Donnerstag, August 6, 2020

So gut war..: Michu – der unscheinbare Spielentscheider

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Miguel Pérez Cuesta, besser bekannt als Michu, ist kein Spieler, der eine Bilderbuchkarriere vorweisen kann. Er ist niemand, der über Jahre konstant die Massen begeisterte, sondern vielmehr der Beweis dafür, dass auch zwei gute Saison genügen können um sich in die Herzen der Fans zu spielen. Heute blicken wir auf den Werdegang des Spaniers, der seine Karriere viel zu früh beenden musste.

Michu: In seiner Heimat unter dem Radar

Miguel Perez Cuesta wurde am 21. März 1986 in Oviedo geboren, dort begann auch seine Karriere als Fußballprofi. Nachdem Michu die Jugendabteilungen von Real Oviedo durchlief, unterschrieb er 2003 seinen ersten Profivertrag bei dem spanischen Zweitligisten. Im Jahr 2007 verließ er seinen Heimatverein schweren Herzens und wechselte innerhalb Spaniens.

Michu wurde von Celta Vigo unter Vertrag genommen. Für die Celtiñas spielte der Spanier bis 2011. In vier Jahren in Vigo absolvierte Michu 113 Einsätze, in denen er 17 Treffer erzielte. Wirklich glücklich wurde der Offensivspieler in dieser Zeit jedoch nicht.

Nach Ablauf von Michus Vierjahresvertrag folgte ein ablösefreier Wechsel zum spanischen Erstligisten Rayo Vallecano. In Vallecano wurde Michu deutlich offensiver als zuvor in Vigo eingesetzt und seine Karriere begann Fahrt aufzunehmen. Der Spanier wurde auf Anhieb zum Stammspieler und erzielte in 39 Spielen beeindruckende 17 Treffer. Mit seinen Toren sicherte Michu Rayo Vallecano den Klassenerhalt in La Liga.

(Photo by DANI POZO/AFP/GettyImages)

Nach nur einer Saison einigte Michu sich mit den Verantwortlichen von Real Vallecano, den Verein verlassen zu dürfen. Obwohl er eine gute Saison für Vallecano spielte, gab es nicht viele Angebote für den damals 26-jährigen.
Swansea City bekundete schließlich Interesse an Michu und erhielt den Zuschlag. Für etwas mehr als 2 Millionen Euro wechselte der Spieler nach Wales. Die Ablösesumme sollte wenige Monate später lächerlich gering erscheinen.

Michu: Swansea-Wechsel sollte sich lohnen

Für die Swans war es die zweite Premier League-Saison der Vereinsgeschichte. Brendan Rodgers gelang es, den Klub von der Championship in die Premier League zu führen und anschließend auf Platz 9 in der Premier League zu etablieren. Aufgrund der attraktiven und ballbesitzorientierten Spielweise der Waliser, die Ähnlichkeiten zum FC Barcelona aufwies, wurde Swansea City in der Lokalpresse gar als „Swanselona“ betitelt. Grundsätzlich klingt das nach keiner schlechten Ausgangslage, doch die Swans mussten in der darauffolgenden Saison einige Sommer-Abgänge kompensieren.

Erfolgscoach Brendan Rodgers wurde vom FC Liverpool abgeworben. Neben Rodgers verließen mit Joe Allen, der Rodgers für eine Ablösesumme von 19 Millionen Euro zum FC Liverpool folgte, Scott Sinclair, der für 7,8 Millionen Euro zu Manchester City ging und Gylfi Sigurdsson, der nach Ablauf eines Leihgeschäfts vorerst nach Hoffenheim zurückkehrte, drei weitere Schlüsselspieler die Swans.

Zwei Wochen nach Rodgers Abgang gaben die Waliser bekannt, dass Michael Laudrup neuer Trainer von Swansea City wird. Das war eine mutige Entscheidung von Swansea-Präsident Huw Jenkins. Michael Laudrup konnte als Spieler zwar viele Erfolge feiern und sammelte in Brondby, Getafe und Moskau bereits einige Erfahrungen als Trainer, doch betrat mit der englischen Premier League ein neues Terrain, in dem er sich erstmal behaupten musste.

Nach seinem Wechsel zu Swansea City im Juli 2012 sagte Michu gegenüber dem Guardian, dass der neue Swansea-Trainer Michael Laudrup und seine mutige Art Fußball spielen zu lassen, eine große Rolle bei der Entscheidung spielten. Die Spielidee von Michael Laudrup wies Parallelen zu der von Brendan Rodgers auf, ist insgesamt jedoch als offensiver und direkter zu beschreiben. Der Mut der Swansea Verantwortlichen sollte belohnt werden, der Plan mit Laudrup ging auf.

Höhenflug in der Premier League

Am ersten Spieltag der Premier League-Saison 2012/13 musste Swansea auswärts bei den Queens Park Rangers antreten. Michu traf bei seinem Premier League-Debüt nach acht Minuten das erste Mal und schnürte in der 26. Minute einen Doppelpack. Insbesondere das zweite Tor demonstrierte die Klasse des Spaniers, der in Rücklage den Ball mit der Innenseite sachte, aber doch bestimmt in das linke obere Eck streichelte.

Michu wurde unter Laudrup zum Schlüsselspieler. Der Däne ließ bei Swansea entweder ein 4-2-3-1 oder ein 4-3-3 spielen, in dem Michu entweder im offensiven Mittelfeld oder im Sturmzentrum zum Einsatz kam. Der Spanier hielt sich in der Regel höher als ein gewöhnlicher Zehner auf, aber tiefer als ein klassischer Neuner, agierte quasi als hängende Spitze.

(Photo by ADRIAN DENNIS/AFP via Getty Images)

Der Spanier bewegte sich clever, verfügte über ein exzellentes Spielverständnis und ein gutes Gefühl für den Raum, so war er für seine Gegenspieler kaum zu verteidigen. Das perfekte Timing in Kombination mit der Kaltschnäuzigkeit, die Michu vor dem gegnerischen Tor an den Tag legte, machten ihn zur Lebensversicherung für Swansea City. Der Direktabschluss war Michus Paradedisziplin. Obwohl Michus Technik nicht makellos war, konnte er selbst anspruchsvolle Bälle sowohl mit dem Fuß, als auch mit dem Kopf, erstaunlich gut verwerten.

Swansea startete gut in die Saison und hielt konstant Abstand auf die Abstiegsränge. Der Fußball, den Laudrup spielen ließ, sorgte für Begeisterung. Die Verpflichtung von Michu stellte sich zudem als absoluter Toptransfer heraus.

Den vorläufigen Höhepunkt erreichten die Swans am 1. Dezember 2012, als man Auswärts beim FC Arsenal antrat. Bis zur 87. Minute stand es in einem ausgeglichen Spiel 0:0, ehe Michu mit einem Doppelpack das Spiel entscheiden konnte. Den ersten Treffer erzielte Michu in klassischer Manier. Nach einem Doppelpass schob er den Ball elegant mit der linken Innenseite ins Tor der Londoner. Beim zweiten Treffer zeigte Michu im Verlauf eines Konters keine Nerven und ließ dem Londoner Schlussmann Wojciech Szczęsny im Eins gegen Eins keine Chance. Nach dem Sieg im Emirates Stadium standen die Waliser nach 15 Spieltagen auf Rang 7 der Premier League.

Ligapokalsieg und Debüt in der Nationalmannschaft

Das absolute Highlight der Saison folgte für die Swans im Februar mit dem Gewinn des englischen Ligapokals. Michu hatte einen maßgeblichen Anteil an dem Triumph. Im Hinspiel des Halbfinals schlug Swansea City den FC Chelsea an der Stamford Bridge mit 0:2. Michu erzielte das wichtige erste Tor. Im Rückspiel genügte den Walisern ein torloses Unentschieden um ins Finale einzuziehen.

Dort wartete der englische Viertligist Bradford City. Bradford war die Überraschungsmannschaft des Turniers, doch bekam im Finale von Swansea City deutlich ihre Grenzen aufgezeigt.

5:0 war das Resultat, dass nach 90 Minuten auf der Anzeigetafel des Wembley Stadiums zu lesen war. Michu steuerte zum Pokalsieg einen Treffer und eine Vorlage bei. An diesem Abend des 24. Februar 2013 feierte Swansea City den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Mit dem Sieg sicherten sich die Swans zudem die Teilnahme an der Europa League-Qualifikation. In der Liga wurde man am Ende Neunter, Michu steuerte zum Erfolg 18 Tore in der Liga bei, das entspricht einem Anteil von 38% aller Treffer, die Swansea City erzielte.

(Photo by GLYN KIRK/AFP via Getty Images)

Nach dieser guten Saison, in der der Spanier zeigte, wie gut er in Topform ist, zeigten einige größere Klubs Interesse. Swansea City wusste natürlich auch um die Wertsteigerung des Torjägers, forderte entsprechend viel Geld für den Spanier. Und Michu blieb.

Mit seinen Leistungen gewann Michu nicht nur die Aufmerksamkeit der Topclubs, sondern weckte auch das Interesse von Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque. Im Oktober 2013 wurde Michu erstmals für die spanische Nationalmannschaft nominiert, die zu diesem Zeitpunkt Welt- und Europameister war. Im WM-Qualifikationsspiel gegen Georgien debütierte Michu für die Furia Roja. Traurigerweise sollten diese 56 Minuten, die er absolvieren durfte, die einzigen Minuten für Michu im Trikot der spanischen Nationalmannschaft bleiben.

Verletzungspech sorgt für frühes Karriereende

Unmittelbar nach der Länderspielpause fiel Michu aufgrund einer Knieverletzung für sechs Wochen aus. Im Dezember kam Michu zu zwei Premier League-Einsätzen für die Swans, doch fiel dann erneut aus. Dieses Mal war es eine Operation am Knöchel, die den Spanier zu einer Pause zwang.
Auch Swansea City hatte eine schlechte Phase – und musste sich von Trainer Michael Laudrup trennen. Eine Bezugsperson fehlte nun, die Situation für Michu war nicht einfach.

(Photo by Clive Mason/Getty Images)

Im März stand er wieder auf dem Platz, doch absolvierte für Swansea kein Spiel mehr über die volle Spielzeit. Zu groß waren die Beschwerden, die der Knöchel verursachte. Der Zauber, der einst über Michu und Swansea lag, verblasste.

Im Sommer wurde Michu inklusive Kaufoption nach Neapel verliehen, doch kaum angekommen wurde Michu erneut von seinem rechten Knöchel gestoppt. Die Knöchelprobleme zogen sich durch die ganze Saison und so absolvierte der Offensivspieler nur sieben Partien für den SSC Neapel, die Kaufoption wurde nicht aktiviert.

Michu kehrte nach Ablauf der Leihe im Sommer 2015 zurück nach Swansea, doch es sollte nie wieder so werden, wie es einmal war. Bereits im Juli bestätigte Swans-Trainer Garry Monk, dass Michu, trotz eines laufenden Vertrages, kein Spiel mehr für Swansea absolvieren wird. Im November 2015 einigten sich beide Parteien auf eine Vertragsauflösung.

Gegenüber The Athletic erzählte Michu spöter, dass es 2015 ein interessantes Angebot von Aston Villa gab. Die damals von Tim Sherwood trainierten Villans boten Michu nicht nur das Vertrauen, sondern auch einen finanziell hochdotierten Dreijahresvertrag. Michu lehnte ab, zu groß waren die Zweifel, dass er mit seinen anhaltenden Knöchelbeschwerden nochmal auf höchstem Niveau spielen könnte.

Michu entschied sich für einen Wechsel in sein Heimatland zum Viertligisten UP Langreo, der von seinem Bruder trainiert wurde. Im Sommer 2016 wechselte Michu dorthin wo alles begann, zu Real Oviedo. Im Juli 2017 beendete Michu aufgrund anhaltender Knöchelprobleme mit nur 31 Jahren seine Karriere.

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 (Photo by ADRIAN DENNIS/AFP via Getty Images)

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