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U21 EM | Die Erkenntnisse aus der Gruppenphase

25. Juni 2019
Manuel Behlert

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U21 EM | Die Erkenntnisse aus der Gruppenphase

U21 EM | Die Gruppenphase der U21-Europameisterschaft in Italien und Sam Marino ist vorbei, Spanien, Deutschland, Rumänien und Frankreich haben den Einzug in das Halbfinale geschafft. Bevor es schon am Donnerstag mit den Halbfinalspielen weitergeht, werfen wir einen kurzen Blick zurück auf die Gruppenphase.

Gruppe A: Italien und das verflixte Spiel gegen Polen

Bereits der Auftaktspieltag in der Gruppe A war absolut ereignisreich. Polen bezwang Belgien in einem munteren Spiel mit 3:2, am Abend schlug Italien die Spanier, nachdem die Iberer eigentlich sehr gut in das Spiel kamen, deutlich mit 3:1. Am Ende wurde Spanien aber mit 6 Punkten Gruppensieger, vor Italien und Polen (beide ebenfalls 6 Punkte). Für die Gastgeber bedeutete das, dass die Niederlage gegen Polen, als man in der Offensive nicht so zielstrebig und durchschlagskräftig war wie in den anderen beiden Partien, ausschlaggebend für das Verpassen des Gruppensieges und schlussendlich auch für das Ausscheiden war.

(Photo by Marco Luzzani/Getty Images)

Die Polen unterstrichen in den ersten beiden Partien ihre Ambitionen und zeigten, warum sie als ein Geheimfavorit gehandelt wurden. Mit einer sehr disziplinierten und kompakten Defensive, einem sehr starken Zurkowski im Mittelfeld und dem vor dem Turnier schon angesprochenen Szymanski wirbelte man Belgien im Konterspiel durcheinander. Gegen Italien musste Polen einige knifflige Situationen überstehen, gegen Spanien war man teilweise heillos überfordert. Dennoch stehen die 6 Punkte und nicht Platz 3 im Vordergrund.

Das Turnier der Belgier verlief bis auf wenige individuelle Glanzmomente sehr enttäuschend. Lukebakio wurde oftmals ohne die ganz große Unterstützung auf die Reise geschickt, fiel eher durch seine Versuche Freistöße oder Elfmeter herauszuholen auf. Die Defensive war enorm wacklig, lediglich Yari Verschaeren, der 17-jährige Spielmacher aus Anderlecht, zeigte punktuell, was er kann. So erzielte er im abschließenden Gruppenspiel gegen Italien einen sehenswerten Treffer.

Die Spanier gingen indes sehr gut mit der Enttäuschung aus dem ersten Spiel um. Nachdem man Italien in der Anfangsphase mit sehr kontrolliertem Ballbesitzfußball dominierte, kam man in der Folge nicht mit der enormen Aggressivität des Gastgebers klar und verlor sukzessive die defensive Ordnung. Gegen Belgien war Spanien dann deutlich besser unterwegs und konnte die Dominanz auch in Torchancen und Tore ummünzen. Gegen Polen hatte man dann phasenweise sogar enorm leichtes Spiel. Vor allem Dani Olmo und Fornals zeigten sich in der Offensive sehr beweglich und drückten den beiden letzten Spielen ihren Stempel auf, aber auch Ceballos hatte schon im ersten Spiel mehrere Glanzmomente und war der wohl auffälligste Spieler in dieser Gruppe.

Gruppe B: Deutschland wird der Favoritenrolle gerecht

Beim Blick auf die Gruppe B wurde vor dem Turnier eines deutlich: Die DFB-Auswahl ist der Favorit. Die Frage war vor allem, welches Team Deutschland am ehesten vor Probleme stellen kann. Am ersten Spieltag kristallisierte sich Österreich als gefährlicher Gegner heraus, denn die Mannschaft von Trainer Gregoritsch zeigte gegen Serbien trotz der schweren Verletzung von Hannes Wolf phasenweise sehr guten Fußball. Angetrieben von Xaver Schlager, der alleine gegen Serbien hätte zweimal treffen können, wenn nicht gar müssen, spielte Österreich frei auf und gewann vollkommen verdient. Die Serben enttäuschten hingegen. In der Folge wurde Österreich vor allem die Pleite gegen Dänemark zum Verhängnis, als man nicht zum eigenen Spiel fand und zu viele Fehler machte. Gegen Deutschland wäre ein Sieg durchaus möglich und keinesfalls unverdient gewesen, hier scheiterte Österreich allerdings an der eigenen Chancenverwertung.

(Photo by Alessandro Sabattini/Getty Images)

Deutschland hatte zum Auftakt gegen Dänemark zunächst mit Problemen zu kämpfen, die Skandinavier machten die Räume eng, störten das Aufbauspiel der DFB-Auswahl. Doch die Elf von Trainer Stefan Kuntz fand mit der Zeit gut ins Spiel und konnte sich am Ende auch verdient durchsetzen. Das Highlight folgte im 2. Gruppenspiel gegen Serbien, als man problemlos mit 6:1 gewann, den Gegner dominierte und herausragende Treffer erzielte. Deutschland zeigte begeisternden Fußball, ging auch gegen Österreich als Favorit in die Partie, hatte hier aber mit einem aggressiven und laufstarken Gegner über weite Strecken Probleme. Noch ist nicht alles Gold, was glänzt, doch 7 Punkte sind ein sehr guter Start.

Dänemark, das gegen Deutschland schon sehr gute Ansätze zeigte, schlug in der Folge Österreich und Serbien. Vor allem BVB-Offensivspieler Jacob Bruun Larsen und Robert Skov vom FC Kopenhagen wussten zu gefallen, die Dänen spielten einen sehr offensiv ausgerichteten Fußball und versuchten den jeweiligen Gegner immer wieder unter Druck zu setzen. Auch ohne Anführer und Abwehrchef Joachim Andersen zeigten die Skandinavier wirklich ansprechende Leistungen und hätte man sich gegen Deutschland für die mutige Anfangsphase belohnt, wäre möglicherweise noch mehr drin gewesen.

Die Serben, mit einigen U20-Weltmeistern ausgestattet, haben die Erwartungen nicht erfüllen können. Offensiv wurde Luka Jovic mit wenig Bällen versorgt, die schnellen Flügelspieler um Radonjic und Zivkovic konnten sich selten in Szene setzen, das Mittelfeld wurde seinem Ruf als Schwachstelle gerecht und nicht einmal die individuelle Klasse eines Nikola Milenkovic konnte dafür sorgen, dass die Defensive stabil bleibt. Insgesamt waren zu viele Fehler und zu wenig Ideen am Ende ausschlaggebend für die enttäuschende Gruppenphase.

Die Gruppe C: All eyes on Rumänien

Frankreich, Kroatien, England, Rumänien: In dieser Gruppe hätten wohl die wenigsten auf Rumänien als Gruppensieger getippt. Doch die Osteuropäer überzeugten in all ihren Gruppenspielen und fuhren 7 Punkte ein, erzielten 8 Tore. Gegen Kroatien nutzten die Rumänen die Fehler des Gegners eiskalt aus, spielten die Angriffe entsprechend konzentriert zu Ende und konnten einen 4:1-Sieg feiern. Gegen England ging man weite Wege, verteidigte lange diszipliniert und behielt in einer irren Schlussphase einen kühlen Kopf. Das 4:2 eröffnete den Rumänen um Hagi, Coman und Cicaldau alle Möglichkeiten, die man beim abschließenden 0:0 gegen Frankreich, bei dem die Defensive im Mittelpunkt stand, auch nutzte. Rumänien ist der Gegner von Deutschland im Halbfinale und die DFB-Auswahl muss sich warm anziehen, denn dieser Kontrahent wird extrem schwer zu schlagen sein.

(Photo by Giuseppe Bellini/Getty Images)

Frankreich wurde vor dem Turnier vor allem wegen der guten Mischung im Kader als Topfavorit gehandelt. Mit der Verletzung von Jonathan Bamba wurde eine Geheimwaffe schnell aus dem Spiel genommen, doch andere Spieler wussten zu gefallen. Vor allem mannschaftlich zeigte Frankreich wenig Schwächen, die Innenverteidiger Konate und Upamecano räumten weg, was wegzuräumen ist, das dynamische Mittelfeld ging weite Wege und die Präsenz der Offensivspieler war enorm. Glänzen konnte Frankreich aber dennoch nur selten, Ergebnisfußball auf einem ordentlichen Niveau charakterisiert die Gruppenphase der Franzosen dann deutlich eher. Ein wenig Spielglück hatte man überdies, als man England kurz vor dem Ende noch zwei Treffer einschenkte und den wichtigen Sieg einfuhr. Als bester Gruppenzweiter sicherte sich Frankreich im Endeffekt die Olympiateilnahme und natürlich das Halbfinale.

Die Geschichte von England und Kroatien ist schnell erzählt. Mit vielen Vorschusslorbeeren gingen vor allem die Engländer in dieses Turnier, mussten aber nach einem grandiosen Auftakt mit einem Traumsolo von Phil Foden viele Rückschläge einstecken. Defensiv produzierte man einfach zu viele Fehler, die sich durch die gesamte Gruppenphase zogen. Das Ausscheiden war die logische Folge. Und auch die Kroaten boten ihren Gegnern deutlich zu viel an, hatten keine gute Balance in ihrem Spiel und abgesehen vom 3:3 gegen England, in dem es um nichts mehr ging, war man auch über weite Strecken relativ harmlos und konnte die individuelle Klasse von Spielern wie Vlasic, Brekalo oder Halilovic nur zu selten in Szene setzen.

Die Halbfinalspiele im Überblick:

Deutschland vs. Rumänien (Donnerstag, 27.6., 18 Uhr)

Spanien vs. Frankreich (Donnerstag, 27.6., 21 Uhr)

(Photo by Alessandro Sabattini/Getty Images)

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