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U21 EM | Frankreich, Kroatien, Rumänien, England – Die Vorschau auf die Gruppe C

14. Juni 2019
Manuel Behlert

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U21 EM | Frankreich, Kroatien, Rumänien, England – Die Vorschau auf die Gruppe C

U21 EM | Vom 16.-30. Juni findet die U21-Europameisterschaft in Italien und San Marino statt. In der Gruppe C trifft Mitfavorit Frankreich auf ein starkes England, aber auch Kroatien und Rumänien wollen für Furore sorgen. Die Gruppensieger aller drei Gruppen sowie der beste Gruppenzweite ziehen in das Halbfinale ein. Wir stellen die Teams in unserer Vorschau detailliert vor!

Das stimmigste Gesamtpaket – Frankreich

Die französische A-Nationalmannschaft ist nahezu auf jeder Position sogar in der Breite gut besetzt und auch der Nachwuchs kann sich sehen lassen. Frankreich verfügt auch im U21-Bereich über einen absoluten Luxuskader mit Topspielern. Das Gesamtpaket ist sehr gut, dennoch ließen einige Auftritte, in denen die Ergebnisse nicht stimmten, Zweifel aufkommen. Die Frage vor dem Turnier lautet also: Wie gut ist Frankreich wirklich?

Frankreichs Kader im Überblick:

Tor: Paul Bernardoni (Nimes), Gautier Larsonneur (Brest), Maxence Prevot (Sochaux)
Abwehr: Colin Dagba (PSG), Kelvin Amian (Toulouse), Anthony Caci (Straßburg), Malang Sarr (OGC Nizza), Moussa Niakhate (Mainz 05), Ibrahima Konate, Dayot Upamecano (RB Leipzig), Fode Ballo-Toure (Monaco)
Mittelfeld: Lucas Tousart, Houssem Aouar (Olympique Lyon), Ibrahima Sissoko (Straßburg), Oliver Ntcham (Celtic), Jonathan Ikone (Lille), Matteo Guendouzi (Arsenal), Romain del Castillo (Rennes)
Angriff: Jonathan Bamba (Lille), Moussa Dembele (Olympique Lyon), Jean-Philippe Mateta (Mainz 05), Jeff Reine-Adelaide (SCO Angers), Marcus Thuram (Guingamp)

Geballte Klasse im Defensivzentrum – Fragezeichen drumherum

Wenn man sich den Kader der französischen U21-Auswahl ansieht, dann weiß man gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Auffällig ist, über wie viele Optionen diese Mannschaft im Defensivzentrum verfügt, vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass ein Spieler wie Diallo verletzungsbedingt nicht mit dabei ist, ein Zagadou die U20-Weltmeisterschaft spielte. Upamecano und Konate sind Bestandteil der Defensive von RB Leipzig und besonders Konate hat in der abgelaufenen Saison teilweise überragende Leistungen zeigen können. Doch auch Malang Sarr und Mainz-Entdeckung Niakhate bringen viel Qualität mit.

(Photo by Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Beeindruckend ist vor allem die Mischung aus gutem Aufbauspiel (Sarr), physischer Präsenz, die eigentlich alle mitbringen, und einer sehr guten Antizipation und einem sehr starken Antritt, wie ihn beispielsweise Ibrahima Konate mitbringt. Die Frage wird sein, wer mit Konate in der Innenverteidigung auflaufen wird, denn Upamecano fehlte in der Rückrunde lange verletzt, diesen Rückstand merkte man ihm zuweilen auch im Endspiel um den DFB-Pokal an. Trotz der enormen Klasse ist die Abwehr kein unüberwindbares Bollwerk.

Die Franzosen spielen häufig in einem 4-4-2 oder einem 4-3-3-System und sind vor allem über die Außenbahn zu knacken. Colin Dagba und Kelvin Amian auf rechts und Fode Ballo-Toure auf der linken Seite fallen im Vergleich qualitativ ebenso ab wie die Torhüter. Das bedeutet nicht, dass sie große Schwachstellen sind, sondern hebt primär hervor, wie gut die Mannschaft im Defensivzentrum besetzt ist. Dass aber noch an Feinheiten gearbeitet werden muss zeigte das Testspiel in der Vorbereitung gegen Österreich, das mit 3:1 verloren wurde.

Mittelfelddynamik trifft Angriffswucht

Wie viele Favoriten verfügt auch die französische Nationalmannschaft über ein sehr gutes Mittelfeld. Auf der 6 spielt Lucas Tousart von Olympique Lyon, der viele defensive Aufgaben übernimmt, ein sehr vorausschauend denkender und handelnder Spieler ist. Zusammen mit Teamkollege Houssem Aouar bildet er – im Zusammenspiel mit Reine-Adelaide oder Arsenals Guendouzi – ein sehr facettenreiches Mittelfeld. Gerade Aouar sollte man hervorheben, denn er ist ein extrem talentierter Spieler und mit vielen Qualitäten ausgestattet. So kann er die entscheidenden Pässe im Angriffsdrittel spielen, den Ball aber auch nach vorne tragen und selbst den Abschluss suchen. Seine Technik ist hervorragend, seine Ballbehandlung und -behauptung sehr schön anzusehen.

(Photo by Julian Finney/Getty Images)

Vor dem starken Defensivzentrum und dem starken Mittelfeld ist außerdem enorm viel Qualität in vorderster Front vorhanden. Sowohl der Mainzer Mateta als auch OL-Stürmer Dembele bringen im Sturmzentrum eine gewisse Wucht mit. Beide können lange Bälle sehr gut verarbeiten und festmachen und gerade Dembele bringt sich überdies auch noch gut in das Kombinationsspiel ein. Ein weiterer, sehr wichtiger Spieler ist Jonathan Ikoné, der überwiegend im 10er-Raum zuhause ist. Nach seinem Wechsel von PSG zum OSC Lille blühte Ikoné auf, sorgte mit 13 Torbeteiligungen dafür, dass der Klub eine sehr gute Saison spielte. Er ist ein sehr kreativer Spieler, der den Blick für den Mitspieler hat, Schnittstellenpässe spielen und auch ins Dribbling gehen kann.

Auch die Flügelspieler verfügen über ein gutes Niveau. Jonathan Bamba (ebenfalls Lille) ist sprintstark, sehr geradlinig und sucht häufig den Abschluss, Marcus Thuram ist sehr fleißig, manchmal aber noch zu verspielt und mit Problemen in der Entscheidungsfindung. Die vielen verschiedenen Charaktere und Spielertypen gewinnbringend zusammenzufügen wird die Hauptaufgabe für Trainer Sylvain Ripoll sein. Die Niederlage gegen Österreich oder die weitgehend enttäuschenden Testspielresultate insgesamt sollten dafür gesorgt haben, dass die Sinne bei den Franzosen noch weiter geschärft wurden. Und das macht diese Mannschaft, abgesehen von der enormen Explosivität und der taktischen Variabilität, so gefährlich.

Laufstärke und offensive Freigeister – Kroatien

Im Seniorenbereich stellt Kroatien seit Jahren traditionell eine sehr gute Nationalmannschaft. Gute Techniker, geradlinige Angreifer, laufstarke, physisch präsente Verteidiger und eine Mischung aus Start und mannschaftsdienlichen Spielern machen Kroatien aus. Auch die U21-Nationalmannschaft verfügt über viele Qualitäten und will von Beginn an zeigen, dass man in einer Gruppe mit Frankreich und England nicht vorab das Handtuch wirft.

Kroatiens Kader im Überblick:

Tor: Adrian Semper (Chievo), Josip Posavec (Hajduk), Ivo Grbic (Lokomotiva)
Abwehr: Filip Benkovic (Celtic), Toni Borevkovic (Rio Ave), Domagoj Bradaric (Hajduk), Branimir Kalaica (Benfica), Nikola Katic (Rangers), Borna Sosa (Stuttgart), Filip Uremovic (Rubin Kasan)
Mittelfeld: Toma Basic (Bordeaux), Kristijan Bistrovic (ZSKA Moskau), Luka Ivanusec (Lokomotiva), Lovro Majer, Ivan Sunjic, Nikola Moro (Dinamo Zagreb), Alen Halilovic (Lüttich)
Angriff: Josip Brekalo (Wolfsburg), Marijan Cabraja (Gorica), Marin Jakolis (Admira Wacker), Sandro Kulenovic (Legia Warschau), Robert Muric (Rijeka), Nikola Vlasic (ZSKA Moskau)

Nichts geht ohne defensive Disziplin

Trainer der kroatischen U21-Mannschaft ist Nenad Gracan, der seit 2013 im Amt ist. Gracan bevorzugt mit seiner Mannschaft eine 4-3-3-Formation, hat aber auch schon in einem 4-1-4-1 oder einem 4-4-2-System spielen lassen. Der Kader gibt diese Flexibilität her, auch während des Spiels können sich die Ausrichtungen jederzeit ändern. In ihrer Qualifikationsgruppe hatte die kroatische Mannschaft keine allzu großen Probleme, Testspiele gegen Frankreich (2:2), Italien (2:2) und Dänemark unterstrichen noch einmal die Ambitionen, die diese Mannschaft hat.

Nenad Gracan legt viel Wert auf eine große defensive Disziplin. Jeder Spieler ist im Spiel gegen den Ball gefordert, jeder muss weite Wege gehen. Die kroatische Defensive wird von Filip Benkovic dirigiert, der bei Celtic spielt und von Leicester City ausgeliehen ist. Er ist der Chef in der Defensive, verfügt über einen enormen Weitblick über potenzielle Gefahrenherde und beseitigt eben jene bereits im Ansatz. Weitere große Namen findet man in der Defensive nicht, diese sind aber auch nicht nötig, denn die Verteidigung ist gut aufeinander abgestimmt, jeder weiß, was er zu tun hat.

Zagreb-Block und Halilovic/Brekalo als Schlüsselspieler

Vor der sehr disziplinierten Defensive ist das Mittelfeld sehr eingespielt, was vor allem am Zagreb-Block bestehend aus Sunjic, Majer und Moro liegt. Insbesondere Sunjic ist ein sehr interessanter Spieler, der enorm viele Lücken zuläuft und defensivtaktisch auf einem hohen Niveau agiert. Er spielt sowohl im 4-3-3 als auch im 4-1-4-1 eine entscheidende Rolle, fällt abgesehen von seinen defensiven Fähigkeiten im Pass- und Offensivspiel ein wenig ab. Doch für diese Aufgaben gibt es andere Kandidaten, die das Kreativspiel beleben können, so zum Beispiel Lovro Majer.

Weil ein zuverlässiger und hochkarätiger Mittelstürmer fehlt kommt viel Verantwortung auf die beiden offensiven Außenspieler zu. Einer dieser Spieler ist Alen Halilovic, den man aus der Bundesliga noch von seiner eher weniger erfolgreichen Zeit beim Hamburger SV kennt. Auch beim AC Mailand kam er nicht gut zurecht, sodass er zurzeit auf Leihbasis in Lüttich spielt. Der kommende Sommer könnte für Halilovic ein entscheidender sein, bei der Europameisterschaft will er sich empfehlen.

(Photo by Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images)

In der U21-Nationalmannschaft agiert er auf der rechten Seite als Freigeist, ist ein Spielmacher auf dem Flügel. Hier schenkt man ihm das Vertrauen, hier übernimmt er Verantwortung. Halilovic initiiert Angriffe, hält den Flügel nicht konsequent und taucht dort auf, wo er dem Gegner Probleme bereiten kann. Auf der anderen Seite spielt Josip Brekalo vom VfL Wolfsburg, der diese Position im Vergleich zu Halilovic auf der anderen Seite deutlich positionsgebundener interpretiert. In Wolfsburg war er in der vergangenen Saison an sieben Treffern direkt beteiligt, Brekalo ist dribbelstark, schnell und versucht viel, allerdings geht ihm, die Effizienz manchmal noch etwas ab. Zudem ist Brekalo eher ein Spieler, der alleine Lösungen sucht, während Halilovic auf der anderen Seite mehr am Kombinationsspiel teilnimmt. Die unterschiedlichen Spielertypen verleihen der Offensive aber eine gewisse Unberechenbarkeit, die das “Problem” im Sturmzentrum kaschieren kann.

Unangenehmer Außenseiter – Rumänien

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die rumänische Mannschaft in der Gruppe C nur der krasse Außenseiter ist. Und in der Tat verfügt Rumänien nicht über die Fülle an Talente, wie es bei anderen Nationen der Fall ist. Dennoch ist die Qualifikation geglückt und man geht gut vorbereitet in das Turnier. In dieser Gruppe wollen die Rumänien das Zünglein an der Waage werden!

Rumäniens Kader im Überblick:

Tor: Ionut Radu (Genoa), Catalin Cabuz (Hermannstadt), Andrei Vlad (FCSB)
Abwehr: Cristian Manea (Cluj), Ionut Nedelcearu (FC Ufa), Adrian Rus, Florin Stefan (Sepsi OSK), Alexandru Pascanu (Leicester), Virgil Ghita, Radu Bobuc (Viirotul)
Mittelfeld: Tudor Baluta, Andrei Ciobanu, Denis Dragus, Ianis Hagi (Viirotul), Dragos Nedelcu, Dennis Man,  Florinel Coman (FCSB), Alexandru Cicaldau (Craiova 1948), Darius Olaru (Gaz Metan Medias), Vlad Dragomir (Perugia)
Angriff: George Puscas (Palermo), Adrian Petre (Esbjerg), Andrei Ivan (Rapid Wien)

Der Star steht zwischen den Pfosten

Seit knapp einem Jahr ist Mirel Radio (38) Trainer der U21-Nationalmannschaft von Rumänien, nachdem er zuvor als Technischer Direktor im Verband tätig war. Er betreute die Mannschaft in der entscheidenden Phase der Qualifikation und sorgte mit ihr für Aufsehen, als man in Portugal gewann und die Portugiesen distanzierte. Als Gruppensieger qualifizierte sich Rumänien für dieses Turnier – und das souverän und verdient!

(Photo by Paolo Bruno/Getty Images)

Die großen Stars und schillernden Figuren fehlen im Kader, allerdings gibt es dennoch einen Star. Dieser heißt Ionut Radu und steht im Tor. Radu spielt beim CFC Genua in der italienischen Serie A und ist ein sehr sicherer Rückhalt. Er verfügt über eine gute Strafraumbeherrschung, sehr gute Reflexe und ist ein ordnendes Element für die gesamte Defensive. Der 22-jährige ist zudem der Kapitän dieser Mannschaft und somit auch ihr Anführer.

Mannschaftliche Geschlossenheit als Schlüssel zum Erfolg

Betrachtet man die Feldspieler genauer, dann findet man keine allzu großen Stars. Die Defensive versucht eine gewisse Kompaktheit herzustellen, was vor allem in der Qualifikation sehr gut gelang. Bei den Testspielen gegen Belgien (3:3), England (1:2) und Spanien (0:1) gelang dies mehr oder weniger gut, die Ergebnisse zeigen aber, dass Rumänien keine Laufkundschaft ist. Eine besondere taktische Variabilität lässt sich nicht feststellen, Rumänien läuft überwiegend in einem wenig spektakulären 4-2-3-1-System auf. Aber genau das ist der Schlüssel zum Erfolg, das System ist eingespielt, jeder Spieler weiß, was er tun muss.

Vor allem in der Offensive ist Rumänien in der Breite sehr gut besetzt. Florinel Coman, Dennis Man und Andrei Ivan sind auf den Flügeln zuhause und allesamt schnell und dribbelstark. Sie versuchen Stürmer Puscas einzubinden, der mit 9 Toren und 3 Vorlagen eine ordentliche Saison in Palermo hinter sich hat und mit seinen 1,88m und der enormen Physis prädestiniert dafür ist Bälle festzumachen und für die quirligen Spieler hinter der Spitze abzulegen.

Eine sehr wichtige Rolle im 4-2-3-1 spielt außerdem Ianis Hagi, der auf der Spielmacherposition zuhause ist. Ihm wird von den beiden Spielern hinter ihm im Mittelfeldzentrum der Rücken freigehalten, sodass er uneingeschränkt wirken kann. Hagi ist mit 22 Torbeteiligungen einer der Schlüsselspieler im Verein und will nun auf der großen Bühne zeigen, was er kann. Seine Pässe, seine geschickten Bewegungen und seine Übersicht werden gerade im Konterspiel nötig sein um die favorisieren Teams zu ärgern.

Wieder eine gute Chance – England

Die englischen Juniorennationalmannschaften sorgten bei den vergangenen Turnieren nicht selten für Furore. Viele starke Jahrgänge und viele spannende Talente sorgten dafür, dass Titel gewonnen werden konnten und dass die A-Nationalmannschaft nun über einen immensen Talentepool verfügt. Auch bei der U21-EM hat England wieder einige spannende Spieler dabei – und das, obwohl Spieler wie Jadon Sancho (permanent bei der A-Elf) oder Callum Hudson-Odoi (verletzt) fehlen. Die Chance ist also wieder gut!

Englands Kader im Überblick:

Tor: Freddie Woodman (Newcastle), Angus Gunn (Southampton), Dean Henderson (Man. United U23)
Abwehr: Aaron Wan-Bissaka (Crystal Palace), Jonjoe Kenny (Everton), Jake Clarke-Salter (Vitesse), Lloyd Kelly (Bristol City), Fikayo Tomori, Jay Dasilva (Chelsea U23), Ezi Konsa Ngoyo (Brentford)
Mittelfeld: Hamza Choudhury, James Maddison, Demarai Gray, Harvey Barnes (Leicester City), Phil Foden (Manchester City), Kieran Dowell (Everton), Mason Mount (Derby), Morgan Gibbs-White (Wolves)
Angriff: Ryan Sessegnon (Fulham), Reiss Nelson (Hoffenheim), Tammy Abraham (Aston Villa), Dominic Calvert-Lewin (Everton), Dominic Solanke (Bournemouth)

Die Frage nach der Defensive

Aidy Boothroyd, der Trainer der englischen U21-Nationalmannschaft, hat die Aufgabe in diesem Sommer an die Erfolge der anderen Juniorenteams bei den letzten großen Turnieren anzuknüpfen. Doch trotz eines guten Kaders mit viel Potenzial nach vorne gibt es einige Fragezeichen, die zu beantworten sind. Vor allem die Defensive ist individuell nicht herausragend besetzt. Natürlich ist Aaron Wan-Bissaka, für den Manchester United zuletzt 40 Millionen Pfund bot, ein hochklassiger Spieler, der vor allem defensiv sehr stabil ist und nicht so sehr für die offensiven Akzente zuständig ist, aber ansonsten besteht die Defensive eher aus Spielern, die noch im Nachwuchsbereich oder der Reserve spielen, kaum in der Profimannschaft zum Einsatz kommen oder von englischen Klubs ausgeliehen wurden.

Das muss nicht bedeuten, dass England unglaublich anfällig ist, denn das ist nicht der Fall, aber ohne Gegentor blieb die Mannschaft nur selten und genau das könnte in einem solchen Turnier zum entscheidenden Faktor werden. Die englische Mannschaft spielt häufig in einem 4-2-3-1 oder einen 4-3-3-System und beide Ausrichtungen passen zum vorhandenen Spielermaterial, das gerade im Spiel nach vorne enorm viele Variationsmöglichkeiten zulässt.

Mittelfeld und Angriff als große Stärken

Und hier kommen wir auch schon zum Prunkstück in Englands Spiel. Das Mittelfeld ist nicht “klassisch englisch”, also primär physisch und laufstark, sondern mit Spielern besetzt, die gut und gerne auch im Team der Spanier oder Portugiesen spielen könnten ohne in Sachen Technik abzufallen. Ein perfektes Beispiel dafür ist Phil Foden, von dem Pep Guardiola enorm viel hält. Guardiola fordert und fördert Foden, der viele Elemente vereint, die ein zentraler Mittelfeldspieler benötigt. Foden kann entscheidende Pässe spielen, den Ball behaupten, macht generell kaum Fehler im Passspiel. Er kann aus der Tiefe agieren aber auch Teil der Offensivreihe werden. Foden verfügt über Zug zum Tor, kann aber auch sehr gut vorbereiten und hat immer den Blick für die Mitspieler.

Gerade das Zusammenspiel mit Wolfes-Mittelfeldspieler Gibbs-White und James Maddison, der bei Leicester City eine fantastische Saison spielte, wird interessant zu verfolgen sein. Und: Mit Mason Mount steht außerdem ein hochspannender Spieler im Aufgebot, der ebenfalls im Offensivzentrum Zuhause ist und sehr geradlinig spielt. Das trifft auch auf Maddison zu, der gerade aus der Distanz brandgefährlich ist, sich mit seiner Dynamik immer wieder in Schussposition bringen kann und überdies auch noch sehr gute Standards beherrscht. Und das ist noch nicht alles, denn auch Harvey Barnes und Kieran Dowell können im zentralen offensiven Mittelfeld spielen. Die Möglichkeiten sind also enorm.

Auch in der offensiven Dreierreihe ist die Qualität hoch. Ryan Sessegnon ist hier natürlich stellvertretend zu nennen, der auf dem linken Flügel zuhause ist und im Sommer zu den Tottenham Hotspurs wechseln könnte. Sessegnon kann allerdings auch links hinten spielen, je nachdem ob dort offensiv angeschoben werden soll. Ebenfalls auf dem Flügel zuhause ist Reiss Nelson, der Arsenal gehört, aber in Hoffenheim gezeigt hat, dass er ein sehr torgefährlicher Mann ist. Demarai Gray, der für Leicester spielt, ist im Vergleich zu Nelson schon weiter und wirkt sehr reif in seinem Spiel. Er trifft keine voreiligen Entscheidungen, ist ein sehr schneller Spieler, der im Konterspiel Akzente setzen kann. Und als wäre das noch nicht genug verfügt England mit Tammy Abraham, der ein wuchtiger Knipser ist, Dominic Solanke, der ein physisch starker, arbeitender Angreifer ist und Dominic Calvert-Lewin, der viele Wege geht, sehr intelligente Läufe in seinem Repertoire hat, über verschiedene Stürmertypen. Die gegnerischen Abwehrreihen werden jedenfalls enorm gefordert sein!

Manuel Behlert

(Photo by Dan Istitene/Getty Images)

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