Mittwoch, Oktober 21, 2020

Ligue 1 Vorschau – Teil 4: PSG, Nizza, Brest, Dijon

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In der französischen Ligue 1 startet am Wochenende die Saison 2020/21. Meister PSG ist wieder einmal der Gejagte, 19 Klubs wollen versuchen, dem Hauptstadtklub Probleme zu bereiten.

  • Vorschau Teil 4: PSG, Nizza, Brest, Dijon
  • PSG peilt vierten Titel in Folge an
  • OGC Nizza: Was macht die Wundertüte?

Teil 1: Lille, Bordeaux, Straßburg, Angers

Teil 2: Marseille, Rennes, Nimes, Lorient

Teil 3: Monaco, Lens, Saint-Etiennes, Nantes

Paris Saint-Germain (Letzte Saison: Meister)

Alles beim Alten: Paris Saint-Germain hat die Ligue 1 mehr als souverän gewonnen. Zum Zeitpunkt des Abbruchs hatte der neunmalige französische Meister zwölf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Olympique Marseille – bei einem Spiel weniger. Auch wenn die Saison fortgeführt worden wäre, hätte sich PSG den Titel nicht nehmen lassen. Für den Hauptstadtklub war es die dritte Meisterschaft in Folge. 

Im Vergleich zum Vorjahr hat die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel (46) noch einmal an Konstanz gewonnen. Neben der Ligue 1 gewann Paris nach der Pause die beiden Pokalwettbewerbe. Nun steht PSG auch noch zum ersten Mal in der Klubhistorie im Finale der Champions League. Der Traum des katarischen Präsidenten Nasser Al-Khelaifi (46) könnte also nach neun Jahren in Erfüllung gehen, das Quadruple winkt.

(Photo by Manu Fernandez/Pool via Getty Images)

PSG: Überzeugende Saison

Das nationale Triple ist nichts, was die Herzen der PSG-Fans unbedingt höher schlagen lässt. Und trotzdem gibt es viel über die nationale Saison von Paris zu erzählen. Denn man hat das Gefühl, dass die Mannschaft nochmal einen Schritt nach vorne gemacht hat. Thomas Tuchel lässt PSG zumeist in einem 4-3-3 oder in einem 4-4-2 spielen. Der deutsche Trainer kann problemlos hin und her wechseln, ohne den Rhythmus der Mannschaft zu stören. Das Experiment mit einer Dreierkette ist beim Hinspiel in der Königsklasse gegen Dortmund (1:2) jedoch gescheitert. 

Wie es sich für eine Tuchel-Mannschaft gehört, will PSG den Ball kontrollieren und sich den Gegner zurechtlegen. Das Positionsspiel ist durchdacht, jeder Spieler weiß, was er zu tun hat. Im Idealfall hat der ballführende Akteur immer gleich mehrere Anspieloptionen, sodass es nicht zu unnötigen Ballverlusten kommt. Das Aufbauspiel findet über die beiden Innenverteidiger sowie den defensiven, beziehungsweise zentralen Mittelfeldspielern statt, die sich tief fallen lassen. Die Außenverteidiger positionieren sich offensiver und die Flügelspieler überladen daraufhin das Zentrum. 

PSG überzeugt als Kollektiv

Im Kontext des Spielaufbaus ist vor allem Marco Verratti (27) zu erwähnen. Der Italiener ist einer Schlüsselspieler, da er immer wieder gesucht wird, um das Spiel zu dirigieren. Vor allem aufgrund seiner Pressingresistenz ist er ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Ihn fair vom Ball zu trennen, ist immens schwierig. Er überwindet oftmals mit seiner eleganten Ballführung sowie tollen Übersicht die erste Pressingreihe.

In der Offensive ist PSG extrem stark aufgestellt. Natürlich sind hier die beiden Superstars Neymar (28) und Kylian Mbappe (21) zu erwähnen. Der Brasilianer hatte erneut mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, aber wenn er spielen konnte, war er, wie immer, eine absolute Bereicherung für das Team. Mbappe hat auch in diesem Jahr erneut bewiesen, dass in Zukunft kein Weg an ihm vorbei führt. Er strotzt nur so vor Torgefahr und Spielfreude. Sein Tempo ist immer wieder beeindruckend und wird gerne von seinen Mitspielern genutzt, um ihn mit Zuspielen hinter die Linien zu schicken. 

Doch es ist bei weitem nicht so, dass sich das Spiel nur nach den beiden Topspielern richtet. Angel Di Maria (32) ist hier genauso zu erwähnen, der eines der besten Trios im aktuellen Weltfußball komplementiert. Er fällt als uneigennütziger Teamplayer auf, der seine Mitspieler perfekt in Szene setzen kann. Dazu kommen noch Spieler wie Pablo Sarabia (28) und Julian Draxler (26), die die Offensive ergänzen und dem Kader in diesem Bereich die nötige Tiefe verleihen. PSG überzeugt im Kollektiv. Mauro Icardi (27), ist nach gutem Start in ein Formtief geraten. Trotzdem verpflichtete man ihn für 50 Millionen Euro fest.

(Photo by BERTRAND GUAY/AFP via Getty Images)

Auch PSG hat Schwachpunkte 

Wenn Paris nicht den Ball hat, üben sie ein gut strukturiertes Pressing aus. Hierbei sind im Mittelfeld Idrissa Gueye (30) und Marquinhos (26) von großer Bedeutung. Ohne sie funktioniert das taktische Korsett Tuchels, das diszipliniertes Verteidigen vorsieht, nicht. Alle Spieler halten sich an seine Vorgaben, auch die Offensivakteure. Neymar, Mbappe und Co. haben dennoch ihre Freiheiten im Spiel der Franzosen. 

Doch es gibt auch Aspekte, in denen sich der Hauptstadtklub verbessern will bzw. muss. Presst man Paris sehr aggressiv, bekommt die Mannschaft Probleme. Man hat den französischen Meister des Öfteren schwimmen gesehen, wenn man sie gut organisiert anläuft. Aktive Gegner bereiten den Mannen von Tuchel große Probleme. 

Auf dem Transfermarkt wird PSG noch handeln müssen, nicht, um die Ligue 1 zu gewinnen, sondern um in Europa beständig eine gute Rolle zu spielen. Dabei gilt es einige Spieler zu ersetzen. Thomas Meunier (28, BVB), Thiago Silva (35), Edinson Cavani (33) und Eric Maxim Choupo-Moting (31): Sie alle haben oder werden den Verein ablösefrei verlassen. Ebenfalls weg sind die Talente Tanguy Nianzou (18, FC Bayern) und Adil Aouchiche (18, Saint-Etienne).

Im Fokus: Neymar

Im Hier und Jetzt kann sich PSG auf Neymar als Spielmacher verlassen. Dass er eine entscheidende Figur im Spiel der Franzosen ist, wird vielen klar sein. Doch er übernimmt immer mehr Verantwortung, lässt sich gerne tiefer fallen, um das Spiel in die eigene Hand zu nehmen und ist Spielmacher sowie Torjäger in einem. 

Er macht einen zufriedenen Eindruck und ist deutlich gereift. Sein Arbeitspensum ist höher und seine Leistungen im Finalturnier der Champions League sind der Beweis, dass aus dem Superstar Neymar mittlerweile auch ein Führungsspieler wurde. In kritischen Phasen ist es der 28-Jährige, der sein Team pusht. Die nächste Saison könnte endgültig seine werden, um auch die letzten Kritiker zu überzeugen.

Prognose

Die nationalen Wettbewerbe werden wieder über PSG entschieden. Vielleicht patzen sie in den Pokalen, die Ligue 1 wird ihnen allerdings nicht zu nehmen sein. Wie man sich in Europa schlagen wird, entscheidet sich noch auf dem Transfermarkt. Verstärkungen in der Defensive sind Pflicht.

Damian Ozako

OGC Nizza (Letzte Saison: 6. Platz)

Nach dreijähriger Abstinenz kehrt der OGC Nizza in der kommenden Spielzeit in den Europapokal zurück. Nach einer ersten Spielzeit im Mittelmaß unter Neu-Trainer Patrick Vieira (44), stand Nizza auch in der abgelaufenen Saison lange Zeit auf einem Mittelfeldplatz. Von den ersten 16 Spielen ging die Hälfte verloren, aber dann gab es eine starke Serie: Nur in einer der folgenden zwölf Partien musste „Le Gym” den Platz als Verlierer verlassen. Die starke Form brachte die Südfranzosen letztlich in den Europapokal. Die recht ausgeglichene Bilanz mit Elf Siegen, acht Remis und neun Niederlagen ließt sich aber nicht wie die eines Europapokalteilnehmers. Man weiß nicht, wie die Saison mit zehn weiteren Spieltagen ausgegangen wäre, somit hat Nizza durchaus vom Saisonabbruch profitiert.

Der OGC spielt im 4-3-3 oder im 3-4-3 häufig mit offensiver Grundaufstellung und stellte vergangene Saison gemeinsam mit Vizemeister und Südrivale Olympique Marseille mit 41 Treffern den viertbesten Angriff der Liga, andererseits kassierte Nizza auch 38 Gegentore. Vieira fiel in seiner ersten Spielzeit vor allem durch eine gute defensive Ordnung auf, aber der Angriff litt etwas. In der vergangenen Saison war dies gerade umgekehrt der Fall, der frühere Weltklassespieler sucht noch nach dem Gleichgewicht seiner Mannschaft.

(Photo by VIRGINIE LEFOUR/Belga/AFP via Getty Images)

OGC Nizza verstärkt die Abwehr

Um diese Balance herzustellen, war Nizza auf dem Transfermarkt aktiv und hat die Defensive verstärkt. Nachdem Kasper Dolberg (21) 2019 für rund 20 Millionen Euro von Ajax Amsterdam gekommen war, sticht bei Nizza dieses Jahr noch keine Neuverpflichtung auf den ersten Blick besonders heraus.

Robson Bambu (21) kommt aus Brasilien von Club Athletico Paranaense, er soll Talent Malang Sarr (21) ersetzen, der seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängerte. Mit acht Millionen Euro Ablöse ist der großgewachsene Abwehrspieler Nizzas bisher teuerster Transfer. Er soll die Abwehr ebenso stabiler machen, wie Rechtsverteidiger Jordan Lotomba (21). Der Schweizer mit kongolesischen Wurzeln war in der Meistermannschaft von Young Boys Bern gesetzt und kostet sechs Millionen Euro. Lotomba ist hinten links und rechts einsetzbar und kann auch etwas offensiv im rechten Mittelfeld spielen, mit 21 ist er zudem noch entwicklungsfähig.

Für mehr Erfahrung hat sich der OGC Nizza auf der anderen Abwehrseite entschieden und Hassane Kamara (26) von Ligakonkurrent Stade Reims verpflichtet. Eine weitere Neuverpflichtung für die Abwehr ist Innenverteidiger Flavius Daniliuc (19). Der Österreicher kommt ablösefrei von der U19 des FC Bayern München ist wohl eher als Investition für die Zukunft eingeplant. Gleiches gilt für Torwart Teddy Boulhendi (19) und Linksverteidiger Yanis Hamache (20) aus der eigenen Jugend.

Schneiderlin-Transfer ist Nizza-untypisch

Um die Mannschaft vor der Abwehr zu stabilisieren, hat Nizza einen äußerst erfahrenen Profi verpflichtet: Morgan Schneiderlin (30) kommt für rund zwei Millionen Euro vom FC Everton nach Nizza. Der ehemalige französische Nationalspieler soll den vielen jungen Verteidigern mit seiner Erfahrung helfen. Schneiderlin muss sein fehlendes Tempo durch Stellungs- und Passspiel ausgleichen. Ihm kommt entgegen, dass die Ligue 1 nicht so temporeich ist wie die Premier League. Im Vergleich zu den anderen Transfers seines neuen Teams, hat Schneiderlin wesentlich mehr Erfahrung. Er soll die vielen Talente, die im Sommer zu Nizzas ohnehin schon jungem Kader hinzugestoßen sind, führen.

(Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

Im Angriff ist Nizza ebenfalls aktiv geworden und hat Mittelstürmer Amine Gouiri (20) für sieben Millionen Euro von Olympique Lyon verpflichtet. Gouiri ist, wie viele andere Neuverpflichtungen auch, ein Versprechen für die Zukunft, hat aber viel Geld gekostet. Bislang konnte er nur in Lyons zweiter Mannschaft und in der UEFA Youth League überzeugen. Eine weitere Offensiv-Verstärkung ist Rony Lopes (24), der Rechtsaußen wird vom FC Sevilla ausgeliehen und soll sofort helfen.

Vor allem für die Abwehr wurden viele Spieler verpflichtet, weil der beste Innenverteidiger Sarr seinen Vertrag in Nizza nicht verlängert hat. Der Abgang des 21-Jährigen (noch ohne neuen Klub) trifft Nizza durchaus. Für Stürmer Ignatius Ganago (21) und Innenverteidiger Christophe Hérelle (27) nahm Nizza insgesamt zehn Millionen Euro ein. Ganago galt lange als vielversprechendes Talent, konnte sich in Nizza aber langfristig nicht durchsetzen.

Im Fokus: Kasper Dolberg (21)

Als Nizza im vergangenen Sommer Dolberg verpflichtete, staunten viele nicht schlecht. Dolberg hatte starke, aber auch von Verletzungen geprägten Jahre in Amsterdam hinter sich. Der Mittelstürmer traf 2019/20 in 23 Partien elfmal und bereitete zwei Tore vor. Dolberg war eine wichtige Stütze im Angriff, ist aber immer noch erst 21 Jahre jung und kann noch mehr. Die vielen Neuzugänge bürgen das Risiko, dass sich der Däne erstmal ein Stück weit neu eingewöhnen muss. Andererseits kann er mit seiner vorhanden Erfahrung die junge Mannschaft auch durchaus tragen.

(Photo by JEFF PACHOUD/AFP via Getty Images)

Prognose

Im Kader des OGC Nizza steckt viel Potenzial, das wurde schon letztes Jahr deutlich. Das erneut verjüngte Team wird sich aber zunächst einmal finden müssen. „Le Gym“ wird wohl zunächst wieder im Mittelfeld der Tabelle stehen. Entwickelt sich das Team wie erhofft, ist am Ende wieder die Teilnahme am Europapokal möglich.

Piet Bosse

Stade Brest (Letzte Saison: 14. Platz)

Stade Brestois 29 startete als Aufsteiger in die Saison 2019/20 in der Ligue 1. Das oberste Ziel war natürlich der Klassenerhalt. Am Ende der Saison stand der Klub aus der Bretagne auf Platz 14, das Mindestziel wurde also erreicht. Das nächste Ziel ist nun die Stabilisierung und Etablierung in der Ligue 1, wie es schon Anfang der 2000er-Jahre gelingen konnte. Seit Ende Mai 2019 wird die Mannschaft von Olivier Dall’Oglio (56) trainiert, der absolut fest im Sattel sitzt.

(Photo by FRED TANNEAU/AFP via Getty Images)

Stade Brest ist eine Mannschaft, die gerne nach vorne spielt. Das war im Aufstiegsjahr der Fall, ebenso in der ersten Saison nach dem Aufstieg. Von allen Abstiegskandidaten der letzten Saison erzielte der Klub die meisten Tore (34), in der Offensive stehen mehrere individuell sehr gute Spieler zur Verfügung. Doch das zweite Jahr nach dem Aufstieg bringt einige Tücken mit sich. 

Stade Brest: Clevere Ergänzungen in schwerer Lage

Nach einer guten Saison hat es im Kader von Stade Brest einige Veränderungen gegeben. Spieler wie Donovan Leon (27), Mathias Autret (29) oder Jean-Charles Castelletto (25) haben den Verein verlassen, allerdings ohne signifikante Ablösesummen einzuspielen. Die Folge ist, dass nicht allzu viel Geld vorhanden war. Doch das konnten die Verantwortlichen sehr gut kaschieren, der Transfersommer verlief bis hierhin sogar sehr erfolgreich.

Mit Ronaël Pierre-Gabriel (22) wechselte ein talentierter Außenverteidiger auf Leihbasis von Mainz 05 in die Bretagne, Romain Favre (21) wurde aus der zweiten Mannschaft der AS Monaco verpflichtet. Mit Christophe Herelle (27, Nizza) kam ein erfahrener Spieler für das Abwehrzentrum, Heriberto Tavares und Franck Honorat (beide 23) verstärken die Außenbahnen in der Offensive und kosteten zusammen mehr als sechs Millionen Euro.

Insbesondere die beiden Verstärkungen für die Offensive waren dringend nötig. Brest spielt zwar gerne nach vorne und erzielte auch einige Tore, doch man verfügte durchaus über Potenzial, um noch mehr aus sich herausholen zu können. Einen verlässlichen Torjäger, der regelmäßig knipst, gab es nicht. Die Last wurde auf mehreren Schultern verteilt, keiner stand im Mittelpunkt. Das wird auch in der neuen Saison der Fall sein. Nur eben mit dem Unterschied, dass es mehr Möglichkeiten der Einbindung dieser Spieler über die Außen gibt. 

Eine gute Mischung, einige Fragezeichen

Doch noch sind nicht alle Schwachstellen im Kader behoben. Trainer Dall’Oglio variierte in der Vorsaison häufig das System, spielte in einem 4-2-3-1, einem kompakteren 4-5-1 oder in einem 4-4-2. Die Mannschaft konnte sich dem jeweiligen Gegner anpassen und auch während des Spiels neue Akzente setzen. Das Flügelspiel, das oftmals brach lag, wurde nun durch die angesprochenen Neuzugänge verbessert, die Defensive hat ebenfalls an Stärke gewonnen. Neuzugang Herelle hat hier die Chance, gleich zum Abwehrchef zu werden.

(Photo by LOIC VENANCE / AFP)

Im defensiven Mittelfeld gibt der talentierte Ibrahima Diallo (21) den Ton an. Er ist ein dynamischer, laufstarker und sehr umtriebiger Spieler. Individuell hebt er sich von seinen Kollegen im Mittelfeld deutlich ab – und das führt zu einem Problem. Diallo ist der Dreh- und Angelpunkt, muss aber an zu vielen Stellschrauben gleichzeitig drehen. Kurzum: Hier wäre Entlastung wichtig. 

Im offensiven Mittelfeld und im Angriff fehlt es dem Kader von Stade Brest an der Breite. Die zwei Neuzugänge auf der Außenbahn wurden angesprochen, sie sind aber bisher die einzigen Flügelspieler im Kader. Im Sturmzentrum stehen mit Irvin Cardona (23) und Gaëtan Charbonnier (31) auch nur zwei Spieler im Aufgebot, die sich bereits etablieren konnten. Viele junge Spieler füllen den Kader auf, die Frage ist nur, ob sie bereits die Qualität haben, sich dauerhaft auf diesem Niveau zu beweisen.

Es muss also noch etwas passieren. Ein Flügelspieler zum Rotieren und ein offensiver Mittelfeldspieler, der spielstark und in der Lage ist, Diallo zu entlasten, wären ein wichtiger Gewinn für Stade Brest. Im Kampf um den Klassenerhalt kann der Ausfall eines wichtigen Spielers, der nicht ersetzt wird, nämlich durchaus ausschlaggebend sein. 

Im Fokus: Ronaël Pierre-Gabriel 

Als der junge Ronaël Pierre-Gabriel 2019 zum FSV Mainz 05 wechselte, rechneten viele mit einem Transfercoup der 05er. Pierre-Gabriel war eines der spannendsten Talente in Frankreich, wechselte nur ein Jahr zuvor aus Saint-Etienne zur AS Monaco. Doch in der Bundesliga blieb dem Rechtsverteidiger häufig nur die Rolle als Zuschauer oder Rotationsspieler. Lediglich acht Einsätze konnte er am Ende auf seinem Konto verzeichnen. Das ist zu wenig – und der Grund für die Leihe. 

 (Photo by Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images)

Eigentlich bringt Pierre-Gabriel alles mit, um ein sehr guter Außenverteidiger zu sein. Der 22-Jährige ist dynamisch, laufstark und kann gute Flanken schlagen. Unkonzentriertheiten sorgten für Probleme in Mainz und waren ausschlaggebend dafür, dass Pierre-Gabriel nicht regelmäßig gefragt war. In seiner Heimat Frankreich hofft der junge Rechtsverteidiger nun darauf, dass seine Karriere neuen Schwung aufnimmt. Das Potenzial, um auf Anhieb sowohl Verstärkung als auch Stammspieler zu sein, bringt er in jedem Fall mit. 

Prognose

Stade Brest ist noch als Wundertüte zu bezeichnen. Der Kader wurde verbessert, ist von einem Idealzustand aber noch weit entfernt. Fallen Schlüsselspieler aus, dann wird es schwierig, weil die Breite nicht in jedem Mannschaftsteil ausreichend vorhanden ist. Es darf nicht zu viele Probleme gleichzeitig geben, sonst ist mit Abstiegskampf bis zuletzt zu rechnen. 

Manuel Behlert

FCO Dijon (Letzte Saison: 16. Platz)

Der FCO Dijon aus der Bourgogne blickt auf eine schwierige Saison 2019/20 zurück. Am Ende stand die Mannschaft von Trainer Stephane Jobard (49) auf Platz 16, die Abstiegsränge waren also nicht weit entfernt. Auch in der kommenden Saison wird es primär darum gehen, die Klasse zu halten. Das wird schwer genug, denn die finanziellen Mittel sind gering, der Kader hat noch einige Schwachstellen.

 (Photo by LOIC VENANCE/AFP via Getty Images)

Und zwar auf nahezu jeder Position. In der Offensive fehlte es häufig an Durchschlagskraft, die Defensive war zu anfällig. Jobard, der in seine zweite Saison als Cheftrainer geht, muss also vieles anpassen, um mit seinem Team im Abstiegskampf bestehen zu können. 

FCO Dijon: Nur wenige Ergänzungen

Die angesprochenen finanziellen Probleme sind ein Faktor, warum es bisher auf dem Transfermarkt relativ ruhig zuging. Einige Spieler verließen den Klub, darunter Schalke-Leihgabe Hamza Mendyl (22). Besonders problematisch ist der  Abgang von Nayef Aguerd (24). Der Innenverteidiger wechselte für fünf Millionen Euro zu Stade Rennes und ist ein schwerer Verlust. Zudem verließ Florent Balmont (40) das Team und beendete seine Karriere. Seine Führungsqualitäten werden intern fehlen.

Auf der Zugangsseite mussten die Verantwortlichen sehr kreativ agieren. Zwei talentierte Spieler aus der eigenen Jugend wurden hochgezogen, Pape Cheikh (22) von Olympique Lyon ausgeliehen. Ebenfalls auf Leihbasis wurde Eric Ebimbe (19) aus der zweiten Mannschaft von PSG nach Dijon gelotst. Lediglich für Alex Dobre (21, Bournemouth) wurde eine Million Euro ausgegeben. Aus dem Aguerd-Verkauf sollten noch einige Mittel verfügbar sein, um zumindest noch die ein oder andere Planstelle zu besetzen.

Das ist auch nötig, denn der Kader ist mit 23 Spielern sehr klein. Und zu diesen 23 Spielern gehören junge Talente, die sich noch in der Entwicklung befinden und Konstanzprobleme haben. Ein klassischer Abwehrchef, der die Defensive zusammenhält und die Hintermannschaft zur Ordnung ruft, steht auch noch nicht im Kader. Gleichzeitig gibt es aber hochspannende und talentierte Akteure, die über viel Potenzial verfügen.

Dijon erwartet Abstiegskampf mit Fragezeichen

Einer dieser Spieler ist Mounir Chouiar (21), der auf der Außenbahn zuhause ist. Er könnte den Fixpunkt im Offensivbereich darstellen. Zusammen mit Yassine Benzia (25), einst als sehr großes Talent beim OSC Lille unter Vertrag, könnte er die Fäden im Angriffsspiel ziehen. Doch das alleine wird nicht reichen. Zunächst einmal ist ein gutes Defensivkonzept notwendig. Der erfahrene Bruno Ecuele Manga (32) könnte hier vorangehen, ohne Unterstützung durch einen externen Neuzugang wird das aber schwer. 

Ohnehin stehen nur drei Innenverteidiger im Aufgebot, dafür gleich drei Spieler, die auf der rechten Defensivseite zuhause sind. Die Kaderplanung wirft zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch Fragen auf, allerdings ist der Transfermarkt auch noch einige Zeit geöffnet. Möglicherweise können auch Leihgeschäfte dabei helfen, dem Kader noch den letzten Schliff zu verleihen. 

 (Photo by JEAN-PHILIPPE KSIAZEK/AFP via Getty Images)

Auf der Königsposition, also im Mittelfeldzentrum, ist die Mannschaft gut besetzt. Didier Ndong (26) spielte eine sehr gute Saison 2019/20, hatte zum Zeitpunkt des Abbruchs vier Torvorlagen auf dem Konto. Auch der erfahrene Romain Amalfitano (30) bringt viele Qualitäten mit, Neuzugang Cheikh dürfte sich zudem als gute Ergänzung erweisen. 

Dijon: Systemfrage und Nachholbedarf

Derzeit ist noch unklar, welches System in Dijon in der kommenden Saison zu sehen sein wird. 2019/20 spielte man überwiegend in einem 4-2-3-1-System, das vorhandene Personal passt durchaus dazu. Benzia könnte als ein Hybrid aus einem Zehner und einer hängenden Spitze agieren, im Sturmzentrum dreht sich vieles um Julio Tavares (31). Der Angreifer aus Kap Verde ist der Kapitän der Mannschaft und ein physisch starker Spieler. Mit fünf Treffern zählte Tavares in der Vorsaison zu den besten Schützen, lediglich Mama Baldé (24, sechs Tore) war hier besser. 

Es wäre durchaus sinnvoll, für die kommende Saison auch andere Systeme einzustudieren. In der Endphase der Vorsaison kam gegen PSG eine Fünferkette zum Einsatz, gegen Toulouse spielte Dijon im 4-4-2 mit zwei Stürmern. 

Im Fokus: Mounir Chouiar

Der 21-jährige Flügelspieler Mounir Chouiar wechselte im Sommer 2019 für mehr als drei Millionen Euro vom RC Lens zu Dijon. Der Franzose mit marokkanischen Wurzeln ist sehr talentiert, kann auf mehreren Positionen zum Einsatz kommen. Zumeist spielt der Rechtsfuß aber auf der linken Seite. Dort genießt er Freiheiten, kann sich auch einmal in das Zentrum absetzen und Angriffe aus dem Halbraum initiieren. 

(Photo by NICOLAS TUCAT/AFP via Getty Images)

Darüber hinaus ist Chouiar ein klassischer Straßenfußballer. Er verfügt über ein großes Selbstvertrauen, eine enge Ballführung und versucht häufig zu dribbeln und einen oder mehrere Gegenspieler stehen zu lassen. Seine Flanken sind allerdings noch ausbaufähig, Chouair ist gefährlicher, wenn er selbst den Abschluss sucht. Das zeigen auch die Statistiken: In der Vorsaison gelangen ihm vier Tore für Dijon, aber keine Vorlage. 

Prognose

Die Homogenität im Kader ist kurz vor dem Start der neuen Saison ein Kernproblem beim FCO Dijon. Einzelne Spieler können in der Offensive den Unterschied ausmachen, im Mittelfeld ist ebenfalls Potenzial vorhanden, aber die Defensive fällt ab, hinzu kommt die fehlende Breite auf den Positionen der Schlüsselspieler. Der Klub wird bereits zum Saisonbeginn jeden Punkt dringend benötigen, um die Klasse am Ende zu halten. 

Manuel Behlert

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