Donnerstag, Oktober 29, 2020

Ist Bayer Leverkusen ein legitimer Meisterschaftskandidat?

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Spotlight | Nach der Winterpause wurde ein Dreikampf um den Titel erwartet. Neben Bayern München und Borussia Dortmund wurden RB Leipzig Chancen um die Meisterschaft zugeschrieben. Im Rücken der drei Schwergewichte hat sich mit Bayer Leverkusen eine weitere Mannschaft angeschlichen, die im Meisterschaftskampf eingreifen möchte.

Leverkusen – Aufschwung seit der Rückrunde

Seit zwölf Spielen hat die “Werkself” nicht mehr verloren. Nach einer bitteren 1:2 Niederlage gegen die TSG Hoffenheim spielte sich die Mannschaft von Trainer Peter Bosz in einen Rausch. Siege gegen u. a. Dortmund (4:3), Porto (2:1 und 3:1) und Frankfurt (4:0) folgten. Lediglich gegen Leipzig musste man sich mit einem Punkt begnügen (1:1). Besonders auffällig ist, dass man es immer wieder schafft, gerade die großen Gegner zu ärgern. Das Hinspiel gegen den FC Bayern wurde gewonnen, das Rückspiel gegen Dortmund ebenso und gegen Leipzig verlor man in beiden Spielen nicht.

Mittlerweile steht man auf Platz drei der Liga, hat durch diesen Auswärtssieg im Verfolgerduell Borussia Mönchengladbach und auch Leipzig in die Schranken gewiesen. Mit vier Punkten Rückstand auf Dortmund und acht auf die Bayern hat man zwar noch eine Menge Holz vor sich, doch angesichts der Hinrundentabelle war mit so einem Aufschwung nicht zu rechnen. Nach dem 17. Spieltag stand man noch auf einem enttäuschenden 6. Platz, jene Platzierung stand eng mit unnötigen Niederlagen gegen Teams aus dem unteren Mittelfeld (Köln, Hertha, Frankfurt) in Verbindung. Doch seit der Winterpause hat sich sichtlich etwas getan, was unmittelbar mit der Kaderqualität zu tun hat.

Tapsoba als letztes Puzzleteil

Es ist die Kombination aus gereiften Spielern wie Lukas Hradecky, den Bender-Brüdern oder Charles Aranguiz sowie Jungspunden wie Kai Havertz, Moussa Diaby oder Edmond Tapsoba, welche die Mannschaft so erfolgreich aussehen lässt.

Die Offensive ist hoch dekoriert. Dass ein Team einen Ausfall von Topstürmer Kevin Volland so kompensieren kann, ist nicht selbstverständlich. Seither darf Havertz als eine Art “Falsche Neun” im Sturm agieren und brilliert mit seinem unfassbaren Raumgefühl. Das sorgt nicht nur für eine verstärkte Anzahl von Scorerpunkten auf seinem Konto, sondern tut seinen Mitspielern enorm gut, die so mehr Raum besitzen. Insbesondere aufgrund der schnellen Außenspieler wie Diaby und Karim Bellarabi kann der vergrößerte Platz Gold wert sein.

Ein Spieler, der nun endlich in Leverkusen angekommen zu sein scheint, ist Kerim Demirbay. Der Deutsch-Türke hatte eine lange Zeit mit Systemproblemen zu kämpfen, weshalb für ihn häufig nur ein Platz auf der Bank drin war. Seit der Rückrunde haben sich diese Probleme aber gelegt und der 26-Jährige kann dem Spiel endlich seinen Stempel aufdrücken. Demirbay ist der Taktgeber der Offensive, hat eine fantastische Übersicht und kann sich auch im 1vs1 behaupten.

Im Winter investierte man, Bayer-typisch, in junge, dynamische Talente, die nach Eingewöhnungszeit wesentliche Stützen im Team bilden sollen. Dass Tapsoba als junger Spieler aus Portugal sich direkt als Stammspieler in der Innenverteidigung etabliert, mit Zweikampfstärke, Übersicht und Coolness zeitweise sogar Jonathan Tah auf die Bank verdrängt, damit hat man aber wohl selbst in Leverkusen nicht mit gerechnet.

(Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Die Taktische Entwicklung des Peter Bosz

Es ist nicht allzu lange her, knapp zweieinhalb Jahre um genau zu sein, als Bosz mit Borussia Dortmund einen 4:0 Vorsprung gegen den FC Schalke verspielte. Nicht wenige warfen dem Holländer “Egoismus” und “Sturheit” vor. Das enorm hohe “Gegenpressing” und der “Vollgasfußball” sorgte zwar für Spektakel, hatte aber auch seine Schwächen.

Die Auszeit nach Dortmund hat Bosz genutzt. Er hat sein System untersucht und ihm eine neue Fassade gegeben. Er will weiterhin offensiv spielen, Dominanz und Kontrolle ausstrahlen und bevorzugt eine Spielweise mit viel Zug zum Tor. Allerdings, und das ist das Entscheidende, reagiert er mehr auf den Gegner. Bei konterstarken Teams setzt er in der Analyse verstärkt auf die Konterabsicherung, wobei er spielstarken Teams mit einer guten Presselinie bekämpfen und den Spielfluss stören will. Er hat die berühmte Balance zwischen Offensive und Defensive gefunden.

(Photo by INA FASSBENDER/POOL/AFP via Getty Images)

Keine Meisterschaft, aber glorreiche Zukunft

Verglichen mit den anderen, obenstehenden Mannschaften hat Leverkusen ein vergleichsweise einfaches Restprogramm. Lediglich der FC Bayern ist aus den “Top5” in der BayArena zu Gast. Doch gerade die Schwäche gegen jene tiefstehende Gegner, die man seit der Rückrunde scheinbar abgelegt hat, muss Leverkusen in den kommenden Spielen bestätigen. Sollte der FC Bayern seinen Stiefel unter Hansi Flick weiterhin derart runterspielen, kann auch eine überragende Leverkusen-Mannschaft kaum an der achten Meisterschaft in Folge für den Rekordmeister rütteln. Sollten die Münchner aber des Öfteren patzen, wovon aktuell nicht ausgegangen werden kann, so könnte Leverkusen die Chance nutzen. Das direkt Duell wird also für ein Aufkeimen von forschen Hoffnungen wohl entscheidend sein.

Insbesondere mit Blick auf die folgende Saison – unabhängig eines Havertz-Verbleibes – kann eine endgültige Standortbestimmung nützlich sein. Ist man schon so weit, um auf Dauer mit Borussia Dortmund mitzuhalten? Oder ist die aktuelle Situation nur einer starken Form zu verdanken, die man auf längere Zeit nicht halten kann?

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(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Hendrik Wiese

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