Montag, September 21, 2020

Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern und PSG: Katar gewinnt

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Julius Eid
Julius Eid
Redakteur

Spotlight | Im diesjährigen Champions-League-Finale treffen PSG und der FC Bayern aufeinander. Ein Sieger steht schon vorher fest: Der Staat Katar, der mit beiden Klubs verbunden ist. 

Wenn am Sonntagabend der Anpfiff ertönt, wird es, wie so oft, wenn der Ball rollt, unzählige Ungewissheiten geben, die nur auf dem Platz zu Gewissheiten werden können. Doch einer der großen Gewinner dieses Abends steht schon vor Beginn fest: Der Staat Katar. Das reiche, arabische Land hat sich seinen Weg in die absolute Spitze des europäischen Fußballs mit aller Macht erkauft, das Aufeinandertreffen von zwei Clubs die geschäftlich mit Katar verbunden sind, ist nun der Beweis dafür, dass man bei diesem Vorhaben erfolgreich ist. 

PSG – Das Großprojekt

Auf der einen Seite steht PSG, das absolute Aushängeschild der katarischen Bemühungen in diesem Sport und ein echtes Großprojekt. Als die Qatar Sports Investments (QSI) Gruppe, die zum katarischen Staatsfond Qatar Investment Authority (QIA) gehört, im Mai 2011 70% der Aktienanteile des Clubs für nur 30 Millionen Euro vom US-Unternehmen Colony Capital übernahm, hatte PSG gerade einmal zwei nationale Meisterschaften gewonnen, von denen die letzte schon 17 Jahre zurücklag. 

Der FC Paris Saint-Germain war also keineswegs ein etabliertes Spitzenteam, wie etwa Olympique Lyon, Olympique Marseille oder (zu dem Zeitpunkt) sogar Girondins Bordeaux. Doch gerade deshalb war er womöglich ein so interessantes Projekt für die neuen Eigentümer, die vor allem das große Potenzial zu erkennen schienen. Paris, eine europäische Metropole mit Flair, die zugleich auch noch eine echte „One-Club-City“ ist, war der perfekte Ort und PSG damit der perfekte Club. Durch den sportlichen Misserfolg der vergangenen Jahre waren sowohl Preis als auch Widerstand gering, sodass einem radikalen Vorgehen nichts im Wege stehen würde. 

Wie radikal die neuen Besitzer vorgehen würden, um den Erfolg zu erzwingen, wurde schnell klar. Schon im ersten Transferfenster brach PSG den Ligue-1-Transferrekord und verpflichtete Javier Pastore für stolze 42 Millionen Euro von Palermo. Etliche weitere Transferrekorde sollten folgen, bis hin zum Neymar-Deal, den sich die Investoren zuvor unvorstellbare 222 Millionen Euro kosten ließ – in einem Schlag bezahlt.

(Photo by MANU FERNANDEZ/POOL/AFP via Getty Images)

Nationale Erfolge reichen PSG nicht

Das hohe Investment sollte sich auf nationaler Ebene auch schnell rentieren. Schon in der zweiten Saison holte die Mannschaft von Carlo Ancelotti, der das Projekt zu diesem Zeitpunkt vorantreiben sollte, die Meisterschaft, nachdem sie in der Saison 2011/12 noch an Überraschungsmeister Montpellier gescheitert war. Sechs der folgenden sieben Meisterschaften gingen ebenfalls an die neureichen Pariser. Dazu kommen noch sechs Erfolge im Coupe de la Ligue und fünf siegreiche Kampagnen im Coupe de France.

Doch trotz der nationalen Dominanz, stellte sich eine Rastlosigkeit ein, die u.a. dazu führte, dass sich weder Carlo Ancelotti, noch seine Nachfolger Laurent Blanc oder Unai Emery im Traineramt halten konnten. Der Grund dafür lag klar auf der Hand: Das Scheitern in der Champions League. Zwischen 2013 und 2016 schied PSG stets im Viertelfinale aus, während sie zwischen 2017 und 2019 jeweils im Achtelfinale scheiterten. 

Es wurde immer offensichtlicher: Nur die europäische Krone zählt. Und dafür ist Katar zu allem bereit – weit über die Transfers von Neymar und Mbappe hinaus. Das beste Beispiel dafür ist Nasser Al-Khelaifi, PSG-Präsident, beIN-CEO und Mitglied des ECA Financial Fair Play Strategic Panel und des UEFA Professional Football Strategy Council. Al-Khelaifi macht Fußball-Politik. Er sitzt mit am Tisch, wenn es um die wichtigen Entscheidungen geht – auch in Sachen Financial Fair Play – als Klub-Präsident, als CEO eines zahlungskräftigen Medienunternehmens und als Funktionär. Er befindet sich damit in der Schlüsselposition des Projekts und ist dafür verantwortlich den gewünschten Erfolg für PSG und natürlich auch für Katar möglich zu machen – und dabei überlässt man ungern etwas dem Zufall…

(Photo by FRANCK FIFE / AFP)

Der FC Bayern – Businesspartner mit Sehschwäche

Auf der anderen Seite der FC Bayern. Natürlich sind dessen Verbindungen zu Katar weitaus geringer als die des Gegners aus Paris. Vorhanden und relevant sind diese aber dennoch. Auch der deutsche Rekordmeister pflegt rege Geschäftsbeziehungen mit den Arabern. 

Seit nun schon zehn Jahren fliegt der FC Bayern München im Januar nach Katar, um dort sein Wintertrainingslager abzuhalten. Jedes Jahr heben die Verantwortlichen die hervorragenden Trainingsbedingungen und die große Gastfreundschaft des Emirats explizit hervor und lassen sich mit den jeweiligen Vertretern bereitwillig ablichten, die Menschenrechtslage sei ohnehin auch schon deutlich besser geworden. Und die zwei Rolex-Uhren für Herrn Rummenigge waren auch nur eine nette Aufmerksamkeit.

Doch das Trainingslager im Emirat ist bei Weitem nicht die einzige bestehende Verbindung. Qatar Airways, die nationale Fluggesellschaft, ist auch Ärmelsponsor und ein sogenannter „Platin Partner“ des FC Bayern, der für die Werbeleistung eine jährliche Entschädigung von 13 Millionen Euro erhält. Spätestens damit wurde diese Verbindung auch institutionalisiert. 

FC Bayern: Kritik seit Bestehen der Partnerschaft

Diese Verbindungen sind seit ihres Bestehens immer wieder von der aktiven Fanszene der Münchner kritisiert worden. Neben reiner Repräsentation des Wüstenstaats, auf dem Ärmel und mit öffentlichkeitswirksamen Trainingslagerreisen in das Emirat, scheint man aufgrund der Partnerschaft auch gerne Tatsachen über die Menschenrechtssituation in Katar zu übersehen. Bei einer Fanveranstaltung des Fanklubs „Nr. 12“ waren neben zwei nepalesischen Gastarbeitern, die über die Umstände in Katar berichten sollten, auch der Club selbst geladen. Doch der Platz des Vereinsvertreters blieb leer. 

Eine der markantesten Äußerungen in letzter Zeit zur Partnerschaft kommt von Karl-Heinz Rummenigge: “Seit Bayern München Partner von Katar ist, hat es nachweislich eine Entwicklung in Sachen Menschen- und Arbeiterrechte zum Positiven gegeben.” Eine schwer zu belegende Aussage, die darüber hinaus noch suggeriert, dass der FC Bayern mit der Partnerschaft positiv Einfluss auf Katar nimmt. Das Gegenteil ist der Fall.

(Photo by CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images)

Sportswashing – Außenpolitik mit dem Ball

Beide Partnerschaften sind Teile einer außenpolitischen Taktik, die sich „Sportswashing“ nennt. Ein Begriff, der in letzter Zeit des Öfteren zu lesen ist, doch was genau bedeutet Sportswashing? 

Kurz und bündig: „Sportswashing“ steht für das Ausnutzen des Sports, um die eigene Reputation aufzubessern. Beliebt sind dabei vor allem die Ausrichtung von Großveranstaltungen, der Besitz von Clubs oder Teams und umfangreiche Sponsorings. Angewendet wird es oftmals von Staaten, die mit Menschenrechtsverletzungen oder anderen innen- und/oder außenpolitischen Problemen zu tun haben – wie zum Beispiel Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi Arabien oder auch Aserbaidschan. 

Katar ist ein Paradebeispiel hierfür: Neben dem Engagement beim FC Paris Saint-Germain, ist natürlich die Ausrichtung der WM 2022 ein weiterer, groß angelegter Versuch des „Sportswashings“, doch damit hört es noch lange nicht auf. Auch Sponsorings beim FC Barcelona, der AS Rom oder beim FC Bayern gehören in die Liste, ebenso wie die Ausrichtung eines MotoGP-Rennens in Doha. Der Versuch auch ein Formel-1-Rennen in Katar zu veranstalten scheiterte unterdessen am Veto Bahrains und Abu Dhabis, zu denen Katar ein angespanntes politisches Verhältnis pflegt und die bereits jeweils ein Formel-1-Rennen auf ihrem Staatsgebiet veranstalten. 

Interessant ist dabei natürlich, dass sich diese beiden Länder ebenfalls stark im Fußball engagieren – Abu Dhabi bekanntermaßen bei Manchester City und Bahrain (ausgerechnet) beim Paris FC, bei dem der bahrainische Staatsfonds erst vor Kurzem eingestiegen ist, zunächst allerdings nur mit 20 Prozent. 

Schon dieses Beispiel legt nahe, dass es um deutlich mehr geht, als um den Sport. Es geht natürlich darum auch neue Einnahmequellen zu erschließen, doch vor allem geht es darum in der Weltöffentlichkeit zu stehen, starke Bündnisse mit den Mächtigen der Welt zu schließen und sich auch zu schützen, vor den Nachbarn, die es nicht immer gut mit einem meinen. Eine Opferrolle soll hierbei aber nicht propagiert werden.

(Photo OLI SCARFF/AFP via Getty Images)

In Katar wird diskriminiert – und gefeiert

Manchmal wird bei Investorenclubs wie Paris und Manchester City von „Spielzeugen der Milliardäre“ geredet, doch das verfehlt das Thema. Die Idee, dass hier nur aus Freude und Interesse am Sport viel, viel Geld ausgegeben wird ist naiv und falsch. In Katar werden Frauen benachteiligt. In Katar ist es strafbar homosexuell zu sein. In Katar werden täglich Gastarbeiter ausgebeutet – und in Katar wird am Sonntagabend gefeiert.

Funfact: Qatar Airways betitelte das Duell zwischen dem FC Bayern und PSG in einem Werbepost mit einem Augenzwinkern als „Qlassico“ und hat damit vielleicht doch mehr gesagt, als sie es eigentlich wollten.

Christoph Albers & Julius Eid

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(Photo OLI SCARFF/AFP via Getty Images)

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