Montag, November 30, 2020

Weißt du noch? ManUtd vs Arsenal 2004 – Ende der Invincibles & “Pizzagate” im Tunnel

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Marius Merck
Marius Merck
Chefredakteur

Weißt du noch | Heute empfängt Manchester United den Rivalen Arsenal im Old Trafford (hier geht es zur Vorschau). Diese Paarung birgt immer noch eine besondere Brisanz, doch an die “alte Rivalität” der beiden Vereine reicht diese nicht mehr heran. Wir blicken daher zurück auf ein geschichtsträchtiges Duell an selber Stelle im Herbst 2004, als die Gastgeber eine unglaubliche Serie der Gäste (mit allen Mitteln) beendeten und danach die Emotionen hochkochten.

Ausgangslage: Vertauschte Rollen – Arsenal die Nummer 1 des Landes, ManUtd als Verfolger

Mitte der 1990er Jahre entfaltete Manchester United eine Phase der absoluten Dominanz im englischen Fußball. So gewann der Verein unter Sir Alex Ferguson nach mehr als zwei Dekaden Durststrecke in diesem Zeitraum 1993, 1994, 1996, 1997, 1999, 2000 und 2001 die Premier League. Darüber hinaus holte man 1999 als bis heute einziges englisches Team das Triple. In eben jener Phase begann sich in der englischen Hauptstadt ein gewisser Widerstand zu regen.

(Mandatory Credit: Michael Steele/ALLSPORT)

Arsenal verpflichtete im September 1996 mit Arsene Wenger ein auf der Insel eher unbeschriebenes Blatt. Zunächst belächelt wegen seiner damals als recht unkonventionell erachteten Methoden (z. B. im Hinblick auf die Ernährung der Spieler) unterbrach der Elsässer bereits in seiner ersten vollen Spielzeit mit der Meisterschaft 1998 die Serie Uniteds. Ferguson & Co. schlugen zwar mit einem anschließenden Titel-Hattrick zurück, der Abstand zu den “Gunners” wurde jedoch sukzessive kleiner. Arsenal landete vor allem mit der Verpflichtung von Thierry Henry im Januar 1999 einen wahren Coup in diesem Prozess.

Mit dem Franzosen als Fixpunkt im Sturm baute Wenger ein mehr als schlagkräftiges Team um Spieler wie Kapitän Patrick Vieira, Robert Pires oder Ashley Cole auf. Dass sich eine Wachablösung immer mehr andeutete, war vor allem in der Saison 2001/2002 zu merken. In dieser Spielzeit sicherten sich die “Gunners” den Titel ausgerechnet durch einen Sieg im Old Trafford. Sylvain Wiltord erzielte damals den entscheidenden Treffer zur Meisterschaft. Im folgenden Jahr führte Arsenal über weite Strecken der Saison die Tabelle an. Nur ein phänomenaler Schlussspurt der “Red Devils” im Frühjahr 2003 verhinderte die Titelverteidigung der Londoner, weshalb man rückblickend durchaus resümieren kann, dass Arsenal den Titel eher verloren als United diesen gewonnen hatte.

(Mandatory Credit: Allsport UK /Allsport)

Die Invincibles von Arsenal: ManUtd hätte es verhindern können

Denn schon im folgenden Jahr untermauerte die Mannschaft von Wenger, weswegen man in jener Phase dennoch als das eigentlich beste Team des Landes wahrgenommen wurde. In der Saison 2003/2004 holte Arsenal erneut die Meisterschaft und dies in einer bis heute einzigartigen Art und Weise. Die “Gunners” blieben über die gesamte Spielzeit ohne Niederlage! Dieses Kunststück gelang nicht einmal United in der Hochphase der Dominanz. Solche Errungenschaften der Konkurrenz wurmten niemanden mehr als Ferguson.

Der Schotte musste zudem langsam der Tatsache ins Auge sehen, dass seine “99er”-Generation um Superstar David Beckham so langsam über ihren Zenit war. Nach und nach wurden die damaligen Helden wie beispielsweise das legendäre Sturmduo aus Andy Cole und Dwight Yorke abgegeben. Manche Pfeiler wie Ryan Giggs, Paul Scholes oder Gary Neville hielten ihr Niveau zwar noch viele weitere Jahre, doch insgesamt wurde frischer Wind im personellen Bereich benötigt. Einige Neuzugänge wie Rio Ferdinand oder Cristiano Ronaldo sorgten für genau jenen, andere wie Kleberson oder Juan Sebastian Veron schafften dies gerade nicht.

Ironischerweise hätte ausgerechnet United die Entstehung der Invincibles verhindern können. Im September 2003, also zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der legendären Saison, duellierten sich die Rivalen im Old Trafford. Es war ein gewohnt intensives Spiel zwischen den beiden besten Mannschaften der Premier League, mit zahlreichen Nicklichkeiten inklusive. Beim Stand von 0:0 bekam United einen (fragwürdigen) Elfmeter in der Nachspielzeit. Ruud van Nistelrooy, eigentlich “Mr. Superzuverlässig” bei Angelegenheiten im gegnerischen Strafraum, drosch diesen aber an die Latte. Direkt danach wurde die Partie abgepfiffen.

Die Arsenal-Spieler bestürmten daraufhin den Niederländer und gingen diesen teilweise körperlich an. Dieses Verhalten hatte einen gewissen Hintergrund, hatte gerade van Nistelrooy wenige Minuten vor dem Strafstoß mit einem äußerst theatralischen Verhalten für einen Platzverweis von Vieira gesorgt. Wenger ließ nach der Begegnung keine Zweifel aufkommen, was er von dem niederländischen Angreifer hielt, was wiederum Ferguson auf die Palme brachte und den Arsenal-Spielern attestierte, “das schändlichste Verhalten” gezeigt zu haben, was er jemals auf einem Fußballplatz gesehen habe. Auch motiviert durch dieses am Ende glückliche Remis fegte Arsenal durch die Saison 2003/04 und beendete diese ohne Niederlage auf dem ersten Platz.

Ein Jahr später: ManUtd-Stürmer Rooney beendet die Arsenal-Serie

Diese unglaubliche Serie zog sich auch in die Spielzeit 2004/05 hinein. Im Herbst standen die “Gunners” bei sage und schreibe 49 Premier-League-Spielen in Folge ohne Niederlage. Es winkte mit der möglichen 50. Partie ein absoluter Meilenstein – und der Ort für diese historische Errungenschaft hätte am 24. Oktober 2004 eigentlich kaum passender sein können: Arsenal gastierte abermals bei Manchester United im Old Trafford.

Zum Spiel:

Manchester United: Roy Carroll – Gary Neville, Rio Ferdinand, Mikael Silvestre, Gabriel Heinze – Cristiano Ronaldo (85./Alan Smith), Phil Neville, Paul Scholes, Ryan Giggs – Wayne Rooney, Ruud van Nistelrooy (90./Louis Saha)

Bank: Tim Howard, Wes Brown, Liam Miller

Trainer: Sir Alex Ferguson

Arsenal: Jens Lehmann – Lauren, Sol Campbell, Kolo Touré, Ashley Cole – Freddie Ljungberg, Patrick Vieira, Edu, José Antonio Reyes (70./Robert Pires) – Dennis Bergkamp, Thierry Henry

Bank: Stuart Taylor, Pascal Cygan, Cesc Fabregas, Robin van Persie

Trainer: Arsene Wenger

Gelb: G. Neville, P. Neville – Cole, Vieira, Edu

Rot: – 

Torfolge: 1:0 van Nistelrooy (73./Foulelfmeter), 2:0 Rooney (90./Smith)

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Erneut fragwürdiger ManUtd-Elfmeter: Van Nistelrooy übt Rache an Arsenal

Die Marschroute stand für Manchester United somit von Beginn an fest: Unter keinen Umständen wollte man den verhassten Rivalen diesen Meilenstein im eigenen Stadion erreichen lassen. Dafür war Ferguson und seiner Truppe jedes Mittel recht. Von Beginn an gingen die Gastgeber äußerst ruppig zu Werke. Vor allem traten die Neville-Brüder den talentierten Jungstar Reyes (mittlerweile verstorben) nur so durchs Old Trafford. Schiedsrichter Mike Riley beurteilte diese Vergehen eigentümlich nachsichtig.

Genauso agierte der Unparteiische bei zwei Szenen in der ersten Hälfte. So wurden Henry und Ljungberg in zwei Situationen zu Fall gebracht, in denen sie alleine durch waren. Beides Mal unterblieb der Pfiff von Riley, welcher normalerweise wohl zwei Notbremsen mit roten Karten zur Folge gehabt hätte. Henry hatte in der ersten Hälfte auch die bis dahin größte Chance der Partie, als er völlig frei an dem gut reagierenden Carroll scheiterte. Bei United vergab dagegen der an diesem Tag sehr blasse Ronaldo eine gute Gelegenheit kläglich.

Ansonsten war die Partie recht ausgeglichen, der Ballbesitz nahezu ebenbürtig verteilt. Viele Torchancen gab es in der spielerisch keinesfalls überragenden Partie nicht wirklich, dafür eher viele Fouls. Dieser Trend setzte sich auch in der zweiten Hälfte fort, in welcher vor allem Neuzugang und “Wunderkind” Rooney in seiner ersten Begegnung für United gegen Arsenal im Mittelpunkt stand. In der 73. Minuten wurde der damalige Youngster, am Tag seines 19. Geburtstags, an der äußeren Strafraumgrenze angespielt. Rooney vollzog eine Körpertäuschung, auf welche Campbell reinfiel. Das Bein des Verteidigers zuckte kurz heraus, genug für bulligen Teenager um darauf mehr zu machen.

Rooney hob ab – und Riley zeigte auf den Punkt. Wäre schon damals der VAR zum Einsatz gekommen, dann hätte es unter keinen Umständen diesen Strafstoß gegeben. Doch so stand van Nistelrooy einmal mehr Lehmann gegenüber. Der Niederländer blieb dieses Mal cool und schob den Ball souverän in die rechte Ecke ein. Arsenal rannte nun wütend an, doch konkrete Chancen sollten dabei nicht herausspringen. Touré versuchte es zwar mit einer noch schlechteren Einlage als Rooney, doch dieses Mal blieb der Pfiff von Riley aus. Dieser erfolgte allerdings vor dem Ablauf der Nachspielzeit, als Rooney einen lehrbuchartigen Konter über die eingewechselten Saha und Smith zum 2:0 Endstand abschloss. Ausgerechnet beim Erzrivalen ging somit die beeindruckende Serie Arsenal auf diskutable Art und Weise zu Ende.

Nachspiel: “Pizzagate” zwischen ManUtd & Arsenal

Mit diesem Erlebnis und vor allem dem Zustandekommen davon konnten sich die Arsenal-Spieler und Verantwortlichen nach Abpfiff nicht wirklich abfinden. Im Spielertunnel kam es zu tumultartigen Szenen, Schubserreien und Wortgefechte folgten. Mitten in diesem Chaos, zu welchem sogar die Polizei anrücken musste, flog auf einmal eine Pizza durch die Gegend. Wahrscheinlich wäre das Folgende in späteren Berichten kaum der Rede wert gewesen, hätte das Ziel nicht in einer der wichtigsten Figuren dieser Rivalität getroffen. Denn diese Pizza landete ausgerechnet im Gesicht von Ferguson. Mittlerweile ist auch geklärt, wer der Übeltäter war. Der junge Fabregas, nicht berücksichtigter Ersatzspieler an diesem Tag, hatte wegen der Geräuschkulisse aus der Gäste-Kabine geblickt und war entsprechend motiviert, sich an diesen Geschehnissen zu beteiligen. Somit ging das Spiel als das “Battle of the Buffet” in die englischen Annalen ein.

Ähnlich hitzig ging es daraufhin in den Medien weiter. Wenger beschuldigte Referee Riley das Spiel entschieden zu haben, wie er dies “schon häufiger im Old Trafford gemacht” habe. Die harte Gangart des Gegners überraschte den Elsässer dagegen nicht: “Das machen sie immer gegen uns in solchen Situationen.” Ferner bezeichnete den ungeliebten van Nistelrooy, der wegen einer Tätlichkeit gegen Cole nachträglich für drei Spiele gesperrt wurde, noch als “einen Betrüger.” Ferguson nahm dagegen Riley in Schutz, der nach einer Ansicht “eine unmögliche Aufgabe” an diesem Tag hatte. Für den Schotten hatte sowieso Arsenal-Kapitän Vieira die Spielleitung inne, so häufig wäre der Franzose “an der Seite” von Riley gewesen. Etwas später bezeichnete Ferguson das gesamte Verhalten der Gäste sowie die ausbleibende Entschuldigung als “Schande.” Jedoch erwarte er von Wenger sowieso keine Entschuldigung: “Er ist nunmal eine solche Person.”

Dementsprechend hitzig ging es auch im Rückspiel im Januar zur Sache. Schon vor dem Anpfiff wollte United-Kapitän Keane nach einem Wortgefecht im Tunnel seinem Lieblingsfeind Vieira vor den laufenden Kameras an den Kragen. Sportlich bot diese Partie deutlich mehr, in welcher abermals United die Oberhand behielt. Trotz eines Platzverweises und einem zweimaligen Rückstand gewannen die “Red Devils” die wilde Begegnung in Highbury dank eines Ronaldo-Doppelpacks mit 4:2. Nach dem Double über den Erzrivalen in der Premier League sollte im Finale des FA Cup der dritte Sieg hintereinander folgen. Doch ausgerechnet in dem Spiel, in welchem United die Londoner völlig dominierte, setzten sich dieses Mal Arsenal im Elfmeterschießen durch.

Arsenal & ManUtd: Die Rivalität ebbte ab

Dieser Titel sollte für neun (!) Jahre der letzte Titel für Wenger und Arsenal sein. Ähnlich wie bei der “99er”-Generation hatte in der Folgezeit auch die “Invincibles”-Generation ihren Zenit erreicht. Diesen Umbruch, finanziell erschwert durch das neue Stadion, sollte Wenger allerdings nie so meistern, wie es Ferguson gelang. Während sein Rivale mit seinem Verein nach und nach aus der Premier-League-Spitze rutschte, formte der Schotte um die jungen Ronaldo und Rooney seine nächstes großes Team, welches jeden erdenklichen Titel gewann. Durch dieses Auseinandergehen der Schere nahm auch die Rivalität ab, welche während der geschilderten Spiele zweifellos auf dem Höhepunkt war.

Sportlich brachte United das Double über Arsenal nicht viel. Die “Gunners” landeten nämlich dennoch in der Tabelle der Premier League vor Manchester. Zu feiern hatte aber auch Arsenal nichts, denn die Party in London fand völlig woanders statt: Ein gewisser José Mourinho führte Chelsea in seiner Debütsaison in England zur ersten Meisterschaft seit fünfzig Jahren und stieg damit in die Riege der beiden Streithähne auf.

(Photo by PAUL ELLIS/AFP via Getty Images)

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(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

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