Montag, November 30, 2020

Was wurde eigentlich aus..? Teil 14 – Igor de Camargo

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Damian Ozako
Damian Ozako
Redakteur

In der Saison 2010/11 legte Borussia Mönchengladbach unter Lucien Favre eine bemerkenswerte Aufholjagd hin und konnte spektakulär den Klassenerhalt feiern. In der Relegation wurde Igor de Camargo zum umjubelten Helden und hat sich seinen Platz in der Historie der Fohlen gesichert. Mittlerweile ist er aus dem Fokus der meisten Fans in Deutschland verschwunden. Wir werfen einen Blick auf seine Karriere und gucken uns an, was aus ihm geworden ist.

Aus Brasilien nach Belgien

Geboren wurde der Stürmer am 12. Mai 1983 in Porto Feliz, Brasilien. Seine Karriere startete er bei Bonsucesso und nach zwei Jahren im Trikto von Estrela FC Porto Feliz wechselte de Camargo nach Europa. Im Alter von 17 Jahren schloss er sich dem KRC Genk an. Dort spielte er zunächst in der Jugend, bevor er in der Saison 2001/02 zu gelegentlichen Kurzeinsätzen bei den Profis kam. Als sich in der darauffolgenden Spielzeit nichts an seiner Situation änderte, wurde er an Beringen Heusden-Zolder ausgeliehen. Dort gelang ihm der Durchbruch: In 31 Erstligaspielen gelangen dem jungen Brasilianer neun Tore und zwei Vorlagen.

Ab dieser Saison konnte er sich in Belgiens ersten Liga einen Namen machen und kam auch bei Genk auf regelmäßige Einsatzzeiten. Im Winter 2005 zog es ihn dann zum FC Brüssel, wo er sich für größere Aufgaben empfehlen konnte. In einem Jahr kam er in 26 Ligaspielen auf 12 Tore und zog das Interesse von Standard Lüttich auf sich. Dort prägte er nach Anlaufschwierigkeiten eine Ära. Als hängende Spitze etablierte er sich im Team und wurde Stammspieler und später sogar Kapitän. Mit Lüttich holte er 2008 und 2009 die belgische Meisterschaft.

(Photo by Vladimir Rys/Bongarts/Getty Images)

Wechsel zu Borussia Mönchengladbach

Seine Leistungen blieben auch im Ausland nicht unbemerkt. Borussia Mönchengladbach verpflichtete de Camargo, der mittlerweile in Belgien eingebürgert und zum Nationalspieler wurde, für ca. vier Millionen Euro. Aufgrund einer Verletzung verpasste er zwar den Saisonstart, aber spielte sich danach schnell in der Stammelf fest. In 19 Saisonspielen gelangen ihm ordentliche sieben Saisontore. Nur Marco Reus konnte mehr Tore für die Fohlen erzielen, die eine schreckliche Saison spielten. Die Mannschaft von Michael Frontzeck trat chaotisch auf und verlor im Laufe der Saison jegliches Selbstvertrauen. Ab dem 14. Spieltag lag die Borussia auf dem letzten Tabellenplatz und an eine Rettung wollte niemand so richtig glauben.

Igor de Camargo sorgte gleich auf mehreren Wegen für die Rettung: Gegen St. Pauli flog der Stürmer nach 21 Minuten aufgrund einer Tätlichkeit vom Platz und die Hamburger konnten die Partie noch drehen (die Borussia ist durch de Camargo in Führung gegangen). Frontzeck wurde entlassen und Lucien Favre wurde als Nachfolger präsentiert. Eine überlebenswichtige Maßnahme und wer weiß ob der Schweizer nicht zu spät oder überhaupt gekommen wäre, wenn de Camargo gegen St. Pauli nicht vom Platz geflogen wäre. Letztendlich holte die Favre-Elf in den verbleibenden zwölf Spielen noch 20 Punkte und konnte sich in die Relegation retten.

(Photo by Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images)

Igor de Camargo – Relegationsheld

Dort schrieb der damals 28-Jährige Geschichte und sorgte für den Startschuss in eine erfolgreiche Zukunft. In der 93. Minute brachte er den Borussia-Park zum Beben: Zunächst scheiterte er mit einem Kopfball an Andreas Luthe, der für die Gladbacher an diesem Abend unüberwindbar schien und wohl das beste Spiel seiner Karriere absolvierte, aber auf Umwegen kam der Ball wieder zum Stürmer. Artistisch traf er den Ball per Direktabnahme und beförderte ihn unterhalb der Latte ins Tor. Ein Treffer für die Ewigkeit. Im Rückspiel bereitete er den Ausgleich von Marco Reus vor, der endgültig den Klassenerhalt sicherte.

Für Mönchengladbach ein Neubeginn. Mit Lucien Favre sollte es später noch bis in die Champions League gehen und bis heute erreicht der Verein regelmäßig das internationale Geschäft. Der Belgier spielte nach der Relegation zwar noch eine vernünftige Rolle, aber hatte auch des Öfteren mit Verletzungen zu kämpfen. Er war nie der große Torjäger, aber hat sich immer voll in den Dienst der Mannschaft gestellt und auf dem Platz viel gearbeitet. Seine Zeit am Niederrhein sollte jedoch nicht mehr allzu lange anhalten: Im Winter 2013 wurde de Camargo mit einer an den Klassenerhalt gebundenen Kaufpflicht an Hoffenheim verliehen. Bei den Kraichgauern spielte er kaum eine Rolle und erzielte in acht Einsätzen ein Tor.

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Rückkehr nach Belgien und Titel auf Zypern

Nach dem Klassenerhalt verkaufte ihn der Bundesligist sofort wieder und er wechselte zu seinem alten Verein Standard Lüttich. Mit den Belgiern verpasste er in den Playoffs zweimal in Folge die Meisterschaft. Im ersten Jahr hatte er mit kleineren Verletzungen zu kämpfen und schaffte es teilweise nicht mal in den Kader, aber die Saison 2014/15 konnte er als Stammspieler absolvieren und überzeugte. Er war Führungsspieler Lüttichs und erzielte auch zehn Saisontore in der Jupiler Pro League. In den Playoffs scheiterte das Team jedoch deutlich und er verließ Lüttich am Ende der Saison.

Es folgte der nächste Schritt zurück zu einem Ex-Team. Doch beim KRC Genk machte sich sein Alter langsam bemerkbar und nach ordentlicher Hinrunde folgten nur noch sporadische Einsätze in der zweiten Hälfte der Saison. Auch diesmal reichte es nicht für den Meistertitel in Belgien. Trophäen konnte er dann jedoch 2017 und 2018 auf Zypern feiern, wo er sich dem Serienmeister APOEL Nikosia angeschlossen hat. Neben den zwei Meistertiteln konnte er mit der Mannschaft 2017 bis ins Achtelfinale der Europa League vordringen und schoss seine Mannschaft mit drei Toren in den Qualifikationsrunden in die Königsklasse. Dort holte Nikosia zweimal ein Unentschieden gegen den BVB und de Camargo wurde jeweils eingewechselt.

(SAKIS SAVVIDES/AFP/Getty Images)

Torjäger und Pokalheld

2018 verabschiedete er sich als Toptorschütze des Vereins wieder in Richtung Belgien, wo er nun mit 35 Jahren den Spätherbst seiner Karriere genießt. Er steht beim Zweitligisten KV Mechelen unter Vertrag, der Meister geworden ist und die Aufstiegsplayoffs gewinnen konnte. Mit 14 Ligatreffern wurde de Camargo der zweitbeste Torjäger der Liga und hat seinen Verein darüber hinaus auch noch ins belgische Pokalfinale geschossen. Derzeit fällt er allerdings mit einem Innenbandanriss im Knie aus. Ob er fürs Finale gegen KAA Genk rechtzeitig fit wird, steht noch nicht fest.

In den letzten Jahren seiner Karriere hat de Camargo also noch einige Highlights abseits der ganz großen fußballerischen Bühne erleben können, aber seine Auftritte in der Relegation für Borussia Mönchengladbach werden den meisten vermutlich am besten in Erinnerung bleiben. Zu Beginn seiner Zeit in Deutschland hat der Offensivspieler angekündigt Geschichte schreiben zu wollen. Dies hat er letztendlich auch geschafft. Ohne de Camargo hätte sich der Verein eventuell nicht so gesund entwickeln können, wie er es letztendlich tat.

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

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