Freitag, Juli 3, 2020

CL-Finale 2009 | Barcelona vs ManUtd: Pep begründet eine neue Zeitrechnung!

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Wir blicken zurück auf das Finale der Champions League 2008/2009. Am 27. Mai 2009 trafen im Stadio Olimpico zu Rom Manchester United und der FC Barcelona aufeinander. Über 62.000 Zuschauer erwarteten ein Spektakel, an dessen Ende Pep Guardiola und seine Mannschaft den begehrten Henkelpott in den Nachthimmel strecken durften. Es war ein Spiel, das Barcelona fast über die gesamte Spielzeit kontrollierte und völlig verdient gewinnen konnte. Olaf (Footballyse) wirft einen Blick auf die taktischen Besonderheiten, welche den Fußball bis heute entscheidend geprägt haben.

Pep vs Sir Alex

Auf dem Papier formierte Alex Ferguson die “Red Devils” in einem 4-2-3-1 System mit Cristiano Ronaldo als Sturmspitze und Wayne Rooney sowie Ji-Sung Park auf den offensiven Außenbahnen. Anderson und Michael Carrick bildeten die Mittelfeldzentrale, die sich vor einer Viererkette mit Vidic und Ferdinand als zentrale Verteidiger aufbaute. Die Engländer mit dem amtierenden Weltfußballer Ronaldo hatten gerade erst ihre dritte Meisterschaft in Folge gewonnen und waren damit zu alleinigen Rekordmeister des Landes aufgestiegen. Zudem hatten sie als Titelverteidiger die einmalige Chance als erstes Team zum damaligen Zeitpunkt den Gewinn der Königsklasse zu wiederholen.

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images)

Pep Guardiola hingegen setzte auf ein flexibel ausgerichtetes 4-3-3, das gegen den Ball schnell in ein 4-1-4-1 wechselte. Das Herzstück im Mittelfeld bildete das Trio um Sergio Busquets, Xavi und Andres Iniesta. Der damals 21-jährige Lionel Messi wurde im Sturmzentrum aufgeboten, flankiert von seinen Teamkollegen Samuel Eto’o und Thierry Henry. Auch die Katalanen strotzten nach dem Gewinn des Doubles in Guardiolas Premierenjahr vor Selbstvertrauen, das erste richtige Duell auf der großen Bühne zwischen Messi und Ronaldo stand natürlich unter besonderes Beobachtung.

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Die ersten Minuten der Partie gehörten voll und ganz Manchester United. Barcelona kam in dieser Phase überhaupt nichts ins Spiel und konnte keinen geordneten Ballbesitz aufbauen. Manchester verzeichnete immer wieder Ballgewinne, die dann auch sehr häufig in gefährliche Torabschlüsse umgemünzt wurden. Die zu diesem Zeitpunkte durchaus überraschende Führung für Barcelona nach zehn Spielminuten stellte den Spielverlauf auf den Kopf und war zugleich der Beginn für die extreme spielerische Dominanz der Spanier.

Barca: Spielkontrolle durch Positionsspiel und Ballbesitz

Ein wichtiger Schlüssel für Barcelonas Spielkontrolle war die Rolle von Messi im Zusammenspiel mit Iniesta und Xavi. Messi, der auf dem Papier zwar im Sturmzentrum aufgestellt war, verließ diese Position sehr häufig, um sich ins Mittelfeld fallen zu lassen und eine Verbindung zwischen Angriff und Defensive herzustellen. Diese Bewegung von Messi war auch in der Entstehung des 1-0 Führungstreffers von entscheidender Bedeutung.

Messi kam Iniesta auf Höhe der Mittellinie entgegen und zog auf diese Weise die Aufmerksamkeit der defensiven Mittelfeldspieler von Manchester auf sich. Iniesta spielte einen Doppelpass und setzte sich im Anschluss mit einem beherzten Tempodribbling ins letzte Abwehrdrittel ab. Der anschließende Pass auf Eto’o wurde von diesem mustergültig verwertet.

Die entgegenkommenden Laufwege von Messi enthielten einige Vorteile für das Spiel seiner Mannschaft. Barcelona konnte dadurch zum einen situativ Überzahlsituationen im Mittelfeld schaffen und auf diese Weise stets mehrere Anspielmöglichkeiten für den Ballführenden vorhalten. Barcas Spiel war auf hohen Ballbesitz ausgelegt. Dies kann nur erreicht werden, wenn sich dem ballführende Akteur in jeder Situation mehrere Spieler als mögliche Passempfänger anbieten.

Der Gegner hat infolgedessen große Probleme den Ball zurückzugewinnen und läuft in vielen Phasen nur hinterher. Hier kommen die Grundsätze des Positionsspiels zum Vorschein, das eine Besetzung von bestimmten Bereichen des Spielfelds und um den Ballführenden vorsieht. Hat ein Spieler mit Ball stets zwei bis drei Teamkollegen um sich herum, die angespielt werden können, kann ein kontinuierlicher Ballbesitz und Spielfluss gewährleistet werden.

Messi entzog sich darüber hinaus mit seinen Läufe zurück ins Mittelfeld der Bewachung durch die Innenverteidiger von United. In vielen Spielszenen bewegte sich der Argentinier aus dem Angriffszentrum heraus und hielt sich im Raum zwischen der Viererkette und defensivem Mittelfeld von United auf.

Aufgrund der körperlichen Verhältnisse war Messi den großen und zweikampfstarken Innenverteidigern Ferdinand und Vidic deutlich unterlegen. (Lange) Zuspiele auf ihn würden daher mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu Ballverlusten führen. Durch das Zurückfallen in den Zwischenlinienraum konnte Messi eine sinnvolle Anspielstation für Iniesta & Co. bilden und durch das Mitziehen von gegnerischen Defensivspielern Freiräume für Henry und Eto’o schaffen.

Neben den taktischen Elementen profitierte Barcelona gewiss auch von der hohen spielerischen Qualität der einzelnen Spieler. Iniesta und Xavi trafen in vielen Situationen die richtige Entscheidung und verloren kaum Bälle durch Fehlpässe. Ohne das nahezu perfekte Positionsspiel in Ballbesitz wären diese außergewöhnlichen Fähigkeiten der Akteure an diesem Abend jedoch nicht in diesem Maße zum Vorschein gekommen.

Ohne Ball: Gegenpressing als Schlüssel zum Sieg

Der zweite entscheidende Faktor für Barcelonas Dominanz lag in der defensiven Qualität bei Ballverlust. Keine Mannschaft der Welt kann (und möchte) ununterbrochen in Ballbesitz bleiben. Um jedoch so schnell wie möglich wieder an den Ball zu kommen, sind die ersten Sekunden nach dem Ballverlust äußerst wichtig.

Barcelona konnte viele Bälle, die im Mittelfeld verloren gegangen sind, wenige Augenblicke später wieder in die eigenen Reihen zurückführen. Die Spieler von Guardiola haben sich in den Momenten nach einem Ballverlust schnell derart positioniert, dass Manchester United prompt unter Druck gesetzt wurde und in vielen Fällen keine sinnvolle Möglichkeiten zur Spielfortsetzung hatte. Entweder konnte Barca den Ball direkt wieder erobern oder Manchester spielte länge Bälle in die Spitze, die nur selten für Torgefahr sorgten.

(Photo by FILIPPO MONTEF0RTE/AFP via Getty Images)

Wichtig ist dabei, dass sich Barcelona noch im Ballbesitz so auf dem Feld anordnete, dass im Falle eines Ballverlustes der Gegner an einem Konter gehindert und / oder der Ball durch Gegenpressing wieder gewonnen werden konnte. Beide Elemente funktionierten nahezu zu perfekt in diesem Finalspiel, sodass Manchester im Ergebnis kaum zu zielführendem Ballbesitz gekommen ist.

In dieser Hinsicht durchschaute Guardiola die Pläne von Ferguson auf eindrucksvolle Weise, die damalige Mannschaft der Engländer (immerhin der CL-Titelverteidiger) war in dieser eigentlich so erfolgreichen Vereinsepoche selten derart unterlegen. Während der Spanier seinem Schlüsselspieler die notwendigen Werkzeuge für eine großen Abend in die Hand gab, ging Ronaldo in seinem letzten Pflichtspiel für den englischen Rekordmeister im Kollektiv mitunter (und “belegte” seine Rückennummer nach seinem Abgang mit einem Fluch).

(Photo by Jasper Juinen/Getty Images)

So war es letzten Endes folgerichtig, dass Barcelona in der zweiten Halbzeit durch Messi zum 2-0 kam. Manchester, das mit Tevez und Berbatov offensiv gewechselt hatte, wurde offensiv zwar ein wenig präsenter. Letztlich genügte es aber nicht, um den Sieg von Barcelona ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Fazit

Dieser Abend in der Champions League war richtungsweisend für die Entwicklung des Fußballs. Die Wichtigkeit von Gegenpressing und dem richtigen Positionsspiel mit Ball, um kontinuierlich in Ballbesitz zu bleiben, haben eine Vielzahl von Vereinen bis in die heutige Zeit geprägt. Guardiolas damaliger Spielansatz ist in vielen Grundsätzen auch noch im heutigem System von Manchester City zu finden, wo er mittlerweile seit 2016 als Trainer tätig ist.

(Photo by LLUIS GENE/AFP via Getty Images)

Seit den Erfolgen von Guardiola steht die Flexibilität der einzelnen Spieler immer mehr im Vordergrund. Um gegnerische Defensivreihen auszuspielen, ist eine höhere taktische und spielerische Variabilität und Fluidität des Kollektivs gefordert. Mittelstürmer im bis dato traditionellen Stil, die als klassische Nummer neun im Strafraum „warteten“, oder andere klassische Rollenbeschreibungen, sind flexibleren Positionsprofilen gewichen.

Der Fußball wurde insgesamt auf eine andere Ebene gehoben, die in vielen Aspekten nunmehr in Details und Nuancen über Sieg und Niederlage entscheidet. Elemente wie Taktik, Theorie und Analyse sind aus diesem Grund viel wichtiger geworden und bilden einen festen Bestandteil im Fußball.

Von Olaf (Footballyse)

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(Photo by Paul Gilham/Getty Images)

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