Dienstag, September 29, 2020

PSG in der Champions League: Mehr als nur zusammengekauft

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Am Sonntagabend verlor Paris Saint-Germain das Endspiel in der UEFA Champions League gegen den FC Bayern München. Trotz der Finalniederlage räumte PSG aber mit einem Klischee auf.

  • PSG: Erstes Champions-League-Finale in der Vereinsgeschichte
  • Thomas Tuchel formt Kollektiv aus Individualisten
  • Das Ziel bleibt der Gewinn der Königsklasse

PSG: Hohe Ablösesummen haben Tradition 

Der Sommer 2011 war für den französischen Hauptstadtklub Paris Saint-Germain ein einschneidendes Datum. Die katarische Investorengruppe “Qatar Sports Investments” übernahm den Klub, installierte später Nasser Al-Khelaifi als Präsident. Der mittlerweile 46-Jährige leitet nun seit einigen Jahren die Geschicke des Klubs, der große Traum ist der Gewinn der UEFA Champions League

(Photo by FRANCK FIFE / AFP) 

Doch das gelang bisher noch nicht. Al-Khelaifi versuchte viel, besetzte den Trainerposten mit bekannten Namen. Carlo Ancelotti, Laurent Blanc, Unai Emery und zuletzt Thomas Tuchel versuchten, den Henkelpott nach Paris zu holen. So nahe wie in dieser Saison war PSG der Erfüllung des großen Traums vorher nicht. 

Ab der Saison 2012/13 qualifizierte sich der Klub immer für die Königsklasse. Das Viertelfinale war vor dieser Saison aber das höchste der Gefühle. Und das, obwohl sehr viel Geld ausgegeben wurde. 42 Millionen Euro für Javier Pastore. Die gleiche Summe für Thiago Silva. Auch Ezequiel Lavezzi und Lucas Moura kosteten mehr als 30 Millionen Euro. Es folgten Spieler wie Edinson Cavani (64 Mio. Euro), David Luiz (49 Mio.), Angel Di Maria (63 Mio.) und natürlich die Höhepunkte, Neymar (28) und Kylian Mbappe (21), die zusammen mehr als 350 Millionen Euro kosteten. 

Das PSG-Klischee der vielen Einzelkönner

Dieser Mannschaft wurde im Verlauf der letzten Jahre immer wieder nachgesagt, die Topspieler würden keine Einheit bilden und nur für sich spielen. In der französischen Ligue 1 dominierte der Branchenprimus nahezu immer, auch wenn es punktuell zu Widerständen wie der Meisterschaft der AS Monaco kam. Die individuelle Klasse von PSG war im Vergleich zur Konkurrenz aus Frankreich derart hoch, dass selbst der Gewinn der Meisterschaft und beider nationaler Pokalwettbewerbe nur noch als „business as usual“ gilt. 

(Photo by FRANCK FIFE/AFP via Getty Images)

Auf internationaler Ebene ist aber in den heißen Phasen ein Kollektiv gefragt. Spaßfußball mit Hackentricks und technischen Finessen sind zwar sehenswert und werden, selbst wenn sie mal nicht gelingen, gegen Klubs wie Dijon oder Straßburg eher selten bestraft. Auf internationalem Parkett hingegen sieht das anders aus. 2017/18 verlor man im Achtelfinale beide Spiele gegen Real Madrid. Ein Jahr zuvor verlor man nach einem 4:0-Hinspielsieg noch gegen den FC Barcelona. Und auch 2018/19 reichte ein Hinspielsieg gegen Manchester United nicht aus. Zweifel kamen auf.

PSG, Tuchel und die Mannschaft: Ein Lernprozess

Auch in der ersten Saison von Trainer Thomas Tuchel (46), einem akribischen Taktiker, der in Deutschland nicht nur positiv gesehen sondern auch als stur bezeichnet wurde, gelang es also nicht, das große Ziel in Europa zu erreichen. Das Verhältnis zwischen Tuchel, der Mannschaft und den Verantwortlichen war überdies nicht frei von Reibungspunkten. Meinungsverschiedenheiten sorgten für Schlagzeilen, zwischenzeitlich tauchten Gerüchten über eine mögliche vorzeitige Entlassung auf.

(Photo by LOIC VENANCE/AFP via Getty Images)

Doch Tuchel moderierte, wenn er darauf angesprochen wurde, alles sehr souverän weg. Und in der Tat ist das eine Eigenschaft, die er in Frankreich deutlich ausgeprägter nach außen verkörpert als in Zeiten, in denen er in der Bundesliga arbeitete. Die schwierige Aufgabe, die Individualisten innerhalb eines taktischen Gefüges zu einer Mannschaft zu formen und dabei die schwierigen Charaktere vollumfänglich zufrieden zu stellen, hat Thomas Tuchel vor allem in seiner zweiten Saison sehr gut bewältigt. 

National wurden drei Titel gewonnen, international stand man im Finale der Königsklasse. Schwierige Spiele wie das Viertelfinale gegen Atalanta, das ohne Kylian Mbappe (21) und Angel Di Maria (32) bestritten werden musste, wurden gewonnen, weil die Spieler an sich glaubten und füreinander arbeiteten. Dabei im Fokus: Neymar, der insbesondere in der Champions League auch ohne Ball glänzte.

All das ist eine Entwicklung, die PSG so nicht jeder zugetraut hätte. Es scheint, als hätten sich Spieler, Trainer und Verantwortliche in der abgelaufenen Saison sprichwörtlich zusammengerauft.

Die Saison 2019/20 als Basis

Besonders deutlich wurde das nach dem verlorenen Finale gegen den FC Bayern, als sich Thomas Tuchel im Interview bei Sky sehr stolz zeigte. “Ich habe eine großen Kampf gesehen, besonders am Spielfeldrand hat man gesehen, mir welcher Intensität wir gespielt und verteidigt haben. Wir wollten es unbedingt wissen”, betonte der 46-Jährige. Sinnbildlich für die Entwicklung der Mannschaft hob er abermals den vielkritisierten Neymar hervor: “Er hat wieder die Mentalität eines kleinen Straßenkämpfers gezeigt. Er ist ein echter Anführer geworden.”

Tuchel war stolz auf seine Mannschaft, als Kollektiv, weil sie seine Vorgaben umgesetzt hat, weil sie auf ihn gehört hat, gekämpft hat – und dabei beinahe das Maximum erreicht hat. Der Sieg im Finale wäre möglich gewesen, wenn entscheidende Nuancen für sie gelaufen wären.

(Photo by Manu Fernandez/Pool via Getty Images)

Das ist es nicht, das kann aber im Vorfeld auch nicht geplant werden. Der Erkenntnisgewinn ist aber enorm, vor allem für die nun folgenden Jahre bei PSG. Noch steht Thomas Tuchel ein Jahr unter Vertrag, die Basis im Kader ist so gut, wie selten zuvor. Und: Die Tatsache, dass dieser Transfersommer nicht von den ganz großen Transfers geprägt sein wird, spricht angesichts eines sicheren Verbleibs von Neymar ebenfalls für den Klub aus der französischen Hauptstadt.

Eine Garantie, die Königsklasse zu gewinnen, gibt es für einen großen Klub nie. Viele Faktoren müssen zusammen passen, angefangen bei der Mannschaft, bis hin zum Spielglück, das man eben nicht vollumfänglich beeinflussen kann. Das Finalturnier in Lissabon hat jedenfalls eines unter Beweis gestellt: Das Starensemble von PSG ist gereift und zeigte ein neues Gesicht. Ein Gesicht, das man in dieser Form noch nicht kannte und das diesen Klub in den kommenden Jahren nur noch gefährlicher macht. Denn die eingangs erwähnten Investitionen wird es weiterhin geben.

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(Photo by MATTHEW CHILDS/POOL/AFP via Getty Images)

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