Donnerstag, November 26, 2020

Mats Hummels’ BVB-Rückkehr – Der doppelte Königstransfer

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Im Sommer 2019 holte Borussia Dortmund Mats Hummels für eine Ablösesumme von 31,5 Millionen Euro vom Rekordmeister aus München zurück. Der spektakuläre Transfer sorgte sowohl im Fanlager des FC Bayern, als auch bei den BVB-Fans für Diskussionen. Nun, fast eineinhalb Jahre nach der offiziellen Verkündung des Transfers, lässt sich ein positives Fazit für beide Seiten ziehen.

Dortmund und FC Bayern: Der Hummels-Transfer spaltete beide Fanlager

Am Abend des 14. Juni 2019 berichtete die BILD von einer sich anbahnenden Transfer-Sensation. Der BVB plane die Rückholaktion von Mats Hummels und zwischen allen Parteien sollen schon Gespräche stattgefunden haben. Diese Meldung sorgte in der Öffentlichkeit für Verwunderung, da nur die wenigsten damit rechneten, dass der Innenverteidiger eine Rückkehr nach Dortmund überhaupt in Betracht ziehen würde.

Zwar gab es in den Monaten zuvor häufiger Gerüchte, dass der damalige Bayern-Trainer Niko Kovac (48) und Mats Hummels nicht das beste Verhältnis pflegten, doch der Stammplatz des Ex-Nationalspielers in der Innenverteidigung des FC Bayern stand vor dem unterwarteten Abschied nicht zur Debatte. Hummels war ein wichtiger Bestandteil des Defensivverbundes beim Rekordmeister.

(Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

In drei Jahren beim FC Bayern konnte der Ex-Nationalspieler drei deutsche Meisterschaften und einen Titel im DFB-Pokal feiern. Hummels’ großes persönliches Ziel, die Champions League zu gewinnen, gelang dem Klub in dieser Zeit allerdings nicht. In Dortmund hingegen verlief während der dreijährigen Abwesenheit des Innenverteidigers nicht alles nach Plan. In der Spielzeit nach dem Wechsel zum FC Bayern konnten die Dortmunder zwar den DFB-Pokal gewinnen, entließen unmittelbar nach dem Pokalsieg jedoch Trainer Thomas Tuchel (heute 47) aufgrund von Differenzen mit der Klubführung. Auf Tuchel folgte Peter Bosz, auf ihn Peter Stöger. Was fehlte, war die Kontunität.

Ab dem Sommer 2018 nahm Lucien Favre (63) auf der Trainerbank des BVB Platz. Mit dem Schweizer kehrte Ruhe ein, doch ein Titel konnte in der ersten Saison des Schweizers nicht gewonnen werden. Drei Punkte fehlten in der Bundesliga am Ende auf den FC Bayern.

Hummels: Dortmund statt Ausland

Die Hummels-Rückkehr zum BVB überraschte Fans und Journalisten. Unter anderem weil der Weltmeister von 2014 in der Vergangenheit mit einem Wechsel nach Spanien oder England liebbäugelte. An Interessenten mit großen Namen mangelte es auch im Sommer 2019 nicht. Bis zu zwölf Millionen Euro hätte der Verteidiger beispielsweise bei Manchester United verdienen können. Am Ende entschied er sich doch für Dortmund.

Beim BVB wurden nach der knapp verpassten Meisterschaft in der Saison 2018/19 von vielen Seiten die Verpflichtung von “Mentalitätsspielern” gefordert. Mit Mats Hummels kam ein Spieler, der in dieses Anforderungsprofil passt. Unmittelbar nach der Verpflichtung waren dennoch nicht alle BVB-Fans von der Rückholaktion überzeugt. Das sollte sich im Laufe der Zeit ändern.

Noch immer viel Qualität vorhanden

Am 1. Spieltag der Bundesliga-Saison 2019/2020 gab Hummels, der unmittelbar nach dem Rückkehr zum stellvertretenden Kapitän ernannt wurde, beim 5:1 gegen den FC Augsburg sein überzeugendes Comeback im Westfalenstadion. In der Viererkette des BVB zeigte der Weltmeister von 2014 sich in der Defensive sowie im Spielaufbau sehr präsent. Zudem übernahm er nach Marco Reus’ Auswechslung in der 78. Minute die Kapitänsbinde, die er zuletzt 2015 für den BVB trug.

(Photo by INA FASSBENDER/POOL/AFP via Getty Images)

Hummels’ Tempodefizite sind bekannt, werden allerdings nur selten zum Problem. Der Innenverteidiger weiß sich selbst einzuschätzen und kann fehlende Geschwindigkeit im Regelfall mit gutem Stellungsspiel kompensieren. Zudem kommen die Fähigkeiten seiner Teamkollegen dem Innenverteidiger zugute. In der Dreierkette spielt Hummels im Regelfall zentral. Dort übernimmt er eine wichtige Rolle im Spielaufbau und in der Koordination der Abwehrkette. Bei Angriffen des Gegners fällt das Abfangen von langen Bällen, die auf die Außenbahnen gespielt wurden, somit ins Aufgabengebiet der Halbverteidiger. Dort spielten zuletzt Manuel Akanji (25), Dan-Axel Zagadou (21) oder Emre Can (26), welche gegenüber Hummels Tempovorteile besitzen.

In den vergangenen Wochen stellte Lucien Favre wieder auf eine Viererkette um. Das Risiko, überspielt zu werden, wurde minimiert, die Absicherung und das Zusammenspiel mit Manuel Akanji funktionierte sehr gut. Im Spielaufbau wählt Hummels noch immer gerne das Stilmittel des langen Balles. Dadurch kann er die gegnerischen Linien überspielen und für Gefahr sorgen.

Ein Leader, der nicht zwingend die Kapitänsbinde benötigt

Bereits kurz nach dem Transfer entstand ein Medienthema um Hummels und das Kapitänsamt beim BVB. Dem Amtsinhabenden Marco Reus, der aufgrund von Verletzungen in jüngerer Vergangenheit häufig pausieren musste, wurden mangelnde Führungskompetenzen nachgesagt. Experten brachten mit Hummels einen “idealen Vertreter” ins Spiel. Was in den Medien immer wieder thematisiert wird, ist beim BVB hingegen überhaupt kein Thema. Ein Kapitänswechsel steht für die Verantwortlichen nicht zur Debatte und auch der Innenverteidiger fügte sich. Mats Hummels agiert in der jungen BVB-Mannschaft als Leader und Führungsspieler, ob mit oder ohne Kapitänsbinde.

Je mehr Zeit verging, desto deutlicher wurde, dass der Hummels-Transfer ein absoluter Coup der BVB-Verantwortlichen war. Der 31-Jährige zeigte in den vergangenen Monaten, dass er noch lange nicht an seinem Zenit ist. Dennoch ist der erfahrene Innenverteidiger kein Allheilmittel für die Probleme von Trainer Lucien Favre und dem BVB. In Dortmund läuft bei weitem nicht alles perfekt, wie in der Vorsaison die hohe Niederlage beim Bundesliga-Spiel in München zeigte. Mats Hummels erzielte bei der 4:0-Niederlage in München ein Eigentor und dennoch ist davon auszugehen, dass die Niederlage ohne den Weltmeister von 2014 sogar noch höher ausgefallen wäre. Der Ex-Münchener kann sicherlich nicht jedes Problem des BVB lösen. Aber er stellt zweifellos eine Bereicherung für den Kader des Vizemeisters dar.

Mats Hummels zum BVB: Königstransfer für beide Seiten

Bereits im März 2019 kündigte der FC Bayern den ersten Neuzugang für die Saison 2019/20. Lucas Hernandez (24) wechselt für 80 Millionen Euro von Atletico Madrid zum deutschen Rekordmeister und wird damit zum Rekordtransfer der Münchener. Die Lücke, die Mats Hummels in der Innenverteidigung des FC Bayern hinterließ, konnte Hernandez nicht auf Anhieb füllen. Der Franzose fiel aufgrund einer Knieoperation lange aus und wurde von Niko Kovac langsam an die Mannschaft herangeführt, ehe er sich nach zwei Monaten bei den Münchenern einen Innenbandriss im Sprunggelenk zuzog.

Foto: IMAGO

Unter dem neuen Trainer Hansi Flick (55) fanden die Bayern wieder zur Topform zurück und auch für den Engpass in der Verteidigung hatte der ehemalige Co-Trainer von Joachim Löw eine innovative Lösung parat. Unter Flick wurde Alphonso Davies (20), der unter Kovac noch vermehrt auf dem Flügel zum Einsatz kam, auf der linken Abwehrseite zur Stammkraft. Der Kanadier steigerte seine Leistungen rapide und zählt mittlerweile zu den besten Außenverteidigern Europas. Für Davies rückte David Alaba (28) von der Linksverteidigerposition ins Zentrum und bildete mit Jerome Boateng (32), welcher seine Leistungen unter Flick ebenfalls enorm steigern konnte, das Stammduo in der Innenverteidiger. An Hummels dachte spätestens jetzt niemand mehr.

Der Abgang von Mats Hummels schadete der Wettbewerbsfähigkeit des FC Bayern somit nachweislich nicht. Ganz im Gegenteil: Ohne den Hummels-Abgang hätten David Alaba, Jerome Boateng und Alphonso Davies wohl kaum so eine herausragende Entwicklung genommen. Hinzu kommen für den FC Bayern Transfereinnahmen von 31,5 Millionen Euro, welche nach Medienberichten auf bis zu 38 Millionen ansteigen könnten.

Hummels gegen Bayern: Besondere Motivation?

Am Samstag trifft Mats Hummels mit dem BVB auf seine Ex-Kollegen aus München. Der Einsatz des Innenverteidigers ist momentan noch fraglich, da den Führungsspieler zuletzt muskuläre Probleme plagten. Das Champions League-Spiel gegen den FC Brügge verpasste Hummels, doch ein Einsatz gegen den FC Bayern ist nach Informationen des kickers zumindest im Bereich des Möglichen. Ein Ausfall des Abwehrchefs im Topspiel würde den Dortmundern äußerst ungelegen kommen, da der 31-Jährige besonders in der letzten Wochen zeigte, wie wertvoll er für die Mannschaft von Lucien Favre ist.

Die letzten drei Bundesliga-Treffer für Borussia Dortmund erzielte der Innenverteidiger selbst. Außerdem waren die ersten Wochen in der Bundesliga defensiv sehr stark, nur zwei Gegentore wurden kassiert. BVB-Keeper Roman Bürki (29) hatte in den vergangenen Wochen verhältnismäßig wenig zu tun, was vorallem darauf zurückzuführen ist, dass die Abwehr in jüngster Vergangenheit an Stabilität gewonnen hat. Im Topspiel gegen den FC Bayern ist jedoch zu erwarten, dass die BVB-Abwehr gefordert wird. Die Offensive des FC Bayern ist mit 24 Treffern momentan die gefährlichste der Liga. Um diese Offensive in Schach zu halten, braucht es vor allem einen sehr guten Mats Hummels.

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(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

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