DFB-Pokal | Alu-Drama für Freiburg! RB Leipzig ist Pokalsieger!

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News | Real Betis, Liverpool, Inter, Nantes und…? Am Samstagabend sollte im Finale des DFB-Pokals die Frage beantwortet werden, ob der SC Freiburg oder RB Leipzig der illustren Runde an Pokalsiegern aus den Top-5-Ligen beitritt. Nach 120 Minuten stand es 1:1, sodass die Entscheidung vom Punkt fiel. Freiburg vergab zweimal, sodass sich RB Leipzig insgesamt 5:3 durchsetzt und damit den ersten großen Titel der Vereinsgeschichte holt!

Eggesteins umstrittener Treffer bringt Freiburg auf Pokalkurs

Das 79. DFB-Pokalfinale ist angerichtet! An diesem Samstagabend traf der SC Freiburg auf RB Leipzig. Von vornherein war klar, dass nach diesem Spiel ein neuer Name auf den DFB-Pokal eingraviert wird.

 



 

Der Sport-Club kam über die Stationen Würzburger Kickers (1:0), VfL Osnabrück (5:4 n.E.), TSG Hoffenheim (4:1), VfL Bochum (2:1 n.V.) sowie HSV (3:1) nach Berlin. RB Leipzig setzte sich in der ersten Runde souverän in Sandhausen durch (4:0), gefolgt von Siegen beim SV Babelsberg 03 (1:0), gegen Hansa Rostock (2:0), in Hannover (4:0) sowie gegen Union Berlin (2:1). Aufmerksamen Beobachtern wird aufgefallen sein, dass die Mannschaft von Domenico Tedesco mit lediglich einem einzigen Gegentor die beste Defensive des Wettbewerbs stellt. Für RB ist das diesjährige Finale das dritte in den letzten vier Saisons. 2018/19 (0:3 gegen Bayern) sowie vergangenes Jahr (1:4 gegen Dortmund) unterlag man jeweils deutlich.

Das bedeutet allerdings auch, dass sich ein klarer Trend abzeichnet: Seit Beginn des vergangenen Jahrzehnts gab es in den zwölf Pokalfinals lediglich zweimal weniger als drei Treffer, 2013/14 (Dortmund 0:2 Bayern n.V.) sowie 2015/16 (Bayern 4:3 Dortmund i.E., 0:0). Die letzten fünf Endspiele wurden zudem in der regulären Spielzeit entschieden.

Schlotterbeck klärt – Leipzig vor der Pause ohne Durchschlagskraft

Damit hinein in die Partie. Die Anfangsviertelstunde verlief nahezu gänzlich ereignisbefreit, weil beide Teams das allerletzte Risiko mieden. In Minute 19 jedoch schickte Vincenzo Grifo über die linke Seite Christian Günter. Freiburgs Kapitän servierte scharf in die Mitte. Dort konnte Roland Sallai die Kugel nicht richtig annehmen, sodass Maximilian Eggestein den Rebound aus 18 Metern bekam und sehenswert unten links versenkte. 1:0!

Allerdings bildete sich sofort ein weiß-roter Pulk vor Sascha Stegemann, weil Sallai der Ball an den Arm gesprungen war. Er entschied, dass das Handspiel unabsichtlich gewesen sei. Der Treffer zählte. Für RB war es gewissermaßen Business as usual. 2019 gegen den FC Bayern war es die 29. Minute, vergangenes Jahr die 5., nun Minute 19.

Fünf Minuten nach dem Treffer hatte RB seine beste – weil einzige – Gelegenheit in der ersten Hälfte. Lucas Höler unterlief ein Fehlpass, sodass Christopher Nkunku über links Meter machen konnte. Freiburg konnte die Situation allerdings nicht klären. Die Kopfballrückgabe von Nicolas Höfler landete nicht bei Mark Flekken, sondern erneut bei Nkunku. Leipzigs Nummer 19 spitzelte die Kugel Richtung Tor, Nico Schlotterbeck klärte in seiner letzten Partie kurz vor der Linie und jubelte im Anschluss lautstark.

Danach allerdings zeigte sich der SC Freiburg wesentlich aktiver, giftiger, griffiger. Phasenweise erinnerte es an Leipzigs Auftritt in Ibrox, als sie sich von einem Gegner mit genau denselben Attributen gänzlich den Schneid abkaufen ließen. So ging es folgerichtig mit dem 1:0 in die Pause. Kleiner Snack aus der Datenküche: Im Moment wäre Freiburg erst die vierte von insgesamt 13 Mannschaften seit Beginn des vergangenen Jahrzehnts, die den DFB-Pokal holt, obwohl sie im Finale als Heimteam gelistet sind.

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Leipzig ohne Durchschlagskraft – aber dank Nkunku in der Verlängerung!

Ohne Wechsel ging es in die zweite Halbzeit, deren Anfangsminuten RB Leipzig gehörten. Es gelang ihnen, eine Druckphase aufzuziehen. Die beste Gelegenheit gab es in Minute 50. Henrichs chipte die Kugel in die Box, Schlotterbeck wollte klären, verschlimmbesserte die Situation allerdings, sodass Nkunku aus der Drehung zum Abschluss kam – Flekken parierte.

Die omnipräsente Gefahr waren Freiburger Konter. So, wie in der 59. Minute: Grifo schickte Höler steil, der sich clever Leipzigs Defensive entzog und freie Fahrt Richtung Gulácsi hatte. Marcel Halstenberg zog Freiburgs Stürmer am Arm. Die Konsequenz: Der erste Platzverweis in einem Pokalfinale seit Torsten Frings 2010 gegen den FC Bayern. Werder unterlag damals 0:4.

Den fälligen Freistoß aus gut 25 Metern zog Grifo mit Schnitt über die Mauer, allerdings knapp ans Außennetz. Große Teile des SC-Fanblocks in der Ostkurve hatten den schon im Tor gesehen. Nach einer Stunde hatte RB den nächsten vielversprechenden Abschluss: Roland Sallai bekam auf links viel Platz und bat Willi Orban zum Tanz. Abermals zappelte das Netz lediglich von Außen.

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Photo by Joern Pollex/Getty Images

Es sah aus, als würden beide Teams dieses 1:0 ins Ziel fahren. Freiburg bekam offensiv zwar einige gute Gelegenheiten, wusste diese aber nicht zu nutzen. Leipzig konnte sich – mit Ausnahme von Nkunku fünf Minuten nach Wiederanpfiff – nicht einmal diese. Eine Viertelstunde vor Schluss erhielten sie jedoch einen Freistoß aus gut 27 Metern Entfernung. Der eingewechselte Dominik Szoboszlai donnerte den Standard in die Zwei-Mann-Mauer. RB blieb jedoch dran, Laimer verlagerte auf die rechte Seite, wo Willi Orban per Kopf an den zweiten Pfosten verlängerte. Dort kam Nkunku angeflogen und grätschte die Kugel über die Linie. 1:1, Ausgleich in Unterzahl! Tedesco sprintete zu seiner Mannschaft in die Kurve!

Es begann nun Leipzigs beste Phase. Minute 82, Szoboszlai zog einen weiteren Freistoß vom linken Flügel direkt auf den Kasten. Flekken parierte einmal. Henrichs nahm sich den zweiten Ball, Flekken parierte nochmal.

Drei Minuten später flankte Günter von links auf den eingewechselten Ermedin Demirović, der seinen Kopfball allerdings nicht platziert bekam. Im direkten Gegenzug RB: Henrichs spielte einen Doppelpass mit Szoboszlai und bediente den ebenfalls neu gekommenen Dani Olmo im Zentrum, dessen Abschluss denkbar knapp am linken Pfosten vorbeizischte. Somit blieb es – wie in beiden Bundesligabegegnungen – beim 1:1. Erstmals seit 2016 bekam das Pokalfinale ein Sequel.

Freiburgs Alu-Drama macht RB zum Pokalsieger!

Auch diesmal nahmen beide Trainer keine Veränderung vor. Das Spiel war seit weniger als zwei Minuten angepfiffen, da erarbeitete sich der Sport-Club einen Eckball, mit dem Christian Günter am zweiten Pfosten Demirović fand. Dessen Kopfball senkte sich ans linke Gestänge.

Beide Mannschaften tasteten sich bis hierhin ab. Die besseren Gelegenheiten hatten allerdings die Freiburger: 104. Minute, ein Abschluss des eingewechselten Jonathan Schmid landete abgeblockt bei Janik Haberer, dessen Direktschuss Gulásci herausragend an den rechten Pfosten lenkte. Von dort aus prallte die Kugel zu Demirović, der aus vier Metern halblinker Position über das leere Tor zielte. Das hätte das 2:1 sein müssen.

In der zweiten Hälfte traf Freiburg auch noch ein drittes Mal Aluminium: 115. Minute, ein Abschluss von Günter konnte noch geblockt werden. Der Rebound landete beim zukünftigen Unioner, der seinen Volley an die Oberkante des Querbalkens trümmerte.

Gegen Ende der Verlängerung wurde es nochmal hektisch. 117. Minute, Höfler brachte im Zweikampf Dani Olmo zu Fall. Die Leipziger Bank sprang geschlossen auf. Kevin Kampl vergriff sich zu sehr im Ton und sah von der Bank aus Gelb-Rot. Stegemann schaute sich die Szene an der Seitenlinie an und kam zum korrekten Entschluss, dass Höfler – gerade so – noch den Ball spielte. Es ging nach 123 Minuten an die ultimative Klimax, an den Punkt.

Die ersten drei Versuche waren allesamt drin, RB Leipzig führte 2:1. Dann kam SC-Kapitän Christian Günter – und sägte die Kugel staubtrocken über das Tor. Dani Olmo nutzte den Elfmeter zum Vorteil. Dabei blieb es bis zum letzten Versuch. Ermedin Demirović musste treffen – und traf, allerdings die Unterkante des Querbalkens. RB Leipzig ist DFB-Pokalsieger!

RB Leipzig ist auch der erste Pokalsiegerdebütant seit dem VfL Wolfsburg 2015. Bis eine Viertelstunde vor Schluss sprach wenig für den Tabellenvierten der Bundesliga. Freiburg führte verdient und ließ kaum gegnerische Chancen zu. Der Platzverweis schien die Partie zum Kippen zu bringen. Plötzlich hatte RB nichts mehr zu verlieren, dafür aber der SC Freiburg. Mit der Chance von Dani Olmo kurz vor Ende der 90 Minuten hätten die Leipziger das Spiel sogar komplett drehen können. In der Verlängerung hatten sie bei den drei Freiburger Aluminiumtreffern auch das Glück des Tüchtigen, sodass die Mannschaft von Domenico Tedesco vom Punkt die Ruhe, Erfahrung sowie individuelle Klasse ausspielen konnte.

Leipzig krönt seine Saison nach der erfolgreichen Aufholjagd und Platz 4 mit dem ersten großen Titel der Vereinsgeschichte. Das alles kurz nach dem 13. Jahrestag des Vereins. Freiburg hingegen muss sich nicht nur im Saisonendspurt mit Platz 6 zufriedengeben, nachdem sie am 32. Spieltag aufgrund Leipzigs 1:3-Niederlage in Mönchengladbach zwischenzeitlich Rang 4 übernahmen, sondern im ersten Pokalfinale die erste Niederlage einstecken.

Es wird spannend zu sehen sein, wie beide Klubs nun reagieren: RB Leipzig hat sich nach der Niederlage in Mönchengladbach zurückgekämpft und kann auf eine mehr als erfolgreiche Saison zurückblicken. Zudem haben sie das, was sie bislang von Bayern und Dortmund trennte: einen Titel.

Freiburg hingegen hat bewiesen, wieviel Potential im Verein steckt. Die Frage wird sein, wie sie es auffassen – als „Once in a lifetime“-Situation oder sehen sie die Chance – ähnlich wie Eintracht Frankfurt 2017 – sich über den DFB-Pokal eine Reputation aufzubauen. Fragen, die die Zukunft beantworten wird. In der Gegenwart steht…

Der Endstand nach Elfmeterschießen aus dem Olympiastadion: SC Freiburg 3, RB Leipzig 5.

Photo by THOMAS KIENZLE/AFP via Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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