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U21 EM | Mit Ikoné, Andersen und Vlasic – Player to Watch Teil II

15. Juni 2019
Manuel Behlert

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U21 EM | Mit Ikoné, Andersen und Vlasic – Player to Watch Teil II

U21-EM | Am morgigen Sonntag startet die U21-Europameisterschaft in Italien und San Marino. Natürlich ist ein solches Turnier immer auch ein Sprungbrett für junge Talente, die sich auf hohem Niveau beweisen wollen. Nach dem ersten Teil mit Dani Olmo, Dejan Joveljic, Phil Foden & co. (findet ihr hier), stellen wir nun acht weitere spannende Spieler vor! 

Jonathan Ikoné (21, Offensives Mittelfeld, Frankreich)

Seine Jugend verbrachte Jonathan Ikoné bei Paris Saint Germain, wo er auch seine ersten Schritte im Profifußball ging. 2017/18 folgte eine Leihe zum HSC Montpellier, ehe sich der OSC Lille für rund 5 Millionen Euro die Dienste des talentierten Offensivspielers sicherte. Bis 2023 steht Ikoné in Lille unter Vertrag und die Ablösesumme, soviel kann man nach der ersten Saison sagen, erweist sich durchaus als Schnäppchen. Seine Ballbehandlung ist sehr elegant, Ikoné läuft häufig mit viel Tempo auf die Abwehr zu und versucht entweder zum Tor zu ziehen oder den Ball in die Schnittstellen zu spielen. 3 Tore und 10 Vorlagen untermauern eine gute Saison, im Zusammenspiel mit Pepe  und Jonathan Bamba, der ebenfalls Bestandteil der U21 Frankreichs ist, harmonierte Ikoné hervorragend. 

Beim OSC Lille zeigte Ikoné seine Qualitäten vor allem häufig im Konterspiel, wenn es darauf ankam schnell und instinktiv Entscheidungen zu treffen. Sein gutes Dribbling, das ihn im Zentrum immer wieder Überzahlsituationen heraufbeschwören lässt und die gute Einbindung der Mitspieler sind die wichtigsten Grundelemente seines Spiels. Sicher muss Ikoné vor allem physisch noch zulegen und in Spielen gegen individuell starke Gegner an seiner Defensivarbeit feilen, aber er ist in der Lage den Unterschied zu machen. Im Spiel der französischen U21-Nationalmannschaft kann er als 10er fungieren, beispielsweise vor dem Lyon-Duo bestehend aus Aouar und Tousart. Sollte Frankreich mit einem 4-3-3 spielen gibt es tendenziell andere Kandidaten für die Besetzung der offensiveren 8er-Positionen, denn hier sind defensivtaktische Elemente eher gefragt. 

Ionut Radu (22, Torhüter, Rumänien)

Im Sommer 2018 wechselte der rumänische Torhüter Ionut Radu auf Leihbasis von Inter Mailand zum FC Genua. Im Sommer diesen Jahres wird der 22-jährige für 8 Millionen Euro auf permanenter Basis nach Genua wechseln, das steht bereits fest. In einer U21-Nationalmannschaft ohne die ganz großen Stars ist Radu nicht nur ein sehr sicherer Rückhalt, sondern auch der Dirigent, der von seiner Torhüterposition aus Kommandos gibt. Er ist sicher der bekannteste Spieler der Rumänen und natürlich unangefochtener Stammspieler. In einer Gruppe mit England, Frankreich und Kroatien wird Ionut Radu fast schon zwangsläufig im Fokus stehen.

(Photo by Alessandro Sabattini/Getty Images)

In der Serie A zählte Radu in der vergangenen Saison zu den konstantesten Torhütern. Mit dem FC Genua wurde er am Ende 17., landete also nur ganz knapp vor dem ersten Abstiegsplatz. Radu war ein Garant für den Klassenerhalt und hielt seine Mannschaft immer wieder im Spiel. Seine Strafraumbeherrschung ist gut, seine Fähigkeiten am Ball sind mindestens solide. Der größte Pluspunkt ist aber seine Klasse auf der Linie. Radu verfügt über sehr gute Reflexe, wirft sich in jeden Ball und ist immer hellwach. Er könnte die Favoriten in dieser Gruppe zur Verzweiflung bringen.

Nikola Vlasic (21, Angreifer, Kroatien)

Ausgebildet wurde Nikola Vlasic in der Jugend von Hajduk Split. Bei den Kroaten konnte er auch die ersten Schritte im Profifußball gehen, ehe der FC Everton aus der Premier League auf ihn aufmerksam wurde. Vlasic wechselte 2017 für rund 10 Millionen Euro auf die Insel, wurde nach einem eher enttäuschenden Jahr zu ZSKA Moskau ausgeliehen. In der russischen Premjer Liga zeigte er, als er das Vertrauen erhielt, gute Leistungen und war an 15 Treffern direkt beteiligt. Im Sommer wird es für ihn wieder zurück zu den “Toffees” gehen, die einen gereiften Spieler mit viel Selbstvertrauen erwarten dürfen.

Vlasic kann in der Offensive – und genau das macht ihn so stark – mehrere Positionen bekleiden. Er kann auf den Außenbahnen spielen, ist aber vor allem im Zentrum stark, beispielsweise als eine Art hängende Spitze oder offensiver Mittelfeldspieler. Gerade weil das Sturmzentrum mit Spielern wie Jakolis oder Kulenovic individuell nicht ideal besetzt ist, ist die Unterstützung von Vlasic sehr wichtig. Er dribbelt gerne, verfügt über ein sehr gutes Passspiel und könnte entsprechend gut mit Alen Halilovic, dem Freigeist auf der rechten offensiven Außenbahn harmonieren. Zudem ist Vlasic ein Spieler, der gerne den Abschluss sucht, über eine sehr gute Schusstechnik verfügt. Der 21-jährige kann auch aus der Distanz für Gefahr sorgen und selbst mit Schüssen, die nicht den Weg in das Tor finden, für gefährliche Situationen sorgen, in denen Abpraller für Gefahr sorgen oder es einen Eckball für das eigene Team gibt. Insgesamt ist Vlasic als sehr umtriebiger Spieler zu bezeichnen, der viel versucht und dem gerade mit dem gestiegenen Selbstvertrauen auch viel mehr gelingt. 

Johannes Eggestein (21, Angreifer, Deutschland)

Schaut man sich den Kader der DFB-Auswahl an, dann fallen primär Spieler wie Jonathan Tah, Lukas Klostermann oder Mahmoud Dahoud auf. Doch ein junger Angreifer von Werder Bremen könnte bei diesem Turnier eine ganz besondere Rolle spielen: Johannes Eggestein. Der 21-jährige spielt wie sein Bruder Maximilian für Werder, absolvierte in der vergangenen Saison 28 Pflichtspiele und war dabei an 8 Treffern direkt beteiligt. Der Rechtsfuß kann in der Offensive mehrere Positionen bekleiden und könnte gerade deswegen ein wichtiges, belebendes Element sein. Denn in der Offensive fehlt es dem DFB-Team an Qualität in der Spitze und in der Breite, Eggestein, der bisher 6 Spiele für die U21-Nationalmannschaft absolvierte, könnte vor allem von der Bank wichtige Impulse setzen.

 (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Denn seine Qualitäten sind vielschichtig. Eggestein ist ein Offensivspieler der viel unterwegs ist, gerne die direkten Duelle mit dem gegnerischen Verteidiger sucht. Er dribbelt gerne, versucht nach innen zu ziehen und entweder in Schussposition zu kommen oder Lücken aufzureißen. Sein Abschluss ist sehr ordentlich, sein Antritt gut und er schaffte es auch bei Werder sehr häufig als Joker von Minute 1 an voll fokussiert zu sein und dem Spiel sofort etwas zu geben. Natürlich muss Eggestein noch viele Dinge in seinem Spiel verbessern, sein Passspiel muss präziser werden, er muss lernen Angriffe ruhiger und vorausschauender zu Ende zu spielen, aber insgesamt ist das Gesamtpaket schon mehr als ordentlich und gerade im späteren Verlauf eines Spiels wird seine Qualität zum Tragen kommen. 

Junior Firpo (22, Linksverteidiger, Spanien)

Die Leistungsdichte der spanischen Außenverteidiger ist in der diesjährigen U21 enorm hoch. Auf der linken Seite spielt ein sehr interessanter junger Mann, der bei Real Betis unter Vertrag steht: Junior Firpo. Firpo stammt aus der Jugend der Andalusier und schaffte im Winter 2018 den Sprung zu den Profis. Vor allem in der abgelaufenen Saison, in der er sowohl links vor der Dreierkette als auch als Linksverteidiger auflief, zeigte er hervorragende Leistungen. So gut, dass ihn bereits der FC Barcelona als mögliche Investition in Erwägung gezogen hat. Firpo steht bei Real Betis noch bis 2023 unter Vertrag, könnte sich mit einem guten Turnier aber weiterhin auf dem Markt positionieren. 

Für Firpo spricht auf jeden Fall seine sehr gute Balance auf dem Feld. Er ist defensiv stabil, gibt keinen Zweikampf verloren und kommt in der Regel auch nach eigenen offensiven Ausflügen schnell wieder hinter den Ball. Sein Antritt ist gut, seine Hereingaben häufig auch, wenngleich er dort aber noch eine gewisse Streuung hat. 7 Torbeteiligungen sammelte Firpo in der abgelaufenen Saison für Real Betis, überdies übernahm er immer wieder wichtige Aufgaben im typischen Kombinationsspiel von Quique Setien. Und gerade diese Fähigkeiten im Passspiel könnten ihn für Topklubs wie den FC Barcelona zu einer sehr guten Ergänzung machen. In der U21-Nationalmannschaft absolvierte Firpo erst ein Spiel in der Qualifikation, die Konkurrenz ist mit Aaron Martin und dem auch offensiver einsetzbaren Alfonso Pedraza durchaus groß.

Yari Verschaeren (17, offensives Mittelfeld, Belgien)

Einer der ganz, ganz spannenden Spieler ist der erst 17-jährige, in Antwerpen geborene Yari Verschaeren. Der Offensivspieler spielt beim RSC Anderlecht und stammt auch aus der Jugendabteilung des belgischen Topklubs. In der abgelaufenen Saison absolvierte er bereits 22 Pflichtspiele für den RSC, spielte zudem in der UEFA Youth League und zeigte dort sehr ansprechende Leistungen. 6 Torbeteiligungen sammelte der Spielmacher bei seinen Profieinsätzen – und der Rechtsfuß hat noch eine Menge Potenzial um schnell noch viel besser zu werden. Ein Pflichtspiel für die U21-Nationalmannschaft bestritt Verschaeren noch nicht, nach seinem steilen Aufstieg wird dies im Laufe des Turniers aber automatisch der Fall sein. 

(Photo by VIRGINIE LEFOUR/AFP/Getty Images)

Der 17-jährige ist durchaus als klassischer Spielmacher zu bezeichnen, der sich gerne zwischen den Linien bewegt und permanent für Unruhe in der gegnerischen Defensive sorgt. Verschaeren ist für sein Alter bereits sehr reif und bringt einiges mit um in den kommenden Jahren noch einen enormen Sprung nach vorne zu machen. Yari Verschaeren besitzt ein sehr gutes Spielverständnis und erkennt potenziell gefährliche Situationen bereits im Ansatz, besitzt zudem die Fähigkeit den Ball auch unter Druck präzise zu seinen Mitspielern zu befördern. Er findet häufig gute Lösungen, kann auch seinen Gegenspieler immer wieder im 1-gegen-1 ausspielen und ist aufgrund seiner engen Ballführung nur schwer ohne Foul zu stoppen. Ein weiterer Beweis für seine Reife: Yari Verschaeren weiß genau in welchen Situationen er das Spiel beruhigen und das Tempo verschleppen muss. 

Joachim Andersen (23, Innenverteidigung, Dänemark)

Seine Jugendzeit verbrachte der 23-jährige Joachim Andersen beim FC Midtjylland in Dänemark, ehe es ihn zur U19-Mannschaft von Twente zog. Dort hinterließ er schon gute Eindrücke, weswegen er zeitnah auf dem Radar von Sampdoria Genua auftauchte. Der Klub aus der italienischen Serie A überwies nur 1,5 Millionen Euro an den Klub aus der Eredivisie und diese Investition sollte sich auszahlen. Andersen war vor allem in der abgelaufenen Saison ein absoluter Gewinn für die Defensive, absolvierte 32 Ligaspiele und diese auf einem konstant hohen Niveau.

Mit seinen 1,90m bringt Andersen vor allem physisch alle Voraussetzungen mit um in der Defensive ein sehr, sehr unangenehmer Gegenspieler zu sein. Er gibt keinen Ball verloren, man kann ihn nur schwer umdribbeln und er hat eine enorme Reichweite. Sein Kopfballspiel ist zudem sowohl defensiv als auch offensiv ein Faktor.  In der dänischen Innenverteidigung nimmt er eine dirigierende Rolle ein, denn Andersen ist nicht nur auf seine Physis und Kopfballstärke zu reduzieren, sondern er spielt äußerst vorausschauend und antizipiert viele Situationen. Arsenal und der AC Mailand sollen sich für Andersen interessieren, während des Turniers in Italien und San Marino kann der 23-jährige zeigen, was er auf dem Kasten hat. 

Reiss Nelson (19, Flügelspieler, England)

Ein bekanntes Gesicht aus der Bundesliga ist der junge Engländer Reiss Nelson. Der Offensivspieler stammt aus der Nachwuchsabteilung des FC Arsenal und steht dort noch bis 2022 unter Vertrag. In der abgelaufenen Saison spielte Nelson auf Leihbasis für die TSG 1899 Hoffenheim und wusste häufig als Joker zu überzeugen. Seine Geradlinigkeit und der enorme Zug zum Tor machten ihn zu einem entscheidenden Faktor. 7 Tore und eine Vorlage steuerte Nelson in 23 Begegnungen in der Bundesliga bei – und in der kommenden Saison kann man davon ausgehen, dass er bei Arsenal eine gute Rolle spielen wird. 

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Nelson muss noch einen einigen Defiziten arbeiten, ist mitunter zu hektisch und hat noch Probleme mit der Entscheidungsfindung, aber die Dinge, die er mitbringt, weiß er gewinnbringend einzusetzen. Nelson verfügt über einen guten Antritt, hat zudem einen guten Abschluss – sowohl mit links als auch mit rechts. Sein instinktives und teilweise blitzschnelles Handeln in Angriffssituationen sorgt dafür, dass man Reiss Nelson kaum ausschalten kann, denn auch in unübersichtlichen Situationen kann er jederzeit ein Tor erzielen. Seine Technik ist gut, er versucht häufig im Kombinationsspiel Akzente zu setzen und könnte – ob als Startspieler oder Joker – den Unterschied bei der englischen Mannschaft machen. 

Manuel Behlert

(Photo by CRISTINA QUICLER / AFP)

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