Die U21-EM in Corona-Zeiten: Ein zerissenes Turnier

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Spotlight | Man ist es ja mittlerweile gewöhnt. Irgendwie muss der Fußballbetrieb und jeder damit verbundene Wettbewerb auch in Corona-Zeiten stattfinden, im Notfall wird man bei den Verbänden einfallsreich. Der Modus der U21-EM in diesem Jahr ist der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung.

Ein Turnier, zwei Turniere

Die Covid-19-Pandemie beherrscht weiterhin auch den europäischen Fußballbetrieb. Enge Zeitpläne für den Vereinsfußball, englische Wochen en Masse, um alle Wettbewerbe irgendwie ausspielen zu können. All dies ist man mittlerweile schon gewohnt. Was eigentlich nicht passen sollte, wird schon irgendwie passend gemacht, ist die Maxime der Spielplaner und nirgendwo wird dies so deutlich, wie bei der kommenden U21-EM. Denn das Turnier wird nicht an einem Stück stattfinden, wie es eine Europameisterschaft eigentlich tun sollte. Stattdessen wird die Vorrunde des Wettbewerbs zwischen dem 24. und 31. März ausgespielt, die KO-Spiele dann erst ab dem 31. Mai. Die acht Mannschaften, die sich in den vier Gruppen des Turniers durchsetzen, werden also nach dem Teilerfolg erst einmal wieder Vereinsfußball spielen müssen.

Der Grund ist ein einfacher: Die nationalen Ligen müssen rechtzeitig beendet werden, es steht ja auch noch die Europameisterschaft der „Erwachsenen“ im Sommer vor der Tür. Sowohl der Klubfußball als auch die Europameisterschaft 2021 als auch eben die U21-EM sollen die ungeteilte Aufmerksamkeit des Zuschauers erhalten. Somit fallen die Austragungszeiträume des Jugendwettbewerbes in die rar gesäten Pausen des engen Corona-Spielplanes. Offiziell soll dies den Fokus auf den Wettbewerb erhöhen, für höhere Einschaltquoten und weniger Konkurrenz im TV-Programm sorgen. Ein Trugschluss, schadet die terminliche Teilung doch der Gesamtattraktivität enorm.

Keine Dynamik – Keine Attraktivität

Zuerst muss man feststellen, dass die Kontinentalmeisterschaften beim geneigten Zuschauer eigentlich immer besonders beliebt sind, weil gewisse Umstände sie vom normalen Betrieb abheben. Die Verdichtung vieler, attraktiver Begegnungen im K.O.-Modus über einen relativ engen Zeitraum erlaubt es, eine ganz besondere Dynamik zu entfesseln. Der Zuschauer kann live verfolgen, wie sich ein Team über diesen Zeitraum weiterentwickelt, wie sich Selbstverständnis und Selbstbewusstsein entwickeln und final einen Titelträger formen. Ein ganz besonderer Sog, der eine EM vom Vereinsfußball abhebt. Diese Möglichkeit wird den U21-Mannschaften genommen. Welche Dynamik soll nach einem Gruppensieg entstehen, wenn danach zwei Monate keiner mehr über das Turnier spricht, weil Champions League und nationale Meisterschaften das Geschehen bestimmen? Ein Nachteil für den Zuschauer genauso wie für die Spieler selber.

Dazu kommt, dass man die U21-EM offensichtlich als Lückenfüller positioniert. Alle anderen Wettbewerbe, national und europaweit, haben ihren Platz im Spielplan gefunden, nun muss man noch irgendwie diesen Jugendwettbewerb unterkriegen. Das löst sicherlich kein Gefühl der Attraktivität aus, sondern das genaue Gegenteil. Eine insgesamt mehr als unglückliche Situation, hat dieser Wettbewerb doch eigentlich gerade für die teilnehmenden Spieler einen besonderen Reiz. Hier können sich junge Talente in Schaufenster stellen. Hier stehen regelmäßig Spieler im Scheinwerferlicht, die im Profifußball oftmals noch hinter älteren Stars im Schatten stehen. „Was eigentlich nicht passen sollte, wird schon irgendwie passend gemacht“ bedeutet für die U21-EM, dass man als letztes, nicht richtig geformtes Puzzleteil in ein eng gelegtes Puzzle gedrückt wird. Kann man machen, sieht aber nicht besonders gut aus.

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Photo: Imago

Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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