Deutschland in der Einzelkritik: Fehlende Präzision und ein herausragender Müller

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4:0 besiegte Deutschland Nordmazedonien am Montagabend, machte damit die WM-Qualifikation perfekt. Es war ein Abend, an dem vieles wie erhofft lief – aber erst nach der Pause.

Defensive kaum gefordert, Müller glänzt einmal mehr

Im ersten Durchgang präsentierte sich die DFB-Elf fahrig und unpräzise, hatte sichtlich Schwierigkeiten in die Partie zu finden. Der Treffer von Kai Havertz ließ das Spiel früh in Halbzeit zwei zugunsten Deutschlands kippen. Timo Werner machte mit einem Doppelpack den Sieg endgültig klar, bevor Jamal Musiala sein erstes Länderspieltor feiern durfte. Die Einzelkritik zum 4:0-Erfolg.

Manuel Neuer (FC Bayern): Einmal vom Siegtorschützen aus dem Hinspiel, Eljif Elmas, „gefordert“, ansonsten ausschließlich elfter Feldspieler. Beruhigte die bisweilen hektische Partie vor der Pause. In Halbzeit zwei hatte er den besten Platz im Stadion, um seinen Vorderleuten beim Kombinieren zuzusehen. 3,0.

Lukas Klostermann (RB Leipzig): Durfte anstelle von Jonas Hofmann beginnen. Machte seine Sache ordentlich, wenngleich unauffällig. Defensiv sicher. Offensiv allerdings mit Verbesserungspotential. 3,0.

Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain): Klärte kurz nach dem 0:1 eine Elmas-Flanke gekonnt. Auch sonst mit deutlicher Steigerung zum Spiel gegen Rumänien. Strahlte, wenn gefordert, Ruhe und Sicherheit aus. 2,0.

 



 

Niklas Süle (FC Bayern): Auch Süle war nach der Pause nur bedingt noch Verteidiger. Schaltete sich ab und zu in die Offensive ein. Ansonsten eine solide Leistung des Müncheners. 2,5.

David Raum (TSG Hoffenheim): Gab in Skopje sein Startelfdebüt und trieb die Mannschaft vor allem in der ersten Hälfte mit seinen Flankenläufen immer wieder an. Den Hereingaben fehlte es letztlich an Präzision. Doch in den 90 Minuten konnte David Raum definitiv beweisen, dass er eine Alternative zum momentan verletzten Robin Gosens sein kann. 3,0.

Joshua Kimmich (FC Bayern): Wirkte bisweilen etwas überspielt. Hatte im ersten Durchgang den ein oder anderen Fehlpass drin, den man von ihm eher selten sieht. Führte 20 Minuten vor Schluss einen Freistoß geistesgegenwärtig schnell aus, der letztlich das 0:2 durch Timo Werner brachte. Die Tatsache, dass den Nordmazedoniern im zweiten Durchgang die Luft ausging, machte auch seine Arbeit um einiges einfacher. 3,0.

Leon Goretzka (FC Bayern): Auch Kimmichs Gegenpart sah man an, dass er eine Pause dringend gebrauchen könnte. In Skopje bei Weitem nicht mit der Autorität, Präsenz oder Torgefahr unterwegs, die man von ihm gewohnt ist. Machte nach einer Stunde für Florian Wirtz Platz und kann bis Sonntagnachmittag, wenn Bayer Leverkusen den FC Bayern empfängt, die Batterien aufladen. 4,0.

Kai Havertz (Chelsea FC): Nach nicht einmal zwei Minuten bediente er Joshua Kimmich, dessen Kopfball Stole Dimitrievski noch entschärfen konnte. Stand in Minute 50 goldrichtig, um Müllers Querpass zu verwerten und Deutschland auf Kurs zu bringen. Dazwischen auch defensiv durchaus engagiert, mit einigen guten Ballgewinnen, aber auch noch etwas zu viel Streuung. Musste nach einer Stunde für Karim Adeyemi weichen. 3,0.

Photo by Alex Grimm/Getty Images

Thomas Müller (FC Bayern): Zeigte einmal mehr, warum weder beim FC Bayern, noch beim DFB ein Weg an ihm vorbeiführen sollte. Hatte vor der Pause eine der wenigen Großchancen, als er einen Kopfball artistisch am Pfosten vorbeisetzte. Im zweiten Durchgang mit dem entscheidenden Ballgewinn und Tiefenlauf vor dem 0:1, legte zudem mit Übersicht für Havertz quer, anstatt einfach selbst draufzuhalten. Leitete die Kugel vor dem 0:2 gekonnt zu Timo Werner weiter. Ein Treffer war ihm diesmal nicht vergönnt, dafür mutmaßlich ein Stammplatz nächsten Winter. 2,0.

Serge Gnabry (FC Bayern): Engagiert, wenngleich wesentlich unauffälliger, als gegen Rumänien. Leistete sich im Konter einige technische Fehler, die die Angriffe letztlich zunichtemachten. Auch im Abschluss ausbaufähig. Bekam von Hansi Flick die letzte Viertelstunde frei. 3,5.

Timo Werner (Chelsea FC): Es war ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Timo Werners. Vor der Pause stand noch ein hadernder Timo Werner auf dem Platz, der abermals eher ungelenk wirkte und dem nicht viel gelingen wollte. Packte, wie es Lothar Matthäus beschrieb, „seine ganze Wut“ in den Abschluss zum 0:2, drei Minuten später gelöst und technisch fein zum 0:3. Ganz im Stile, des Timo Werners, der 2019/20 für RB Leipzig 28 Bundesligatore erzielte. Der Doppelpack wird ihm auch für die Spiele mit Chelsea Selbstvertrauen geben. 2,5.

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Auswechslungen von Deutschland: Musiala sticht als Joker, Wirtz braucht noch Zeit

Florian Wirtz (Bayer Leverkusen, ab 61′): Kam nach einer Stunde für Leon Goretzka ins Spiel und demonstrierte in einigen Situationen mit guten Pässen sein fußballerisches Potential. Dennoch tut er sich in der Nationalmannschaft noch wesentlich schwerer, als in Leverkusen. Möglich, dass er in der kommenden Länderspielpause gegen Liechtenstein und in Yerevan – mit der gesicherten WM-Qualifikation – auch seinen ersten Startelfeinsatz bekommt. Wird von Hansi Flick langsam herangeführt werden. In Skopje bis auf Weiteres eher unauffällig. 3,5.

Karim Adeyemi (RB Salzburg, ab 61′): Ersetzte zur Stundenmarke Kai Havertz. Bekam gegen Nordmazedoniens dicht gestaffelte Defensive eher selten die Gelegenheit, sein Pace auszuspielen. Vergab eine Viertelstunde vor Schluss nach klasse Vorlage von Thomas Müller frei vor Dimitrievski das 0:4. Handlungsschnell in Minute 83, als er nach Ballgewinn Jamal Musiala schickte und sich damit den Assist abholte. Keine Glanzleistung. Aber ein Auftritt, auf dem sich definitiv aufbauen lässt. 3,0.

Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach, ab 74′): Kam für Serge Gnabry ins Spiel und machte seine Sache auf der Außenbahn souverän. Nach vorne durchaus bemüht. Zählbares war für den Gladbacher am Montagabend aber nicht drin. 3,0.

Jamal Musiala (FC Bayern, ab 74′): Das perfekte Spiel für den Youngster, der sich mit seinen außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten und seiner engen Ballführung in engen Räumen so wohl wie kaum jemand in der Mannschaft fühlt. War sofort ins Spiel eingebunden, zeigte sich spritzig und kreativ. Eröffnete zudem sieben Minuten vor Schluss frei vor Dimitrievski sein Torekonto in der Nationalelf. Liefert er weiterhin so zuverlässig, wird Musiala noch vor seinem 20. Geburtstag sowohl EM-, als auch WM-Erfahrung gesammelt haben. 2,5.

Florian Neuhaus (Borussia Mönchengladbach, ab 83′): Muss sich im Verein momentan hinter Manu Koné anstellen. Auch in der Nationalmannschaft gilt es für Florian Neuhaus, um seinen Platz zu kämpfen. Von Hansi Flick bekam er zehn Minuten, in denen er mithalf, das Ergebnis sicher ins Ziel zu bringen. Und das tat er auch. Dürfte in der kommenden Länderspielpause einige Minuten mehr erhalten, um auf sich aufmerksam zu machen. 3,0.

Hansi Flick: Copy and Paste. Erneut agierte seine Mannschaft in den ersten 45 Minuten nicht zwingend genug und ließ sämtliche Präzision im Offensivspiel vermissen. Mit dem Unterschied, dass der Rückstand diesmal ausblieb. Fand in der Kabine die richtigen Worte und durfte – wie seinerzeit Joachim Löw – den fünften Sieg im fünften Spiel feiern. Hielt an Timo Werner fest, der das Vertrauen per Doppelpack zurückzahlte. Lag zudem einmal mehr mit seinen Auswechslungen goldrichtig. Mit Jamal Musiala fand der nächste Joker den Weg auf die Anzeigetafel. Vor dem Spiel gegen Rumänien gab Hansi Flick die Marschroute aus, nach zwei enttäuschenden Turnieren wieder in die Weltspitze zurückkehren zu wollen. Die Basis dafür ist gelegt. 2,5.

Danny Makkelie: Ein Spiel, ohne große Aufreger. Weil es Danny Makkelie auch zu einem Spiel ohne große Aufreger werden ließ. Hatte die Partie über 90 Minuten im Griff, vor allem, als es während der ersten Hälfte bisweilen hitzig wurde. Der Führungstreffer von Kai Havertz erleichterte auch dem Unparteiischen die Arbeit enorm. Ein letztendlich souveräner Auftritt des Niederländers. 2,0.

Spielnote: Vor der Pause noch zerfahren und auf überschaubarem Niveau. Im zweiten Durchgang wurde die DFB-Elf schließlich dem Favoritenstatus gerecht. Spannung kam über die gesamte Spieldauer nicht auf, da den Nordmazedoniern ohne den zurückgetretenen Goran Pandev offensiv die Durchschlagskraft fehlte. Eljif Elmas war mehr oder minder auf sich allein gestellt. So hatte die deutsche Mannschaft nach dem Führungstreffer leichtes Spiel und konnte vier sehenswerte Treffer erzielen. Unterm Strich wird dieser Abend in Skopje voraussichtlich aber nicht für längere Zeit Gesprächsthema bleiben. 3,5.

Photo by Alex Grimm/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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