Montag, Oktober 26, 2020

SV Werder Bremen: Das Missmanagement von Frank Baumann

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Damian Ozako
Damian Ozako
Redakteur

Werder Bremen gehört zu den ganz großen Verlierern auf dem Transfermarkt. Ein absolut vermeidbares Szenario. Geschäftsführer Frank Baumann steht vollkommen zurecht in der Kritik. Ein Kommentar.

Werder Bremen: Der Kader hat sich verschlechtert

In der Relegation gegen Heidenheim konnte Werder Bremen gerade so den Abstieg in die zweite Liga abwenden. Es gab eine kollektive Erleichterung, aber definitiv kein Aufatmen in der Hansestadt. Der Klub wollte aus seinen Fehlern lernen und paar Wochen später kann gesagt werden, dass Werder potenziell wieder auf eine Katastrophe zusteuern könnte. Der Traditionsklub hat auf dem Transfermarkt ein sehr schlechtes Bild abgegeben. Es wurde nicht geschafft, die vorhandenen Probleme zu lösen und den Kader vernünftig umzustrukturieren. Im Gegenteil: Werder ist noch schlechter aufgestellt, als in der vergangenen Saison. 

Schon im Sommer 2019 hätten die Bremer dringend weiteres Personal im defensiven Mittelfeld gebraucht. Einen vernünftigen Sechser konnte Geschäftsführer Frank Baumann nicht präsentieren. Trainer Florian Kohfeldt musste sich mit Spielern abfinden, mit denen er nicht zu 100 Prozent zufrieden war. Bremen fehlte die gesamte Saison über die Kontrolle im Mittelfeld und ist eine Abwärtsspirale geraten, die fast in Liga 2 endete. Und nun? Es wurde schlimmer.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Mit Nuri Sahin, Kevin Vogt und Philipp Bargfrede verließen den Klub drei Spieler, die im defensiven Mittelfeld beheimatet sind oder dort zumindest agieren können. Generell wird das Mittelfeld immer mehr zur Problemzone: Am Deadline Day wechselte dann noch auch noch Davy Klaassen und verabschiedete sich in Richtung Amsterdam. Und was macht Werder? Nicht viel. Im Sommer wurde Patrick Erras, ein defensiver Mittelfeldspieler, ablösefrei von Nürnberg geholt. Im Endspurt des Transferfensters tat sich beim einstigen Topklub allerdings nichts mehr im Mittelfeld. So zerschlug sich am Ende auch die als recht sicher erachtete Leihe von Marko Grujic vom FC Liverpool – “aus finanziellen Gründen.”

Baumann und der Fokus auf die Jugend

Und nun? Erras schafft es derzeit nicht in den Kader von Kohfeldt, Romano Schmid, der von seiner Leihe beim Wolfsberger AC zurückkam, ebenfalls nicht. Warum hat man also nicht noch paar Spieler verpflichtet? Baumann klärt auf: “Wir haben am Sonntag die Entscheidung getroffen, dass wir keinen neuen Spieler dazu holen. Dies liegt auch daran, dass wir nur einen Spieler geholt hätten, der uns besser gemacht hätte“, so der Geschäftsführer, der auch auf das knappe Budget verweist: „Zudem ist unsere finanzielle Situation weiterhin herausfordernd. Es wird ein wenig unterschätzt, dass wir unter den Auswirkungen der Pandemie leiden.“ 

Interessant wäre übrigens der Kontext der finanziellen Situation. Dass sich Werder trotz der Klaassen-Millionen nicht einmal Leihspieler leisten kann, lässt nur erahnen, wie schlecht die finanzielle Lage der Grünweißen ist. Und das liegt nun einmal auch an den Deals der jüngeren Vergangenheit. Für Ömer Toprak, Leo Bittencourt und Davie Selke hat der Klub immens viel Geld ausgegeben. Sollte man die Klasse halten, wird (abermals) eine Millionenklausel für Selke aktiviert. Letztendlich könnte Werder für diese drei Spieler insgesamt somit über 20 Millionen Euro ausgeben. Teilweise komplett am Bedarf vorbei. Das ist schlechtes Management.

Der neue Werder Weg mit jungen Talenten, den Baumann so gerne erwähnt? Nur der schlechten Kaderplanung der letzten Jahre geschuldet, in denen eine Fehlinvestition nach der anderen getätigt wurde. Und bis auf den 20-jährigen Jean Manuel Mbom, der in die Startelf rutschte, hat sich fast nichts getan. Vertrauen in die Jugend sieht anders aus.

Es gab und gibt Alternativen für Werder auf dem Transfermarkt

Der Kader ist schlechter, als in der vergangenen Saison und ob die Mannschaft wirklich stabiler ist, darf bezweifelt werden. In allen drei Bundesligaspielen hat Werder erneut große Schwächen gezeigt. Kommen stärkere Gegner als ein desaströses Schalke oder Aufsteiger Bielefeld, könnte es schnell wieder zu einigen Tiefschlägen kommen. Man sieht derzeit kaum Unterschiede zum Bremen der letzten Saison.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Apropos Bielefeld: Die Arminia hat sich am Deadline Day Arne Maier per Leihe sichern können. Ein Transfer, der auch Werder gut getan hätte. Dass gar keine Deals möglich gewesen wären, ist schlichtweg unglaubwürdig (beim BVB gab es mit Tobias Raschl übrigens ebenfalls einen hochveranlagten Spieler, den man sicherlich mit Spielzeit hätte locken können). Kevin Stöger, dessen Vertrag bei Fortuna Düsseldorf auslief, ist ein passender Kandidat und immer noch ohne neuen Klub. Doch Baumann betonte, dass sich nichts mehr tun wird. Nicht einmal vertragslose Spieler scheinen noch zu kommen. 

Seit mehreren Jahren geht es für Bremen immer weiter bergab und an dieser Entwicklung ist Frank Baumann erheblich beteiligt. Der gestrige Tag hat dies noch einmal sehr deutlich unterstrichen. Der Vertrag des 44-Jährigen, der seit 1999 in verschiedenen Positionen für Werder tätig ist, läuft 2021 aus. Eine Verlängerung hätte er sich mit seiner bisherigen Arbeit nicht verdient. Insbesondere die letzten zwei Jahre waren katastrophales Missmanagement. Eine Trennung wäre daher fast folgerichtig. Ob der so familiär geprägte Klub für einen solchen Schritt bereit ist? Vielleicht erst dann, wenn es ein bitteres Erwachen in der zweiten Liga gibt. 

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Damian Ozako

(Photo: Imago)

1 KOMMENTAR

  1. Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen! Bis gestern hatte ich noch Hoffnung, dass Baumann noch etwas aus dem Hut zaubert, um kurz nach 18 Uhr war ich dann nur noch sprachlos. Wie man einen Verein auf solch dilettantische Weise ruinieren kann und dann Corona die Schuld gibt, obwohl die größten Fehler bereits vorher gemacht worden sind, ist einfach nur noch traurig. Wann kommt endlich der Tag, an dem der sportliche Vorstand die Augen öffnet und ein Einsehen hat?

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