Montag, November 30, 2020

Mainz 05 in der Krise: Eine Mammutaufgabe

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Sechs Spiele sind in der Bundesliga absolviert und für einige Klubs lief der Saisonstart alles andere als gut. Das trifft unter anderem auf den FSV Mainz 05 zu, der noch keinen einzigen Punkt auf dem Konto hat. Das ist allerdings nur eines der Probleme.

  • Sechs Spiele, null Punkte: Die Situation in Mainz ist prekär
  • Trainerwechsel? Was wird aus Rouven Schröder? Offene Fragen en masse
  • Gegen Schalke herrscht großer Druck

Mainz 05: Ein Saisonstart zum Vergessen

Nach dem Klassenerhalt in der vergangenen Saison und einer insgesamt durchwachsenen wie schwierigen Spielzeit, lautete das Mindestziel beim FSV Mainz 05 in dieser Saison erneut, schnellstmöglich die nötigen Punkte für den Ligaverbleib zu sammeln. Nach sechs Spieltagen muss man konstatieren: Das gelang zum Auftakt nicht. Trainer Achim Beierlorzer (52), mit dem man in die Saison ging, ist mittlerweile nicht mehr im Amt. Und Jan Moritz-Lichte (40), der “bis auf Weiteres” den Job übernahm, hat die Mannschaft noch nicht stabilisieren können.

(Photo by DANIEL ROLAND/AFP via Getty Images)

Doch die Resultate sind nicht das einzige Problem. Sportvorstand Rouven Schröder (45) wird zunehmend kritisiert, der Spielerstreik rund um die Suspendierung von Adam Szalai (32) kam noch erschwerend hinzu. Solche Wochen der Unruhe kennt man nicht von den 05ern. Kurz vor dem wichtigen Spiel gegen Mitkonkurrent Schalke 04 stellt sich die Frage: Ist Lichte überhaupt der richtige Mann? Und droht im Fall einer Niederlage eine Entlassung? Schließlich steht eine Länderspielpause an, der Moment zum Reagieren wäre theoretisch gegeben.

Rouven Schröder sieht allerdings noch kein “Endspiel” auf den neuen Coach zukommen, wie er gegenüber dem Kicker kurz vor dem Duell mit den Königsblauen mitteilte: “Ich sehe, wie er arbeitet mit seinem Team und wie die Mannschaft darauf reagiert. […] Dieses Wochenende hat für mich deshalb auch keinen Endspielcharakter für den Cheftrainer.” Das wird der Trainer zwar gerne hören, trotzdem müssen Resultate her. Nach dem Spiel gegen Schalke lauten die Aufgaben Freiburg, Hoffenheim, Bielefeld und Köln. Auch in dieser frühen Phase der Saison kann schon von den “Wochen der Wahrheit” gesprochen werden.

“Ein Trainerwechsel würde dem Ganzen die Krone aufsetzen”

Um die aktuelle Gemütslage rund um Mainz 05 noch besser nachvollziehen zu können, haben wir die Hinterhofsänger um eine Einschätzung gebeten: “Ein Trainerwechsel zur Länderspielpause würde dem Ganzen die Krone aufsetzen. In Mainz ist man der festen Überzeugung, dass Jan-Moritz Lichte der richtige Trainer ist. Er kennt das Team und konnte unter zwei Trainern unterschiedliche Konzepte beobachten. Während Sandro Schwarz bemüht war, im Mainzer Spiel mehr Ballbesitzphasen zu etablieren, fokussierte sich Achim Beierlorzer auf den Klassenerhalt, ohne dabei ein klares taktisches Konzept zu verfolgen”, erklärte das Team des Mainz05-Podcast gegenüber 90PLUS.

Die Hinterhofsänger weiter: “Bei seiner Antritts-PK stellte Lichte deutlich heraus, dass er dieses Versäumnis Beierlorzers beheben muss. Im Spiel gegen Bayer Leverkusen ließ sich klar erkennen, dass die Defensive deutlich gestärkt wurde. Aber die Offensive verfügte über keinerlei Konzept, um die ordentliche Defensivleistung zu belohnen. Im Spiel gegen Gladbach war dann deutlich zu erkennen, dass unter der Woche an einem Offensivkonzept gearbeitet wurde, das aufging.”

(Photo by Alexandra Beier/Getty Images)

Und in der Tat sorgen die Akribie, mit der Lichte arbeitet und die Sachlichkeit und Ruhe, die er trotz der schwierigen Lage ausstrahlt, für eine gewisse Ruhe. Zumal die Umstände bedacht werden müssen. Lichte hatte keine Vorbereitung, um Dinge Schritt für Schritt einzuüben. Er übernahm ein verunsichertes Team zum Zeitpunkt der größtmöglichen Unruhe und konnte nicht sofort einen Erfolg feiern. Diese Parameter erschweren die Arbeit für den Trainer, der viele Probleme gleichzeitig beheben und an vielen Stellschrauben drehen muss.

Die Ideen, die Lichte hat, müssen allerdings von den Spielern auch umgesetzt werden. Das mahnte nicht nur Rouven Schröder an, auch die Hinterhofsänger nehmen die Spieler in die Pflicht: “Auch wenn die 05er bisher keine Punkte einfahren konnten, ist eine Entwicklung unter Jan-Moritz Lichte zu erkennen. Jetzt liegt es an den Spielern die vom Trainer vorgegebene Taktik für ein Spiel umzusetzen. Das wurde nach dem Spiel gegen Augsburg klar herausgestellt und erklärt, warum die erste Halbzeit so spielerisch absolut unterirdisch war. In Mainz sehen wir es mit dem nötigen Galgenhumor: Immerhin sind wir wieder beim Sandro-Schwarz-Fußball angekommen. Eine Halbzeit top, die andere flop.”

Mainz 05: Es gibt weder das eine Problem noch die eine Lösung

Optimierungsbedarf gibt es beim FSV Mainz 05 in nahezu allen Teilbereichen. Rouven Schröder wurde kritisiert, auch die Kaderzusammenstellung ist ein Thema. Einige individuell sehr spannende Spieler wie Jean-Philippe Mateta (23) stehen zur Verfügung, die Homogenität im Kader fehlt allerdings an der ein oder anderen Stelle. Das hat durchaus auch mit den finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie zu tun. Zuletzt wurden sogar vereinzelte Rufe nach Ex-Manager Christian Heidel (57) laut. Doch die Gesamtsituation ist kompliziert, ein Problem überschneidet sich mit einem anderen, eine Musterlösung existiert nicht.

(Photo by Ronny Hartmann / AFP)

Das sehen die Experten von den Hinterhofsängern ebenso: “In Mainz geht es um keine kurz- oder mittelfristigen Lösungsansätze. Mainz muss einen Entwicklungsschritt vollziehen, der lange überfällig ist und dabei gibt es mehrere Ansatzpunkte. Rouven Schröder steht ähnlich wie bereits Sandro Schwarz von Anfang an bei einigen Fans massiv in der Kritik und es ist nicht klar ersichtlich, warum das so ist. Ein Teil der Kritik ist nicht zuletzt die Zusammenstellung des Kaders und einer Mannschaft, mit denen sich das Umfeld von Mainz 05 nur schwer identifizieren kann. Und damit ist man bei der eigentlichen Problematik von Mainz 05, der Identifikation. Hier musste der Verein aufgrund seiner Erfolge in der Vergangenheit wenig tun und muss diese Anstrengungen jetzt nachholen.”

Es müssen also mehrere Prozesse fast gleichzeitig in Gang gebracht werden, was eine Mammutaufgabe wird. Der Fokus liegt aber derzeit primär auf der sportlichen Ebene, die Talfahrt muss abgewendet werden, Punkte müssen her. Trotzdem drängt die Zeit – in mehrfacher Hinsicht. “Corona hat jetzt viele dieser Umbrüche verzögert. So sagte Rouven Schröder bei uns im Interview, dass ein Umbruch in der Mannschaft geplant gewesen sei, den Corona jetzt verhindert hat. Themen wie die Präsentation des Leitbildes mussten verschoben und verspätet nachgeholt werden. Auch die abermalige Verschiebung der Mitgliederversammlung führte dazu, dass einige Prozesse verlangsamt und Themen wie Veränderungen im Aufsichtsrat verschoben wurde”, so die Hinterhofsänger.

Der Weg aus der Krise: Harte Arbeit, Resultate, Identifikation herstellen

So wie viele verschiedene Faktoren dazu führten, dass die aktuellen Situation beim FSV Mainz 05 so ist, wie sie sich derzeit darstellt, gibt es auch viele Wege, die aus der Krise führen können. Zunächst einmal müssen Verantwortliche, Trainerteam und Mannschaft Tag für Tag hart arbeiten. Das ist aber nur ein Punkt von vielen. Positive Resultate würden für bessere Stimmung im gesamten Verein sorgen und haben das Potenzial, eine Kettenreaktion loszutreten, die von immenser Bedeutung sein könnte. Gute Leistungen und Siege sorgen für eine bessere Grundstimmung, die wiederum positive Energie nach sich zieht.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Doch was einfach klingt, ist mit hoher Anstrengung verbunden. Der Weg ist weit. “Mainz 05 befindet sich in einer Identitätskrise. Dass diese auf den Platz übergegriffen hat, ist der Kommunikation des Vereins geschuldet, der erst mit dem Abgang von Achim Beierlorzer vielen Fans verständlich machen konnte, was Schwarz versucht hat. Den Wenigsten war bewusst, dass die Vereinskultur einer Spielidee entstammt, wie wir in unserer ersten Sommerreportage zeigen konnten, und wie diese aussieht. Die Marketingaktion „Gegenpressing“ war ein Versuch, diesen Zusammenhang aufzuzeigen und wiederherzustellen. Klar ist aber auch, eine Kultur muss gelebt werden, um sie adaptieren zu können – wir sind zuversichtlich, dass dafür im sportlichen Bereich die richtigen Leute am Werk sind”; fassen es die Hinterhofsänger sehr treffend zusammen.

Was derzeit bleibt, ist vor allem die Zuversicht. Kleine Fortschritte werden erkannt und eingeordnet. Doch ein großes Ganzes muss sich bilden, Schritt für Schritt. Bis Weihnachten stehen noch sieben Ligaspiele auf dem Programm, die Gegner wirken auf den ersten Blick weitgehend machbar. Hält die Negativserie allerdings an, kann man sich in Mainz auch von den guten Eindrücken und dem Gefühl, dass die richtigen Personen in den wichtigen Positionen im Amt sind, nicht viel kaufen.

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(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

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