FA Cup | Liverpools Kollektivperformance schlägt Chelseas Druckmomente – das Finale in der Einzelkritik

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Spotlight | Am Samstagnachmittag traf Chelsea im Finale des FA Cups auf Liverpool. Wie bereits im Carabao Cup ging es nach torlosen 120 Minuten an den Punkt, wo abermals Liverpool das bessere Ende für sich hatte. Kostas Tsimikas machte mit dem siebten Elfmeter den 6:5-Sieg klar. Die Einzelkritik zur Partie.

Liverpool nutzt den zweiten Matchball und fügt Chelsea die dritte Finalniederlage am Stück zu!

Liverpool holt seinen ersten FA Cup seit 2006! Wie bereits im Carabao Cup gegen Chelsea ging es nach torlosen 120 Minuten an den Punkt. Diesmal sollte die Veranstaltung wesentlich früher zu Ende sein. Bereits Chelseas zweiten Versuch setzte César Azpilicueta ans Gestänge.

 



 

Als Liverpool sich mit neun Fingern an der Trophäe wähnte, parierte Édouard Mendy den letzten der ersten zehn Versuche gegen Nationalmannschaftskollege Sadio Mané. Letztlich war es der siebte Elfmeter, der den Unterschied machte: Mason Mount vergab gegen Alisson, sodass Kostas Tsimikas den zweiten Matchball nutzen konnte. Während Liverpool den Titel feiert, verliert Chelsea nach 2020 (1:2 gegen Arsenal) und 2021 (0:1 gegen Leicester) sein drittes FA Cup-Finale am Stück. Die Akteure in der Einzelkritik.

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Chelsea FC: Alonso und Pulisic leiten die Druckphasen ein, aber nicht den Durchbruch

Édouard Mendy: Einmal mehr der sichere Rückhalt der Blues. Wie Alisson auf der anderen Seite bekam auch er lediglich zwei Schüsse auf sein Tor, die er sicher entschärfte. Ansonsten sicher im Herauslaufen sowie dem Aufbauspiel. Gab seinem Team mit dem gehaltenen Elfmeter gegen Sadio Mané neue Hoffnung. War bei den restlichen Versuchen ohne wirklichen Auftrag. Note: 2,0.

Trevoh Chalobah (bis 105′): Hatte mit Thiago Silva und Antonio Rüdiger zwei erfahrene Nebenleute an seiner Seite, an denen er sich hochziehen konnte. Nach 20 Minuten erlaubte er sich einen Stellungsfehler und verlor Sadio Mané aus den Augen, Mendy bereinigte. Ansonsten weitestgehend stabil. Note: 3,0.

Thiago Silva: Hielt Chelseas Defensive souverän zusammen. Einmal war er richtig gefordert, als Liverpool in der 90. Minute über Luis Díaz konterte. Machte sein Geschwindigkeitsdefizit mit Stellungsspiel und Erfahrung herausragend wett und zwang den Kolumbianer zum Abschluss aus spitzem Winkel. Note: 2,0.

Antonio Rüdiger: Seine letzte große Partie für Chelsea, bevor sich der Nationalspieler im Sommer wohl Real Madrid anschließen wird. Wie Thiago Silva musste auch er sich nur einmal wirklich auszeichnen. In der 97. Minute war Sadio Mané eigentlich schon an ihm vorbei, Rüdiger drängte den Senegalesen dennoch im Zweikampf stark ab. Note: 2,5.

Reece James: Sehr aktiv über seine rechte Seite. Legte Chancen auf, wie in Minute 94 für Christian Pulisic, oder probierte es in der 68′ auch selbst. Dabei auch defensiv sicher. Trat als dritter Elfmeterschütze an sowie als erster nach dem vergebenen Versuch Azpilicuetas – und ließ seine Mannschaft auch dabei nicht im Stich. Runder Auftritt des Eigengewächses. Note: 2,5.

Jorginho: Wie gewohnt unauffälliger, aber trotzdem sehr wichtiger Taktgeber seiner Mannschaft. Leitete mit einem Ballgewinn kurz vor der Pause eine Chance von Romelu Lukaku ein. Musste im Elfmeterschießen als fünfter Schütze treffen und enttäuschte keineswegs. Verzichtete dafür sogar auf seinen Trademark-Hopser. Note: 3,0.

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Photo by GLYN KIRK/AFP via Getty Images

Mateo Kovačić (bis 66′): Es verwunderte etwas, das sein Name in der Startelf auftauchte, nachdem ihn Dan James während der Partie in Leeds nach der körperlichen Unversehrtheit trachtete. Nicht wenige hatten bereits mit einem längeren Ausfall gerechnet. 66 Minuten hielt der kroatische Nationalspieler letztlich durch – und lieferte einen blitzsauberen Auftritt ab. Stark im Zweikampf, leitete so einige vielversprechende hohe Ballgewinne ein, bevor er für N’Golo Kanté Platz machte. Note: 2,5.

Marcos Alonso: Wie James sorgte auch der Spanier für extrem viel Wirbel, wenngleich seine Aktionen etwas mehr Durchschlagskraft hatten. In Minute 27 tauchte er frei vor Alisson auf. Da ihm allerdings der erste Kontakt misslang, kam er nicht zum perfekten Abschluss. Kurz nach der Pause mit einem vielversprechenden Volley (47′) sowie einem Freistoß aus spitzem Winkel ans Aluminium (48′). Auch seine Hereingaben hatten zumeist viel Schönes. Übernahm vom Punkt als erster Schütze seines Teams Verantwortung und traf sicher. Note: 1,5.

Mason Mount: Die tragische Figur dieses Finals. Vergab den siebten und damit entscheidenden Versuch, sodass sich Kostas Tsimikas den Matchball nehmen konnte. Muss damit in seinem sechsten Endspiel in Wembley die sechste Niederlage einstecken. Der Auftritt davor konnte sich eigentlich sehen lassen. Leitete in Minute 41 eine im Ansatz gute Gelegenheit ein, zudem auch an der kurzen Druckphase Chelseas nach der Pause beteiligt. In Minute 89 vergab er allerdings eine gute Gelegenheit zum Sieg. Note: 3,5.

Christian Pulisic (bis 105′): Vor zwei Jahren brachte er Chelsea im FA Cup-Finale gegen Arsenal in Führung. In Minute 23 hätte er beinahe erneut zugeschlagen. Auch im weiteren Verlauf der Partie mit einigen Gelegenheiten dieser Gewichtsklasse und weiteren vielversprechenden Abschlüssen. Allein das Glück fehlte ihm. Musste nach 105 Minuten für Ruben Loftus-Cheek weichen. Note: 3,0.

Romelu Lukaku (bis 85′): Lieferte sich einige interessante Duelle im Superschwergewicht gegen Virgil van Dijk und bereitete dem Niederländer durchaus Schwierigkeiten. Besonders in der ersten Hälfte aktiv, nicht nur in seiner Kernaufgabe als Stürmer, wie bei 45’+1, als er aus spitzem Winkel durchaus vielversprechend abzog, sondern auch im Einleiten von Torchancen. So zum Beispiel nach einer Viertelstunde, als Christian Pulisic eines seiner Zuspiele nur knapp am linken Gestänge vorbei. Allerdings auch mit einigen unvollendeten Aktionen. Vier Minuten vor der Pause bekam Chelsea nach einem Ballverlust Thiagos eine Überzahlsituation, Lukaku zögerte zu lange beim Abschluss, sodass die Gelegenheit versandete. Machte fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit für Hakim Ziyech Platz. Note: 3,0.

Einwechslungen von Chelsea

N’Golo Kanté (ab 66′): Ersetzte Mateo Kovačić und tat das, was er am besten konnte: Bälle erobern und weiterleiten. In der Verlängerung fehlte ihm nach einem langen Ball zudem ein Schritt, um freie Fahrt Richtung Alisson zu haben. Note: 3,0.

Hakim Ziyech (ab 85′): Kam für Romelu Lukaku ins Spiel und fiel zumeist durch ungenaue Hereingaben auf und dadurch, dass er versuchte, Elfmeter zu provozieren. Als er dann vom Punkt antreten durfte, verwandelte er sicher. Note: 3,5.

César Azpilicueta (ab 105′): Als er Trevoh Chalobah ersetzte, nahm er sich sofort die Kapitänsbinde. Im Stile eines Kapitäns und einer Vereinslegende übernahm er vom Punkt Verantwortung und hatte Pech, dass sein Versuch ans rechte Gestänge klatschte. Defensiv aufgrund der Müdigkeit seiner Gegenspieler nicht mehr allzu sehr gefordert. Note: 3,0.

Ruben Loftus-Cheek (ab 105’/bis 120′): Ein relativ abstruser Kurzauftritt. Kam für Christian Pulisic und begab sich ins Sturmzentrum, wo er sonst normalerweise eher selten zugegen ist. Nach einigen – qua Verschleiß des Spiels – halbgaren Aktionen nahm ihn Thomas Tuchel kurz vor dem Elfmeterschießen wieder runter. Schwer, diese Performance adäquat zu bewerten. Note: ohne Bewertung.

Ross Barkley (ab 120′): Ersetzte Ruben Loftus-Cheek speziell fürs Elfmeterschießen. Die Aktion erinnerte ein wenig an den Carabao Cup, als Kepa Arrizabalaga für den Shootout kam und seinen Versuch auf den Parkplatz beförderte. Der Evertonian gab sich hingegen keine Blöße und traf sicher. Dennoch kann man eine Minute aus dem laufenden Spiel heraus mit ziemlich genau null Ballkontakten ebenfalls schwer benoten. Note: ohne Bewertung.

Thomas Tuchel: Das zweite Finale dieser Saison gegen Jürgen Klopp. Das zweite Mal, dass seine Mannschaft nicht allzu viel falsch machte, dennoch nur die Blumen bekommt. Die Idee, van Dijk mit Lukaku zu binden, stellte sich als eine sehr richtige heraus. Bis auf die fragwürdige Aktion um Ruben Loftus-Cheek saßen auch seine Wechsel. Dennoch war Liverpool an diesem Abend das Team mit dem druckvolleren Matchplan. Nachdem vergangenes Jahr der Tisch mit Champions League, UEFA Supercup und Klub-WM reich gedeckt war, geht Chelsea diese Saison titellos aus. Note: 2,5.

Victor Catalina

Liverpool FC: Mit guter Kollektivleistung zum Pokalsieg

Alisson: War zweimal wichtig zur Stelle (28./47.) und auch sonst stets da, wenn er gebraucht wurde. Hielt den letzten Elfmeter gegen Mount stark. Note: 2,0

Trent Alexander-Arnold: Spielte wichtige Pässe und Flanken. Defensiv hier und da etwas wackelig, aber in der zweiten Halbzeit stark und oftmals entscheidend zur Stelle. Seinen Elfmeter verwandelte er souverän. Note: 2,5

Ibrahima Konaté: War zur Stelle, wenn ein Brandt drohte. Heute vor allem auch in der Spieleröffnung stark: 95 Prozent angekommene Pässe, sechs von sieben langen Bällen waren erfolgreich. Souveräner Auftritt des Franzosen. Note: 2,5

Virgil van Dijk (bis 90.): War zur Stelle, wenn es brenzlig wurde, war heute aber nicht ganz so souverän wie sonst eigentlich immer. Auch seine langen Bälle waren nicht immer präzise. Note: 3,0

Andrew Robertson (bis 111.): Verteidigte progressiv, sorgte so für die ein oder andere Balleroberung in höheren Zonen. Verlor aber auch eins, zwei entscheidende Bälle, wodurch hinten Gefahr entstand. Sorgte mit seinem Pfostentreffer beinahe für das späte Siegtor (84.). Note: 3,5

Naby Keïta (bis 74.): Bot sich gut zwischen den Linien an, beteiligte sich an Kombinationen und hatte seine Momente. Gegen den Ball mit ordentlicher Zweikampfführung. Note: 3,0

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Photo by Mike Hewitt/Getty Images

Jordan Henderson: Diszipliniert gegen den Ball, gutes Raumverhalten, was zuletzt nicht immer der Fall war. Bereinigte vieles und sorgte für einige wichtige Ballgewinne. Auch mit Ball in Ordnung. Note: 3,0

Thiago: Mit Ball am Fuß einwandfrei – mit Ausnahme eines gefährlichen Fehlpasses (40.). Gegen den Ball giftig und mit einigen Eroberungen in höheren Zonen. Seinen Elfmeter verwandelte er cool. Note: 2,5

Mohamed Salah (bis 33.): Gute Anfangsphase, in der er gleich für die nötige offensive Power sorgte. Danach fehlte ihm etwas die Bindung zum Spiel. Musste nach einer halben Stunde verletzt ausgewechselt werden. Note: 3,0

Sadio Mané: Guter Mix aus Tiefenläufen und Entgegenkommen, war heute mehr Initiator als Vollstrecker. Punktabzug für seinen vergebenen Elfmeter, der nicht gut platziert war. Note: 3,0

Luis Díaz (bis 98.): Gewohnt umtriebig und mit guten Bewegungen, war ein ständiger Gefahrenherd für den Gegner. Hatte einige ordentliche Chancen, das Tor wollte ihm allerdings nicht gelingen. Dennoch bester „Red“ an diesem Abend. Note: 2,0

Auswechslungen von Liverpool

Diogo Jota (33. für Salah): War vorne sehr aktiv, kam zu einigen ordentlichen Torabschlüssen. Auch im Pressing aktiv und wichtig. Seinen Elfmeter verwandelte er souverän. Note: 3,0

James Milner (74. für Keïta): Biss sich nach seiner Auswechslung in die Partie. Im Passspiel nicht immer ganz sauber, dafür mit einer starken Flanke auf Robertson, der den Pfosten traf (84.). Obendrein verwandelte er seinen Elfmeter höchstsouverän. Note: 3,0

Joël Matip (90. für van Dijk): War in der Crunchtime eine verlässliche Stütze. Löschte, wenn es brenzlig zu werden drohte, einmal wichtig in der 94. Minute. Note: 2,5

Roberto Firmino (98. für Díaz): War nach seiner Einwechslung so gut wie gar nicht ins Spiel eingebunden, spielte genau drei Pässe. Auch sein Elfmeter war nicht gut platziert, Mendy war mit den Fingerspitzen dran. Note: 4,0

Konstantinos Tsimikas (111. für Robertson): Hatte trotz wenig verbleibender Spielzeit seine Aktionen. Blieb beim entscheidenden Elfmeter cool und verwandelte souverän. Note: 3,0

Jürgen Klopp: In der regulären Spielzeit war seine Mannschaft in nahezu allen relevanten Statistiken vorn, und das äußerte sich auch auf dem Platz. Liverpool war mit wie gegen den Ball die griffigere Mannschaft und erzeugte mehr Torgefahr als Chelsea. In der Verlängerung ging nicht mehr viel, dafür dosierte Klopp die Kräfte sinnvoll, konnte trotz der frühen unumgänglichen Salah-Auswechlung in der Verlängerung noch viermal tauschen. Klopp holt sich seinen ersten FA Cup, und der ist – selbst ausschließlich auf dieses Finale bezogen – nicht unverdient. Note: 2,5

Michael Bojkov

Craig Pawson: Ließ sich kaum etwas zu Schulden kommen. Das Spiel gab es allerdings auch nicht her. Ruhige Spielleitung in einer äußerst fair geführten Partie. Auch in der Zweikampfbewertung nachvollziehbar. Note: 2,0.

Spielnote: Das Finale des Carabao Cups war das wohl spektakulärste 0:0 dieses Jahrzehnts. Dieses Endspiel verlief im Vergleich dazu wesentlich kontrollierter. Beide Mannschaften hatten ihre Phasen und Großchancen, Letztlich ging jedoch kein Team ins letzte Risiko. Spätestens Mitte der Verlängerung waren die Akteure stehend K.O., sodass die letzten 15 Minuten ereignislos vor sich hinplätscherten. Auch spielerisch nicht so hochklassig, wie beispielsweise das 2:2 an der Stamford Bridge in der Premier League. Note: 3,0.

Photo by Shaun Botterill/Getty Images

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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