AFCON 2021 | Überragender Gabaski reicht Ägypten nicht: Senegal gewinnt den Afrika Cup!

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News | Senegal oder Ägypten? Am Sonntagabend wurde die Frage geklärt, wer die 33. Ausgabe des AFCON gewinnen sollte. Nach torlosen 120 Minuten ging es an den Punkt, wo sich Senegal 4:2 durchsetzte.

Gabaski schlägt erneut zu, Senegal dominiert – keine Tore zur Pause

2019 bezwang Algerien den Senegal dank eines sehr frühen Treffers von Baghdad Bounedjah 1:0. Der Mannschaft von Aliou Cissé gelang mit einem 3:1 über Burkina Faso erneut der Einzug ins Endspiel. Ägypten gewann ebenfalls 3:1, gegen Gastgeber Kamerun, allerdings im Elfmeterschießen. Zweimal parierte Gabaski, den entscheidenden Versuch setzte Clinton N’Jie rechts am Tor vorbei.

 



 

Beim Rekordsieger stand der vom VfL Wolfsburg an den VfB Stuttgart ausgeliehene Omar Marmoush erneut in der Startelf, wie auch Arsenals Mohamed Elneny und natürlich Kapitän Mohamed Salah. Trotzdem mussten die Ägypter einen wichtigen Ausfall hinnehmen: Trainer Carlos Queiroz beschwerte sich im Halbfinale kurz vor Ende der regulären Spielzeit vehement und war auch im Anschluss von seinem Co-Trainer buchstäblich nicht einzufangen, sodass Schiedsrichter Bakary Gassama den 68-Jährigen des Innenraums verwies.

Der Senegal bot eine Elf auf, die gänzlich in Europa unter Vertrag stand: Edouard Mendy im Tor, Bayerns Bouna Sarr hinten rechts. Der Ex-Mainzer und -Dortmunder Abdou Diallo verteidigte an der Seite von Kapitän Kalidou Koulibaly. Linksverteidiger Saliou Ciss war der Einzige aus der Anfangsformation, der bei einem Zweitligaverein (Nancy) tätig ist. Idrissa Gueye bearbeitete das Mittelfeld und vorne sollten Ismaïla Sarr, Famara Diédhiou sowie Liverpools Sadio Mané für die Tore sorgen.

Gabaski komplettiert das Quartett vom Punkt, Mané verpasst knapp

Dieser Afrika-Cup bot einige Partien, die durchaus ihre Längen hatten, das Finale sollte vorerst nicht dazugehören. Bereits in der 4. Minute gab es den ersten Aufreger. Gueye schickte links Ciss auf die Reise, Emam Ashour stand eine Autostunde vom Geschehen entfernt, sein Abwehrpartner Mohamed Abdelmonem kam viel zu spät ins Tackling, sodass Schiedsrichter Victor Gomes aus Südafrika keine Wahl blieb, als auf den Punkt zu zeigen.

Sadio Mané schnappte sich die Kugel, trümmerte sie relativ mittig aufs Tor. Doch auch das hatte Gabaski geahnt und parierte seinen bereits vierten Elfmeter in diesem Turnier. Einmal gegen die Elfenbeinküste, zweimal gegen Kamerun und jetzt auch im Finale. Mohamed Abou Gabal, der eigentlich nur zwischen den Pfosten steht, weil sich Ägyptens etatmäßige Nummer eins, Mohamed El-Shenawy, gegen die Elfenbeinküste eine Verletzung zuzog. Nun entwickelt Gabaski sich mehr und mehr zum heimlichen MVP seiner Mannschaft.

Senegal war den Ägyptern individuell überlegen und ließ das spielerisch auch sichtlich werden, kam vor allem über die Flügel immer wieder durch. Der Rekordsieger konzentrierte sich vorerst auf die Defensive und war damit auch gut beschäftigt. 11. Minute, Ismaïla Sarr kam mit Tempo über die rechte Seite und zog aus gut 20 Metern ab – Gabaski war auch diesmal auf dem Posten.

Es war ein Spiel auf ein Tor, 23. Minute, erneut kam Ismaïla Sarr über rechts durch. In der Mitte fehlte Sadio Mané eine Fußspitze.

Die erste nennenswerte Torchance hatten die Ägypter erst nach 28 Minuten. Mohamed Salah dribbelte sich über die rechte Seite durch. Allerdings hat er Edouard Mendy auch schon mal vor größere Probleme gestellt. Zum Beispiel zwei Minuten vor der Pause. Baugleiche Szene, allerdings zielte Salah diesmal wuchtig hoch aufs kurze Eck. Die erste Parade war eine Pflichtaufgabe für Mendy, diese war herausragend. So blieb es zur Pause beim torlosen Remis.

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Senegal drückt, kommt aber nicht durch – Verlängerung im Finale

Ohne Wechsel ging es in den zweiten Durchgang. Die Spielrichtung veränderte sich einzig aufgrund des Seitenwechsels. Der Senegal war weiterhin die klar überlegene Mannschaft. In der 48. Minute wurde Mané gut 20 Meter vor dem Tor zu Fall gebracht. Den fälligen Freistoß jagte Idrissa Gueye in Richtung Innenstadt Yaoundé.

Wesentlich mehr war Gabaski in Minute 53 gefordert: Bouna Sarr kam über die rechte Seite. Seine Flanke in die Mitte kam zu Famara Diédhiou, der noch geblockt werden konnte. Mané setzte nach, Gabaski schnappte sich die Kugel. Drei Minuten später kam Ciss über links, Diédhiou rutschte heran, traf die Kugel allerdings nicht, sodass Gabaski erneut zupacken konnte. Die Einschläge kamen mittlerweile immer näher. Weil sie aber nicht fielen, beruhighte sich das Geschehen etwas.

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Photo by CHARLY TRIBALLEAU/AFP via Getty Images

So konnte auch Ägypten offensiver werden. 69. Minute, Ein Freistoß des eingewechselten Zizo landete genau auf dem Haupt von Mohamed Abdelmonem, der freistehend über das Tor köpfte. Sechs Minuten später durfte sich Marwan Hamdy in der Luft versuchen, bekam hinter seinen Kopfball aber nicht genug Druck.

Ihren besten – und auch letzten nennenswerten Angriff der zweiten Hälfte hatten die Senegalesen in Minute 79, Bouna Sarr hinterlief über rechts. Seine Hereingabe wurde dann allerdings so abgefälscht, dass sie für niemanden in der Mitte mehr brauchbar war. Es ging in die Verlängerung. Für Ägypten war es die vierte. In jeder Stufe der K.O.-Runde mussten sie nachsitzen, nun auch im Finale.

Immer wieder Gabaski! Elfmeterschießen um den Titel!

Keine Minute war gespielt, als der Senegal zur nächsten Topchance kam: Der eingewechselte Ahmadou Bamba Dieng wurde links steilgeschickt, visierte das lange Eck an. Aber auch diesen Ball verneinte Gandalf Gabaski. You. Shall. Not. Pass. Für Aliou Cissé an der Seitenlinie war es inzwischen zum Verzweifeln. Noch nie hatte der Senegal den Afrika Cup gewonnen, Cissé selbst unterlag in einem Finale sowohl als Spieler, als auch als Trainer.

In Minute 99 kam Ägypten auch spielerisch mal wieder nach vorne, Trezeguet durfte aus dem Rückraum abschließen. Mehrere Senegalesen fälschten die Kugel aber so ab, dass Mendy sie locker aufnehmen konnte.

Direkt im Gegenzug flankte Ciss aus vollem Lauf in die Mitte, Bamba Dieng stieg schulbuchmäßig hoch, brachte den Ball perfekt als Aufsetzer aufs lange Eck. Der Ausgang sollte mittlerweile klar sein. Zum siebten Mal in diesem Spiel parierte Gabaski – und Ägypten nahm das Remis in die letzten 15 Minuten dieser Partie mit.

Die zweite Halbzeit der Verlängerung hielt noch zwei gute Gelegenheiten bereit: 116. Minute, Bamba Dieng zog aus der Distanz bretthart ab. Aber die Antwort auf alles hieß in diesem Fall nicht 42, sondern 16: Gabaski. Nur eine Minute später bekam Ägypten sogar die Chance auf den Lucky Punch: Marwan Hamdy zog aus der Drehung ab und forderte damit Edouard Mendy nochmal heraus. Damit war die Geschichte dieses Spiels auserzählt. Es ging an den Punkt.

Mané im zweiten Anlauf sicher: Senegal gewinnt erstmals den Afrika Cup!

Kalidou Koulibaly hieß der erste Schütze, entschied sich für Gabaskis „Lieblingsecke“ unten links – auf eigene Gefahr. Der Versuch war hart, hart genug. 1:0. Zizo machte es ebenso sicher und ließ Mendy mit einem Schuss unters Tordach absolut keine Chance. Abdou Diallo tat es Koulibaly gleich und traf ebenfalls.

Ägypten hatte im bisherigen Turnier noch keinen Elfmeter verschossen – bis Mohamed Abdelmonem antrat. Er visierte das untere, linke Eck an, traf allerdings nur den Innenpfosten, von wo die Kugel ins Feld zurücksprang. Carlos Queiroz schaute auf der Tribüne entsetzt drein. Bouna Sarr konnte Senegals Führung nun ausbauen. Sadio Mané hielt es mittlerweile nicht mehr bei der eigenen Mannschaft, er tigerte im Mittelkreis umher. Wie seine beiden Vorgänger entschied auch Sarr sich für die linke Ecke, hatte die Rechnung aber ohne Gabaski gemacht.

AFCON 2022 Senegal Ägypten

Photo by CHARLY TRIBALLEAU/AFP via Getty Images

Marwan Hamdy nutzte die Chance, Ägypten wieder ins Spiel zurückzubringen und verlud Mendy. Es lag nun an Ahmadou Bamba Dieng, die senegalesische Führung wiederherzustellen – und er lieferte. Akkurat platzierte der OM-Stürmer die Kugel im linken Winkel. So und nur so war Gabaski an diesem Abend zu bezwingen.

Mohanad Lasheen kam nun. Gegen Kamerun hatte er noch den entscheidenden Elfmeter verwandelt. Diesmal entschied er sich für die Variante flach halblinks. Das hatte Mendy geahnt und sicherte den Seinen damit den Matchball.

Das Spiel endete, wie es begann: mit dem Duell zwischen Sadio Mané und Gabaski. In Minute 7 gewann der ägyptische Keeper. Diesmal ahnte Teamkollege Mohamed Salah schon, was passieren würde und vergrub sein tränenüberströmtes Gesicht im Trikot. Mané trat an – und traf diesmal sicher unten links! Damit ist der Senegal erstmals Afrikameister! Einen kleinen Trost gab es für den überragenden Gabaski aber trotzdem: Er wurde hochverdient zum Spieler des Spiels gekürt.

Der Endstand nach Elfmeterschießen aus dem Olembe Stadium zu Yaoundé: Senegal 4, Ägypten 2.

Photo by KENZO TRIBOUILLARD/AFP via Getty Images

Victor Catalina

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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