Mittwoch, Oktober 28, 2020

BVB vs. Bayern: Ein Sieg der Erfahrung

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Analyse | Mit 1:0 gewann der FC Bayern in Dortmund, ein Meilenstein in Richtung achte Meisterschaft in Folge. Es war ein Spiel auf höchstem Niveau, in dem letzten Endes die Erfahrung ausschlaggebend war.

BVB verbessert, Bayern cleverer

Es wahr wahrlich kein Spiel für Individualisten. Trotzdem fiel die Entscheidung in Minute 43 durch einen Geniestreich von Joshua Kimmich. Ein taktischer Kniff, wie er später im Interview zugab: “Wir wurden im Vorfeld darauf hingewiesen, dass Bürki immer relativ hoch steht. Gerade in der Situation denkt man eher, dass man mit dem Spann schießt oder draufhaut. Am Wochenende habe ich dreimal geschossen, das hatte keinen Wert. Ich habe es jetzt anders versucht und das hat mit Glück auch gereicht.”

(Photo by FEDERICO GAMBARINI/POOL/AFP via Getty Images)

Nach dem Spiel wurde verständlicherweise wild spekuliert, ob Manuel Neuer diesen Ball vielleicht gehalten hätte. Die sechs Zentimeter Größenunterschied zwischen ihm und Roman Bürki wären dahingehend sicherlich kein Nachteil gewesen.

Es ist aber auch eine Szene, die das Spiel an sich relativ treffend wiedergibt: Auf der einen Seite der clevere Lupfer von Kimmich. Auf der anderen Seite Bürki, der bemüht war, diesen Ball noch aus dem Winkel zu kratzen, sich letzten Endes aber geschlagen geben musste.

Nach den letzten Partien gegen den FC Bayern war beim BVB – nicht zuletzt aufgrund der apokalyptischen Ergebnisse in der Allianz Arena – von fehlender Mentalität und Einstellung in großen Spielen die Rede, einer gewissen Titelunreife. Diesmal zeigte sich Borussia Dortmund vom Start weg verbessert. Konnten sie in München nur einen Schuss aufs Tor in 90 Minuten verbuchen, dauerte es diesmal nur gut 40 Sekunden. Nach einer Unachtsamkeit der Bayern-Abwehr verpasste Erling Haaland Neuer den Beinschuss, bevor Jérôme Boateng auf der Linie klären konnte.

BVB hebelt Bayerns Pressing aus – mehr aber nicht

Trotzdem gelang es Dortmund immer wieder, sich mit kurzen, schnellen Pässen aus dem Pressing der Bayern zu befreien. Besonders hier wurde das Fehlen von Thiago spürbar. Ohne ihn, seine Zweikampfstärke und Ballsicherheit, konnte der Rekordmeister nur selten die Oberhand im Mittelfeld gewinnen. Der Ballbesitz war komplett ausgeglichen, Bayerns niedrigster Wert in dieser Saison. Auch die Passquote tendierte mit 87 zu 85 Prozent nur knapp Richtung München. Zudem gewann Dortmund 58 Prozent der Zweikämpfe.

In der ersten Halbzeit avancierte beim BVB vor allem Julian Brandt zum ständigen Unruheherd. Seine außerordentlich enge Ballführung und sauberen Ballan- und -mitnahmen ließen ihn das teils unpräzise Pressing des FC Bayern mit Leichtigkeit überspielen. Doch nach einigen unpräzisen Aktionen musste der 23-Jährige zur Halbzeit in der Kabine bleiben. Mit ihm und Jadon Sancho auf dem Platz hätte der BVB womöglich mehr Durchschlagskraft gehabt. Brandt kam schon allein wiederholt in Situationen, um den Ball auf die freien Außen zu Thorgan Hazard, Raphael Guerreiro oder Achraf Hakimi zu spielen.

(Photo by FEDERICO GAMBARINI/POOL/AFP via Getty Images)

Diese probierten es dann mit Direktspiel, so wie bei Haalands Führungstreffer im Derby. Allein, der FC Bayern hat dahingehend seine Hausaufgaben gemacht und wusste viele dieser scharfen Hereingaben zu klären – Stichwort Erfahrung. Der zweite Ball versandete beim BVB zumeist, weil es den Münchenern rechtzeitig gelang, mit genügend Spielern hinter den Ball zu kommen und so das Tempo aus den Angriffen zu nehmen.

FC Bayern abwartend, Dortmund fehlt das Risiko

Generell scheint der FC Bayern aus den beiden jüngsten Niederlagen im Westfalenstadion – der BVB gewann 2018 3:2 und letztes Jahr 2:0 im Supercup – gelernt zu haben. Damals begegneten sie der Borussia mit viel Dominanz, standen teilweise mit der letzten Reihe sehr hoch – und wurden mehrmals gnadenlos ausgekontert.

In der realtaktischen Aufstellung ist zu sehen, dass der Rekordmeister, um genau dem vorzubeugen, für seine Verhältnisse ziemlich tief stand. Fast der gesamte Mittelfeldblock bewegte sich vor allem gegen Ende auf Höhe der Mittellinie oder dahinter. Sollte es dann doch zu brenzligen Situationen kommen, konnte der “rote Roadrunner” Alphonso Davies diese mit seiner enormen Geschwindigkeit klären. Beim BVB fehlte die Risikobereitschaft, um die Torgefahr, die man vor allem durch die Einwechslungen dazu gewonnen hatte, auf den Rasen zu bringen. Auch gegen Ende des Spiels stand fast der gesamte Offensivblock nahe der Mittellinie.

Ein Topspiel (fast) ohne Topchancen

So gelang es Dortmund kaum einmal gefährlich vor Manuel Neuer aufzutauchen. Selbiges galt allerdings auch auf der anderen Seite. Robert Lewandowski, der in seinen letzten drei Bundesligaspielen gegen Borussia Dortmund noch jeweils doppelt traf, blieb bis auf einen Pfostenschuss aus der Distanz kurz vor Schluss blass.

Der FC Bayern versuchte zwar nach der Pause, das Spiel mit einem zweiten Treffer zu entscheiden. Nachdem dieses Unterfangen trotz eben jenes Pfostenschusses und einer weiteren Chance von Leon Goretzka scheiterte, beschloss der Rekordmeister, das knappe Ergebnis mit viel Erfahrung ins Ziel zu retten. So ergibt sich auch auf der xG-Karte ein relativ skurriles Bild.

Quelle: infogol

Auf dieser Grafik sind alle Torchancen des Spiels abgebildet. Je größer der Kreis, desto hochkarätiger die Chance. Bis auf die Möglichkeit von Gnabry mit einem xG von 0,4, als Lukasz Piszczek auf der Torlinie klären konnte, hatte keine Torchance einen xG von 0,1 oder mehr. Kimmichs Treffer – hier in gelb – kommt auf 0,06 Lewandowskis Pfostenschuss auf 0,05 und Haalands Chance in der ersten Minute sogar nur auf 0,03. Auch die strittige Szene des Norwegers mit Jérôme Boateng, als Dortmund einen Elfmeter hätte bekommen können, wird – wie Kimmichs Treffer – auf 0,06 berechnet. Der xG der jeweiligen Mannschaften sagt zudem auch viel über das Spiel aus: 0,57-0,78. Eigentlich ein prädestiniertes 0:0. Aber auch nur eigentlich.

Fazit

Denn dass es dem FC Bayern gelungen ist, auch dieses Spiel zu gewinnen, zeigt die Klasse und Erfahrung, die die Mannschaft von Hansi Flick hat. Defensiv waren sie auf so gut wie alle Tricks der BVB-Offensive eingestellt. Sogar als Lucien Favre mit Jadon Sancho, Emre Can, Axel Witsel, Giovanni Reyna und Mario Götze die schweren Geschütze von der Bank brachte, führte das nicht wirklich zu Großchancen. So sprang das Münchener Pferd in diesem Topspiel nicht höher, als es musste. Auch, weil der BVB in Ballbesitz und ohne den gewohnten Raum zum Kontern enorme Probleme hatte, sich Chancen zu erspielen. Noch dazu hat Lucien Favre seine Mannschaft mit der Auswechslung von Julian Brandt einer Variablen beraubt, die für die Münchener nicht zu berechnen war.

Mit Jadon Sancho hat man zwar sehr viel Klasse auf dem Flügel dazugewonnen, dafür fehlte aber derjenige, der ihn in Szene setzt. So mangelte es dem BVB über die gesamte Spielzeit an Durchschlagskraft. Für Borussia Dortmund wäre in diesem Spiel viel mehr drin gewesen, zumal Eintracht Frankfurt in der 2. Halbzeit gezeigt hat, wie man den FC Bayern in Schwierigkeiten bringt. Es fehlte letzten Endes an Risikobereitschaft. So reichte eben dieser eine Geniestreich von Joshua Kimmich, um das Spiel zu entscheiden – und höchstwahrscheinlich auch die Meisterschaft.

(Photo by FEDERICO GAMBARINI/POOL/AFP via Getty Images)

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Victor Catalina

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