Samstag, November 28, 2020

Weißt du noch..? 20.09.2008: Fünf Tore! Werder deklassiert Bayern in der Allianz Arena

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Die Bilanz von Werder Bremen in den Spielen gegen den FC Bayern München ist in den letzten Jahren verheerend. Das war nicht immer so. Werder entschied im Olympiastadion einst eine Meisterschaft für sich, in Erinnerung bleibt aber vor allem ein Spiel aus dem September 2008.

Bayern vs. Bremen 2008: Die Vorzeichen

Sommer 2008: Die zweite Amtszeit von Ottmar Hitzfeld, der im Februar 2007 als Nachfolger des entlassenen Felix Magath die Saison zu Ende brachte und 2007/08 das Double gewinnen konnte, endet. Beim FC Bayern ist man der Meinung, den idealen Nachfolger gefunden zu haben: Jürgen Klinsmann. Der ehemalige Bundestrainer soll beim Rekordmeister mit seiner mitreißenden Art für einen Aufschwung sorgen, neue Methoden etablieren. Beim erfolgreichsten deutschen Klub soll “einmal durchgelüftet” werden.

(Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

In München vertraute man dem Kader der Vorsaison. Dort wurden mehr als 90 Millionen Euro ausgegeben, unter anderem für Franck Ribéry, Luca Toni und Miroslav Klose. Entsprechend verhalten fielen die Transferbemühungen beim FC Bayern aus. Hans-Jörg Butt wurde ablösefrei von Benfica verpflichtet, Massimo Oddo kam per Leihe aus Mailand und Tim Borowski wurde ebenfalls ohne eine Ablöse von Werder Bremen nach München gelotst. Spieler wie Sandro Wagner, Marcell Jansen oder Jan Schlaudraff verließen den Klub, Oliver Kahn beendete seine Karriere.

Bei Werder Bremen war auf der Trainerposition weiterhin alles beim Alten. Thomas Schaaf führte die Mannschaft auch in die Saison 2008/09. Parallelen zum FC Bayern gab es allerdings doch – beim Vorgehen auf dem Transfermarkt. Werder hielt sich zurück, gab nur rund fünf Millionen Euro aus. Unter anderem wechselte Verteidiger Sebastian Prödl von Sturm Graz an die Weser, auch Stürmer Claudio Pizarro wurde zunächst per Leihe vom FC Chelsea zurückgeholt. Tim Borowski ging zum Gegner nach München, auch Ivan Klasnic (Nantes) und Patrick Owomoyela (Dortmund) verließen Werder. 

Der FC Bayern kam eher durchschnittlich in die Saison. Schon am ersten Spieltag gab es beim 2:2 in der Allianz Arena gegen den HSV einen Dämpfer. Es folgte ein 1:1 gegen Borussia Dortmund, anschließend ein 4:1-Heimerfolg gegen Hertha BSC. Die Generalprobe für das Kräftemessen mit Werder wurde zudem nach einer mühsamen ersten Halbzeit mit 3:0 in Köln gewonnen. Werder hatte noch mehr Probleme, feierte am vierten Spieltag beim 3:0 gegen Cottbus ohnehin erst den ersten Saisonsieg. Mit fünf Punkten auf dem Konto fuhr die Schaaf-Elf nach München. 

Aufstellungen und Torfolge

FC Bayern: Rensing – van Buyten (46. Borowski), Demichelis, Lucio – Lell (46. Oddo), van Bommel, Schweinsteiger, Zé Roberto (67. Sosa), Lahm – Podolski, Toni

Bank: Butt, Breno, Ottl, Kroos

Trainer: Jürgen Klinsmann

Werder Bremen: Wiese – Prödl, Mertesacker, Naldo, Boenisch – Baumann (46. Hunt), Vranjes, Özil 77. Niemeyer), Diego – Rosenberg (70. Sanogo), Pizarro

Bank: Vander, Pasanen, Tosic, Harnik

Trainer: Thomas Schaaf

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer

Tore: 0:1 Rosenberg (30.); 0:2 Naldo (45.); 0:3 Özil (54.); 0:4 Pizarro (59.); 0:5 Rosenberg (67.); 1:5, 2:5 Borowski (71.; 85.)

Bayern fehlen die Ideen

Werder Bremen wechselte nach dem schwachen 0:0 unter der Woche in der Champions League gegen Anorthosis Famagusta dreimal. Für Clemens Fritz, Torsten Frings und Daniel Jensen spielten Sebastian Prödl, Frank Baumann und Jurica Vranjes. Früh zeigte Werder Engagement in der Offensive, hatte schon nach knapp drei Minuten eine erste Gelegenheit durch einen Freistoß von Diego. Michael Rensing sah unglücklich aus, der Ball ging aber am Tor vorbei. Der FC Bayern fand nicht gut in die Partie, die Gäste aus Bremen überzeugten zunächst vor allem defensiv. Ideen fehlten beim Rekordmeister, diese hatte aber Werder. Claudio Pizarro hätte nach 18 Minuten beinahe die Führung erzielt, scheiterte aber am Pfosten.

Trotz der Überlegenheit der Gäste deutete der FC Bayern immer mal wieder an, wie viel individuelle Qualität in der Mannschaft steckt. Luca Toni hatte eine Kopfballchance während einer kurzen Druckphase, die Führung erzielte dann aber nach einer guten halben Stunde die Elf von Thomas Schaaf. Mesut Özil, der das Spiel immer mehr an sich riss, bediente Marcus Rosenberg. Sein cleverer Lauf brachte ihn in eine Schussposition, Rensing war chancenlos. 0:1!

Photo: Imago

Im Spiel des FC Bayern fehlte es an Tempo, während die Gäste bei ihren Nadelstichen schnell und schnörkellos vorgingen. Kurz vor der Halbzeit war es wieder Özil, der ein Tor einleitete. Seine Flanke aus dem rechten Halbfeld fand keinen Abnehmer, wurde dadurch aber sehr gefährlich für Rensing. Der Torhüter des Rekordmeisters kam gerade noch an den Ball, Naldo staubte danach allerdings aus kurzer Distanz ab und erhöhte noch vor dem Pausenpfiff auf 0:2. 

Werder düpiert den FC Bayern

Jürgen Klinsmann reagierte. Massimo Oddo und Tim Borowski wurden für den unsicher wirkenden Daniel van Buyten und Christian Lell eingewechselt. Viel besser wurde das Spiel aber nicht, zumindest aus Sicht des FC Bayern. Nur wenige Minuten nach der Pause folgte nämlich der nächste Dämpfer. Diego spielte Özil frei, der zum Schuss kam. Und aus knapp 16 Metern traf der Offensivspieler den Ball perfekt, schoss ihn in die kurze Ecke und perfekt in den Winkel. Es stand nun 0:3 und ein Debakel bahnte sich an. 

Photo: Imago

In der Folge wurde es nur noch schlimmer für die Gastgeber. Das eigene Auftreten in der Defensive war indiskutabel, zur Passivität gesellten sich auch noch individuelle Fehler. Für Werder war es ein Leichtes, die Lücken in der Hintermannschaft des Rekordmeisters zu nutzen. Diego bediente Rosenberg, der nicht bewacht wurde, dieser passte zu Pizarro und der Peruaner hatte noch die Möglichkeit sich im Strafraum zu drehen, ehe er Rensing aus kurzer Distanz zum 0:4 überwinden konnte. 

Zu allem Überfluss patzte auch noch Rensing, als er wenig später einen Freistoß so klärte, dass Rosenberg keine Probleme hatte, aus kurzer Distanz in das leere Tor zu treffen. Die Vorstellung des FC Bayern wurde immer schlimmer, der viel zitierte Begriff „Slapstick“ wird dem nicht einmal gerecht. Einzig Tim Borowski stemmte sich noch gegen die Niederlage und betrieb Ergebniskosmetik. Der Mittelfeldspieler erzielte noch die Treffer zum 1:5 und 2:5. Das änderte insgesamt aber wenig, der Auftritt von Werder Bremen war beeindruckend, der Sieg hochverdient.

Bayern vs. Bremen: Was danach geschah

Für den FC Bayern und Jürgen Klinsmann verlief die weitere Saison nicht gerade gut. In der Champions League wurde der Rekordmeister zwar Gruppensieger und verwies Lyon, die Fiorentina und Steaua Bukarest auf die Plätze, das böse Erwachen sollte aber folgen. Nachdem im Achtelfinale Sporting insgesamt mit 12:1 deklassiert wurde, holte man sich schon im Hinspiel des Viertelfinales gegen den FC Barcelona eine 0:4-Klatsche ab. Damit war das Aus bereits vorprogrammiert, das 1:1 im Rückspiel war lediglich noch Kosmetik. Auch im DFB-Pokal war im Viertelfinale gegen Bayer Leverkusen (2:4) Endstation. In der Bundesliga gab es weitere Patzer, aber die Tabellenspitze verlor der FC Bayern lange nicht aus den Augen. 

Das 1:5 beim VfL Wolfsburg am 26. Spieltag läutete dann das Ende von Jürgen Klinsmann bei den Bayern ein. Dieses Debakel, diese Erniedrigung durch den späteren Meister war das Spiel, das den Prozess zur Entlassung maßgeblich ins Rollen brachte. Zu diesem Zeitpunkt stand der FC Bayern auf Platz vier, nur drei Punkte hinter den Wölfen. Es folgte aber nur wenige Wochen später eine 0:1-Niederlage gegen Schalke 04, anschließend wurde Klinsmann entlassen. Jupp Heynckes übernahm bis zum Saisonende, holte 13 von 15 Punkten und am Ende Platz zwei.

Was man nach dem 2:5 nicht dachte: Auch Werder Bremen hatte viel Licht und auch Schatten im weiteren Saisonverlauf. In der Bundesliga war Werder mal wieder eine der offensivstärksten Mannschaften und erzielte 64 Tore, die 50 kassierten Gegentreffer sorgten aber dafür, dass die internationalen Ränge weit entfernt waren. 45 Punkte bedeuteten in der Bundesliga nur einen zehnten Platz. In der Champions League belegte Werder nur Platz drei hinter Panathinaikos und Inter, „stieg ab“ in die Europa League. Über Milan, Saint-Etienne, Udinese Calcio und den HSV führte der Weg dort aber bis in das Endspiel, das gegen Shakhtar mit 1:2 verloren wurde. 

(Photo by Krafft Angerer/Bongarts/Getty Images)

Ein versöhnlicher Saisonabschluss war hingegen das Finale im DFB-Pokal, das gegen Bayer 04 Leverkusen gewonnen wurde. So sicherte man sich auch für die Saison 2009/10 einen Startplatz im internationalen Wettbewerb.

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