Montag, November 30, 2020

Weißt du noch? 12.09.2009: BVB-Debakel nach furioser zweiter Halbzeit des FC Bayern

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Am Samstagabend steht das Topspiel zwischen dem BVB und dem FC Bayern auf dem Programm. Beide Mannschaften bewegen sich derzeit auf einem sehr guten Niveau, ein enges Spiel ist zu erwarten. Grund genug, um auf ein Spiel zu blicken, das nunmehr elf Jahre zurück liegt.

  • Hummels mit früher BVB-Führung
  • FC Bayern bleibt durch Gomez im Spiel
  • Gala der Gäste in der 2. Halbzeit

BVB vs. FC Bayern 2009: Die Vorzeichen

Im Sommer 2008 wurde Jürgen Klopp neuer Trainer bei Borussia Dortmund, landete mit der Mannschaft auf Anhieb auf Platz sechs. Entsprechend groß waren die Ambitionen, allerdings traf dies nicht auf die finanziellen Mittel zu. Kevin Großkreutz (RW Ahlen), Damien Le Tallec (Stade Rennais) und Markus Feulner (Mainz 05) kamen ablösefrei nach Dortmund, für Dimitar Rangelov (Cottbus), Sven Bender (1860 München), Lucas Barrios (Colo Colo) und den fest verpflichteten Mats Hummels (FC Bayern) gab der BVB rund elf Millionen Euro aus. Nennenswert war zudem noch der Abgang von Stürmer Alexander Frei, den es in die Schweiz zum FC Basel zog.

Dem gegenüber stand der FC Bayern, der 2008/09 nicht gerade ein gutes Jahr unter Trainer Jürgen Klinsmann erlebte. In der Meisterschaft musste der Rekordmeister dem VfL Wolfsburg den Vorzug geben, Klinsmann wurde entlassen. Mit Louis van Gaal sollte nun frischer Wind beim FC Bayern wehen. Der Niederländer beförderte mit Mehmet Ekici, Diego Contento, Holger Badstuber und Thomas Müller gleich vier Spieler aus der eigenen Jugend und förderte diese. Ivica Olic kam ablösefrei vom HSV, Alexander Baumjohann von Borussia Mönchengladbach. Zudem gab der Rekordmeister rund 75 Millionen Euro für Mario Gomez (Stuttgart), Arjen Robben (Real Madrid), Anatoliy Tymoshchuk (Zenit), Danijel Pranjic (Heerenveen) und Edson Braafheid (Twente) aus.

Photo: Imago

Zu Saisonbeginn hatte der FC Bayern aber noch leichte Probleme. In Hamburg gab es nur ein 1:1, auch gegen Werder reichte es nur zu einem Remis. Die Niederlage am dritten Spieltag gegen Mainz sorgte erst dafür, dass Arjen Robben doch noch verpflichtet wurde. Dessen erster Auftritt gegen Meister Wolfsburg (3:0) war aber beeindruckend, der Rekordmeister ging also mit fünf Punkten in das Duell gegen den BVB. Dortmund schlug zu Saisonbeginn Köln (1:0), verlor deutlich mit 1:4 in Hamburg, spielte nur 1:1 gegen Stuttgart und Frankfurt. Beide waren vor dem direkten Duell also noch nicht vollumfänglich zufrieden.

Aufstellungen und Torfolge

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Owomoyela, Santana, Subotic, Dede – Hummels, Tinga, Sahin – Blaszczykowski (71.Valdez), Rangelov (61. Barrios), Zidan (61. Großkreutz)

Bank: Ziegler – Schmelzer, S. Bender, Hajnal

Trainer: Jürgen Klopp

FC Bayern: Butt – Lahm, van Buyten, Badstuber, Braafheid – Tymoshchuk, Schweinsteiger, Altintop (46. Müller) – Robben, Olic, Gomez (46. Ribéry)

Bank: Rensing – Breno, Ottl, Pranjic

Trainer: Louis van Gaal

Tore: 1:0 Hummels (10.); 1:1 Gomez (36.); 1:2 Schweinsteiger (50.); 1:3 Ribéry (65.); 1:4 Müller (78.); 1:5 Müller (88.)

Dortmund gelingt ein hervorragender Start

Während man dem BVB insgesamt zugestand, noch in einem Entwicklungsprozess zu sein, war der Druck beim FC Bayern nach nur einem Saisonsieg in vier Spielen bereit spürbar. Der Erfolgsdruck in München ist immer hoch, zudem hatte man sich von Fachmann van Gaal schnell eine positive Entwicklung erhofft. Dass dessen akribische Anpassungen zwar etwas Zeit benötigten, bis sie ihre Wirkung entfalten, am Ende aber beinahe für den Gewinn dreier Titel reichten, hatte sich zu diesem Zeitpunkt niemand vorstellen können. Doch rein in das Spiel. Der bessere Start gelang dem Gastgeber, der mit Tinga und Dimitar Rangelov nach dem Spiel gegen Frankfurt zwei frische Spieler auf das Feld schickte.

Dortmund begann frech und wollte den Gast aus München früh unter Druck setzen. Das Pressing, das unter Jürgen Klopp in den Folgejahren zum Markenzeichen des BVB wurde, zeigte Wirkung. Schon innerhalb der ersten fünf Minuten hatte Mohamed Zidan zwei auffällige Aktionen, konnte von der Abwehr der Gäste kaum kontrolliert werden. Überraschend war, dass auch das Mittelfeld zu Beginn deutlich vom BVB kontrolliert wurde. Der Rekordmeister wusste sich zunächst einmal primär durch Fouls zu helfen. Nach einem Freistoß fiel dann auch die Führung für den Gastgeber. Nuri Sahin flankte in die Mitte, Mats Hummels war völlig frei und konnte aus kurzer Distanz einnicken. Die Mienen auf der Bank der Gäste wurden schlagartig finsterer.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Gomez stellt das Spiel auf den Kopf

Und die Mannschaft des FC Bayern tat zunächst nichts, um etwas daran zu ändern. Die Pässe im Mittelfeld waren ungenau, nach vorne kam zu wenig Gefahr zustande. Und Zidan wirbelte die Defensive um den mitunter etwas hüftsteifen Daniel van Buyten weiter durcheinander. Die Klopp-Elf lief Lücken zu, störte den ballführenden Spieler immer wieder und spielte schnell nach vorne. Für die Gäste sprach nicht viel mehr als die individuelle Klasse.

Doch nach einer halben Stunde fand der Rekordmeister allmählich besser in die Partie. Etwas mehr Kontrolle konnte generiert werden, vor allem Bastian Schweinsteiger übernahm eine wichtige Rolle im Mittelfeld. Zudem drehte Arjen Robben auf, bediente nach 34 Minuten Mario Gomez mit einer schönen Flanke, aber der Stürmer köpfte aus aussichtsreicher Position nicht genau genug.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Zwei Minuten später war der Stürmer dann aber zur Stelle. Auch der FC Bayern traf nach einem ruhenden Ball, den Schweinsteiger ausführte. Dieser wurde verlängert und Gomez hatte aus kurzer Distanz keine Mühe mehr. Das war es dann auch mit Highlights aus der ersten Halbzeit, mit einem für die Gäste etwas schmeichelhaften 1:1 ging es in die Kabine.

Van Gaal sorgt mit Wechseln für den Umschwung

Louis van Gaal war mit der ersten Halbzeit nicht wirklich zufrieden und reagierte. Franck Ribery und Thomas Müller, der zum absoluten Shootingstar avancieren sollte, kamen in die Partie. Gomez und Altintop mussten den Platz verlassen, Ivica Olic rückte in die Sturmmitte. Die Wechsel verfehlten ihre Wirkung nicht. Thomas Müller kam an den Ball, schickte sofort Ribery auf die Reise. Er versuchte Olic zu bedienen, doch der Querpass kam nicht genau beim Kroaten an. Die Gäste waren jetzt aber giftig. Robben setzte sofort nach, legte ab für Schweinsteiger und sein Flachschuss fand den Weg in das Tor. 1:2, 49. Minute. 

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Plötzlich änderte sich das Bild auf dem Platz nachhaltig. Bayern spielte den BVB zwar nicht an die Wand, kontrollierte die Partie aber. Erste gelungene Ansätze des Positionsspiels von van Gaal waren sichtbar. Für die Vorentscheidung sorgte aber dennoch eine Standardsituation. Nach einem Foul des eingewechselten Kevin Großkreutz legte sich Ribery den Ball aus halblinker Position zum Freistoß zurecht. Er traf den Ball perfekt, schoss ihn in den rechten oberen Winkel und lief anschließend freudestrahlend in die Arme von Trainer van Gaal. Das war nicht nur ein Zeichen auf dem Platz, sondern auch an all diejenigen, die die Resultate der ersten Wochen und auch die Herangehensweise des Trainers kritisierten. 

Thomas Müller schraubt das Ergebnis in die Höhe

Der BVB musste nun dem hohen Aufwand in der ersten Halbzeit Tribut zollen. Bemühungen im Spiel gegen den Ball waren noch vorhanden, mittlerweile ließ der FC Bayern das Spielgerät aber zu gut laufen. Einzelne Vorstöße nach vorne fanden noch statt, Nelson Valdez hatte knapp 20 Minuten vor dem Ende auch noch einen Abschluss für die Gastgeber, insgesamt kam aber zu wenig, um dem Rekordmeister noch einmal gefährlich zu werden.

Die Angriffe des Gastes sorgten indes weiterhin für Gefahr. Nachdem Robben und Schweinsteiger ihre Chancen vergaben, bugsierte Felipe Santana den Ball unglücklich zu Thomas Müller. Der Offensivspieler ließ sich nicht zweimal bitten und schoss aus zehn Metern ein. Zwölf Minuten vor dem Ende war die Entscheidung dann auch gefallen. Doch Müller hatte noch nicht genug. Herausragend von Olic mit der Hacke bedient jagte der Youngster den Ball von außerhalb des Strafraumes sehenswert unter die Latte. Das 1:5 war auch der Schlusspunkt. Eiskalte Gäste nutzten die sich bietenden Räume und die Fehler in der zweiten Halbzeit sehr gut aus.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Was geschah danach?

Der FC Bayern brauchte trotz dieses deutlichen Sieges noch einige Wochen, um wirklich stabil zu werden. Nach 13 Spieltagen war der Rekordmeister nur Siebter, arbeitete sich aber Schritt für Schritt nach oben. Die Automatismen funktionierten immer besser, nach dem 17. Spieltag war der FC Bayern schon Dritter, hinter Leverkusen und Schalke. In der Rückrunde drehte man noch weiter auf, weswegen am Ende die Meisterschaft gefeiert werden konnte. 70 Punkte reichten, um Schalke (65) und Bremen (61) zu distanzieren.

Neben der Meisterschaft konnte auch noch der Sieg im DFB-Pokal mit einem 4:0 im Finale gegen Werder Bremen gefeiert werden. Die positive Entwicklung von Borussia Dortmund, die sich unter Jürgen Klopp in der Vorsaison schon anbahnte, ging auch 2009/10 weiter. 57 Punkte reichten am Ende für Platz fünf und bildeten die Basis für die weiteren Jahre, in denen zwei deutsche Meisterschaften für die Schwarzgelben herausspringen sollten.

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(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

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