Dienstag, Oktober 27, 2020

Europa League Vorschau Gruppe D: Benfica, Standard Lüttich, Rangers, Lech Posen

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In Kürze beginnt die neue Saison in der UEFA Europa League. In der Gruppe D treffen Benfica, Standard Lüttich, die Rangers und Lech Posen aufeinander. Wir stellen die Teams vor!

  • Ambitioniertes Benfica will den Gruppensieg
  • Rangers wollen den nächsten Schritt gehen
  • Lech Posen endlich wieder international dabei

Benfica nach Rekordsommer im Favoritenkreis

Der portugiesische Rekordmeister landete in der letzten Champions-League-Saison in der Gruppe auf Platz drei und überwinterte somit in die Europa League. Dort trafen die “Adler” in der Zwischenrunde auf Shakhtar Donezk, wo knapp Schluss war.

Da Benfica in der Saison 2019/20 nur Zweiter in der heimischen Liga wurde, musste man schon in der dritten Runde der Qualifikation um den Einzug in die Champions League kämpfen. Trotz klarer Überlegenheit (73% Ballbesitz, 16:8 Schüsse, 10:2 Ecken) musste man sich PAOK Saloniki geschlagen geben. Noch bitterer ist das Ergebnis, wenn man bedenkt, wer das vorentscheidende Tor für die Griechen erzielte: Andrija Zivkovic (24), der erst eine Woche zuvor seinen Vertrag bei Benfica Lissabon aufgelöst hatte.

Benfica: Großangriff auf dem Transfermarkt

Auf dem Transfermarkt war man – ungewöhnlich für den Verein – vor allem als Käufer unterwegs. Mit Darwin Núnez (21), Éverton (24), Pedrinho (22), Nicolás Otamendi (32) und Luca Waldschmidt (24) kamen gleich fünf Spieler für jeweils mindestens 15 Millionen Euro. Dazu kam mit Jan Vertonghen (33) ein langjähriger Stammspieler der Tottenham Hotspur ablösefrei. Insgesamt gab Benfica fast 100 Millionen Euro aus. Und auch der Trainer ist neu. Jorge Jesus (66) ist nach Stationen in Saudi-Arabien und Brasilien zurück in Portugal. Benfica trainierte er bereits von 2009 bis 2015. Abgegeben hat man mit Rúben Dias (23, Manchester City) lediglich einen Stammspieler. Taktisch setzt Jesus zumeist auf Varianten mit Viererkette und möchte in jedem Spiel ein gepflegtes Ballbesitzspiel aufziehen.

Photo: Imago

Vor allem die Entwicklung von Éverton wird spannend sein. Bereits seit einigen Jahren war der brasilianische Flügelspieler immer wieder bei europäischen Vereinen im Gespräch. Dass nun die Portugiesen den Zuschlag bekommen haben, verwundert doch etwas, da in den letzten Jahren vor allem der Arsenal FC, aber auch Borussia Dortmund oder der SSC Neapel an ihm interessiert gewesen sein sollen. Erstmals auffällig wurde er der breiten Fußballfanschaft bei der Copa América 2019. Dort spielte er sich im Laufe des Turniers in die Startelf Brasiliens und konnte vor allem im Finale (3:1 gegen Peru) mit einem Treffer und einer Vorlage überzeugen.

Benfica ist gut in die Saison gestartet: Drei Siege aus drei Spielen ist die Bilanz. Ex-Eintracht-Stürmer Haris Seferovic (28) traf dabei drei Mal.

Die Rangers wollen national und international angreifen

Nachdem das Team von Trainer Steven Gerrard (40) die Meisterschaft immerhin bis zu Beginn der Rückrunde spannend halten konnte und in der Europa League bis ins Achtelfinale (1:3 und 0:1 gegen Bayer 04 Leverkusen) kam, möchten die Schotten in dieser Saison den nächsten Schritt machen.

(Photo by IAN MACNICOL/POOL/AFP via Getty Images)

Dafür nahmen die Glasgow Rangers ordentlich Geld in die Hand. Der in der letzten Rückrunde vom KRC Genk ausgeliehene rumänische Kreativspieler Ianis Hagi (21) wurde für 3,5 Millionen Euro fest verpflichtet, dazu kamen mit Kemar Roofe (27) und Cedric Itten (23) zwei Stürmer für insgesamt acht Millionen Euro. Der ebenfalls bereits geliehene Routinier Jermain Defoe (38) kam ablösefrei aus Bournemouth, mit Leon Balogun (32) wurde ein erfahrener Innenverteidiger verpflichtet, der in der Bundesliga und in der Premier League sein Können nachgewiesen hat.

Mindestens genauso wichtig wie die Neuzugänge war jedoch, dass man Alfredo Morelos (24) halten konnte. Der kolumbianische Stürmer konnte letzte Saison in 47 Partien 29 Treffer erzielen, auch in dieser Saison hat er mit fünf Toren und drei Vorlagen in zehn Partien wieder stark begonnen. Mehrere Mannschaften aus den Topligen waren auch in diesem Sommer wieder an ihm interessiert, darunter Lazio Rom, Leicester City und der VfB Stuttgart.

Rangers: Starker Saisonstart

Allgemein läuft es in dieser Saison bereits gut. Neben der Qualifikation für die Europa League durch drei Siege, unter anderem gegen Galatasaray Istanbul, konnte man aus den ersten zehn Spielen in der heimischen Liga acht Siege und zwei Unentschieden generieren. Dadurch steht man auf Platz eins, einen Punkt vor Stadtrivale Celtic Glasgow, allerdings auch mit einem Spiel mehr.

Ein großes Plus der Mannschaft ist die Breite. Bis auf Rechtsverteidiger James Tavernier (28) kann jeder Spieler fast niveaugleich ersetzt werden, selbst Morelos kann man inzwischen mehr Pausen gönnen. Und Gerrard nutzt diese Breite auch. So kamen bereits 24 Spieler zum Einsatz, kein einziger Akteur stand bislang in jedem Spiel auf dem Feld. Als Grundformation wird immer im 4-2-3-1 gespielt.

Umbruch bei Lech Posen

Nachdem Lech Posen im letzten Jahr lediglich den vierten Tabellenplatz erreichen konnte und keine Chance auf die Gelder der Champions League hatte, musste man anderweitig finanzielle Mittel beschaffen in diesem für jeden so schwierigen Jahr.

So wurden mit Jakub Moder (21), Kamil Jozwiak (22) und Robert Gumny (22) drei der vielversprechendsten Talente verkauft. Insgesamt erhielt man für diese Spieler knapp 17 Millionen Euro. Mit Volodymyr Kostevych (27) verlor man noch einen weiteren Stammspieler ablösefrei.

Immerhin konnten die Polen bei Moders Transfer zu Brighton & Hove Albion in die englische Premier League aushandeln, dass der zentrale Mittelfeldspieler, der trotz seines jungen Alters auch schon ein wichtiger Bestandteil der polnischen Nationalmannschaft ist, für die Saison 2020/21 zurückverliehen wurde. Der 21-Jährige steht Posen somit weiter zur Verfügung.

Photo: Imago

Lech Posen mit altem Bekannten aus der Bundesliga

Ersetzt wurden die Spieler vor allem durch ablösefreie Neuzugänge und Leihspieler. Der bekannteste Neuzugang ist sicherlich Mikael Ishak (27). Der schwedische Stürmer kam ablösefrei vom 1. FC Nürnberg. Dort ging er vier Jahre auf Torejagd und war ein essentieller Spieler für den Aufstieg in die Bundesliga 2018. Auch in Polen läuft es bisher gut für ihn, in wettbewerbsübergreifend zehn Spielen steht er bereits bei sieben Toren.

Taktisch geht Lech Posen für gewöhnlich in einem 4-2-3-1 in die Partien. Offensiv versucht die Mannschaft von Trainer Dariusz Zuraw, sich vor allem durch die Zentrale zu kombinieren. Jakub Moder kommt hierbei die Rolle zu, den Ball in die gefährliche Zone zu bekommen. Der junge Pole steht für einen defensiven Mittelfeldspieler bei starken vier Torbeteiligungen in fünf Ligaspielen. Der Saisonstart verlief durchwachsen. Neben den fünf Siegen, um sich für die Europa League zu qualifizieren, stehen die Polen in der heimischen Liga mit acht Punkten nach fünf Spielen auf einem sechsten Tabellenplatz.

Standard Lüttich will den alten Glanz zurück

Die besten Zeiten sind bei Standard Lüttich lange vorbei. In den 1960er Jahren war man das Topteam in Belgien und holte vier Meisterschaften und zwei Pokale. Nachdem man Anfang der 1980er Jahre und Ende der 2000er Jahre mit jeweils zwei Meisterschaften noch einmal Höhepunkt erlebte, wurde es in den letzten Jahren ruhig um den Verein im Zentrum Belgiens. Der fünfte Platz im Vorjahr reichte immerhin zur Qualifikation zur Europa League, die erfolgreich bestanden wurde.

In den nächsten Jahren soll es wieder Berg auf gehen. Auf dem Transfermarkt holte man in erster Linie Talente, die einem in den nächsten Jahren gute Leistungen und gutes Geld bringen sollen. So sind alle vier Neuzugänge, die eine Ablöse kosteten, 21 Jahre oder jünger. Zwei davon kamen aus Frankreich, mit Jackson Muleka (20) kam der teuerste Neuzugang für zwei Millionen Euro aus der Demokratischen Republik Kongo. Mit Absoul Tapsoba (18) kam noch ein weiteres Talent direkt aus Afrika, von der Elfenbeinküste.

Photo: Imago

Standard Lüttich: Talentförderer auf der Bank

Auch auf der Trainerbank gab es einen Wechsel. Mit Philippe Montanier (55) kam ein erfahrener Franzose, der bei seinen früheren Stationen sehr viel Wert auf die Entwicklung von Talenten setzte. Nicht umsonst war er auch einige Monate Trainer der U20-Nationalmannschaft Frankreichs. Taktisch spielte man zu Beginn der Saison noch im 4-3-3. Zuletzt stellte man immer öfter auf das Lieblingssystem des Trainers, das 3-4-3 um. Mit beiden Systemen klappt es bis dato sehr gut, nach acht Spielen in der Liga steht Standard Lüttich mit 17 Punkten auf Platz drei. Bemerkenswert ist dabei, dass bereits drei mal der Tabellenführer geschlagen werden konnte, am zweiten Spieltag Waasland-Beveren (2:1), am vierten Spieltag Beerschot V.A. (3:0) und am achten Spieltag RSC Charleroi (2:1).

Ein besonderes Augenmerk sollte man auf Kapitän und Abwehrchef Zinho Vanheusden (21) legen. Der junge Innenverteidiger aus der Jugend von Standard wurde bereits früh von Inter Mailand entdeckt, 2015 wechselte er für eine Million Euro nach Italien. Im Januar 2018 wurde er zurück nach Belgien verliehen, im Sommer 2019 zog Lüttich die Kaufoption über fast zwölf Millionen Euro, womit man ihn zu teuersten Transfer der Vereinsgeschichte machte. Inter Mailand besitzt noch bis einschließlich Sommer 2021 eine Rückkaufoption über knapp 15 Millionen Euro, die aller Voraussicht nach im kommenden Sommer gezogen wird. Im Testspiel gegen die Elfenbeinküste vor wenigen Tagen debütierte Vanheusden zudem für die belgische Nationalmannschaft.

Photo: Imago

Prognose

Der Favorit aus Lissabon wird am Ende keine Probleme haben und den Gruppensieg einfahren. Dahinter wird es allerdings spannend. Die Rangers haben gute Chancen auf die K.O.-Runde, dürfen Lüttich und Posen allerdings keinesfalls unterschätzen.

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