Freitag, August 14, 2020

Bayern ist Meister | Eine Spielklasse, verschiedene Ligen

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Julius Eid
Julius Eid
Redakteur

Nachspielzeit | Bayern ist erneut Meister, viele Fans zeigen sich von der Dauerdominanz genervt. Dabei liegt das Grundproblem der Bundesliga noch viel tiefer und der Rekordmeister ist nur die Spitze dieses Eisbergs, findet unser Redakteur Julius Eid.

Definiere “Wettbewerb”

Gestern Abend krönte sich der große FC Bayern München nun zum achten Mal in Folge zum deutschen Meister. Erst einmal herzlichen Glückwunsch in den Süden. So streitbar der Verein sein mag, so klar ist doch auch, dass gute Arbeit der Verantwortlichen über Dekaden diese Erfolgsserie ermöglichte. Man hat sich bei den Münchnern einen solchen Vorsprung herausgearbeitet, dass die begehrte Schale Jahr auf Jahr nur folgerichtig ist. Leider sorgt ein Serienmeister nicht unbedingt für eine hochattraktive Liga. Doch dies ist noch nicht einmal das größte Problem des Fußballs in Deutschland. De Facto ist die oberste Spielklasse in der Bundesrepublik kein Wettbewerb mehr. Das ist das Problem.

Der Duden definiert „Wettbewerb“ wie folgt: „etwas, woran mehrere Personen im Rahmen einer ganz bestimmten Aufgabenstellung, Zielsetzung in dem Bestreben teilnehmen, die beste Leistung zu erzielen, Sieger zu werden“. Legen wir also unser Augenmerk auf den letzten Teil dieser Definition wird schnell klar: Die Bundesliga ist keiner dieser „Wettbewerbe“. Wie viele der 18 Beteiligten treten an, um zu siegen? Mit viel Wohlwollen sind es zwei Teams. Doch schon die Dortmunder haben einen enormen Rückstand auf den Branchenprimus.

“Keine Chance” ist Normalität”

Es soll hier nicht darum gehen, sich auf die Münchner einzuschießen oder auf Teufel komm raus einen Punkt zu machen. Also reizen wir, rein hypothetisch, dieses Wohlwollen bis zum absoluten Maximum aus, und unterstellen selbst den Leipzigern noch Außenseiterchancen und zumindest den Ehrgeiz die Schale zu erringen. Dann sind wir bei 15 Mannschaften für die es absolute Normalität ist, in einen Wettbewerb zu starten, ohne die geringste Hoffnung und den geringsten Anspruch auf den Sieg. Das ist eine lähmende Erkenntnis, die man wohl kaum mit hochgejazzten Meisterduellen zwischen dem Ruhrpott und der bayrischen Landeshauptstadt kompensieren kann.

“Schaffen wir es nach Europa?“ oder „Können wir die Klasse halten“ ist der Meisterkampf für das Gros der Liga. Ganze Generationen wachsen auf ohne sich auch nur einmal einen Titel für ihre Mannschaft erhoffen zu können. Und die Spannung, ob man 7. oder 15. wird, ist das Methadon für den Siegesrausch. Die Verteilung von Fernseh-, Sponsoren- und Champions-League-Geldern hat diese Entwicklung vorangetrieben und tut dies immer noch.

Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Das Konzept „Bundesliga“ existiert nicht mehr

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch die Fans von Vereinen ohne Chance auf die Meisterschaft leidenschaftlich sind und leidenschaftliche Momente erleben können. Fußball ist größer als ein Trophäenregal und so sorgt selbst die Eintönigkeit des Meisterrennens nicht für eine komplette Abkehr vom deutschen Profifußball. Ich habe HSV-Fans beim Freistoß von Marcelo Diaz vor Freude weinen sehen. Fußball funktioniert weiterhin, das finanzielle Gefälle der Profivereine zerstört nicht den Fußball generell.

Doch dieses Gefälle und die völlige Abstinenz von Chancengleichheit hat das Konzept des Bundesliga-Wettbewerbs zerstört, dieses harte Urteil muss man fällen. Die oberste Spielklasse ist in unterschiedliche Ligen unterteilt, mit unterschiedlichen Möglichkeiten, Zielsetzungen und am Ende mit einer unterschiedlichen Definition von dem was ein Erfolg ist. Das zeigt nicht zuletzt auch der amtierende Meister, für den der Titel doch nur als Grundvoraussetzung gilt, um in Europa eine Saison wirklich erfolgreich zu beenden.

Julius Eid

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