Donnerstag, September 24, 2020

DFB-Pokal und Corona-Pandemie: Der verlorene Reiz

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Am kommenden Wochenende steht die erste Runde des DFB-Pokals auf dem Terminplan. Der diesjährige Wettbewerb weist aufgrund der Corona-Pandemie einige Unterschiede zu den Vorjahren auf.

DFB-Pokal: Kein Jahr ohne Sensationen

Die erste Hauptrunde im DFB-Pokal steht traditionell vor dem Start der Bundesliga auf dem Programm (Zu den zeitgenauen Ansetzungen). Aufgrund der Corona-Pandemie sind die Rahmenbedingungen für die Austragung der Partien anders als sonst, was ein Weiterkommen der Favoriten in diesem Jahr noch wahrscheinlicher macht.

“Der Pokal hat seine eigenen Gesetze“. Jeder, der sich für das Thema Fußball interessiert, hat dieses Sprichwort wahrscheinlich schon einmal gehört. Aber an diesem Satz ist nun mal einfach etwas Wahres dran. Immer wieder kommt es im DFB-Pokal zu Sensationen, ein klassenhöherer Verein wird von dem vermeintlichen “Underdog“ aus dem Wettbewerb geschmissen.

Erst in der vergangenen Saison war dies zu beobachten, als es mit dem 1. FC Saarbrücken ein Viertligist bis ins Halbfinale schaffte, nachdem man unter anderem im Viertelfinale Bundesligist Fortuna Düsseldorf im Elfmeterschießen bezwang.

(Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

In der Runde der letzten vier Teams scheiterte man dann aber an Bayer 04 Leverkusen. Die Gründe für so eine Pokalsensation können vielschichtig sein. Oftmals werden die klassentieferen Mannschaften einfach unterschätzt. Die Spieler des Favoriten denken, sie würden es auch in die nächste Runde schaffen, ohne ihr Leistungsvermögen vollständig abrufen zu müssen.

Der Verein aus dem Profitopf, für den er sich als Erstligist oder als einer der ersten 14 der zweiten Bundesliga qualifiziert hat, reist nicht selten „aufs Land“, zu einem der als Landespokalsieger des jeweiligen Verbandes qualifizierten Amateurklubs. Dort warten nicht selten enge Stadien, die bis auf den letzten Platz gefüllt sind. Man kann förmlich spüren, wie eine ganze Region oder ein Traditionsklub, der in den Tiefen der Regionalligen verschollen scheint, nach einer Überraschung lechzt.

(Photo by Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images)

Da viele kleine Vereine keine ausreichend große Verwaltungsebene besitzen, schuften viele Menschen im Vorfeld einer anstehenden Erstrundenpartie ehrenamtlich, um organisatorisch alles auf die Beine zu bekommen. Nur so kann das Erlebnis, gegen die Profis im DFB-Pokal zu spielen, möglich gemacht werden.

Corona-Pandemie mindert Attraktivität des DFB-Pokals für kleine Vereine

Die Euphorie beginnt in der Regel mit dem Gewinn des Regionalpokals. Im Anschluss fiebern die Amateurvereine der Auslosung entgegen und wollen natürlich das große Los ziehen.

In dieser Saison ist aber vieles anders. Die Erstrundenpartien müssen vor leeren oder zumindest kaum gefüllten Rängen ausgetragen werden. Ein Umstand, der die Vereinsverantwortlichen der Amateurvereine umdenken lässt. Sonst war man bereit, eine Menge Stress auf sich zu nehmen um seiner Mannschaft und seinem Verein ein Fußballfest mit einem Heimspiel gegen einen Bundesligisten zu ermöglichen.

Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei den Partien nun um Geisterspiele oder Spiele mit wenigen Zuschauern handelt, sind viele Vereine nicht dazu bereit den organisatorischen Aufwand für ein Heimspiel zu betreiben. Oder es ist ihnen schlichtweg nicht möglich, das Hygienekonzept umzusetzen.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Aus diesem Grund wurde vielfach das Heimrecht getauscht. Die Regionalligisten Havelse, Altglienicke, Fürstenwalde, Oberneuland und Norderstedt spielen nun in Mainz, Köln, Wolfsburg, Mönchengladbach und Leverkusen. Die Oberligisten aus Celle, Engers, Meinerzhagen, Rielasingen-Arlen und Düren treffen auswärts auf Augsburg, Bochum, Fürth, Kiel und den FC Bayern.

Natürlich bleibt diese Partie für die meisten Spieler nach wie vor ihr Karriere-Highlight und das Spiel ein einem Bundesliga-Stadion ist zweifellos ein großartiges Erlebnis. Es fehlt allerdings die Emotionalität, es fehlen die leidenschaftlichen Anfeuerungsrufe der Zuschauer. Der Reiz der ersten Hauptrunde geht unter diesen Umständen zumindest zum Teil verloren.

Durch die fehlende Emotionalität wirkt alles etwas kälter, der Charme der ersten Pokalrunde ist nicht mehr vollumfänglich vorhanden. Die Profis haben keine Anreise mehr hin zu einem „Sportplatz“, an dem sie unter Umständen die Qualität des Rasens und die Kabinengröße stört. Stattdessen spielen die Bundesligisten nun in ihrem gewohnten Umfeld im Stadion.

Gravierende Unterschiede in der Vorbereitung

Neben dem Heimrechttausch kommt dazu, dass die Profis bereits im Mai den Spielbetrieb wieder aufnehmen konnten. Auch die Saisonvorbereitung entsprach weitestgehend dem Standard.

Im Amateurbereich war man von den allgemeinen Lockerungen der Politik abhängig. Mannschaftstraining und Testspiele sind in manchen Bundesländern erst seit Anfang August wieder erlaubt. Dazwischen lag seit der Saisonunterbrechung Anfang März eine knapp fünfmonatige Pause. Die Profis sind also nicht nur in der Favoritenrolle, sondern auch noch viel besser vorbereitet.

Während die Vorbereitung der Amateurvereine mitunter sehr chaotisch ablief, sind die Profis, man möchte beinahe schon sagen, zur Normalität zurückgekehrt. Hinzu kommt, dass die Bundesligisten bereits Erfahrungen in Sachen Geisterspielen sammeln konnten, sie sind es also bereits gewohnt, an ihre Leistungsgrenze zu gehen, auch ohne dabei von Zuschauern und Fans angefeuert zu werden.

Der DFB ist sich diesen Problemen ebenfalls bewusst. Reviersport zitiert Vizepräsident Peter Frymuth (63) aus einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur wie folgt: „Der DFB-Pokal lebt von den Geschichten und Emotionen, die gerade bei den Begegnungen in der ersten Runde zwischen Amateuren und Profis seit vielen Jahrzehnten die Fans in ganz Deutschland begeistern. Aber auch in diesem Wettbewerb sind die Auswirkungen der Pandemie zu spüren. Natürlich fehlt in dieser Saison durch den teilweisen Verzicht auf Zuschauer und Tausch der Heimspielstätte ein Teil dieses besonderen Reizes.“

(Photo by Oliver Hardt/Getty Images for DFB)

Auswirkung auf Anzahl der Überraschungen?

Ein Umstand, der eigentlich nur dazu führen kann, dass es in diesem Jahr weniger Überraschungen gibt als in den vorherigen Saisons. In den ersten Runden des DFB-Pokals 2018/2019 und 2019/2020 setzten sich fünf bzw. sechsmal die Mannschaften, die aus dem Amateurtopf gelost wurden, durch.

Obwohl die Vorzeichen noch deutlicher gegen die klassentieferen Teams stehen, ist eine Überraschung natürlich weiterhin möglich. Kleinere Klubs können noch immer über sich hinauswachsen, Faktoren wie Glück spielen eine entscheidende rolle. Man kann letztlich nicht wissen, wie die Partien im DFB-Pokal ausgehen. Trotz Corona-Pandemie, Heimrechttausch und den Vorteilen der Bundesligisten in der Vorbereitung gilt auch in diesem Jahr zu beachten: „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze“. Nur eben ohne eine Reihe besonderer Merkmale, die die erste Hauptrunde sonst auszeichnen.

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(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

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