Premier League | West Ham: Die unerwarteten Überflieger

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Spotlight | Es ist eine der großen Geschichten dieser Premier-League-Saison: der Aufstieg von West Ham United. Nach dem 3:2-Sieg gegen Leicester rückt die Champions League immer näher.

West Ham: Champions League statt Championship?

Quizfrage: Wie heißt die im Moment beste Mannschaft Londons? Chelsea? Arsenal? Tottenham? Es ist keine der drei, sondern West Ham United. Ein Klub mit einem durchaus klangvollen Namen in England. Aber auch ein Klub, dessen Fans das Leiden gewohnt sind. Immer wieder standen sie in der unteren Tabellenhälfte oder kämpften sogar gegen den Abstieg. Unvergessen bleibt dahingehend das Jahr 2007, als sie trotz 21 Niederlagen unter Alan Curbishley (63) sieben Siege aus den letzten neun Spielen holten und am 38. Spieltag, durch einen Treffer von Carlos Tévez (37) im Old Trafford noch Platz 15 retteten. In England nennen sie es bis heute „The Great Escape“.

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Ganz so dramatisch war es letzte Saison nicht. Zwar landeten sie diesmal einen Ganztonschritt tiefer auf 16. Aber dafür hatten sie vergleichsweise komfortable fünf Punkte Vorsprung auf den 18. Bournemouth. Die Saison 2020/21 ist daher eine einzige Wellnessoase für alle West-Ham-Fans. 31 Spiele, 55 Punkte. Mit Platz 4 könnte es für West Ham statt Championship bald Champions League heißen.

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Die Ironie an der ganzen Geschichte ist, dass sie allein der Versuch, als Klub wachsen zu wollen, in die unteren Tabellenregionen gebracht hat. Nach Jahren, in denen West Ham, durch Luxustransfers wie Chicharito (32), Samir Nasri (33) oder Jack Wilshere (29), garniert mit Manchester Citys Meistertrainer Manuel Pellegrini (67) an der Seitenlinie versucht hat, sich in ein Big-Six-Korsett zu zwängen, hat David Moyes gezeigt, wie es wirklich geht.

Und zwar mit einem funktionierenden Grundgerüst. Dazu gehören Łukasz Fabiański (35), Aaron Cresswell (31), Declan Rice (22), Tomáš Souček (26) oder Michael Antonio (31). So konnten sie vor allem in den großen Spielen punkten. Im Tottenham Hotspur Stadium holten sie in den letzten zehn Minuten einen 0:3-Rückstand auf, schlugen sie zudem im Rückspiel. Manchester City trotzte man zuhause einen Punkt ab. Die Wolves besiegte man zuhause glatt 4:0, im Molineux gab es ein 3:2. Auch Leicester wurde auswärts 0:3 abgefertigt, das Rückspiel endete für die Hammers trotz erneuter 3:0-Führung noch 3:2. Allein das zeigt, dass West Ham nicht etwa durch Underdog-Fußball auf Platz 4 steht, sondern sie ein durchaus ansehnliches, schnelles und mutiges Offensivspiel betreiben. Mit 51 erzielten Treffern befinden sie sich in bester Gesellschaft zu Tottenham (52), Liverpool (53) oder Leicester (55).

Jesse Lingard: West Hams unerwarteter Volltreffer

Hauptverantwortlich für West Hams Höhenflug ist  Jesse Lingard (28). In der vergangenen Saison liefen noch Wetten, wonach er eine gesamte Spielzeit ohne Torbeteiligung bleibt. Diese Scheine brachte er am letzten Spieltag zum Platzen, als er – damals noch für Manchester United – in Leicester einen Fehler von Kasper Schmeichel ausnutzte und ins leere Tor zum 2:0 einschob.

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Da Ole Gunnar Solskjær (48) in Anwesenheit von Bruno Fernandes (26) oder Neuzugang Donny van de Beek (23) nicht wirklich etwas mit Lingard anzufangen wusste, einigte man sich auf eine Leihe zu West Ham. Selten war ein Plan dermaßen aufgegangen. Mit acht Toren in neun Spielen liegt er klubintern nur hinter Tomáš Souček (9). Dazu legte er noch dreimal vor. Lediglich Michael Antonio sowie Jarrod Bowen (21/je 12) können noch mehr Torbeteiligungen als Lingard (11) verbuchen.

Die zurückgewonnene Spielfreude lässt „Lingardinho“ auch an einem EM-Ticket schnuppern. Nationaltrainer Gareth Southgate (50) nominierte Lingard in der vergangenen Länderspielpause erstmals seit den Nations-League-Halbfinals im Sommer 2019 wieder für die Three Lions. Beim 5:0 gegen San Marino legte er das zwischenzeitliche 4:0 für Dominic Calvert-Lewin (24) vor.

Mission Champions League: Sieben Spiele, fünf Gegner aus der unteren Tabellenhälfte

Sieben Spiele sind es noch bis Saisonende – und für West Ham bis zum gelobten Königsklassenland. Den Spielplan haben die Hammers jedenfalls auf ihrer Seite. Am kommenden Wochenende geht es nach Newcastle. Dazu stehen noch Duelle gegen Burnley, Brighton, West Brom und Southampton an, die sich ebenfalls in der unteren Tabellenhälfte wiederfinden. Zwei Härtetests gilt es allerdings noch zu bestehen, gegen Chelsea sowie Everton. Dem Klub, bei dem David Moyes zwischen 2002 und 2013 elf Jahre lang tätig war. Es wäre die Vollendung des vielleicht größten Fußballmärchens dieser Saison.

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Victor Catalina

 

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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