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U21 EM | 2 Giganten mit offenen Fragen – Spanien vs. Frankreich

27. Juni 2019
Manuel Behlert

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U21 EM | 2 Giganten mit offenen Fragen – Spanien vs. Frankreich

U21 EM | Nachdem Spanien die Gruppe A mit Gastgeber Italien gewinnen konnte zog man in das Halbfinale ein. Dort trifft man am heutigen Donnerstag um 21 Uhr auf einen anderen großen Mitfavoriten auf den Europameistertitel: Frankreich! Beide Mannschaften haben noch kleinere Probleme zu beheben, zeigten aber bereits ihre Klasse.

Die Lehren aus dem Italien-Spiel

Die spanische Mannschaft begann ihr Turnier im Spiel gegen Italien furios. Gegen einen anfangs überforderten Gegner zelebrierten die Iberer ein Ballbesitzspiel, das sehr druckvoll war, den Gegner einschnürte. Der in der Gruppenphase herausragende Ceballos traf zur Führung, doch dann folgte ein Bruch im Spiel. Italien wurde zunehmend körperlicher, foulte viel, zerstörte den Spielfluss. Das setzte der spanischen Mannschaft enorm zu, das Spiel ging verloren. Auch gegen Belgien hatte man phasenweise Probleme, gewann erst kurz vor Schluss, ehe Polen im letzten Gruppenspiel auseinandergenommen wurde. Die Spanier haben also einerseits gezeigt, welche spielerische Klasse man besitzt, andererseits auch Probleme offenbart, für die man keine Lösung fand.

 (Photo by Marco Luzzani/Getty Images)

Auch gegen Frankreich hat Spanien mit viel Widerstand und einem aggressiven Zweikampfverhalten des Gegners zu rechnen. Die Franzosen sind nämlich keinesfalls euphorisch durch die Gruppenphase marschiert, sondern zeichneten sich durch Disziplin und eine geordnete Defensive aus. Diese Defensive zu knacken wird die Hauptaufgabe der Spanier sein, die Mischung aus Kontrolle, Druck und Absicherung muss gefunden werden. Fußballerisch sollte die spanische Mannschaft – auch wenn der junge Jahrgang der Franzosen über viel Qualität verfügt – Vorteile haben.

Die Frage nach der Offensivbesetzung

Eine interessante Frage ist die nach der Offensivbesetzung der Spanier. Mayoral und Rafa Mir haben als Mittelstürmer keine überragende Figur abgegeben und Probleme im Kombinationsspiel, weswegen zuletzt Oyarzabal als flexibler Mittelstürmer eingesetzt wurde. Mit Olmo und Fornals auf den Außenbahnen haben die Spanier zusätzlich mehr Kontrolle generiert und konnten den Gegner besser dominieren. Außerdem war die Mittelfeldbesetzung mit Fabian Ruiz und Ceballos sehr ausgewogen, die Balance stimmte zuletzt deutlich mehr.

Entsprechend dürfte Luis de la Fuente keine großen Anpassungen vornehmen. Ob Roca, wie gegen Polen, im Mittelfeld aufläuft um die Lücken zu schließen oder ob Merino eine Chance erhält wird sich kurzfristig zeigen. Die Abstimmung gegen Polen war jedenfalls sehr gut, die Spanier schafften es zudem auch in der ersten Halbzeit, als die polnische Mannschaft noch ambitioniert mitspielte, schnell wieder hinter den Ball zu kommen und die Offensivbemühungen im Keim zu ersticken.

Frankreich und die defensive Stabilität

Wie bereits erwähnt spielte die französische U21-Mannschaft in der Gruppenphase nicht gerade die Sterne vom Himmel. Fußballerisch blieb man doch einiges schuldig, auch wenn die Defensive umso besser funktionierte. Die Innenverteidigung bestehend aus Ibrahima Konate und Dayot Upamecano räumte weg, was wegzuräumen war und Lucas Tousart von Olympique Lyon war im defensiven Mittelfeld dafür verantwortlich viele Lücken zuzulaufen. Die Wucht im Sturmzentrum sorgte zudem für Entlastung, auch wenn gerade Dembele einige Chancen liegen ließ.

Die Mischung aus einer guten Defensive und den Treffern im richtigen Moment sorgte für das Weiterkommen der Franzosen. Eng ab nur wenige Passagen, in denen man die gegnerische Defensive wirklich auseinanderspielen konnte, die ganz große Finesse fehlte im Spiel. Doch benötigt Frankreich diese überhaupt? Hat die französische A-Nationalmannschaft nicht auch den Weltmeistertitel gewonnen ohne in jedem Spiel spielerische Glanzpunkte en masse zu setzen? Frankreich – und das ist klar – ist sehr fokussiert und hat die Qualität um Spanien auszuschalten.

Können die Mittelfeldprobleme kaschiert werden?

Auffällig bei den Franzosen waren die Probleme im Mittelfeld. Aouar & co. hatten nicht den gewünschten Einfluss, die Kontrolle fehlte in einigen Phasen. Das man nun ausgerechnet gegen Spanien eben jene Kontrolle generieren kann darf bezweifelt werden. Gegen Rumänien spielte man in einer Art 4-4-2-System, ließ Aouar und Reine-Adelaide auf der Bank. Die vielen Veränderungen, die vorgenommen werden, sprechen dafür, dass auch Trainer Ripoll noch keine ideale Besetzung für das Mittelfeld gefunden hat.

Gegen Spanien könnten neben dem gesetzten Tousart der offensiv agile, bisher aber nicht überragende Aouar und Freigeist Guendouzi auflaufen. Gerade Guendouzi ist im Mittelfeld überall zu finden, sehr laufstark und ein hartnäckiger Spieler. Aber auch Ntcham könnte eine defensivere Aufgabe übernehmen. Vieles ist möglich, mehrere Systeme denkbar. Der Überraschungseffekt könnte also auf Seiten der Franzosen zu finden sein.

Mögliche Aufstellungen

Spanien: Sivera – Aguirregabiria, Vallejo, Jorge Mere, Aaron – Marc Roca (Merino), Fabian Ruiz, Ceballos, Dani Olmo, Forrnals (Soler) – Oyarzabal

Frankreich: Bernardoni – Dagba, Konate, Upamecano, Sarr – Tousart, Aouar, Guendouzi – Ikoné, Reine-Adelaide (Ntcham), Dembele

(Photo by Giuseppe Bellini/Getty Images)

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