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Weißt du noch? Supercup 2012 – Als der FCB seinen BVB-Fluch ablegte

3. August 2019
Nico Eidner

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Weißt du noch? Supercup 2012 – Als der FCB seinen BVB-Fluch ablegte

Am 3. August 2019 empfängt Borussia Dortmund den amtierenden Double-Sieger FC Bayern München im Signal-Iduna Park. Der Supercup steht vor der Tür, bei dem die Mannschaften ihren ersten richtigen Härtetest austragen werden. Vor dem Supercup 2012 waren die Rollen beider Vereine jedoch vertauscht. Der Double-Sieger Dortmund war zu Gast beim Vizemeister in München. Dieses Spiel sollte wegweisend für die Saison beider Teams werden.

Die Ausgangssituation vor dem Duell

Die Borussia spielte eine sensationelle Saison 2011/12 unter Trainer Jürgen Klopp und sicherte sich mit neun Punkten Vorsprung auf die Bayern den Ligagewinn. Auch das DFB-Pokalfinale entschied der BVB mit einem eindrucksvollen 5:2 Erfolg gegen die Münchner für sich. Die Mannschaft nahm temporär den Spitzenplatz der Bayern ein und entwickelte sich in dieser Zeit zum personifizierten Angstgegner des Rekordmeisters. Dieser wartete nicht nur seit 2010 auf einen Titel, sondern grundsätzlich auf einen Sieg gegen die Borussia. Denn die Bayern verloren vor dem Supercup-Spiel die vergangenen fünf Partien gegen die Dortmunder. Somit machte langsam die Frage die Runde, ob die Bayern den BVB überhaupt noch besiegen konnten.

Um wieder zu der besten Mannschaft Deutschlands zu werden, tätigten die Münchner im Sommer 2012 einige namhafte Transfers. Der Wolfsburger Mario Mandzukic wechselte beispielsweise für rund 13 Millionen Euro an die Isar. Der damals 26-Jährige konnte mit 22 Torbeteiligungen in 32 Spielen bei den “Wölfen” überzeugen. Neben Mario Gomez und Claudio Pizarro hatten die Münchner damit einen weiteren Stürmer, der sich im Laufe der nächsten Spielzeit zu einem entscheidenden Spieler entwickelte. Mit Innenverteidiger Dante (Borussia Mönchengladbach) und Talent Xherdan Shaqiri (FC Basel) verstärkten die Bayern sich weiter. Kurz vor dem Ende der Transferphase verkündeten die Münchner ihren damaligen Rekordtransfer Javi Martinez. Der vielseitige Spanier wechselte für eine stattliche Ablöse von über 40 Millionen Euro zu dem Rekordmeister. Auch er entwickelte sich wie Mandzukic zu einem Schlüsselspieler in der Saison 2012/13.

(Photo by Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images)

Doch wie reagierten in jenem Sommer die Vereinsbosse der Borussia auf die Transferoffensive der Konkurrenz aus dem Süden?

Der Startransfer vor Beginn der 50. Bundesliga Saison war Marco Reus. Er wechselte für eine Ablöse von etwa 17 Millionen Euro nach Dortmund. Reus etablierte sich als absoluter Spitzenspieler in der vorherigen Spielzeit in Gladbach und konnte in 37 Saisonspielen ganze 35 Torbeteiligungen vorweisen. Aufgrund dieser Leistungen wurde Reus zum Fußballer des Jahres gekürt. Bei dieser Verpflichtung setzten sich die Dortmunder im Werben um ihn unter anderem gegen die Münchner durch. Weitere Transfers von potenziellen Stammspielern folgten jedoch nicht. Julian Schieber kam von dem VfB Stuttgart für 5,5 Millionen Euro als Back-Up für Robert Lewandowski. Leonardo Bittencourt (Energie Cottbus) wurde zudem auch verpflichtet. Mit einer Leihe von Eigengewächs Nuri Sahin (Real Madrid) sollten die Dortmunder im Winter einen weiteren Transfererfolg verbuchen.

(Photo by Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images)

So war die Ausgangslage vor dem Supercup ziemlich ausgeglichen, obwohl man die Borussia aufgrund der vergangenen Spielzeiten womöglich etwas eher als Favoriten einschätzte.

Statistiken:

FC Bayern München

Aufstellung: Manuel Neuer – Philipp Lahm (c), Jerome Boateng, Dante, Emre Can (70. Holger Badstuber) – Toni Kroos, Luiz Gustavo – Arjen Robben (86. Xherdan Shaqiri), Thomas Müller, Frank Ribery (81. Anatolij Tymoshchuk) – Mario Mandzukic

Reservebank: Tom Starke (Tor), Daniel Van Buyten, Mitchell Weiser, Claudio Pizarro

Trainer: Jupp Heynckes

Formation: 4-2-3-1

Borussia Dortmund

Aufstellung: Roman Weidenfeller (c)- Lukasz Piszczek, Neven Subotic, Mats Hummels, Marcel Schmelzer – Moritz Leitner (64. Mario Götze), Ilkay Gündogan – Jakub Blaszczykowski (71. Julian Schieber), Marco Reus, Kevin Großkreutz (64. Ivan Perisic) – Robert Lewandowski

Reservebank: Mitchell Langerak (Tor), Felipe Santana, Chris Löwe, Mustafa Amini

Trainer: Jürgen Klopp

Formation: 4-2-3-1

Verlauf:

Tore: 1:0 Mandzukic (6.), 2:0 Müller (11.), 2:1 Lewandowski (75.) 

Gelbe Karten: Gustavo, Can, Mandzukic, Robben – Schmelzer

Zuschauer: 69.000 (ausverkauft/Allianz-Arena)

Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen) 

Taktische Ausrichtungen der beiden Mannschaften

Die Hausherren begannen in einem klassischen 4-2-3-1 mit einer Doppel-Sechs. Diese wurde von Toni Kroos und Luiz Gustavo gebildet. Kroos sollte die Rolle des Spielmachers übernehmen, während der Brasilianer für die Ordnung der Defensive zuständig war. Emre Can besetzte die Linksverteidiger-Position, deshalb saß Holger Badstuber vorerst auf der Bank. In der Innenverteidigung gab Dante neben Jerome Boateng sein Pflichtspiel-Debüt für den Klub. Mandzukic spielte im Sturmzentrum vor Thomas Müller, da Mario Gomez verletzungsbedingt fehlte. Die Flügelzange bildeten natürlich Frank Ribery und Arjen Robben.

Borussia Dortmund schickte die erwartete Elf auf den Platz. Sie starteten ebenfalls mit einer 4-2-3-1- Formation. Die Doppelsechs bildete neben Ilkay Gündogan Moritz Leitner, der den verletzten Sebastian Kehl ersetzte. Neuzugang Marco Reus startete im offensiven Mittelfeld.

Fulminanter Beginn der Bayern

Die Münchner waren von Spielbeginn an die bessere Mannschaft. In der 6. Spielminute schockten die Münchner ihre Gäste: Ribery brachte eine Flanke in den Strafraum, die Mandzukic erfolgreich mit dem ersten Kontakt unter Kontrolle gebracht hat. Den Ball versenkte der Kroate im Anschluss präzise in die linke untere Ecke. Die Führung für die Bayern nach nur sechs Minuten! Torschütze Mandzukic bejubelte direkt seinen ersten Treffer bei seinem Pflichtspiel-Debüt für die Bayern. Die Dortmunder zeigten bei dem Gegentreffer ein zu passives Abwehrverhalten. Neven Subotic hätte die Flanke definitiv abfangen können und Mats Hummels war nicht nah genug an dem Stürmer dran, der den Ball dadurch ungestört annahm.

(Photo by Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images)

Die Bayern wirkten durch den frühen Führungstreffer wie beflügelt. Sie erhöhten weiterhin den Druck auf die Hintermannschaft der Borussia und setzten schon fünf Minuten nach dem Tor das nächstes Ausrufezeichen. In einem perfekt abgestimmten Zeitpunkt spielte Torschütze Mandzukic einen Pass nahe der Mittellinie zwischen die beiden Innenverteidiger. Robben hinterlief Hummels und zog mit seiner Geschwindigkeit alleine auf das Tor der Dortmunder. Weidenfeller blieb nur übrig auf Robben zuzulaufen, um den Winkel zu seinem Tor somit zu verringern. Eine Eins-gegen-Eins Situation, welche wie gemacht für den Holländer war. Robben lupfte den Ball über den Keeper, traf allerdings nur den rechten Pfosten. Die drei heranstürmenden Verteidiger erreichten den Ball nicht und übersahen Thomas Müller, der bei dem Angriff mitgelaufen war. Er konnte den Abpraller unspektakulär zum 2:0 verwerten. Auch in dieser Aktion sah das Dortmunder-Defensivspiel alles andere als gut aus. Subotic und Hummels hätten den Pass auf Robben durchaus abfangen können.

Nach einer katastrophalen Anfangsphase stabilisierte sich die Dortmunder Verteidigung daraufhin. Daher wurde das Spiel deutlich ruhiger. Die Bayern gingen zu ihrem berühmten Ballbesitz-Fußball über und verhinderten somit Vorstöße der Borussia an den eigenen 16er. Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit ereigneten sich keine signifikanten Chancen mehr und der FC Bayern nahm die Führung mit in die Pause. Nach einem eher verschlafenem Start der Dortmunder hatte Trainer Jürgen Klopp in der Pause sicherlich einiges zu besprechen.

(Photo by Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images)

Schwungvoller Start in die zweite Hälfte

Der BVB zeigte sich zu Beginn der zweiten Hälfte von einer anderen Seite. Nach einer gefährlichen Ecke von Reus kam Lewandowski mit einem Kopfball zu der ersten Chance der Dortmunder. Doch Neuer parierte glänzend mit den Fäusten. Die Münchner wirkten zu diesen Zeitpunkt von dem Offensivspiel der Gäste überrumpelt. Robben brachte dann aber die Bayern mit einem sensationellen Dribbling zurück in das Spiel. Der Holländer ging an ganzen vier Gegenspielern vorbei und zog schließlich, in seiner typischer Manier, nach innen und schloss ab, Weidenfeller lenkte das Leder jedoch um den kurzen Pfosten.

Der Anschlusstreffer und ein Kampf in der Schlussphase

Das Spiel befand sich in einer äußerst hitzigen Phase, in der Dortmund offensiv mehr Akzente setzte als die Bayern. Um die Defensive zu stärken und wieder eine gewisse Stabilität aufzubauen, kam Badstuber in das Spiel. Er ersetzte den Youngster Can, welcher um seine zweite gelbe Karte geradezu bettelte. Die Dortmunder hingegen wechselten erneut in der Offensive. Für Blaszczykowski kam Julian Schieber in die Partie. Dieser bediente in der 75. Minute Lewandowski, welcher den verdienten Anschlusstreffer erzielte. Der Pole schloss kurz vor dem Strafraum ab und der Ball landete mit einem Aufsetzer in der unteren rechten Ecke. Nur drei Minuten später hatte Schieber den Ausgleich auf dem Fuß, doch der verfehlte das Tor nur knapp.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

In dieser hitzigen Phase gerieten auch die Münchner aus der Ruhe. Robben sah die gelbe Karte, da dieser sich über den Schiedsrichter beschwerte. In der letzten Minute wurde es noch einmal wild: Die Dortmunder forderten nach einem vermeintlichen Handspiel von Lahm vehement einen Elfmeter, welchen der Schiedsrichter aber verweigerte. Bei genauerem Hinsehen erkannte man deutlich, dass der Kapitän der Münchner den Ball an seine Brust bekam und es daher kein strafwürdiges Vergehen war. Nicht lange nach dieser Aktion pfiff Michael Weiner das Spiel ab und Kapitän Lahm nahm den Pokal entgegen.

Der FC Bayern München gewann somit nicht nur den DFL-Supercup, sondern auch die erste Partie gegen Dortmund nach fast zwei Jahren! Neuzugang Mandzukic überzeugte in seinem ersten Pflichtspiel und wurde verdient zu dem “Spieler des Spiels” gekürt. Dem Schiedsrichtergespann unterlief kein einziger Fehler. Weiner erfasste die Situation um das mögliche Handspiel sehr gut und es schien, als hätte er die Partie auch sonst im Griff gehabt. Die Begegnung blieb bis zum Schluss packend, da die Borussia noch eine Aufholjagd startete, diese aber nicht vollendete. Insgesamt kann man aber nicht von einem unverdienten Sieg der Bayern sprechen.

Der Beginn der Bayern-Regentschaft

Der Supercup-Sieg der Bayern ebnete den Weg in eine der geschichtsträchtigsten Saisons der Vereinsgeschichte. Die Münchner sicherten sich die 23. Meisterschale mit dem schnellsten Titelgewinn der Bundesliga-Geschichte. Bereits am 28. Spieltag krönten sich die Bayern in der Commerzbank-Arena gegen Frankfurt zum Meister (0:1). 91 Punkte standen am Ende der Saison auf dem Konto der Münchner. Diese hatten auf den Zweitplatzierten Borussia Dortmund einen Vorsprung von 25 Zählern. Außerdem konnten beide Vereine in das Champions League-Finale einziehen. Das erste deutsche Finale überhaupt wurde zu dem absoluten Saisonhighlight: Die Bayern setzten sich dramatisch durch einen spektakulären Last-Minute Treffer von Robben durch, der sich mit seinem entscheidenden Tor zum Helden machte (2:1). In München hörten sie einfach nicht auf Titel zu sammeln. In dem DFB-Pokalfinale bezwang man den VfB Stuttgart und erreichten mit dem Pokalgewinn als erste deutsche Mannschaft das historische “Triple”.

(Photo credit should read CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images)

Doch die Erfolgsgeschichte des FC Bayern München endete bis zum heutigen Tag nicht. Die Münchner konnten alle vergangenen sieben Bundesliga-Saisons seitdem für sich entscheiden. Außerdem gewannen die Bayern in diesem Zeitraum vier Mal den DFB-Pokal.

Bei dieser unglaublichen Ära stellt sich dementsprechend nur eine Frage:

Wann schafft eine deutsche Fußballmannschaft es wieder, den FC Bayern München von Deutschlands Fußballthron zu verdrängen?

 (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP/GettyImages)

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