Paris Saint Germain geht natürlich auch in diesem Jahr als absoluter Topfavorit ins Rennen, insgesamt hat sich aber viel getan. Vorab analysieren wir alle 20 Mannschaften detailliert.

Teil 1: PSG, Saint-Etienne, Amiens, Stade Rennes

Teil 2: Marseille, Angers, Dijon, Metz

Teil 3: OSC Lille, OGC Nizza, Dijon, Reims

Teil 4: Olympique Lyon, HSC Montpellier, Stade Brest, Toulouse

Olympique Lyon

(Letzte Saison: 3. Platz)

Angriff mit Juninho und Sylvinho

Solide. So oder so ähnlich klang das Resümee aller Beteiligten bei Olympique Lyon. Dass niemand in Euphorie ausbrach, hatte zum einen mit dem vorzeitigen K.O. in den nationalen Pokalwettbewerben zu tun, zum anderen aber auch mit dem dritten Rang in der Ligue 1. Hinter dem OSC Lille.

Hinzu kam die Ankündigung von Trainer Bruno Genesio, der im April seinen Abschied zum Saisonende verkündete. “Damit sich das Team in einer sehr viel ruhigeren Atmosphäre entwickeln kann”, begründete er seinen Abschied. Der 52-Jährige war mehrfach mit den eigenen Fans aneinander geraten und betonte: “Ich bin seit einiger Zeit – milde ausgedrückt – mit einer ziemlich negativen Stimmungslage konfrontiert, die meines Erachtens ein großes Hindernis für das Team sein kann.”

Statt also einem Angriff auf die Alleinherrschaft von Paris Saint-Germain blieb “nur” die Qualifikation für die Champions League. Das soll sich in der kommenden Saison ändern! Mit Sylvinho als neuem Chefcoach und Vereins-Ikone Juninho als Sportdirektor weht ein neuer, frischer Wind durch Lyon.

(Photo by JEFF PACHOUD / AFP) 

Insbesondere die Rückkehr von Juninho weckt Hoffnungen bei den Fans. Kein Wunder! Schließlich erlebte “OL” mit ihm als Spieler die mit Abstand erfolgreichste Zeit. Zwischen 2001 und 2009 feierte Lyon siebenmal die Meisterschaft mit dem ehemaligen Freistoßspezialisten. Vor und nach Juninho holte Lyon keinen weiteren Meistertitel.

Sein neuer Trainer, Sylvinho, löste sogar extra seinen noch bestehenden Vertrag als Co-Trainer bei der brasilianischen Nationalmannschaft auf, um das Projekt Olympique Lyon wieder anzukurbeln. Einziger Wermutstropfen für die beiden brasilianischen Hoffnungsträger: Die prominenten Abgänge!

Mit Tanguy Ndombélé (22, Tottenham Hotspur), Ferland Mendy (24, Real Madrid) und Nabil Fekir (26, Betis Sevilla) haben sich gleich drei Leistungsträger verabschiedet. Doch Juninho war nicht untätig. Insbesondere Joachim Andersen (23, vorher Sampdoria Genua), Thiago Mendes(27), Youssouf Koné (24, beide Lille) und Jean Lucas (21, Flamengo Rio de Janeiro) gelten als großes Versprechen. Nun muss Sylvinho dafür sorgen, dass es eingelöst wird.

Im Fokus: Moussa Dembele

Erst ein Jahr ist er in Lyon, und schon ist er zu einem der Hoffnungsträger gereift. Moussa Dembélé avancierte gleich in seiner Debütsaison zum Top-Torjäger bei Olympique, 15 Treffer und fünf Assists in 33 Ligaspielen sind eine starke Quote. Doch da geht noch mehr!

Der französische U21-Nationalspieler soll zusammen mit Memphis Depay weiter für die Tore sorgen. Obwohl er 2018/19 größtenteils schon zu überzeugen wusste, fehlte ihm stellenweise noch die Konstanz. In manchen Partien war Dembélé gar nicht zu sehen oder hatte nicht den erhofften Effekt auf sein Team.

Mit gerade einmal 23 Jahren und der ersten Spielzeit bei einem großen Klub ist das allerdings auch wenig verwunderlich. Sollte Dembélé wie erwartet noch eine Schippe drauflegen, kann sich die Konkurrenz auf einiges gefasst machen.

Newcomer: Houssem Aouar

Ein wirklicher Newcomer ist Houssem Aouar eigentlich gar nicht mehr. Immerhin stand der Franzose mit algerischen Wurzeln in der abgelaufenen Saison in 35 von 38 möglichen Ligapartien in der Startelf von Olympique Lyon und zählte, wie auch Dembélé, zu den absoluten Leistungsträgern der Mannschaft.

(Photo by Miguel MEDINA / AFP) 

Was dabei oft vergessen wird: Der Junge ist gerade mal 21 Jahre alt! Was ihn jedoch nicht davon abhält, schon verdammt gut Fußball zu spielen. Egal, ob mit oder gegen den Ball, Aouar kann nahezu alles. Insbesondere nach dem Abgang von Ndombélé dürfte ihm im zentralen Mittelfeld von Lyon noch deutlich mehr Verantwortung zukommen. Und das ist auch gut so.

Dass es Lyon bisher geschafft hat, das Eigengewächs auch weiterhin in den eigenen Reihen zu halten, ist schon als Erfolg zu verbuchen. Auch bei ihm hielten sich lange die Gerüchte über einen möglichen Abgang in diesem Sommer. Doch Aouar bleibt allem Anschein nach. Gut für Aouar, noch besser für Lyon.

Prognose

Olympique Lyon ist trotz der namhaften Abgänge weiterhin eines der besten Teams in der Ligue 1. Ob es in dieser Saison allerdings schon reicht, um bei PSG ganz oben anzugreifen, wird auch davon abhängen, wie nahtlos der Übergang von Genesio zu Sylvinho funktioniert und wie die Neuzugänge einschlagen.

Nico Scheck

HSC Montpellier

(Letzte Saison: 6. Platz)

Pragmatisch zum Erfolg

Der HSC Montpellier gehört nicht gerade zu den allergrößten Vereinen der letzten Jahre in der Liga 1. Unter Trainer Michel Der Zakarian, der 2017 das Amt des Cheftrainers in Montpellier übernahm, stabilisierte man sich aber zunehmend. In der vergangenen Saison spielte der HSC Montpellier zwar nicht die Sterne vom Himmel, konnte aber mit viel Disziplin und einer sehr guten Grundausrichtung Erfolge feiern. 

 (Photo by SYLVAIN THOMAS / AFP) 

Die Geschichte dazu beginnt schon mit der Amtsübernahme von Der Zakarian. Der 56-jährige Trainer erkannte Probleme unmittelbar und führte konsequent eine neue Defensivausrichtung ein. Montpellier bewegte sich sukzessive cleverer, offenbarte weniger Lücken und wirkte stabiler. Das hatte zur Folge, dass auch die individuellen Fehler immer weiter abnahmen. Natürlich ging das zunächst zulasten der Offensive, vor allem 2017/18 wirkte Montpellier häufig erschreckend einfallslos, viel Gefahr entstand nicht und wenn man gefährlich wurde, dann waren oft ruhende Bälle und Einzelaktionen dafür verantwortlich. 

Doch im zweiten Schritt der Entwicklung unter Der Zakarian versuchte man in Montpellier Stück für Stück ein Offensivkonzept zu entwickeln, das auf die Spieler zugeschnitten ist. Mit 53 Treffern entfachte man kein atemberaubendes Feuerwerk, dennoch war eine deutliche Verbesserung sicht- und spürbar. Die Laufwege wurden kreativer, das Kombinationsspiel wurde besser und die Abwehr stand stabil. 42 Gegentore sprechen eine klare Sprache, Montpellier hat es geschafft den fußballerischen Pragmatismus zu einem Markenzeichen werden zu lassen. 

Noch sind die Mittel da

Erfolg weckt in der Regel auch Begehrlichkeiten. Und so verließen im Sommer einige wichtige Spieler den HSC Montpellier: Allen voran natürlich Torhüter Benjamin Lecomte (28), den es für mehr als 13 Millionen Euro nach Monaco zog. Ebenfalls wechselte Ellyes Skhiri (24). Der defensive Mittelfeldspieler, eine der tragenden Säulen im Defensivverbund der Zakarians, wechselte nach Köln. Zusätzliche Einnahmen generierte der Abgang von Isaac Mbenza (23), der sich für 12 Millionen Euro Huddersfield anschloss. 

Die großen Investitionen blieben aber aus. Mit Vidal und Adouyev wurden zwei Spieler aus der eigenen Jugend hochgezogen, mit Jordan Ferri (27) wurde ein Mittelfeldspieler aus Lyon verpflichtet. Andy Delort (27, Toulouse, 4,5 Mio.) soll den Angriff verstärken, Teji Savanier (27, Nimes, 9,5 Mio.) das Mittelfeld stabilisieren. Mit 26 Spielern wirkt der Kader auf den ersten Blick sehr ausgewogen besetzt, dennoch sind noch finanzielle Mittel verfügbar und diese könnten auch eingesetzt werden. 

(Photo by SYLVAIN THOMAS / AFP)

Dies gilt vor allem nach dem kurzfristigen Abgang von Ruben Aguilar zur AS Monaco. Der Rechtsverteidiger, der ebenfalls mit Crystal Palace in Verbindung gebracht wurde, war eine zentrale Figur im 3-4-1-2-System des HSC Montpellier. Er stellte rechts vor der Dreierkette die notwendige Balance her, trieb das Spiel nach vorne an, spielte umsichtig, wenn es um die Defensive geht. Ihn zu ersetzen, mit all seinen Qualitäten, ist ein schwieriges Unterfangen. Neben einem neuen Spieler für diese Position muss zwingend auch noch ein offensiver Akteur her, der den Unterschied machen kann.

Im Fokus: Junior Sambia

Der 22-jährige Franzose spielt im defensiven Mittelfeld und wurde in der vergangenen Saison nach seinem Wechsel vom FC Niort nach Montpellier häufig als Joker eingesetzt. In 30 Spielen in der Ligue 1 kam Sambia auf 899 Spielminuten, der zweikampfstarke und dynamische Mittelfeldspieler schaffte den Sprung zur endgültigen Stammkraft aber noch nicht. Nach dem Skhiri-Abgang werden die Karten jedoch neu gemischt. Sambia, der mitunter noch etwas ungestüm zu Werke geht, muss lernen taktisch noch klüger und vorausschauender zu spielen. Wenn ihm das gelingt, dann bringt er allen voran aufgrund seiner körperlichen Konstitution alles mit, um eine sehr gute Rolle zu spielen. 

Newcomer: Amir Adouyev

Der 20-jährige Russe spielt im zentralen Mittelfeld und wurde aus der B-Mannschaft hochgezogen. Sowas geschieht nicht ohne Grund, Der Zakarian muss gewisse Qualitäten im Mittelfeldspieler sehen. Bei den Profis spielte Adouyev bisher noch keine große Rolle, zu Beginn der Saison könnte er aber davon profitieren, dass Neuzugang Savanier verletzt fehlt – und das noch bis Ende September, wenn die Prognosen zutreffen. Das führt dazu, dass der Kampf um die dritte Position im Mittelfeld offen ist und dass Adouyev durchaus Chancen hat zumindest regelmäßig dem Spieltagskader anzugehören.

Prognose

Der HSC Montpellier hat im Sommer eigentlich einen sehr guten Job gemacht und steht vor dem nächsten Schritt der Entwicklung unter Der Zakarian. Gelingt es nun noch Ruben Aguilar adäquat zu ersetzen und möglicherweise noch einen Offensivspieler zu verpflichten kann man in der Ligue 1 um den Europapokal spielen!

Manuel Behlert

Stade Brest

(Letzte Saison: Aufstieg)

Der erste Schritt ist gemacht

Mit dem zweiten Platz in der französischen Ligue 2 und einer guten Saison ist Stade Brest der Aufstieg in die höchste Spielklasse Frankreichs gelungen. Doch das soll erst der Anfang sein. Interessanterweise gab es im Sommer trotz des Aufstiegs einen Trainerwechsel. Jean-Marc Furlan (61) wurde durch Olivier Dall’Oglio (55) ersetzt. Dall’Oglio war zuvor lange beim FCO Dijon tätig, leistete dort sehr gute Arbeit und spielte mit dem Klub wenn möglich einen attraktiven Offensivfußball. 

(Photo by Sebastien SALOM-GOMIS / AFP)

Und genau diesen Stil will er nun auch mit Brest in der Ligue 1 verfolgen. Schon unter Vorgänger Furlan wurde ein dem System Dall’Oglios ähnliches 4-2-3-1 mit Mathias Autret (28) als Schlüsselfigur im offensiven Zentrum praktiziert. Autret, der in der Ligue 2 mit neun Toren und acht Vorlagen eine sehr gute Saison spielte, wird im 4-3-3 des neuen Trainers ebenfalls einen Platz finden, möglicherweise als offensiv ausgerichteter 8er.

Die Aufstiegself hat sich nicht grundlegend verändert. Die Abgänge waren allesamt zu verschmerzen, viele Spieler, die Brest verließen, haben noch keinen neuen Klub gefunden oder spielen künftig erneut in der Ligue 2 oder sogar noch tiefer. Mit Ludovic Baal (33) verpflichtete man einen erfahrenen Mann von Stade Rennes, wichtig war außerdem die Leihe von Samuel Grandsir (22), dem Flügelspieler der AS Monaco. Viel Geld wurde nicht ausgegeben, für die restlichen Verpflichtungen, also Denys Bain (Le Havre, 25), Romain Perraud (Nizza, 21) und Ibrahima Diallo (20), der fest aus Monaco verpflichtet wurde, gab man rund 4 Millionen Euro aus.

Der Markt wird beobachtet

Und auch wenn der Kader zum jetzigen Zeitpunkt mit 23 Spielern noch relativ klein ist, scheint man bei Brest gut gerüstet zu sein. Und wer weiß, vielleicht ist auch noch die ein oder andere Ergänzung möglich, denn das Transferfenster ist noch einige Wochen offen. Nachholbedarf bestünde beispielsweise noch in der Innenverteidigung: Mit Bain, Castelleto (24) und Chardonnet (24) ist man vergleichsweise dünn besetzt, dafür stehen gleich drei Linksverteidiger im Kader. Diese fehlende Ausgewogenheit gilt es noch zu beseitigen. 

Für das typische 4-3-3 von Dall’Oglio sollte zudem noch ein kreativer Mittelfeldspieler verpflichtet werden, damit diese Aufgabe nicht einzig und allein auf Autret zukommt. Mit Grandsir hat man zumindest auf der Außenbahn den Handlungsbedarf erkannt, aber selbst hier fehlt eigentlich noch ein Spieler, zumindest für die Breite. Im Angriff wird auf den 30-jährigen Charbonnier eine Menge Arbeit zukommen. Der 1,88m große Stürmer soll die Bälle festmachen und seine Mitspieler in Szene setzen, gleichzeitig wird nun auch umso mehr das Kombinationsspiel gefordert und technisch wirkt er in manchen Sequenzen eher hölzern. Ob das die Chance für seine Konkurrenten Mayi (26) oder Osei Yaw (20) ist?

Im Fokus: Samuel Grandsir

Wie bereits erwähnt kommt der 22-jährige Flügelspieler von der AS Monaco. Dort gehörte er nicht zur ersten Elf, war schon in der Rückrunde der Vorsaison verliehen – und zwar nach Straßburg. Sein Wechsel nach Monaco hat sich also bisher nicht ausgezahlt.

(Photo by LOIC VENANCE / AFP)

Bei Stade Brest hat man sich aber daran erinnert, dass Grandsir von 2016-2018 in der ersten Mannschaft des ES Troyes spielte – und das sehr gut. Dort hatte er viele Freiheiten, zeigte sich sehr spielfreudig und erzielte einige wichtige Treffer. Darauf hofft nun auch der Aufsteiger, der bei einer Leihe natürlich kein Risiko eingeht. 

Newcomer: Derick Osei Yaw

Osei Yaw spielt erst seit dem Januar für Stade Brest, stand vorher beim FC Toulouse unter Vertrag. In der Rückrunde absolvierte der 20-Jährige drei Kurzeinsätze in der Ligue 2, der großgewachsene Spieler konnte aber keinen Treffer erzielen. Die Frage ist nun inwiefern dem kopfballstarken, technisch aber durchaus begabten Spieler der Sprung in die höchste französische Spielklasse gelingt. Der Schritt ist groß, Potenzial ist aber vorhanden. 

Prognose

Für den Aufsteiger geht es natürlich in erster Linie um den Klassenerhalt. Stade Brest spielte eine gute Saison in der Ligue 2, muss aber natürlich versuchen einen Schritt nach vorne zu machen, die neue Liga anzunehmen und die Vorgaben des Trainers umzusetzen. Gelingt das, dann ist der Klassenerhalt auch ein realistisches Ziel. 

Manuel Behlert

FC Toulouse

(Letzte Saison: 16. Platz)

Aus den Fehlern lernen

Der FC Toulouse verlebte eine schwierige Saison 2018/19 und schaffte im gesamten Saisonverlauf nur acht magere Siege. Da war es kaum verwunderlich, dass der Klub lange im Abstiegskampf steckte und am Ende mit vier Zählern Vorsprung vor dem Relegationsplatz die Klasse denkbar knapp hielt. Trainer Alain Casanova gelang es trotz einiger spannender Ansätze nicht die individuellen Fehler im Defensivspiel abzustellen, zudem schoss seine Mannschaft zu wenig Tore. Dass die Leistungen derart dürftig waren, kam durchaus überraschend. Zumindest auf der ein oder anderen Position ist der FC Toulouse nicht allzu schlecht besetzt.

Für Alain Casanova, der im Amt blieb, geht es jetzt im Sommer darum, aus den Fehlern der vergangenen Spielzeit zu lernen. Das bedeutet einerseits, dass die Abläufe verbessert werden müssen, andererseits muss man offensiv mehr aus sich herausholen. Das manchmal etwas biedere 4-2-3-1 könnte dabei auch in der kommenden Saison das Mittel der Wahl sein. Immerhin: Der FC Toulouse scheint erkannt zu haben, dass das Angriffsspiel auch durch Neuzugänge verbessert werden muss. Daher wurde nachgelegt.

Unterstützung für Gradel & co.

Im Sommer herrschte reichlich Bewegung im Kader. Viele Spieler verließen Toulouse ablösefrei, so zum Beispiel Yann Bodiger (24), Yannick Cahuzac (24) oder Clement Michelin (22). Für Steven Fortes (27), Alexis Blin (22), Andy Delort (27) und Christopher Julien (26) nahm man insgesamt etwas mehr als 15 Millionen Euro ein, die auch so gut wie komplett reinvestiert wurden. Max Gradel, der Kapitän und Antreiber in der Offensive, durfte sich über die ein oder andere Ergänzung im Angriffsbereich freuen. So wurde mit Wesley Said (24) ein hochspannender Spieler aus Dijon verpflichtet. Zusätzlich kam Angreifer Koulouris (23) aus Saloniki und im Mittelfeldzentrum zog man mit Vainqueur (30) und Makengo (21) zwei Leihspieler an Land.

(Photo by PASCAL PAVANI / AFP)

Die Qualität im Kader ist also durchaus erhöht worden, vor allem, weil nun mehr Möglichkeiten in der Offensive bestehen. Gleichbleibend ist das geringe Durchschnittsalter im Kader, das bei 24,0 Jahren liegt. Der FC Toulouse hat auch in dieser Saison wieder den ein oder anderen spannenden Spieler im Kader, den es zu beobachten gilt. Nachholbedarf herrscht wenn überhaupt nur auf der Spielmacherposition. Das Mittelfeld ist gespickt mit laufstarken Spielern, es fehlt aber an kreativen Elementen. Schnelle Flügelspieler und eine gewisse Wucht im Zentrum sind zwar vorhanden, allerdings wäre es für den Klub wünschenswert, wenn aus der Schaltzentrale noch mehr fußballerische Elemente eingebracht werden könnten. 

Im Fokus: Max Gradel

Der 31-jährige Ivorer ist der Kapitän der Mannschaft und dafür verantwortlich, dass das Offensivspiel angetrieben wird. Gradel, der in der Vergangenheit für Leicester City, Leeds, Saint-Etienne und Bournemouth spielte, war in der vergangenen Spielzeit die Lebensversicherung. Er ist schnell, wendig, trickreich, dabei aber sehr geradlinig. 

Der Linksaußen hat Effizienzprobleme aus früheren Zeiten abgestellt und präsentiert sich als Leader, der die ganze Offensive trägt. Mit elf Toren und acht Vorlagen war er an etwa der Hälfte aller Tore in der vergangenen Spielzeit direkt beteiligt. Es wird spannend zu sehen sein, ob Gradel in der kommenden Saison ähnliche Zahlen hinlegen wird. Die Abhängigkeit von ihm dürfte durch den Said-Transfer jedenfalls geringer werden. Möglicherweise kann er diese neuen Freiheiten nutzen. 

Newcomer: Kalidou Sidibé

Der 20-jährige defensive Mittelfeldspieler absolvierte schon in der vergangenen Saison einige Spiele für den FC Toulouse und zählte seit dem November zum Profikader. Die Saison 2019/20 wird für Sidibe die erste, die er komplett im Profiteam verbringt, damit steigen auch die Erwartungen. Der 2m große Franzose, der seinen Vertrag in Toulouse erst im Juni bis 2023 verlängerte, hat den Anspruch sich gegen die große Konkurrenz durchzusetzen und den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu machen. 

Prognose

Der FC Toulouse hat sich in Sachen Kaderplanung Gedanken gemacht und die Offensive mit einigen kleinen Ergänzungen verstärkt. Die Mannschaft wirkt insgesamt ausgewogener als in der Vorsaison und wenn Trainer Casanova nun auch noch einen Weg findet, die neu gewonnene Qualität gewinnbringend einzusetzen, dann steht einer zumindest ruhigeren Saison nichts mehr im Weg. 

Manuel Behlert

(Photo by PHILIPPE DESMAZES / AFP)

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