Montag, November 30, 2020

Joao Felix’ Entwicklung bei Atletico: Der Freigeist, der zum Entscheider wird

Empfehlung der Redaktion

BVB: Welches System passt besser? Teil 2: Viererkette

Borussia Dortmund befindet sich aktuell in einer guten Verfassung und kann im Gegensatz zur Rückrunde der vergangenen...

BVB: Welches System passt besser? Teil 1: Dreierkette

„Was ist das sinnvollste System für Borussia Dortmund? Vierer- oder Dreierkette?“, eine Frage, welche nahezu wöchentlich seitens...

Der 1. FC Köln vor dem Spiel gegen den BVB in der Krise: Die Luft wird dünner – nicht nur für Gisdol

Der 1. FC Köln tritt am Samstagnachmittag (15:30 Uhr) bei Borussia Dortmund an. Kaum jemand traut den...

Im Sommer 2019 wechselte Joao Felix etwas überraschend von Benfica zu Atletico Madrid. Das vielversprechende portugiesische Talent hätte sich wohl jeden Verein der Welt aussuchen können, wechselte aber zu den gemeinhin eher pragmatischen Colchoneros, um die Schule von Diego Simeone zu durchlaufen.

  • Joao Felix: Der Schlüsselspieler der Atletico-Offensive
  • Simeone formt und fördert den Portugiesen
  • Der Offensivstar ist bereit für mehr

Joao Felix: Gekommen, um zu glänzen

Als sich Atletico Madrid 2019 die Dienste von Joao Felix sicherte, waren nicht wenige Experten ein wenig verwundert. Der damals 19-jährige Offensivspieler, der bei Benfica Fans verzückt und den Gegnern Kopfzerbrechen bereitet hat, wechselte für weit mehr als 100 Millionen Euro zu den Rojiblancos, also zu einer Mannschaft, die nicht gerade das verkörpert, wofür der Portugiese steht. Joao Felix genoss bei Benfica Freiheiten, war im kreativen Bereich ebenso wichtig wie als Abschlussspieler im letzten Drittel. Er hatte Spaß, durfte diesen auf dem Platz ausleben.

(Photo by PATRICIA DE MELO MOREIRA / AFP)

Der Schritt nach Madrid, zum simeonesken Arbeitsfußball mit viel Kompaktheit, leidenschaftlicher Arbeit gegen den Ball und vor allem ohne viel Spektakel, überraschte. Noch dazu, weil er in die Fußstapfen von Antoine Griezmann, dem Entscheidungsspieler im Angriff, treten musste. Griezmann wechselte zum FC Barcelona und hinterließ eine Lücke, die Joao Felix gar nicht auf Anhieb schließen konnte. Die Fußballwelt stand dem Youngster offen, er entschied sich aber bewusst für den Schritt zu Atletico. Und er war bereit, vieles zu lernen.

Bei Diego Simeone durchgebissen

Schon in der Frühphase seiner Zeit bei Atletico blitzte das Können von Joao Felix immer wieder auf. Allerdings suchte er in manchen Phasen noch die Bindung zum Spiel. Statt permanent im Fokus zu stehen und Minute für Minute Angriffe zu initiieren, ging es für den Portugiesen darum, viele Wege zu gehen und die Angriffsbemühungen der Gegner schon im Keim zu ersticken. Der Portugiese musste sich aneignen, deutlich mehr Energie für die Arbeit gegen den Ball aufzuwenden. Das brachte natürlich auch Konsequenzen mit sich. Weniger Ruhephasen, mehr Sprints und eine permanente Aufmerksamkeit sorgten dafür, dass die Präzision in den Offensivaktionen bei Joao Felix mitunter fehlte.

Bis zu seiner Knöchelverletzung, die eine Pause von sechs Spielen nach sich zog, hatte der 19-Jährige drei Tore erzielt und eines vorbereitet – in elf Spielen. Die Statistiken waren insgesamt in Ordnung, viel wichtiger war jedoch, wie Joao Felix seine neue Aufgabe angenommen hat. Er war sehr motiviert, wollte als Teil des Gefüges genau das einbringen, was von ihm gefordert wurde.

Die restliche Saison 2019/20 war nicht sehr konstant, wurde überdies noch durch zwei weitere Blessuren unterbrochen. In Spielen gegen Topteams lernte der junge Offensivspieler, was es bedeutet, 90 Minuten unter Stress zu stehen. Diese Erfahrungen brachten ihn aber weiter. Fußballerisch und auch charakterlich. Und diese Saison, die Joao Felix mit neun Toren und drei Vorlagen in 36 Spielen beendete, half ihm enorm auf seinem Weg, sein Spiel nachhaltig zu optimieren. 

Joao Felix: Auf dem nächsten Level angekommen

Kann man unter Diego Simeone (50) eigentlich auch Spaß haben? Offensichtlich ja. Zumindest, wenn man die grundlegenden Dinge im Spiel gegen den Ball beherzigt. Joao Felix wirkt in der Saison 2020/21 bisher spritziger, besser eingebunden. Das Erledigen der Aufgaben im Pressing und das Besetzen der Räume, wenn sich Atletico zurückzieht, geschieht automatisch. Der Portugiese weiß, was zu tun ist. Und er weiß, in welchen Situationen seine Zeit gekommen ist.

(Photo by Aitor Alcalde/Getty Images)

Der 20-Jährige, der schon letzte Saison sehr gute Ansätze zeigte, ist mittlerweile in Madrid angekommen. Er ist der Unterschiedsspieler, er darf sich seine Szenen nehmen, in denen er als Freigeist agiert. Und er spielt auf der Position, die er liebt. Als hängende Spitze, hinter einem Zielspieler in der Offensive. Dabei dirigiert der 1,80m große Offensivstar, der bis 2026 (!) an die Colchoneros gebunden ist, das Pressing phasenweise bereits. Und das aus gutem Grund: Diego Costa (32) und vor allem Luis Suarez (33) verfügen zwar über fantastische Qualitäten, können aber nicht mehr 90 Minuten lang aggressiv anlaufen. 

Auf höchstem Niveau sorgt das sogar für Probleme, wie beim 0:4 gegen den FC Bayern sichtbar wurde. Joao Felix wirkte dort phasenweise hilflos, war aber dennoch der einzige Spieler, der Kreativität ausstrahlte und Ideen hatte. Seine Klasse blitzte auf. In anderen Spielen hingegen war er der Matchwinner. Beim wichtigen 3:2-Erfolg gegen RB Salzburg gelangen dem Youngster gleich zwei Tore, zudem hatte er einen sehenswerten Fallrückzieher an das Aluminium im Repertoire. Auch beim Ligaspiel in Osasuna (3:1) steuerte er zwei Tore bei, gegen Granada gab es ein Tor und eine Vorlage. Der Portugiese ist mittlerweile der entscheidende Mann im Offensivbereich und der Spieler, er von seinen Teamkollegen gesucht wird.

Die entscheidende Frage nach der Zukunft

Trotz aller positiven Schlagzeilen, die Joao Felix derzeit schreibt: Als Beobachter wird man punktuell das Gefühl nicht los, dass er gerne den ein oder anderen Mitspieler mehr in den eigenen Reihen hätte, mit dem er Spaßfußball zelebrieren kann. Ist seine Zeit bei Atletico also nur ein Mittel zum Zweck, um ein kompletter Spieler zu werden, ehe der letzte Schritt erfolgt? Das ist durchaus möglich, aber kein akutes Thema. Der Spieler ist noch jung, ist bis 2026 gebunden und verfügt über eine sehr hohe Ausstiegsklausel.

(Photo by GABRIEL BOUYS/AFP via Getty Images)

Ein Wechsel nach dieser Saison ist also kaum vorstellbar. Für die Transferfenster danach wird Atletico Lösungen finden müssen. Joao Felix benötigt Mitspieler, mit denen er offensiv harmonieren kann und möglicherweise würde eine offensivere Ausrichtung in Zukunft auch dafür sorgen, dass ein längerer Verbleib möglich ist. Über allem steht – unabhängig von der Ausrichtung – die Konkurrenzfähigkeit. Atletico muss die Chance haben, regelmäßig Titel zu gewinnen. Der 20-Jährige Angreifer ist dafür ein wichtiger Faktor, alleine kann er die Simeone-Elf aber auch nicht zu Triumphen tragen. Angekommen ist er mittlerweile jedenfalls.

Mehr News und Storys rund um den internationalen Fußball

(Photo by Angel Martinez/Getty Images)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

News

Maradona-Huldigung: SSC Neapel gewinnt Spitzenspiel gegen die Roma deutlich!

News | Am späten Sonntagabend standen sich die SSC Napoli und die Roma in einem Spitzenspiel in der Serie A gegenüber. Die...

Zwei Tore, Platzverweis: Unterhaltsames Spiel zwischen Mainz und Hoffenheim endet Remis

News | In der Bundesliga fand zum Abschluss des 9. Spieltags die Partie zwischen dem FSV Mainz 05 und der TSG Hoffenheim...

Tottenham klettert auf Platz eins – Punktgewinn bei Chelsea

News | Zum Topspiel des zehnten Spieltags der Premier League trafen am Sonntagabend die Londoner Klubs FC Chelsea und Tottenham Hotspur aufeinander....

Bayer Leverkusen und Hertha BSC teilen sich nach zähem Spiel die Punkte

News | Bayer Leverkusen bleibt weiterhin ungeschlagen, kann allerdings nicht gegen die Hertha aus Berlin gewinnen. In einem zähen Duell ohne große...

90PLUS On Air - Der Podcast

Serie A | Mkhitaryan und die Roma auf Titelkurs?

Das Titelrennen in der höchsten italienischen Spielklasse ging am Wochenende in die achte Runde und sorgte wieder für einige Überraschungen. Vor allem...

Inter weiter sieglos | Hat Conte sein Feuer verloren?

Ein weiterer Spieltag in der Serie A ging am Sonntag zu Ende und sorgte wieder einmal für einige Überraschungen. Vor allem Tabellenführer...

Juventus | Hilft CR7 der alten Dame wieder auf die Beine?

Am Montag ging der sechste Spieltag in der höchsten italienischen Spielklasse zu Ende und sorgte wieder für einige Überraschungen. Vor allem Inter...
600FollowerFolgen
12,336FollowerFolgen