Samstag, Oktober 31, 2020

Champions League Vorschau Gruppe A: FC Bayern, Atlético, RB Salzburg, Lok. Moskau

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In Kürze beginnt die neue Saison in der UEFA Champions League. In der Gruppe A treffen Titelverteidiger Bayern München, Atletico Madrid, RB Salzburg und Lok. Moskau aufeinander. In unserer Gruppenvorschau stellen wir die Teams vor!

  • FC Bayern: Maximale Erwartungen nach maximalem Erfolg
  • Atlético: Die Kunst, ein Außenseiter zu sein
  • Salzburgs spannende Talentfabrik

FC Bayern: Nach der Triplesaison sind die Erwartungen maximal

Der größte Name in Gruppe A, der Titelverteidiger, die Mannschaft der Stunde. Als erstes Team in der Geschichte dieses Wettbewerbs gelang es dem FC Bayern in der vergangenen Spielzeit alle Partien innerhalb einer Champions-League-Saison zu gewinnen. Auch die 43 Tore, die die Münchener auf dem Weg zu ihrem sechsten Europapokaltriumph erzielten, sind Rekord für eine Siegermannschaft.

(Photo by MANU FERNANDEZ/POOL/AFP via Getty Images)

Damit ist aber auch klar: Die Erwartungen an Hansi Flick (55) und sein Team sind größtmöglich. Denn anders als noch 2013 ist der Kern der Mannschaft noch lange nicht auf dem Zenit seines Schaffens. Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Serge Gnabry sind 25 Jahre alt, Kingsley Coman, Leroy Sané, Lucas Hernández und Benjamin Pavard 24, Alphonso Davies erst 19. Zum Vergleich: Franck Ribéry war beim ersten Triplegewinn der Münchener 30, Arjen Robben und Bastian Schweinsteiger je 29.

Der Saisonstart verlief aus Münchener Sicht eher holprig. Zwar konnte der FC Bayern mit einem 2:1 nach Verlängerung gegen Sevilla, beziehungsweise einem 3:2 gegen Borussia Dortmund den Trophäenschrank mit beiden Supercups weiter auffüllen. Doch der Mannschaft waren die Strapazen der langen Saison 2019/20 deutlich anzumerken. Nur gut zwei Wochen lagen zwischen dem Champions-League-Finale und dem Bundesliga-Eröffnungsspiel gegen Schalke. Ab diesem Zeitpunkt waren die Münchener praktisch alle drei Tage gefordert. So kam es, wie es kommen musste: Nach 120 äußerst intensiven Minuten im UEFA Supercup fehlte dem Rekordmeister die körperliche wie geistige Frische um mit aggressiven und giftigen Hoffenheimern mitzuhalten. Das daraus resultierende 1:4 war das Ende von Bayerns 23 Spiele anhaltender Siegesserie und die erste Niederlage im Jahr 2020 – nach 32 ungeschlagenen Pflichtspielen.

Breiter Kader als Schlüssel zum Erfolg

Im Zuge dessen schlug der FC Bayern an den letzten Tagen der Transferperiode nochmal in großer Stückzahl zu. Marc Roca (23), Eric Maxim Choupo-Moting (31), Bouna Sarr (28), Rückkehrer Douglas Costa (30) sowie das portugiesische Toptalent Tiago Dantas (19) sollen von nun an mithelfen, die Stammspieler zu entlasten.

Denn am kräftezehrenden Pressing des FC Bayern wird sich auch in dieser Spielzeit nichts ändern. Zwar versuchten sie beim 4:3 gegen Hertha BSC statt Fortissimo Mezzoforte zu spielen. Doch gerade diese Partie hat gezeigt, dass der Flick-Fußball die individuelle Qualität seiner Einzelkönner vollumfänglich benötigt. Und auf die kann er nur bei entsprechender Regeneration zurückgreifen. Taktisch dürfte Flick an das erfolgreiche 4-2-3-1 der Vorsaison anschließen, alternativ ist auch ein 4-3-3 mit Kimmich, Goretzka und Roca im Mittelfeld denkbar.

Atlético Madrid: Die Kunst des Verteidigens

Wie die Fans der Colchoneros den FC Bayern in Erinnerung haben, kommt maßgeblich darauf an, wann sie geboren sind. Die älteren jubelten noch über einen direkt verwandelten Freistoß von Luis Aragonés in der Verlängerung der 1974er-Finals, bevor Hans-Georg “Katsche” Schwarzenbeck sie mit einem Last-Second-Distanzschuss mitten ins Herz traf. Im Wiederholungsspiel waren sie mehr oder minder chancenlos, Doppelpacks von Gerd Müller und Uli Hoeneß besiegelten den 4:0-Sieg und den damit ersten von bislang sechs Europapokalsiegen.

2016 drehte Atlético im Halbfinale den Spieß um. Die Münchener lieferten ihr vielleicht bestes Spiel in drei Jahren unter Pep Guardiola und hatten noch vor der Pause das 0:1 aus dem Hinspiel ausgeglichen. Doch sieben Minuten nach Wiederanpfiff spielte Atlético einen Konter, den entscheidenden, mustergültig aus. Antoine Griezmann (29) lief allein auf Manuel Neuer zu und versetzte die Allianz Arena in Schockstarre. Das 2:1 war lediglich Ergebniskosmetik, Atlético gewann nach Auswärtstoren, beziehungsweise, dem einen Auswärtstor. In der darauffolgenden Saison trafen die beiden sich in der Gruppenphase erneut, beide gewannen ihre Heimspiele 1:0. Doch weil die Münchener sich einen kapitalen Aussetzer in Form eines 2:3 beim FK Rostow erlaubten, sicherte sich Atlético den Gruppensieg.

Je defensiver, desto besser

Gerade diese Spiele aus der jüngeren Vergangenheit beschreiben das Phänomen Clúb Atlético de Madrid ziemlich treffend. Sie sind eine der wenigen Mannschaften, bei denen man das Gefühl bekommt, dass sie sich wohler fühlen, je mehr man sie am eigenen Strafraum festtackert. Sie lassen die Gegner einfach an ihrer Defensive abprallen, um dann den einen Moment mentaler Erschöpfung mit überwältigender Konsequenz für den entscheidenden Konter abzupassen. Diego Simeone (50) hat in seinen inzwischen neun Jahren Atlético Madrid das Underdogspiel zur Kunstform erhoben.

In der vergangenen Saison kamen die Colchoneros bis ins Viertelfinale, wo man an RB Leipzig scheiterte. Zuvor allerdings wurden sie wieder mal zum Favoritenschreck, als sie Titelverteidiger Liverpool 4:2 nach Hin- und Rückspiel besiegt haben. Vor allem das Rückspiel in Anfield bleibt in Erinnerung. 71 Prozent Ballbesitz für die Mannschaft von Jürgen Klopp (53), 34:10 Torschüsse, 11:6 aufs Tor – Endstand, 2:3 nach Verlängerung. Dem FC Bayern dürfte das bekannt vorkommen.

RB Salzburg: Die Talentfabrik

Salzburg und die Champions League, lange war es eine Geschichte des ewigen Scheiterns. Zwischen 2006 und 2018 war elfmal in Folge jeweils in der Qualifikation Schluss. Mal gegen bekanntere Namen wie Valencia (2006) oder Fenerbahce (2013), mal gegen die Übermannschaften F91 Düdelingen (2012), Malmö FF (2014, 2015) oder HNK Rijeka (2017). Letztes Jahr ließ es die Gemengelage jedoch zu, dass sich Salzburg erstmals direkt für die Champions League qualifiziert.

Man kann nicht sagen, sie hätten bei ihrem Debüt enttäuscht. Zwar verpassten sie in einer Gruppe mit Liverpool, Napoli und dem KRC Genk das Achtelfinale und wurden am Ende Dritter. Doch sie lieferten einige Auftritte ab, die Eindruck hinterlassen haben. Vor allem die furiose Aufholjagd in Anfield, als Salzburg zwischenzeitlich einen 0:3-Rückstand ausglich, sei dahingehend erwähnt.

In der Europa League lief es eher mäßig. Das Sechzehntelfinal-Hinspiel in Frankfurt verlor Salzburg 1:4, zuhause gab es ein 2:2. Warum? Weil Erling Haaland (20) zu diesem Zeitpunkt bereits für den BVB spielte und Takumi Minamino (25) in Liverpool. Diese Saison haben sie die gefürchteten Playoffs erstmals überstanden. Gegen Maccabi Tel Aviv gewann Salzburg mit 2:1 und 3:1. Damit hat der Klub aus der Geburtsstadt Mozarts einmal mehr bewiesen, dass sie in der Lage sind, die verlorenen Talente auch wieder zu ersetzen.

(Photo by Adam Pretty/Getty Images)

Die heißesten Aktien sind diese Saison unter anderem Dominik Szoboszlai (19), Patson Daka (22), Sekou Koita (20) oder der erst 18-jährige Karim Adeyemi. Spielerisch erinnern sie – völlig überraschend – an RB Leipzig. Frühes Pressing, aggressiver Spielstil und taktisch variabel. Kein Wunder, Salzburgs Trainer Jesse Marsch (46) war schließlich in der Saison 2018/19 einer der Assistenten von Ralf Rangnick (62).

In der österreichischen Bundesliga gehen die Dinge auch zu Beginn dieser Saison ihren gewohnten Weg, Salzburg führt die Tabelle mit zwei Punkten vor Rapid Wien an. Gewinnen sie auch dieses Mal, wäre das die achte Meisterschaft in Folge. Einer ihrer Gruppengegner ist dahingehend schon etwas weiter.

Lok Moskau: Außenseiter, aber nicht chancenlos

Der Außenseiter in Gruppe A. Schon in der vergangenen Champions-League-Saison wurde Lok Moskau hinter Juventus, Atlético und Leverkusen Tabellenletzter. Jedoch haben sie gezeigt, dass sie nicht zu unterschätzen sind. Leverkusen düpierten sie gleich zum Auftakt 2:1 im eigenen Stadion, in Turin waren sie sogar lange auf Siegkurs, bevor ein später Doppelschlag von Paulo Dybala die Lok aufs Abstellgleis beförderte.

Ihr Prunkstück ist natürlich die Defensive. In der heimischen Premjer Liga haben nach zehn Spielen nur Tabellenführer Zenit (6) sowie Stadtrivale Dynamo Moskau (5) noch weniger Gegentore kassiert, als Lok (7). Im Moment steht die Mannschaft von Marko Nikolic (41) mit 18 Punkten auf Platz 5, der Rückstand auf Zenit beträgt allerdings nur drei Zähler. Für den Serben ist es die erste Saison an der Seitenlinie in Russland, zuvor war er für Fehérvár FC in Ungarn zuständig. Der Vertrag seines Vorgängers Yuri Semin (73), der seine vierte Amtszeit bei Lok Moskau absolvierte – und zwischenzeitlich sogar Präsident war – lief diesen Sommer aus, mit dem Verein konnte man sich nicht auf eine Verlängerung einigen. So kam es zum Wechsel.

(Photo by Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images)

Nikolics bevorzugtes System ist das 4-4-2, mit dem Ex-Leverkusener Vedran Corluka (34) in der Verteidigung, Grzegorz Krychowiak (30) im Mittelfeld und vorne Fedor Smolov (30) sowie Éder (32), dem Siegtorschützen aus dem EM-Finale 2016.

Lok Moskau hat im Sommer allerdings nicht nur den Trainer ausgetauscht, sondern auch eine ganze Reihe an Spielern. So entschloss sich Weltmeister Benedikt Höwedes (32) im Sommer, seine Karriere zu beenden, auch sein Teamkollege Jefferson Farfán (35) verließ den Klub. Mit Aleksey Miranchuk (24) ging zudem eines der größten Talente zu Atalanta. Für sie kamen unter anderem Zé Luis (29) vom FC Porto und der Ex-Hamburger Slobodan Rajkovic (31). Smolov kehrte außerdem nach seiner Leihe zu Celta Vigo zurück.

90PLUS-Prognose

Zweimal hat Atlético den FC Bayern in den letzten vier Jahren düpiert. Doch die Mannschaft scheint unter Hansi Flick gefestigt genug für den Gruppensieg zu sein. Noch dazu jetzt wieder mit breitem Kader. Dahinter werden sich Simeones Mannen ein enges Rennen mit Salzburg liefern, bei dem die individuelle Qualität und Erfahrung ausschlaggebend sein könnte. Die Lok wird wohl einmal mehr in Richtung Moskau Weißrussischer Bahnhof fahren.

 (Photo by DAVID RAMOS/POOL/AFP via Getty Images)

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Victor Catalina

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