Mittwoch, Dezember 11, 2019
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Thiago – und sonst? Der FC Bayern und das drohende Kreativitätsvakuum

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Spotlight | Es ist noch früh im Sommer, der FC Bayern München ist noch nicht im Training und es bleibt noch bis zum 2. September Zeit um den Kader auf Vordermann zu bringen. Noch sind sehr viele Fragezeichen offen und es scheint, glaubt man den Tendenzen aus den Medien, zumindest unwahrscheinlich zu sein, dass all diese offenen Fragen in diesem Sommer beantwortet werden können.

Eine umfassende Kaderanalyse würde dementsprechend zum jetzigen Zeitpunkt zu weit gehen, doch mit einer elementaren Frage, nämlich der nach dem kreativen Element im Spiel des Rekordmeisters, wollen wir uns genauer beschäftigen. Denn hier herrscht noch Nachholbedarf. Und das dringend.

Der aktuelle Stand: Thiago – und sonst?

Schon in der vergangenen Saison war in manchen Spielen zu erkennen, dass dem FC Bayern München eine gewisse Kreativität abgeht. Insbesondere wenn Javi Martinez gegen tiefstehende Mannschaften auf der 6er-Position auflief und vor ihm lediglich Thiago für die kreativen Elemente sorgen musste, wurden Probleme sichtbar. Thiago Alcantara, der eine herausragende Saison spielte, ist aber, so gut er individuell auch ist, auf Unterstützung und Entlastung angewiesen. Diese hatte er in der vergangenen Saison häufig, entweder durch den aufbaustarken Mats Hummels in der Innenverteidigung oder durch James Rodriguez, der sich im Offensivdrittel sehr klug bewegte und überragende technische Fähigkeiten mitbrachte.

(Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Doch sowohl Mats Hummels als auch James Rodriguez haben den Verein im Sommer verlassen. Und damit entsteht ein gewisses Problem, das nicht einfach zu lösen ist, beginnend im Aufbauspiel. Niklas Süle und Lucas Hernandez sind sehr zweikampfstarke Verteidiger, keiner von ihnen ist aber mit der Aufbaudominanz eines Mats Hummels gesegnet. Jerome Boateng ist ein guter Aufbauspieler, lief zuletzt aber seiner Form hinterher und soll laut verschiedenen Medienberichten noch abgegeben werden. Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart muss sich auch erst einmal wieder an seine Topform herantasten, soll zudem die Rechtsverteidigerposition mit abdecken. Er bringt aber durchaus Potenzial im Aufbau mit, wenngleich man ihn diesbezüglich nicht mit Hummels vergleichen kann.

Das wäre alles zumindest kein riesengroßes Dilemma, wenn man die zumindest nicht optimale Aufbaukomponente durch mehrere spielstarke Mittelfeldspieler kompensieren könnte. Doch auch hier findet man lediglich Thiago. Javi Martinez ist zweikampfstark und sicher nicht unwichtig, aber im Aufbauspiel relativ nutzlos. Renato Sanches, der ebenfalls mit einem Wechsel in Verbindung gebracht wird, Leon Goretzka und Corentin Tolisso sind sehr dynamisch und nach vorne orientiert, sind eher in die Kategorie Box-to-Box einzuordnen. Und drei Spieler dieser Kategorie sind beim größer werdenden Kreativitätsvakuum eher zu viel. Für die Besetzung des Offensivzentrums bleibt noch Thomas Müller, der in Topform sicher clevere Läufe hinlegt und auch über eine gewisse Torgefahr verfügt, aber auch weder ein herausragender Kombinationsspieler noch ein Kreativspieler ist.

Das Problem heißt “Abhängigkeit”

Das kreative Loch, das durch die Abgänge von Hummels und James entsteht, ist also intern nicht zu lösen. Die Abhängigkeit von Thiago, die selbst mit einem guten Aufbauspieler wie Hummels häufig zu sehen war, wird – sofern man keine Lösungen findet – noch größer. Und das führt zu einem neuen, noch größeren Problem. Denn was passiert, wenn Thiago eine Pause benötigt oder sogar länger ausfällt? Dem Spiel des Rekordmeisters würde es in diesem Fall noch deutlicher an strukturgebenden Impulsen fehlen.

Die Idealvorstellung ist sicher, dass Thiago vor einem spielerisch starken 6er als Verbindungsspieler zwischen Offensive und Defensive agiert. Thiago bringt dafür alles mit, ist stark gegen den Ball und entsprechend defensiv wertvoll, aber ist vor allem auch mit dem Ball ein Spieler, der immer wieder für Highlights sorgt. In der Saison 2018/19 fiel bei Spielen des FC Bayern immer wieder auf, dass sich Thiago, wenn er im Mittelfeldzentrum mit Javi Martinez spielte, häufig sehr weit nach hinten zurückfallen lassen musste um sich den Ball zu holen und entsprechende Angriffe zu initiieren. Der Spanier musste phasenweise in zu vielen Räumen kreativ wirken, es fehlte nicht selten an Entlastung.

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Diese eben angesprochene Idealvorstellung wäre mit Rodrigo Hernandez eingetreten. Der Spanier, der nun zu Manchester City wechselt, bringt genau jene Mischung aus Zweikampfstärke, Übersicht, Eleganz, Spielintelligenz und Kreativität mit, die der FC Bayern händeringend sucht. Doch nur weil die bestmögliche Lösung nicht verfügbar ist, heißt es nicht, dass es keine Möglichkeiten gibt.

Es führt nicht nur ein Weg zum Ziel

Zunächst einmal gehen wir davon aus, dass sich das System des FC Bayern nicht grundlegend ändert. Die naheliegende Lösung wäre also, dass man einen spielstarken Spieler für die 6er-Position verpflichtet, wie es Rodri ist. Ein Kandidat scheint Marc Roca von Espanyol zu sein, auch wenn die Gerüchte noch relativ vage sind. Roca steht offenbar auf der Liste, konkret ist aber noch nichts. Eine zumindest sehr ansprechende Lösung würde er in jedem Fall darstellen, denn Roca verfügt über einige Kernkompetenzen wie Übersicht, Spielverständnis und technische Fähigkeiten, wäre im Passspiel ein klares Upgrade zu Javi Martinez, aber auch defensiv absolut brauchbar. Doch man sollte nicht nur “stur” auf eine Mittelfeldbesetzung aus “klaren 6er”, 8ern oder 10ern setzen, wichtig ist vielmehr, dass möglichst viele Komponenten abgedeckt sind. Also eben das spielerische Element, die defensivtaktische Komponente, die notwendige Ausdauer um im Defensivverbund Lücken zu schließen, Kreativität im letzten Drittel und eine gewisse Dynamik.

Diesem allumfassenden Qualitätsspektrum sollte man so nahe wie möglich kommen, das ist für einen Klub vom Kaliber des FC Bayern natürlich immer das Ziel. Das bedeutet also auch, dass man nicht zwingend nur nach einem Spieler für die Position vor der Abwehr suchen sollte, sondern vor allem nach einem spielmachenden Spieler, der – auch – aus der Tiefe agieren kann. Und hier kommen noch ganz andere Kandidaten ins Spiel, die mehr oder weniger realistisch ist. Nicht alle müssen jetzt en Detail durchgegangen werden, aber Spieler wie Ilkay Gündogan oder Dani Ceballos würden genau das mitbringen, was dem FC Bayern fehlt – und beide würden noch zu den eher verfügbaren Kandidaten zählen.

(Photo by Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images)

Auch Fabian Ruiz vom SSC Neapel, der übrigens mit Marc Roca und Dani Ceballos das beste Mittelfeld der U21-EM bildete, wäre ein sehr spannender Spieler. Doch Ruiz soll unmittelbar vor einer Verlängerung bei den Italienern stehen und wäre anschließend nicht mehr verfügbar. Houssem Aouar von Olympique Lyon würde ebenfalls kreative Elemente einbringen, nach dem Verlust von Tanguy Ndombele ist ein weiterer Abgang auf dieser Position aber nicht sehr wahrscheinlich. Klar ist, dass es nicht einfach wird einen passenden Spieler zu verpflichten, klar ist aber auch, dass es Möglichkeiten gibt und in diesem Text nur einige offensichtliche Kandidaten aufgezählt wurden.

Systemumstellung ja oder nein?

Ein weiterer Spieler, der immer wieder mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht wird und der viele spannende Elemente, auch kreative, mit einbringt ist Kai Havertz. Doch der Youngster von Bayer 04 Leverkusen wird 2019 nicht wechseln. Dass es derzeit keine nennenswerten Gerüchte um Spieler gibt, die wie Havertz ihre Stärken im Zentrum des Offensivdrittels besitzen, könnte darauf hindeuten, dass der FC Bayern alles auf die Karte Havertz setzt – im Jahr 2020. Und gerade wenn das der Fall ist muss man für den Übergang noch einen weiteren kreativen Spieler für die Tiefe verpflichten, damit ein Thiago im offensiveren Bereich wirbeln kann.

Eine Lösung abseits der Tätigkeiten auf dem Transfermarkt wäre eine Systemumstellung oder zumindest eine gesteigerte Systemvariabilität. Diese fehlte in der abgelaufenen Saison, der Rekordmeister spielte unter Niko Kovac fast immer im gleichen System, Anpassungen auf formationstechnischer oder Ausrichtungsebene fanden nur selten statt. Hier muss sich der FC Bayern selbst für den Fall einer passenden Neuverpflichtung verbessern und er muss Lösungen finden.

Eine Möglichkeit wäre eine Dreierkette zu installieren, in der man neben physischen Elementen zusätzlich auf die Aufbauqualitäten eines Pavard oder Boateng setzt, dafür Javi Martinez vor der Abwehr “opfert” und diese Position mit Thiago + einem dynamischen Element besetzt. Auch die Möglichkeit deutlich einrückender Außenverteidiger muss in Erwägung gezogen werden, doch diese Gedanken wird man sich derzeit – so ist zu hoffen – intensiv machen, bevor Entscheidungen getroffen werden.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob man in München bereit ist dieses angesprochene Problem in Sachen Kreativität und Spielaufbau entsprechend zu lösen. Das Werben um Rodri zeigt, dass man zumindest auf dem Schirm hat, dass Nachholbedarf besteht. Doch wie bereits in einem kürzlich erschienenen Artikel analysiert: Der FC Bayern muss nicht nur erkennen, dass Probleme bestehen, sondern diese auch adäquat beheben.

Manuel Behlert

(Photo by Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

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