Donnerstag, Dezember 12, 2019
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U21: Der Traum von Gastgeber Polen

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Erstmals seit 1996 ist die polnische U21 für eine Europameisterschaft qualifiziert, zugegebenermaßen vor allem deswegen, weil man Gastgeber ist. Die Polen wollen sich vor dem eigenen Publikum sehr gut präsentieren, spüren den Rückhalt der heimischen Fans, haben aber dennoch einen gewissen Druck, der auf der Mannschaft lastet. Das Trainergespann Marcin Dorna und Piotr Swierczewski hat mit einer definitiv recht talentierten Mannschaft einiges vor, zuletzt viel ausprobiert und große Ziele.

Der neue Modus mit 12 Teilnehmern in drei Gruppen erschwert den Polen aber ein wenig das Weiterkommen. Trotz der Aufstockung wird nach der Gruppenphase sofort das Halbfinale gespielt, es kommen nur die drei Gruppensieger weiter, außerdem der beste Tabellenzweite. In einer Gruppe mit der Slowakei, Schweden und England ist es aber nicht ausgeschlossen, dass die Fans in Polen etwas länger Freude an ihrer Mannschaft haben. Die polnischen Anhänger träumen davon, ihre Mannschaft im eigenen Land zumindest bis ins Halbfinale zu peitschen.

(Photo by Adam Nurkiewicz/Getty Images)

Positive Entwicklung

Die Nachwuchsförderung des polnischen Fußballverbandes ist in den letzten Jahren definitiv besser geworden. Das hat sich auch auf das Niveau der A-Nationalmannschaft ausgewirkt. Auch wenn es wenige, in der Breite sehr gute Jahrgänge gab, konnten in den vergangenen Jahren mit Kaminski, Bereszynski, Goralski, Zielinski, Wolski oder Milik zahlreiche Spieler integriert werden, die 25 Jahre alt oder jünger sind. Einige Spieler aus dem derzeitigen Nachwuchskader besitzen überdies Erfahrungen in der A-Nationalmannschaft. Die beiden Testspiele im März wurden verloren, allerdings wurde einiges getestet, die Gegner waren mit Tschechien und Italien durchaus namhaft.

Das Testspieljahr 2016 hingegen war sehr erfolgreich. In 6 Spielen gab es 5 Siege und ein Remis, unter anderem schlug man Deutschland mit 1:0, Weißrussland mit 3:0 und Montenegro gar mit 6:0. Dabei wurden zahlreiche Spielsysteme ausprobiert, man variierte zwischen einem 4-2-3-1, einem 4-1-4-1 und einem 4-3-3. Die Polen wollen nun im Turnier zeigen, dass diese Ergebnisse kein Zufall waren. Die Entwicklung muss natürlich weiter vorangetrieben werden, aber erste positive Ansätze sind sichtbar. Ziel des polnischen Verbandes muss es sein, dass sich in der Zukunft wieder mehr Juniorenauswahlmannschaften für die großen Turniere qualifizieren. Die A-Nationalmannschaft wird davon profitieren, wenn sich die Junioren bereits regelmäßig mit der bestmöglichen Konkurrenz messen können.

Talentierte Mannschaft

Die Mannschaft der Polen bei dieser EM ist auf jeden Fall ambitioniert. In jedem Mannschaftsteil finden sich gute, talentierte Spieler, die auf sich aufmerksam machen wollen. Das beginnt bereits im Tor. Bartlomiej Dragowski (19) steht beim AC Florenz unter Vertrag, kam vor der Saison aus der polnischen Liga, von Bialystok. Bei der Fiorentina spielte er nur einmal in der Serie A, die Zukunft könnte ihm aber gehören. In der Abwehr sollte man vor allem Kapitän Thomas Kedziora von Lech Posen hervorheben. Der Rechtsverteidiger ist unangefochtener Stammspieler in der Ekstraklasa und in der Nationalmannschaft absoluter Führungsspieler. Außerdem ist Krystian Bielik vom FC Arsenal zu nennen, der in der Rückrunde an Birmingham City verliehen war. Bielik, der früher auch im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kam, könnte ein elementarer Faktor werden.

(Photo by Alex Morton/Getty Images)

Die prägende Figur im zentralen Mittelfeld ist Karol Linetty, der bereits Erfahrungen in der A-Nationalmannschaft gesammelt hat. Linetty absolvierte 35 Spiele in der Serie A für Sampdoria, kam in seinem ersten Jahr extrem gut zurecht. Der laufstarke, wendige Linetty soll gefährliche Angriffe initiieren und den Rhythmus des Spiels bestimmen. Ein weiterer interessanter Name ist Bartosz Kapustka, der bereits bei der EM 2016 für die A-Nationalmannschaft Akzente setzen konnte. Kapustka spielte ein gutes Turnier, hatte aber noch Probleme mit der Konstanz. Bei Leicester City durchlebte er eine sehr schwierige Saison, dieses Turnier soll nun für die Befreiung sorgen. Im Sturmzentrum findet man einen alten Bekannten aus der Bundesliga wieder. Mariusz Stepinski stand zwischen 2013 und 2015 beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag, wurde zwischenzeitlich verliehen und spielt mittlerweile in der Ligue 1 beim FC Nantes. Mit 11 Scorerpunkten in 25 Spielen gelang ihm eine durchaus ordentliche Saison.

Chancen in der Gruppe

Slowakei, Schweden, England. Diese Gruppe klingt nicht unlösbar. Und das ist sie auch nicht. Zwar sind die Engländer favorisiert, aber vor heimischem Publikum mit einer sehr guten Einstellung sind auch die „Three Lions“ zu knacken. Das Spiel gegen England ist das abschließende in der Gruppenphase, wichtig wird sein, vorher eine gute Basis zu schaffen. Im Auftaktspiel gegen die Slowakei muss ein Sieg her, aus vielerlei Gründen. Einerseits kann man sich keinen Ausrutscher erlauben, andererseits fällt mit einem Auftaktsieg, der im Idealfall auch noch souverän ausfällt, etwas Druck von der Mannschaft ab, die Automatismen entstehen von alleine.

Mit der Slowakei und mit Schweden kann man sich definitiv messen. Beide Aufgaben sind zwar unangenehm, aber lösbar. Die schwedische Mannschaft ist individuell nicht überragend, lebt von ihrer guten Einstellung und dem unbändigen Willen. Große Namen findet man auch im Kader der konterstarken Slowaken nicht. Einige feine Techniker, weitere kopfballstarke Spieler und viel Kampfkraft zeichnen die Slowaken aus. Fußballerisch sollte Polen stärker sein als beide Kontrahenten, gegen England kann man sich auf das Konterspiel konzentrieren. Die Chancen, zumindest Gruppenplatz 2 zu erreichen, sind definitiv realistisch. Sollte dies gelingen, muss die polnische Auswahl hoffen, am Ende eben der beste Gruppenzweite zu sein. Die Zuschauer im eigenen Land stehen jedenfalls hinter der Mannschaft. Diese muss das Vertrauen nun auch rechtfertigen.

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